Marcus H. Rosemüller: Stephan Zinner: "Eine heimliche Liebe ist mir zu stressig"

"Shoppen", "Dampfnudelblues", Derblecken und jede Menge Spaß verbinden die meisten mit dem bayerischen Künstler Stephan Zinner. Er ist aber auch ein verheirateter Familienvater. Im Interview erklärt er, wie viel Schlitzohr dennoch in ihm steckt.

"Im Schleudergang 1"- und Kabarett-Kollegen Monika Gruber und Stephan Zinner

Bild: imago stock&people/spot on news

Vor zehn Jahren nahm die Karriere von Stephan Zinner (39) Fahrt auf: 2014 stand der im oberbayerischen Trostberg geborene Schauspieler, Kabarettist und Musiker erstmals in seiner jetzigen Paraderolle als CSU-Politiker Markus Söder beim jährlichen Singspiel zum Starkbieranstich auf der Bühne des Münchner Nockherbergs. Wenig später startete er dann auch im Kino durch. Bemerkenswert ist dabei vor allem der Überraschungserfolg "Shoppen" (2007), der den Grundstein für so manche Schauspielkarriere legte. Neben Julia Koschitz ("Pass gut auf ihn auf!"), Lisa Wagner (BR-"Tatort") und Kathrin von Steinburg ("Der ganz große Traum") spielt Zinner darin - frei nach DJ Ötzi - den Partenkirchener Stier Jürgen, der nach München zieht, um die Damenwelt zu beglücken.

Recht viel mehr weibliche Fans hat ihm diese Rolle nicht eingebracht, sagt der dreifache Familienvater im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Tiefstapler oder nicht, man würde es wahrscheinlich irgendwo lesen, denn Heimlichkeiten sind nicht so Zinners Sache. So verrät er gerne auch schon mal ein paar Details über die vor kurzem abgedrehte "Dampfnudelblues"-Fortsetzung "Winterkartoffelknödel", in der er im Herbst wieder den Metzger Simmerl spielt. Derzeit sehen kann man den Wahl-Münchner entweder bei einem seiner Live-Auftritte oder in der BR-Serie "Im Schleudergang".

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Herr Zinner, Sie spielen seit inzwischen zehn Jahren, zuletzt am 19. März, den Politiker Markus Söder beim Singspiel zum Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg - hierzulande auch Politiker-"Derblecken" genannt. Wie viel beschäftigen Sie sich mit dem CSU-Mann in dem Jahr zwischen den Aufführungen, also zum Beispiel jetzt?

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Stephan Zinner: Kein bisschen. Einige Wochen vor der Aufführung bekomme ich von Autor und Regisseur, in dem Fall Thomas Lienenlüke und Regisseur Marcus H. Rosenmüller, die Texte und dann heißt es auswendiglernen und ab auf die Bühne zum Proben.

Wie hat sich das Singspiel in den vergangenen beiden Jahren unter Rosenmüllers Leitung verändert?

Zinner: Es ist wieder mehr ein Theaterstück, was mir sehr gut gefällt. Mit den eigens komponierten Liedern ist es außerdem ein Singspiel im eigentlichen Sinn. Sein Vorgänger hat es eher als Show inszeniert.

Der Aufwand ist ja gigantisch. Ist es nicht schade, das Singspiel dann nur einmal aufzuführen?

Zinner: Überlegungen, mit dem Stück dann nochmal irgendwo eine Woche lang zu gastieren, gibt es immer wieder. Das wäre ja auch nicht schlecht, andererseits hat es schon auch etwas, wenn es nur eine Aufführung gibt. Für alle, die performen, bedeutet diese eine Live-Sendung viel Aufregung. Schließlich ist es ein Unterschied, ob du vor zwölf Leuten im Kleinkunstkeller arbeitest oder von ein paar Millionen Zuschauern live im Fernsehen zu sehen bist.

Vielleicht vergleichbar mit dem Oktoberfest, das nur zwei Wochen im Jahr stattfindet, während der weitaus weniger attraktive Wiener Prater zum Beispiel eine Dauereinrichtung ist?

Zinner: Ganz genau. Und wenn die Kölner das ganze Jahr hindurch Karneval feiern müssten, würden ihnen vielleicht auch irgendwann der Spaß und die Kamelle ausgehen.

Welchen Unterschied macht es bei der Zusammenarbeit, dass Sie und Rosenmüller sich schon von anderen Projekten wie "Beste Zeit" (2007) und "Die Perlmutterfarbe" (2008) kennen?

Zinner: Eigentlich keinen großen. Er sitzt unten und schaut, ich steh oben und zeige und dann sagt er, ob es ihm gefällt oder nicht. Daran ändert sich nichts, egal, ob man sich kennt oder nicht.

Sie machen auch Kabarett. Sind Sie mit Ihrem "Fluch des Pharaos" nur in Bayern unterwegs?

Zinner: Bayern ist echt groß, was man erst merkt, wenn man durch das Land tourt. Und die Kleinkulturszene in Bayern ist auch richtig gut. Das wird da einfach gepflegt. Ab und zu bin ich aber auch in Düsseldorf.

Und wie läuft das dann in Düsseldorf?

Zinner: Sehr gut. Anfangs muss man ein bisschen aufpassen und an der Dialektschraube drehen. Da fange ich einfach Münchnerisch an und am Ende sind die Zuschauer auch beim Oberbayerischen dabei.

Warum kommen so viele gute Kabarettisten aus Bayern?

Zinner: Weil es hier eine große Kleinkunstkultur und genug Bühnen dafür gibt. Aber irgendwie glaube ich auch, dass dieses Derblecken im Grundnaturell des Bayern verankert ist.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus, wenn Sie nicht drehen oder auf der Bühne stehen?

Zinner: Heute habe ich das Kind in den Kindergarten gebracht, eingekauft, die Songs für das neue Programm geübt, die Texte für eine Lesung am Sonntag herausgesucht und durchgearbeitet - und ein Interview gegeben.

Und wie bilden Sie sich weiter, lesen Sie viele Zeitungen?

Zinner: Ich lese ganz normal Zeitung, wie die meisten anderen auch. Deshalb finde ich es auch nicht so effektiv, aus dem Gelesenen eine Zusammenfassung zu machen. Für mich ist es viel wichtiger rauszugehen und den Menschen zuzuschauen und zuzuhören: Beim Bäcker und Metzger passieren ganz sensationelle Sachen...

Bei machen Kabarettisten ist es so, dass die Freunde gar nicht unbedingt sagen würden, dass sie auch privat so lustig sind. Was würden Ihre Freunde sagen?

Zinner: Ich bin sicher nicht miesepetrig und dauernachdenklich. Ich versuche schon, mit einem gewissen Humor durchs Leben zu gehen. Dass das nicht immer geht, ist klar - wahrscheinlich würde das auch aufs Gemüt schlagen. Wenn es lustig ist, ist es lustig, und wenn es langweilig ist, ist es langweilig.

Wenn Sie heute an die Speed-Dating-Komödie "Shoppen" (2007) denken, was denken Sie dann?

Zinner: Dass es wahrscheinlich einer der besten Filme ist, die ich bisher gemacht habe. Als er neulich mal wieder im Fernsehen lief, wollte ich nur kurz reinschauen, habe ihn dann aber doch fertig angeschaut. Der ist richtig gut. Die Besetzung ist super und was der Ralf Westhoff mit einfachsten Mitteln, also eigentlich mit keinem Geld umgesetzt hat, ist wirklich toll. Für mich war es natürlich auch ein sehr guter Einstieg.

Und für viele andere auch: Julia Koschitz, Lisa Wagner, Kathrin von Steinburg...

Zinner: Absolut. Der Film war für uns alle das beste Casting, das man sich nur vorstellen kann.

Macht es einen Unterschied, dass so viele Theaterschauspieler dabei waren?

Zinner: Ja, ich denke schon. Denn der Film lebt von den Dialogen. Alle Schauspieler sind in ihren Rollen total aufgegangen und keiner wollte einfach nur schön sein, was beim Film ja schon ab und zu vorkommt.

Im Herbst sind Sie wieder als Metzger Simmerl im Nachfolger vom Kinofilm "Dampfnudelblues" zu sehen. Der Film ist abgedreht. Was können Sie denn schon verraten?

Zinner: Es ist das bewährte Team hinter der Kamera und der bewährte Cast davor, was schon mal extrem angenehm ist. Die Dreharbeiten haben wieder sehr viel Spaß gemacht, der Rhythmus war groovig, was ja auch kein Muss ist. Ich glaube, "Winterkartoffelknödel" wird sehr gut.

Was war besonders lustig beim Dreh?

Zinner: Besonders gut funktioniert hat die Szene mit dem Hund in der Metzgerei... Nach diesem zehnstündigen Dreh und unzähligen herzhaften Leberkäs-Semmeln, bin ich dann aber noch schnell vor an den Marktplatz von Frontenhausen und habe mir eine zuckersüße Quarktasche geholt - musste sein.

Derzeit sind Sie neben Gisela Schneeberger und Udo Wachtveitl in der zweiten Staffel der Serie "Im Schleudergang" (freitags, 22:00 Uhr, BR) zu sehen. Was macht für Sie den Reiz der Serie aus?

Zinner: Ganz klar: die Kollegen! Jeder kann spielen. Da kommt man ans Set und los geht's. Das ist schon sehr sehr angenehm.

"Nicht 'original verpackt', so gut wie 'original verpackt', habe ich gesagt...", lautet einer ihrer Sprüche als Michi in der Serie. Sie spielen ein Schlitzohr. Wie viel Schlitzohr steckt in Stephan Zinner?

Zinner: Eine gewisse Schlitzohrigkeit würde ich mir schon auch andichten, aber wenn's um richtige Betrügereien geht, bin ich zu feige. Was wir aber beide gerne machen, ist essen.

Apropos sinnlich, eine heimliche Liebe wie in der Serie, wäre das auch etwas für Sie?

Zinner: Nein, das ist mir zu stressig. Ich bin inzwischen seit 15 Jahren verheiratet und das erfordert schon eine gewisse Disziplin und Geradlinigkeit, sonst bekommt man das nicht hin.

Gibt es denn dieses entschleunigte, fast schon dörfliche München noch, das in der Serie gezeigt wird?

Zinner: Diese Inseln gibt es noch, aber sie werden schon rar. Das fängt mit dem Dialekt an. Aber auch die Orte, an denen man sich trifft und wo die Zeit einfach ein bisschen langsamer vergeht, die werden ebenfalls weniger. Irgendwie ist es schon ein bisschen retro und nichts so richtig hip, aber das gefällt mir gerade so gut daran.

Trotz aller Entschleunigung ist die zweite Staffel wesentlich pointierter.

Zinner: Ja, das hat man auch beim Spielen schon gemerkt. Das ist aber fast normal. Auch bei den beliebten US-Serien ist die erste Staffel manchmal nur okay. Sowas entwickelt sich immer erst.

Was ist Ihr Rezept gegen Lampenfieber?

Zinner: Ein kleines kaltes Bier - das muss man aber können, weil die Dosierung dabei sehr wichtig ist.

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