Wiener Opernball: Wiener Opernball - Fest der Eitelkeiten

Heute Abend steigt wieder der berühmte Wiener Opernball. Neben Richard "Mörtel" Lugner kommen auch Kim Kardashian, Kofi Annan, Anna Maria Kaufmann, Tobias Moretti und Johann Lafer in die Staatsoper.

Der Wiener Opernball markiert den Höhepunkt der österreichischen Ballsaison Bild: ddp images

Der Wiener Opernball ist der gesellschaftliche Höhepunkt der Faschingssaison in Österreichs Hauptstadt. Mehr noch: Wien feiert sich, und die Welt darf zuschauen. Die ganze Stadt fiebert selig dem Ballrausch im Dreivierteltakt entgegen. Tatsächlich die ganze Stadt? Das zu behaupten, wäre in der Tat etwas übertrieben. Wien hat 1,7 Millionen Einwohner. Zum Opernball kommen aber nur maximal 12.000 Gäste, der große Rest bleibt an der frischen Luft, tut aber so, als würde er dazugehören. Das ist Wien seiner Haute-Volée seit Kaisers Zeiten schuldig.

Damals tanzte 1814/15 der Wiener Kongress, auf den sich Europas Hochadel nach den Revolutionswirren und Napoleonischen Kriegen neu restaurierte. Tagsüber handelten die Staatsmänner die politische Zukunft aus, nach Sonnenuntergang veranstalteten Künstler der K.u.K-Hofoper Tanzabende, wie es uns der Film "Der Kongress tanzt" von 1955 mit Rudolf Prack als Zar Alexander I. und Karl Schönböck als Fürst Metternich näherbrachte. Eine Walzerhymne auf die guten, alten Zeiten.

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Seit dem 11. Dezember 1877 findet der Opernball in der Staatsoper statt, freilich hieß er bis zum Ende des Ersten Weltkriegs und der Monarchie noch Hofopern-Soirée, und etliche Wiener, die noch das verstaubte abgehobene Schönbrunner Deutsch näseln, finden das immer noch viel besser. Seit 1936 heißt die Veranstaltung Wiener Opernball, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1956 erstmals wieder in der Oper getanzt. Seitdem findet der Ball (fast immer) am letzten Donnerstag im Fasching statt.

Wer zum Opernball nach Wien möchte, sollte über ein gut gefülltes Konto verfügen und reichlich Vitamin B zufüttern, denn auch auf die Beziehungen kommt es bei der Kartenverteilung an. Für 2014 sind alle Plätze restlos ausverkauft. Die Eintrittskarte kostet 250 Euro pro Person, dann hat man aber noch keinen Tisch; der billigste hoch oben im 6. Stock kostet 180 Euro, will man dem Geschehen etwas näher sein, muss man für einen Tischanteil von zwei Personen 360 Euro zahlen. Ein Tisch für vier Personen kostet 720 Euro, für sechs 1080 Euro. Das sind die Preise für das Fußvolk.

Wer was auf sich hält, mietet eine Loge. Ein Tisch in einer Bühnenloge kostet 9000 Euro, eine Einzelloge 10.200 Euro, eine Doppelloge 18.500 Euro, ebenso viel eine Rangloge. Aber dann hat man noch keinen Bissen gegessen und keinen Schluck getrunken. Ein kleines Bier gibt es für 8,50 Euro, Champagner - eigentlich das einzige adäquate Getränk - ab 32 Euro pro Glas. Billiger sind die Austern: drei Stück für 18 Euro, und die heißen Würstchen, die in Wien keineswegs "Wiener", sondern "Frankfurter" heißen, werden einem für zehn Euro praktisch hinterher geworfen. Auch Fast Food wie Gulaschsuppe und Sandwiches sind im Angebot, das ist freilich nur die Atzung für arme Schlucker. Snobs - und die es so gern wären ¬ futtern deshalb vorher im benachbarten Hotel Sacher, nein, nicht die Sachertorte als Unterlage, sondern das Ball-Menü, macht 350 Euro pro Person.

Ansonsten sind die Regeln einfach. Für die Damen sind lange, festliche Ballroben vorgeschrieben, für Herrn der Frack. Walzerkenntnisse sind dringend erwünscht, schließlich kommt man nicht nur zum Geschäftemachen und Gesehenwerden in die Staatsoper. Für den TV-Sender ORF2 werden sich ab 21:10 Uhr Mirjam Weichselbraun und Alfons Haider vom roten Teppich melden und die Stimmen der prominenten Gäste einfangen. Kommentiert wird der 58. Wiener Opernball einschließlich der Mitternachtsquadrille von den ORF-Moderatoren Karl Hohenlohe und Christoph Wagner-Trenkwit.

Sie sitzen in einem klitzekleinen Kabuff, den Bildschirm vor den Augen und bedenken die Stars und Sternchen mit launigen Bonmots. Wenn ihnen zu den Gästen nichts mehr einfällt, wird der Blumenschmuck zum Thema. Dann schwadroniert Wagner-Trenkwitz schon mal augenzwinkernd "von Samenständen bis zur Fortpflanzung, Blümchen und Bienen". Der Wiener Satriker Karl Kraus hat über seine Heimatstadt gesagt: "In Wien stellen sich die Nullen vor die Einser."

Damit wären wir bei der Diskussion um die Gästeliste. Die noble Veranstaltung wird von einer sehr charmanten Dame mit dem klingenden Namen Desirée Treichl-Stürgkh organisiert, die dieses Jahr ein ganz persönliches Highlight auf dem Ball feiern kann, wie sie dem österreichischen Sender "Society TV" erzählte: "Ich verrate Ihnen etwas, was sonst niemand weiß. Ich feiere am 28.02. meinen 16. Hochzeitstag. Mein Mann wird da sein. Wir haben Walzerstunden genommen und werden in unseren Hochzeitstag hineintanzen". Promis wie Musicalsängerin Anna Maria Kaufmann, Schauspieler Tobias Moretti, Promikoch Johann Lafer, Regisseur Stefan Ruzowitzky, das Model Melanie Schierau oder gar Ex Uno-Generalsekretär Kofi Annan können sich dann live auf dem Ball von Treichl-Stürgkhs Walzerkünsten überzeugen.

Auf die Frage, wer denn ihr Traum-Opernball-Gast sei, antwortete Treichl-Stürgkh im vergangenen Jahr gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA: "Ich würde sagen, Herzogin Kate. Die würde mir gut gefallen für den Opernball. Wenn ich mir einen Gast wünschen könnte, dann wäre es so jemand: Jung, aber doch mit Stil. Der das Moderne verkörpert, aber doch das Traditionelle nicht verlassen hat."

Auf royale Gäste wird Treichl-Stürgkh am heutigen Abend verzichten müssen. Stattdessen kommt Richard Lugner (81) in Begleitung des US-It-Girls Kim Kardashian sowie der Miss World 2011 Ivian Sarcos aus Venezuela. Ballmutter Treichl-Stürgkh scheint über Lugners Besuch aus Hollywood wenig begeistert: "Wissen Sie, ich muss da sehr vorsichtig sein, weil ein Urteil über einen Gast abzugeben, steht mir nicht zu", erklärte sie "Society TV". Lugner hingegen ist hocherfreut: "Sie ist äußerst nett, absolut freundlich, alles passt", sagte er "news.at" bei Kardashians Ankunft gestern am Wiener Flughafen.

Richard Lugner ist bzw. war ein bedeutender österreichischer Bauunternehmer, weswegen er in Wien "Baumeister" oder "Mörtel" genannt wird. Der greise Herr, dessen Mund stets ein kindliches Lächeln umspielt, umgibt sich gern mit jungen Damen aus der Welt des Film- und Showbiz. In den vergangenen Jahren brachte er - gegen stattliche Honorierung - Berühmtheiten mit beachtlicher Oberweite wie Dita von Teese, Nadja Abd del Farag, Brigitte Nielsen, Sophia Loren, Paris Hilton, Pamela Anderson oder - wie im vergangenen Jahr - Oscar-Preisträgerin Mira Sorvino mit. Der Auftritt von Kim Kardashian heute Abend - im schwarz-pinken Ballkleid von Designer Ralph Luigi - soll ihm angeblich eine stolze Viertelmillion Euro wert sein.

Als 2011 die Berlusconi-Gespielin Ruby Rubacuori Gast des "alternden geilen Baumeisters" (Treichl-Stürgkh) war, glaubten viele, der gefühlte Tiefpunkt des guten Geschmacks sei nun erreicht. Da erinnerten sich einige lustvoll an Grace Jones, die Lugner 1996 zum Opernball begleitete. Das ehemalige Bond-Girl hatte, wohl beschwingt von den Walzerpirouetten, hinter dem Vorhang in Mörtels Loge einen jungen Lover vernascht, worauf "Mörtel" leutselig der Presse mitteilte: "Das war akustisch deutlich wahrnehmbar."

Der Wiener Volksmund bedient sich angesichts solcher Pikanterien eines schier unerschöpflichen Sprichwortschatzes, wie etwa: "Der Mensch is a Sau." Beim Opernball drückt man es freilich gewählter aus: "Brüderlein fein", so klingt es zum Abschied am frühen Morgen. "Brüderlein fein, Brüderlein fein, musst mir ja nicht böse sein, musst nicht traurig sein." So geht's dahin - bis zum nächsten Jahr. Mörtel wird's richten, solange der Frack ihn aufrecht hält.

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