Hans-Dietrich Genscher gestorben: So trauert die Politik: Abschied vom "Architekt der Einheit"

Deutschland nimmt Abschied von dem Mann, der den Weg zur Wiedervereinigung ebnete. Hans-Dietrich Genscher verstarb am Donnerstag im Alter von 89 Jahren. Viele Kollegen aus der Politik bekunden ihre Trauer.

FDP-Vorsitzender Christian Lindner bezeichnet Hans-Dietrich Genscher als "Architekt der Einheit". Er hatte den sogenannten "2+4"-Vertrag mit in die Wege geleitet und damit maßgeblich zur Wiedervereinigung beigetragen. Bild: imago/Reiner Zensen

Die Welt trauert um einen Politiker, der maßgeblich dabei geholfen hat, Deutschland zu dem zu machen, was es heute ist. Hans-Dietrich Genscher war zwischen 1969 und 1974 als Innen-, danach bis 1992 als Außenminister der Bundesrepublik tätig und einer der Schlüsselfiguren der Deutschen Einheit. Am Donnerstag verstarb er an Herz-Kreislaufversagen im Alter von 89 Jahren. Politiker und Bewunderer nehmen traurig Abschied.

Hans-Dietrich Genscher - "Architekt der Einheit"

In diesem Buch schildert Hans-Dietrich Genscher "Meine Sicht der Dinge".

Ein gelber Pullunder galt als Genschers Markenzeichen, nun ist dieser schwarz. (Twitter.com/c_lindner)

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner verlieh seiner Trauer gleich in mehreren Tweets Ausdruck, schrieb zunächst: "Gestern Nacht ist Genscher gestorben: der Architekt der Einheit, einer der Begründer der EU und unser väterlicher Freund". In einem zweiten Post bescheinigte er, Genscher habe Geschichte geschrieben "und unser Land geprägt". "Wir haben ihm viel zu verdanken. Unsere Trauer kann nicht größer sein". Wenig später twitterte er zudem das Bild eines Pullunders - das Markenzeichen des Verstorbenen, statt gelb jedoch eingefärbt in der Farbe der Trauer.

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Heiko Maas: "Große Trauer um Hans-Dietrich Genscher"

Auch SPD-Politiker Heiko Maas verspürt "Große Trauer um Hans-Dietrich Genscher". Deutschland verliere einen "großen Staatsmann". Dr. Tobias Lindner (Bündnis 90/Die Grünen) schreibt: "Wenn man Menschen meiner Generation nachts weckt und fragt, wie der Außenminister heißt, würden viele immer noch Genscher antworten. R.I.P."

Die FDP trifft es hart in diesem Jahr

Moderator Micky Beisenherz bemerkt "2016: Der Tod ist FDP-Wähler". Erst am 18. März war Guido Westerwelle (FDP) den Folgen seiner Krebserkrankung erlegen. Auch Politikerin Dorothee Bär (CSU) stellt fest: "Die politische Landschaft kommt aus der Trauer nicht heraus. Gottes Segen lieber Hans-Dietrich Genscher". Ebenso schreibt Simone Peter (Bündnis 90/Die Grünen): "Die FDP trifft es wirklich hart in diesen Tagen. Unser Beileid und Verneigung vor einem großen Politiker".

Fußballer Christoph Metzelder erinnert sich: "Als Kind der Wiedervereinigung Deutschlands bleibt er mir unvergessen!" Sein unvollendeter Satz am 30. September 1989 auf dem Balkon der Prager Botschaft ging in die Geschichte ein: "Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise..." - der Rest war im Jubel der über 4.000 DDR-Bürger untergegangen, die endlich in die BRD ausreisen konnten.

Hermann Gröhe: "Ich wusste nicht, dass der Tod so nahe ist"

Kein Wunder, dass auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) weiß: "Er prägte die Außenpolitik unseres Landes und den Weg zur deutschen Einheit". Auch er trauere um Hans-Dietrich Genscher. "Ich wusste zwar, dass es ihm nicht gut ging, aber ich wusste nicht, dass der Tod so nahe ist!", erklärt der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) im Gespräch mit "Bayern 1". Genscher und er pflegten in den vergangenen Jahren einen engen Kontakt. "Er hatte ein unglaubliches Gespür für politische Entwicklungen und hat Deutschland zu seiner Zeit sehr zukunftsorientiert begleitet", so Waigel.

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