Die Toten von Hameln: Julia Koschitz: "Ein jüngerer Freund käme für mich infrage"

Schauspielerin Julia Koschitz hat es geschafft, sie bekommt die anspruchsvollsten Rollen und passt in keine Schublade. Ob das nur Glück war, verrät sie im Interview.

Die Österreicherin Julia Koschitz bei der Romy-Preisverleihung

Bild: imago/Eibner Europa/spot on news

Bekannt geworden ist die in Belgien geborene österreichische Schauspielerin Julia Koschitz (39, "Pass gut auf ihn auf") mit der Speed-Dating-Komödie "Shoppen". Seither hat sie geschafft, wovon viele Kollegen träumen: Weder passt die Wahl-Münchnerin in eine Genre-Schublade noch muss sie sich mit Film-Projekten über Wasser halten, hinter denen sie nicht wirklich steht.

Eine tolle Mischung aus Drama und Thriller mit witzigen Dialogen ist auch ihr neuer TV-Film "Die Toten von Hameln" (Montag, 19. Mai, 20.15 Uhr, ZDF), in dem sie als traumatisierte Chorleiterin Johanna Bischoff eigentlich nur einen Ausflug mit ihren Mädchen auf den Ith macht, jenen sagenumwobenen und von Höhlengängen durchzogenen Berg, in den vor gut 700 Jahren der Rattenfänger die Kinder geführt haben soll.

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Der Ausflug, bei dem auch ihr jüngerer Geliebter David (Hannes Wegener) dabei ist, wird dann doch zur Reise in die Vergangenheit - Wiedersehen mit dem Vater (Matthias Habich) und dem Ex-Freund, Polizist Jan Faber (Bjarne Mädel), inklusive. Mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht die Schauspielerin über junge Geliebte, ihre kluge Rollenauswahl und Phobien.

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Schauen Sie gerne Thriller?

Julia Koschitz: Komödien und Dramen und alles dazwischen habe ich wahrscheinlich häufiger gesehen. Trotzdem finde ich Thriller ein interessantes Genre, vor allem auch schauspielerisch, weil man sehr reduziert arbeiten muss und das Timing ein vollkommen anderes ist.

Wovor gruseln Sie sich privat: Spinnen, Mäuse, nachts allein sein?

Koschitz: Spinnen und Schlangen. Australien mit seiner diesbezüglich umfangreichen Tierwelt wäre sozusagen eine gewisse Herausforderung für mich... Richtige Phobien habe ich aber zum Glück keine.

Sehr viele Menschen sind von psychischen Leiden betroffen. Warum ist es dennoch ein Tabu-Thema?

Koschitz: Warum das immer noch so ein Tabu-Thema ist, ist mir ehrlich gesagt selbst ein Rätsel und sollte sich ändern. Ich finde, das psychische Leiden allein reicht eigentlich schon. Sich damit auch noch verstecken oder verbiegen zu müssen, ist eine unfaire Zusatzbelastung.

Wie überwinden Sie Lampenfieber?

Koschitz: Mir hilft das Wissen, dass es in dem Moment vorbeigeht, in dem ich auf die Bühne gehe, bzw. die Kamera läuft. Lampenfieber ist nichts angenehmes, aber ohne stimmt auch wieder was nicht. Für mich ist das einzige Gegenmittel gute Vorbereitung.

Was halten Sie von Paaren mit großem Altersunterschied?

Koschitz: Bei Männern wundert sich kaum jemand, wenn sie eine wesentlich jüngere Frau haben. Das ist seit Jahrhunderten üblich. Ich bin froh, in einer Zeit zu leben, in der Frauen dieses Modell auch umgekehrt leben können.

Käme ein jüngerer Freund für Sie infrage?

Koschitz: Ja, klar! Warum auch nicht? Wo die Liebe hinfällt...

Wie finden Sie es, dass viele Frauen heute später Kinder bekommen?

Koschitz: Ich denke, dass heutzutage viele Frauen deshalb später Kinder bekommen, weil sie erst sich selbst und ihren beruflichen Weg finden wollen, bevor sie eine Familie gründen. Außerdem gehen Beziehungen heute schneller in die Brüche, Partner werden häufiger gewechselt, entsprechend muss man erst mal den passenden Partner finden, um eine gemeinsame Zukunft planen zu wollen.

Apropos, Sie sind in Belgien geboren, aber eine österreichische Schauspielerin. Wie passt das zusammen?

Koschitz: Meine Familie kommt aus Österreich, entsprechend habe ich die österreichische Staatsbürgerschaft. Meine Eltern sind aber durch den Beruf meines Vaters oft umgezogen und so kam's, dass ich bis zu meinem 5. Lebensjahr in Belgien aufgewachsen bin. Dann sind wir nach Frankfurt gezogen. Dort habe ich dann auch bis zum Abitur gelebt. Danach habe ich in Österreich studiert und die ersten Engagements haben mich dann wieder nach Deutschland geführt.

Sie leben in München. Kein großer Drang nach Berlin zu ziehen?

Koschitz: Doch, klar. Früher wollte ich unbedingt nach Berlin oder nach Paris. Nach meiner Ausbildung in Wien bin ich für mein erstes Theater-Engagement aber nach Bayern gegangen, dann quasi immer dem Job nachgereist und schließlich in München hängengeblieben. Hätte mir aber auch Schlimmeres passieren können...

Ist es nur Glück, dass Sie so tolle Rollen angeboten bekommen, für die Sie auch schon mit Preisen ausgezeichnet worden sind?

Koschitz: Jein. Natürlich hatte ich Glück. Ich glaube aber auch, dass man die Dinge im Leben gestalten kann - zumindest versuche ich es. Und das bezieht sich auch auf die Rollenauswahl: Ich sage ab, was nicht zu mir passt. Das sind aber nicht nur Projekte, die mir nicht gefallen, sondern auch solche, die mir zum aktuellen Zeitpunkt nicht richtig erscheinen, die sich vielleicht nur mit einem vorherigen Projekt wiederholen. Wenn möglich, möchte ich nicht in eine Schublade gesteckt werden.

Das ist sehr mutig, viele Schauspieler würden lieber alles spielen, bevor sie arbeitslos sind.

Koschitz: So geht's mir schon auch, aber ich versuche mich darin zu disziplinieren. Natürlich ist es schwer, Angebote abzusagen, wenn die Sehnsucht gerade groß ist, einfach nur zu spielen. Deshalb versuche ich mir aber auch die finanzielle Freiheit zu bewahren, um Projekte nicht annehmen zu müssen.

Werden wir Sie also nicht so schnell im Dschungelcamp sehen?

Koschitz: Für mich wäre es nichts.

Hätten Sie mal wieder Lust auf eine Komödie?

Koschitz: Ich habe in den letzten Jahren zwar stetig in Komödien mitgewirkt, die Dramen waren aber tatsächlich im Fokus. Diesen Herbst kommt zum Beispiel eine kleine Münchner Low-Budget-Komödie namens "Bocksprünge" in die Kinos, in der ich mitspiele. Buch, Regie und die männliche Hauptrolle hat Eckhard Preuß. Außerdem spielen unter anderem Benjamin Sadler, Friedrich Mücke und Jule Ronstedt mit. Der Film wird vielleicht nicht mit 200 Kopien durch die Nation gepustet, ist aber eine wirklich sehr charmante und unterhaltsame Beziehungskomödie geworden.

In "Die Toten von Hameln" (19. Mai, 20.15 Uhr, ZDF) lieben Sie Nierchen. Was mögen Sie im echten Leben, das nicht jedermanns Sache ist?

Koschitz: Sicher nicht Nierchen und auch sonst keine Innereien. Eine Art Leidenschaft von mir sind getrocknete Feigen. Wenn ich welche dabei habe und sie jemandem anbiete ist die Reaktion 50:50 - vor allem Männer finden sie eher schrecklich.

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