07.09.2018, 12.59 Uhr

Helene Fischer: Statement gegen Rechts! Schlagerstar bricht sein Schweigen

Mit einem Konzert in Chemnitz haben neben Kraftklub zahlreiche Künstler ein Zeichen gegen Rechts gesetzt. So manch einer hätte sich auch Helene Fischer dort gewünscht, aber die Sängerin schweigt - und dafür hagelt es jede Menge Vorwürfe.

VIDEO: Sie bricht ihr Schweigen!
Video: Itsin TV

Helene Fischer füllt mit ihren Auftritten ganze Arenen und begeistert ihre Fans. Aktuell holt die Schlagersängerin ihre Konzerte vom Frühjahr nach, die sie damals wegen eines Infekts absagen musste. Doch so mancher wünscht sich von der Sängerin noch viel mehr Engagement. Stichwort: Die Ausschreitungen in Chemnitz in den vergangenen Tagen.

65.000 Besucher bei Konzert gegen Rechts in Chemnitz

Zehntausende Menschen haben bei einem Open-Air-Konzert in Chemnitz unter dem Motto #wirsindmehr gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit protestiert. Mehrere deutsche Bands und Künstler hatten zu der kostenlosen Veranstaltung geladen, darunter Die Toten Hosen, Feine Sahne Fischfilet, Kraftklub, K.I.Z., Marteria, Casper, Nura von SXTN und Trettmann. Die Stadt Chemnitz sprach von geschätzten 65.000 Besuchern, Campino (56) von den Toten Hosen ("Hier kommt Alex") sagte auf der Bühne, dass es sogar 70.000 Teilnehmer seien. Auch wenn Helene Fischer nicht zu den Künstlern gehörte, die auf der Bühne sangen, war sie dennoch Thema - oder besser gesagt ihre Abwesenheit.

Helene Fischer soll ein Statement in Chemnitz setzen

So sehr Helene Fischer Stadien zum Beben bringen kann, bei politischen Statements hält sich die Sängerin doch sehr bedeckt. Das machte erst Anfang des Jahres ihre zögerliche Stellungnahme bei der Verleihung des Echos deutlich, als Kollegah und Farid Bang mit einem Antisemitismus-Skandals den Medienpreis förmlich sprengten. Und auch nach den aktuellsten Ereignissen schwieg Helene zu den Ausschreitungen in Chemnitz. Dabei könnte sie dort ebenso wie die Toten Hosen oder Kraftklub ein Konzert geben und ein Statement gegen Rassismus setzen. Das jedenfalls ist die Meinung der Streetart-Künstlerin Barbara. Auf Facebook wendet sie sich persönlich an Helene Fischer.

"Sehr geehrte Helene Fischer, ich persönlich würde es krass gut finden, wenn Sie im Lauf der nächsten Tage eine Lücke in Ihrem Terminkalender finden könnten, um ein Konzert gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Chemnitz zu geben. Im Rahmen von #wirsindmehr
(Ihr Terminkalender ist natürlich gigantisch voll, ich hab gerade ihre Tourdaten gecheckt- echt heftig!) (aber ich dachte, ich frag trotzdem mal nach)", schreibt sie in ihrem Beitrag. Der ist inzwischen über 21.000 gelikt worden. Die Mehrzahl begrüßt den Vorschlag und zeigt sich begeistert. Es gibt aber auch deutliche Kritik in Richtung der Schlagersängerin.

Vorwürfe gegen Helene: Nicht genug Ar*** in der Hose!

Bereits auf dem Konzert in Chemnitz am Montag ließ der Moderator eine Spitze gegen die Schlagersängerin fallen und grüßte sie explizit, als er über Künstler sprach, die sich nicht engagieren. Die Kommentatoren unter Barbaras Facebook-Beitrag schlagen ähnliche Töne an. "Es wäre allein schon mal schön, wenn sie genug Arsch in der Hose hätte und sich mal gegen rechts stellen würde. Aber leider könnte man ja dadurch Fans verlieren, die eine andere Meinung vertreten...", "Diese Helene Fischer hält sich schon immer aus allem raus! Dabei könnte sie ihre Macht über ihre Fans so gut für das Gute, gegen Hass und Hetze, nutzen!!!" oder "Liebe Barbara. Du erwartest echt dass Frau Fischer oder andere 'Mainstreamkünstler' eine klare Position gegen einen Teil der eigenen Fans beziehen?", heißt es dort.

Helene Fischer macht den Pumuckl statt klare Ansagen

Geäußert hatte sich Helene selbst zu dem Vorschlag nicht - was auch kaum verwunderlich ist. Zur Zeit gibt sie, wie Barbara richtig angemerkt hat, zahlreiche Konzerte. In ihrem Social-Media-Profil findet sich denn auch nur ein aktueller Videoclip, der bei ihrem Comeback in der Mannheimer SAP-Arena entstanden ist. Darin ist ein Ausschnitt ihres wahrlich elektrisierenden Auftritts zu sehen, bei dem Helene die Haare zu Berge stehen. Unterlegt ist die kurze Sequenz mit dem Titellied von Pumuckl. Klar, das ist ein Scherz auf eigene Kosten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte mutet das aber keinesfalls vorteilhaft für sie an.

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Helene Fischer meldet sich DOCH

Aber Helene belässt es nicht dabei und sie gibt dem Druck nach. Mit ihrem neuesten Instagram-Beitrag vom Dienstag Mittag meldet sie sich zu Chemnitz zu Wort. "Wir können und dürfen nicht ausblenden, was zur Zeit in unserem Land passiert, doch wir können zum Glück auch sehen wie groß der Zusammenhalt gleichzeitig ist - das sollte uns stolz machen."

Helene Fischer bezieht bei einem Konzert in Berlin eindeutig Stellung

Wie erwähnt schrieb Helene Fischer auf ihrem Instagram-Account "Wir können und dürfen nicht ausblenden, was zur Zeit in unserem Land passiert". Dem ließ sie selbst am gleichen Abend bei ihrem Konzert in Berlin Taten folgen. Wie die Huffington Post berichtet, habe Helene Fischer beim ersten ihrer fünf Konzerte in Berlin einen Appell an ihre Fans gerichtet:

"Ich äußere mich nicht zu Politik. Meine Sprache ist die Musik. Doch auch ich verfolge, was in der Welt passiert... Und deswegen heute Abend, jetzt und hier gemeinsam mit euch... Wir setzen auch ein Zeichen. Und ich möchte jetzt und hier, dass keiner mehr sitzen bleibt. Erhebt euch. Erhebt gemeinsam mit mir die Stimme. Gegen Gewalt. Gegen Fremdenfeindlichkeit. Und lasst uns gemeinsam dieses Lied singen: "Wir brechen das Schweigen" - hier in Berlin. Seid ihr mit mir?"

Wenig später sangen die derart mobilisierten Fans wie aus einer Kehle Helenes Song "Wir brechen das Schweigen". Das sollte so manchen Kritiker verstummen lassen...

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