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Hugo Egon Balder: Familie entging knapp dem Todeszug nach Auschwitz

Hugo Egon Balder ist vor allem als Vertreter der deutschen Unterhaltungsbranche bekannt. Doch er kann auch ernste Töne anschlagen, wie er in einem bemerkenswerten Interview mit dem Magazin "Stern" beweist. Erstmals spricht er über das KZ-Drama seiner Familie.

Hugo Egon Balder zu Gast bei Markus Lanz. Bild: ddp images/spot on news

Er gilt als rotzfrecher Entertainer und Erfinder der legendären TV-Stripshow "Tutti Frutti". Für Millionen deutscher Fernsehzuschauer ist Hugo Egon Balder (65) ein typischer Vertreter der Generation Flachsinn im deutschen Fernsehen. Dass Balder weit mehr kann als nur Unterhaltung, hat er als Schauspieler, Kabarettist und Musiker hinreichend bewiesen. Nun spricht er in einem bemerkenswerten Interview mit dem Magazin "Stern" von der dramatischen Geschichte seiner jüdischen Mutter während der Nazi-Zeit.

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Hugo Egon Balder: Familie war bereits im Zug nach Auschwitz

Wie schon zuvor bei Markus Lanz erzählt Hugo Egon Balder, dass er ausgerechnet dem 1962 in Israel hingerichteten Massenmörder Adolf Eichmann sein Leben zu verdanken habe. "Ja es ist ein makabrer Witz. Es ist unfassbar, dass Eichmann aus bürokratischem Eifer in diesem Fall zum Lebensretter wurde. Es war 1943. Meine Mutter und mein Bruder Peter sollten nach Ausschwitz deportiert werden, sie stiegen ein in den Zug, aber Eichmann stellte fest, dass in den Unterlagen kein Kind vermerkt war und bei meiner Mutter ein anderer Vorname. So durfte sie wieder raus aus diesem Todeszug. Kurz danach kam sie nach Theresienstadt, das kein Vernichtungslager war."

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Hugo Egon Balder lernte: "Sag bloß nie, dass du Jude bist!"

Gerda Balder hat mit ihren Sohn Peter das Grauen überlebt und später ihren Kindern eingebläut: "Sag bloß nie, dass du Jude bist!" Über ihre KZ-Zeit habe sie nie gesprochen. "Nur einmal hat sie was erzählt. Dass sie mal mit 20 Frauen am Rand einer drei Meter tiefen Grube stehen musste, hinter ihnen waren SS-Leute mit Gewehren. Wer umfiel, wurde erschossen. Nach zehn Stunden fielen die ersten Frauen um. Meine Mutter stand da zwei Tage und zwei Nächte. Als Kind habe ich nie ihren Satz verstanden: 'Du hast keine Ahnung, was ein Mensch alles aushalten kann.'"

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KZ-Geschichte von Familie Balder totgeschwiegen

Auch Balders älterer Bruder Peter wollte über seine KZ-Erlebnisse nie sprechen. "Mein Bruder ist Jahrzehnte später an Spätfolgen des KZ gestorben, an TBC, er lebte nur noch von Kortison, hatte Glasknochen, und das hat ihn fertiggemacht. Ich denke, beide blieben, obwohl sie befreit schienen, Gefangene dieser Zeit."

Nach dem Tod der Mutter fand Hugo Egon Balder den Judenstern, den Gerda Balder aufbewahrt hatte. "Ich war fassungslos", sagte er dem "Stern". "Da guckte ich mitten rein in die Vergangenheit."

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