Vitali Klitschko: Kann Klitschko Bürgermeister?

Ex-Boxer Vitali Klitschko hat es endlich geschafft: Nach Wahlschlappen 2006 und 2008 ist er nun im dritten Anlauf zum Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew gewählt worden. Doch wird er sich in dem Amt auch durchsetzen können?

Petro Poroschenko gratuliert Vitali Klitschko zum Wahlsieg

Bild: imago/ITAR-TASS/spot on news

Vitali Klitschko (42) ist zum neuen Bürgermeister von Kiew gewählt worden. Mit seiner "Ukrainische demokratische Allianz für Reformen" errang er 56 Prozent der Stimmen. Doch kann sich der 2,01 Meter große Ex-Boxer im höchsten Amt der krisengeschüttelten ukrainischen Hauptstadt überhaupt durchsetzen? Die Nachrichtenagentur spot on news beantwortet die drei wichtigsten Fragen.

1. Was befähigt ihn für das politische Amt?

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Eigentlich nichts. Klitschko hat keine weitergehenden politischen Erfahrungen. Er kennt Kiew, ging dort zur Schule, hat ein Sportlehrerstudium absolviert und wurde an der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität mit der Dissertationsarbeit "Sportbegabung und Talentförderung" zum Doktor der Sportwissenschaften promoviert. Er ist auch kein besonders guter Redner, und in ukrainischen Comedy-Shows wird seine Redeweise gern auf die Schippe genommen. Bereits 2006 und 2008 hatte Klitschko bei den Bürgermeisterwahlen von Kiew ohne Erfolg kandidiert.

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2. Welche Macht hat er als Kommunalpolitiker?

Keine besonders große. In Kiew (2,8 Millionen Einwohner) hat das Bürgermeisteramt hat vor allem repräsentative Funktion. Die wichtigen Entscheidungen trifft der Vorsitzende der Stadtverwaltung, der direkt vom Präsidenten ernannt wird. Insider vermuten jedoch, dass der neugewählte Staatschef und Klitschko-Freund Petro Poroschenko seinen Vertrauten mit mehr Vollmachten ausstatten wird. Klitschko hat aber nur 18 Monate Zeit, die Mitbürger von seinen Fähigkeiten als Stadtoberhaupt zu überzeugen. Ende Oktober 2015 ist die nächste reguläre Wahl. Der ehemalige Box-Weltmeister hatte vorher abgekündigt: "Wenn ich Bürgermeister werde und mein Team in 500 Tagen keine effektive Arbeit nachweisen kann, dann wissen Sie, was ich verloren habe: meinen Ruf und Ihren Respekt. Ich werde alles tun, damit Sie Ihr Vertrauen zu mir nicht verlieren."

3. Promis in der Politik - kann das gut gehen?

Klitschko ist nicht der einzige Prominente, der in der Politik Karriere gemacht hat. Der Schauspieler Ronald Reagan (1911-2004) schaffte es sogar bis in Weiße Haus. Der ehemalige Westernheld war von 1981-1989 der 40. Präsident der USA. Der gebürtige Österreicher Arnold Schwarzenegger (66), berühmter Actionstar ("Terminator") und einst der erfolgreichste Bodybuilder der Welt, war von 2003 bis 2011 Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien. Nach seinem Abschied von der Politik steigt er wieder ins Filmgeschäft ein.

Auch die deutsch-griechische Sängerin Vicky Leandros (64) versuchte sich auch in der Politik, allerdings nicht sonderlich erfolgreich: 2006 wurde sie nach den Kommunalwahlen in Piräus als Kandidatin der sozialdemokratischen PASOK Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Kultur und internationale Beziehungen, doch schon eineinhalb Jahre später gab sie alle Ämter auf. Bereits 2001 und 2006 war sie in Hamburg und Berlin als Kultursenatorin im Gespräch.

Die renommierte griechische Schauspielerin ("Sonntags nie...") und Sängerin Melina Mercouri (1920-1994) kehrte nach dem Sturz der griechischen Militärjunta in ihr Heimatland zurück. 1981 wurde sie Kultusministerin; auf ihre Initiative geht die Einrichtung der jährlichen Kulturhauptstadt Europas zurück. Und auch der kürzlich verstorbene Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez aus Kolumbien mischte sich immer wieder in die Politik ein. Allerdings zerbrach an der Nibelungentreue der linken Gallionsfigur zu Fidel Castro die Freundschaft mit dem weltberühmten Kollegen Mario Vargas Llosa.

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