11.07.2019, 07.00 Uhr

60. Geburtstag: Tobias Moretti: Der Mann, der "Nein" zu Tom Cruise sagte

Mit "Kommissar Rex" wurde der Tiroler Tobias Moretti berühmt, doch die Rolle hat er längst hinter sich gelassen. Inzwischen stand er Seite an Seite mit den ganz großen Stars vor der Kamera. Seit 20 Jahren ist er aber auch Bio-Landwirt. Nun wird er 60 Jahre alt.

Tobias Moretti feiert seinen 60. Geburtstag Bild: imago/SKATA/spot on news

Tobias Moretti (60) war erst am Theater zuhause, bis er sich für den Schritt vor die Kamera entschied. Er wurde als Kommissar Richie Moser an der Seite von Kommissar Rex, einem Schäferhund, bekannt. Später spielte er an der Seite von berühmten Kollegen wie Ulrich Thomsen, Jean Reno, Sam Riley und Richard Harris. Die Rolle als Hitler in "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" lehnte er dennoch ab. Dem Theater blieb er stets treu und verkörperte 2017 den "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen. Seit zwanzig Jahren ist er nebenbei auch noch Landwirt. Am 11. Juli feiert der Tiroler seinen 60. Geburtstag.

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Tobias Moretti kam am 11. Juli 1959 als Tobias Bloéb in Gries am Brenner in Tirol zur Welt. Seine Eltern waren Waltraud Moretti und Harry Bloéb. Er wuchs in Tirol mit drei Brüdern auf, darunter der Schauspieler Georg Bloéb (51, "Schweinskopf al dente"). Da seine Mutter italienische Vorfahren hat, spricht auch Moretti perfekt Italienisch. Den Geburtsnamen seiner Mutter nahm Moretti im Jahr 1984 an.

Erst Tirol, dann Wien und weiter nach München

Die Zeit in Gries verbrachte er in eher einfachen Verhältnissen und ging mit seinen Freunden oft an den Fluss zum Angeln, in der Hoffnung auf den großen Fang, wie das Magazin "Mein schönes Zuhause" schreibt. Die Kindheit am Brenner habe ihn geprägt: "Ich empfinde die Natur als einen wunderbaren Lehrer. So wie die Rose nicht blüht und duftet, um uns zu gefallen, so begreift der Mensch in der Natur seine Relativität. Die Dinge da draußen und da droben waren vor uns da, und sie werden nach uns da sein."

Nach der Matura schrieb er sich für ein Kompositionsstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien ein, doch die Zeit in der Hauptstadt währte nicht lange. Moretti zog weiter, um 1981 an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München sein Glück zu versuchen. Direkt von dort wurde er am Bayerischen Staatsschauspiel engagiert, 1986 wechselte er an die Münchner Kammerspiele.

Die Arbeit am Theater betrachtet er im "falstaff"-Interview als zweischneidiges Schwert: "Jede Vorstellung ist ein Abenteuer. Aber je besser das Stück gearbeitet ist, je hermetischer, umso klarer ist auch der Rahmen. Dann ist es auch möglich, die Emotionen nach der Vorstellung nicht mit dir nach Hause zu nehmen. Bei den Proben allerdings wird man da weniger losgelassen und ist bei Tag und bei Nacht mit Haut und Haaren gefangen."

Vom Theater zu "Kommissar Rex" und weiter

Ende der 1980er Jahre folgte dann der Schritt vor die Kamera. Moretti bekam seine erste größere Rolle als Bauernsohn Joe in der bitterbösen TV-Satire "Die Piefke-Saga" (1990/1994). Den Durchbruch feierte er allerdings als Kommissar Richard "Richie" Moser an der Seite von "Kommissar Rex". Von 1994 bis 1998 verkörperte er "Österreichs liebsten Schwiegersohn" in 45 Folgen, bis ihn die Lust verließ und Richie den Serientod sterben musste.

Neben den "Kommissar Rex"-Dreharbeiten fand er noch genügend Zeit, um Filme zu drehen. In "Das ewige Lied" (1997) verkörperte er den Dichter und Priester Joseph Mohr (1792-1848), der den Text zum Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht" verfasste. 1998 folgte die Heimatbuch-Verfilmung "Krambambuli" mit Christine Neubauer (57), bis 2001 auch einige italienische Produktionen.

Dann aber spielte er neben Christoph Waltz (62) im Sat.1-Film "Der Tanz mit dem Teufel" (2001), in dem es um die Entführung des Studenten Richard Oetker ging. Es wurde einer der erfolgreichsten Filme des Jahres.

An der Seite der großen Stars

Im Folgejahr war Moretti im kanadischen Thriller "Dass du ewig denkst an mich" mit "Stargate - Kommando SG-1"-Star Michael Shanks (48) zu sehen. Im selben Jahr verkörperte er die wohl bekannteste historische Figur seiner Heimat, den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer (1767-1810) in "Andreas Hofer - Die Freiheit des Adlers". Die Miniserie "Julius Caesar" brachte ihn dann endgültig an die Seite von echten Weltstars wie Dumbledore-Darsteller Richard Harris (1930-2002) und "James Bond"-Bösewicht Christopher Walken (76).

Nach dem Historiendrama "Schwabenkinder" (2003) nahm Moretti die Rolle des krebskranken Polizisten Stefan Lindman in der preisgekrönten Henning-Mankell-Verfilmung "Die Rückkehr des Tanzlehrers" (2004) mit Veronica Ferres (54) und Maximilian Schell (1930-2014) an. Bei den Dreharbeiten in Schweden entdeckte er auch seine Leidenschaft fürs Radfahren. 2005 spielte er zudem in der Literaturverfilmung "Der Liebeswunsch" mit dem dänischen Hollywood-Star Ulrich Thomsen (55, "Königreich der Himmel") mit.

"Nein" zu Tom Cruise

In "Speer und Er" (2005) war er dann als Adolf Hitler zu sehen. "Als Künstler kenne ich keine Moral", sagte Moretti zu "Mein schönes Zuhause". "Um darstellerische Ergebnisse zu erzielen, muss man manchmal auch kompromisslos und unbarmherzig sein, auch ungerecht gegen die eigenen Gefühle. Wenn ich Hitler spiele, muss ich ihn zunächst verteidigen, so paradox und böse das klingen mag."

Diese Einstellung zur Rolle brachte ihm ein Angebot für Bryan Singers (53) "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" (2008) ein. Er sollte noch einmal die Rolle des Nazi-Diktators an der Seite von Superstar Tom Cruise (57) übernehmen. Doch Moretti lehnte ab. Wie sein Büro der "APA" damals erklärte, sei er angefragt und vorgesehen gewesen für die Rolle, sagte aber wegen eines bestehenden Vertrages für den österreichischen Film "Das jüngste Gericht" (2008) ab.

In "1½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde" (2008) war er der Schwarze Ritter, während Bruder Gregor als Kerkermeister auftrat. Als nächsten Kinofilm suchte er sich mit "Jud Süß - Film ohne Gewissen" aber wieder ein ganz anderes Pflaster aus. Im Fernsehen ist er bis heute häufig in Krimis zu sehen, spielte aber auch im Kindermissbrauchs-Drama "Im Namen meines Sohnes" (2016) und der Thriller-Serie "Bad Banks" (seit 2018) mit. Zudem ist er immer wieder in der österreichischen Krimikomödienreihe "Landkrimi" dabei - kein Wunder, schließlich beherrscht Moretti alle österreichischen Dialekte.

Knallharte Rolle in "Das finstere Tal"

Nach dem Yeti-Kinderfilm "Yoko" (2012) folgte 2014 mit dem vielfach preisgekrönten Alpenwestern "Das finstere Tal" einer seiner größten Karriereerfolge. Er spielte den Antagonisten Hans Brenner, der dem Amerikaner Greider (Sam Riley, 39, "Maleficent - Die dunkle Fee") gegenübersteht. Eine ähnliche Rolle hatte er als Gegenspieler von Jean Reno (70) im Drama "Wie Brüder im Wind" (2015). Schon 2014 spielte er in der irrwitzigen Komödie "Therapie für einen Vampir" die Hauptrolle des Blutsaugers Graf Geza, der sich, seines untoten Lebens überdrüssig, zu Sigmund Freund auf die Couch begibt.

Auch dabei war er im Simon-Brenner-Krimi "Das ewige Leben" (2015) und dem brutalen Action-Thriller "Die Hölle - Inferno" (2017). Seine bislang letzten Streifen für die große Leinwand waren "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm" (2018) und der bei den Filmfestspielen in Cannes hochgelobte "Ein verborgenes Leben" (2019) von Regisseur Terrence Malick (75), dem letzten Film der beiden Stars Michael Nyqvist (1960-2017) und Bruno Ganz (1941-2019).

Preisgekrönt und dem Theater treu geblieben

Zweimal erhielt er den Grimme-Preis ("Krambambuli" und "Der Tanz mit dem Teufel"), mehrere Romys und neben dem Bayerischen Fernseh- ("Kommissar Rex") auch den Bayerischen Filmpreis ("Das finstere Tal"). Man verlieh ihm das Ehrenzeichen des Landes Tirol, er war Pfeifenraucher des Jahres, Tiroler des Jahres und Österreicher des Jahres.

Dem Theater kehrte er dennoch nie komplett den Rücken zu. So war er am Burgtheater in Wien zu sehen, wie 2009 in "Faust - Der Tragödie erster Teil". 2017 spielte er bei den Salzburger Festspielen dann den berühmten "Jedermann". Aber auch als Opernregisseur betätigte er sich: Für die Mozartwerke "Don Giovanni" in Bregenz und "La finta giardiniera" in Zürich.

Im Privatleben passionierter Bio-Bauer

Privat ist Moretti ein eher zurückgezogener Mensch. Er heiratete 1997 seine Frau Julia, mit der er drei Kinder hat. Die älteste Tochter Antonia (21) ist bekannt aus der Sky-Serie "Der Pass" (seit 2019). Neben dem zwei Jahre jüngeren Sohn Lenz gibt es auch noch die kleine Rosa. "Sie war ein glücklicher Betriebsunfall. Sie ist herrlich, einfach der Wahnsinn und erfüllt hundertprozentig das Klischee von einem Nachzügler", erzählte er der "Bild". Gemeinsam lebt die ganze Familie auf einem 400 Jahre alten Bauernhof in Ranggen, einem Ort westlich von Innsbruck.

Moretti ist auch diplomierter Öko-Bauer. Er betreibt eine Rinderzucht und geht früh am Morgen zum Ausmisten in den Stall. Seine Bio-Zucchini werden als "Bergzucchini" im Supermarkt verkauft, schreibt "falstaff". Der passionierte Landarbeiter hat sogar den "Eckart-Witzigmann-Preis" für seinen "kulinarischen Verdienst" eingeheimst.

"Es gibt hier zwei Welten, die sich wunderbar ergänzen. Unser Leben als Künstler und als Landwirte. Aber manchmal ist es so, dass die eine Welt kein Erbarmen mit der anderen hat", sagt Moretti. Auf der anderen Seite des Inntals, in Telfs, wohnt Bruder Gregor mit seiner Frau, Schauspielerin Nina Proll (45, "Vorstadtweiber").

Ralleyverrückt und abenteuerlustig

Dass die motorsportbegeisterten Brüder irgendwann auf die Idee kamen, 2013 am Nachfolger der Rallye Paris-Dakar mit dem Motorrad teilzunehmen, fand Proll laut "Gala" anfangs blöd und Julia Moretti irrwitzig. "Ich wünsche dem Tobias, dass er im nächsten Leben als seine Frau auf die Welt kommt", zitiert "Der Standard". Seine Frau frage ihn dann, ob er ein Getriebener sei, so Moretti zu "Bild". "Sie hat gesagt: Wo willst du noch hin? Ich habe geantwortet: 'Ich weiß es nicht, die Lust treibt mich an.'" Doch unumwunden ehrlich gibt er auch zu: "In meinem Leben kenne ich mich schon lange nicht mehr aus."

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