Weltpremiere in London Braucht die Welt ein Spice-Girls-Musical?

Da sind die Spice Girls wieder vereint. Mel B, Mel C, Geri Halliwell, Emma Bunton und Victoria Beckham feierten in London die Weltpremiere des Spice-Girls-Musicals. Doch die Kritiken des Publikums fielen zum Teil vernichtend aus.

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Gibt's die Spice Girls eigentlich noch? So genau weiß man das bei denen ja nie. Das Online-Nachschlagewerk Wikipedia führt nach der Gründung 1994 noch die Neugründungen 2007 und 2012 auf - und dazu die Auflösungen 2001, 2008 und 2012.

Na, jedenfalls hatte sich die Ur-Girl-Band schon einmal für die Reunion-Welttournee und das Greatest-Hits-Album äußerst lukrativ zusammengerauft. Und der kultige Olympia-Schlussfeier-Auftritt auf den Londoner Taxis darf bereits als die geschickte PR-Aktion gedeutet werden für etwas, was der Welt gerade noch gefehlt hat: das Spice-Girls-Musical.

Die Gute-Laune-Revue Viva Forever feierte am Dienstagabend im Londoner West End im Piccadilly Theatre Weltpremiere. Einen speziellen Auftritt hatte Victoria Beckham (38, «Posh Spice»), die als letzte mit Ehemann David und den drei Söhnen auf dem roten Teppich eintraf. Der Rest trat als Quartett auf. «Ein Traum wird wahr für die Spice Girls», sagte Geri Halliwell (40, «Ginger Spice») mit Melanie Brown (37, «Scary Spice») im Arm. «Wir sind so, so stolz», meinte Melanie Chisholm (38, «Sporty Spice»). «Unsere Familien sind da, das ist ein sehr spezieller Abend für uns», betonte Emma Bunton (36, «Baby Spice»). Wie viel sie wirklich an dem Stück mitgewirkt haben, ist unklar - auf den Riesenpostern in Londons Tube-Stationen heißt es: «in Verbindung mit den Spice Girls».

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Doch doch, Geri habe während der zweimonatigen Proben neulich mal reingeschaut, erzählt die Darstellerin Sally Ann Triplett der Nachrichtenagentur dpa. Sie spielt Lauren, die auf einem Hausboot wohnende Adoptivmutter der Titelfigur Viva. «Und ich habe einmal mit Mel B. zusammen gesungen.» Die junge Sängerin Viva verkörpere «eine Mischung aus allen Spice Girls», meint Triplett. Und was macht die Show aus? «Die Songs sind fantastisch, sie machen einen glücklich beim Singen. Und das Stück hat tolle Atmosphäre und tolle Energie.»

Billiges Playback-Album oder hohe Musical-Kunst?

Die ersten Zuschauer-Reaktionen aus der Pressevorführung am Montagabend waren gemischt. Das Mutter-Tochter-Duo Sarah (35) und «Ginge» (16) aus Leicester ist total aus dem Häuschen. «We looooooved it», kreischen die beiden selbst erklärten «riesigen Spice-Girls-Fans». «Ein Feel-Good-Musical», urteilt Sarah. Ben aus London ist dagegen entsetzt. «Es war schrecklich», sagt der 19-Jährige pikiert, der selbst eine Musical-Ausbildung macht. «Der Plott war armselig, schlimm geschrieben, die Songs sind gar nicht adaptiert worden», schimpft Ben. «Ich bin für Musical-Theater hier her gekommen und nicht für ein billiges Album-Playback.»

Ja, der Plott wirkt konstruiert - als hätten die Best-of-Songs der Spice Girls eins zu eins mit den Texten passend reingequält werden müssen. Autorin Jennifer Saunders benennt die Themen im Programmheft: «Freundschaft, Identität, Liebe und Berühmtheit.»

Und so handelt das Stück in seinen zweieinhalb Stunden Spielzeit von der jungen Sängerin Viva, die mit ihren drei Freundinnen als Band Eternity bei der TV-Casting-Show Starmaker mitmacht. Doch sie wird als Einzel-Sängerin ausgewählt und gerät prompt in die Mühlen des Pop-Business und ihrer ruhmsüchtigen Jurorin und Coach. Diese schlachtet sogar medial aus, dass Viva adoptiert ist. Die bösen Casting-Show-Leute singen alle mal gemeinsam Who do you think you are? Nebenher verliebt sich der trottelige, spanische Hiwi der Sendung - Angel - in Viva, der ihr dann auf einer Reise nach Spanien das Liebeslied Viva Forever auf der Gitarre spielt.

Obendrein gibt es den rührseligen Strang mit der Beziehung zwischen Viva und ihrer nicht leiblichen Mutter - da passt der Song Mama. Und am Ende kommt das Happy End: mit der unverdorbenen Viva, die bei ihrem finalen Song in der Casting-Show Haarteil und High-Heels wegschmeißt, um ihre drei Freundinnen auf die Bühne zu rufen und zu Wannabe abzuhotten. Flimmernde Bildschirme rechts links und oben an der Bühne entlang lassen das Musical-Theater dann zur Disco werden. Ultimativ für Junggesellinnen-Abschiede - und trotz Handlung in der Jetztzeit - eine Modesünden-Schau der 1990er.

Und wer immer noch nicht genug Girl Power abbekommen hat, kann sich mit Merchandising eindecken - mit dem «I tell you what I want what I really really want»-Teddy oder dem pinkfarbenen Wannabe-T-Shirt.


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boi/news.de/dpa

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