Prinz Harry Von Las Vegas nach Afghanistan

Prinz Harry
Vom Party-Prinz zum Vollblut-Soldaten

Von Michael Donhauser
Draufgänger, Party-Prinz, Anti-Held: Prinz Harry macht Schlagzeilen. Jetzt geht er für vier Monate für die Armee ihrer Majestät, seiner Großmutter, nach Afghanistan. Anders als beim ersten Versuch 2008 wird der Einsatz auch gar nicht mehr geheim gehalten.

Schluss mit lustig! Party-Prinz Harry, zuletzt bei ausschweifenden Partys mit nackten Schönheiten in Las Vegas fotografiert, dient in Afghanistan. Für vier Monate ist der blaublütige Enkel von Queen Elizabeth II. nur noch der rotblonde Captain Wales im oliv-grünen Kampfanzug des 3. Regiments des Luftwaffen-Korps der britischen Armee.

Auch wenn Experten die Lebensgefahr für Harry als moderat einschätzen und noch nie ein britischer Kampfhubschrauber vom Typ Apache abgeschossen worden ist: «An der Seite seiner Kameraden vom Schwadron wird es für ihn ein schwieriger und anspruchsvoller Job», sagte Harrys Kommandeur Juck Gordon am Freitag.

Auch die Royal Army gibt sich alle Mühe, den Enkel ihrer Oberbefehlshaberin nicht über andere zu stellen und gewährt ihm keine Sonderbehandlung. Harry wohnt im Lager im Schiffscontainer, gemeinsam mit einem Kameraden. Immerhin gibt es in der lagereigenen Bar einen Billardtisch.

Royaler Kriegseinsatz gehört zum guten Ton

Für Harry ist es im Alter von 27 Jahren die Rückkehr an den Hindukusch. Bereits 2008 war er - damals noch geheim - zum Einsatz nach Afghanistan geeilt. Doch die Presse machte die Entsendung öffentlich - schon nach kurzer Zeit war für Harry wieder Schluss.

«Zu gefährlich», hieß es damals vom Verteidigungsministerium. Nicht nur für Harry selbst, sondern auch für seine Kameraden. Die Verteidigungsstrategen in London fürchteten, dass die Taliban einen Angriff auf den Windsor-Spross zu Propagandazwecken ausschlachten wollten.

Harry hatte wiederholt seine Enttäuschung darüber ausgedrückt - und mindestens genauso oft klargemacht, dass er noch einmal als Afghanistan-Kämpfer eingesetzt werden möchte. «Ich besetze nur unnötig eine Stelle, wenn sie mich nicht rausschicken», hatte er vor einigen Monaten gesagt. Schließlich gehört der Kriegseinsatz bei den Royals zum guten Ton.

Harrys Großvater Prinz Philip (91) war als Kadett im Zweiten Weltkrieg aktiv. Philip soll mit dem Suchscheinwerfer Ziele der feindlichen italienischen Marine markiert haben. Harrys Onkel Prinz Andrew war 1982 im Alter von 22 Jahren als Hubschrauber-Pilot im Falkland-Krieg. Auch Harrys Vater Charles und sogar die Queen selbst haben Militärkarrieren - wenn auch beide, ähnlich wie Harrys älterer Bruder William, stets im sicheren Abstand zur Front geblieben sind.

Billard mit Prinz Harry
Zielen, treffen und versenken

Harry dagegen ist der Draufgänger - mit und ohne Kampfanzug. Als er kürzlich in Las Vegas erst halbnackt mit jungen Schönheiten im Pool eines sündhaft teuren Hotels und dann ganz nackt in seiner Suite beim Strip-Billard abgelichtet wurde, fühlten sich viele Royals-Fans an die wilden 90er Jahre erinnert.

Damals jagte bei den Windsors ein Skandal, ein Rosenkrieg den nächsten, Liebhaberinnen und Liebhaber verheirateter Royals waren selbst von findigen Boulevard-Reportern kaum noch zählen. Mit dem Unfall-Tod von Harrys Mutter Diana 1997 an der Seite ihres Gespielen Dodi Al Fayed fand das Treiben einen traurigen Höhepunkt.

Einsatz am Hindukusch passt in PR-Strategie

Der Afghanistan-Einsatz passt nun auch in die neue PR-Strategie des Hofes. Die Windsors wollen nicht länger als feierwütige und arbeitsscheue Kostgänger der Gesellschaft wahrgenommen werden. Pflichtbewusstsein ist angesagt.

Prinz William wohnt mit seiner Kate in einem Cottage, nicht in einem Schloss. Die Queen gibt sich volksnah und trägt als Bond-Girl zum Gelingen von Olympia in London bei. Ihr Sohn und Thronfolger Prinz Charles liest bei der BBC den Wetterbericht. Harry tritt bei der Army ins Glied. Die Botschaft ist klar: Die königliche Familie ist Bestandteil der britischen Gesellschaft, sie will nicht über ihr stehen.

Und anders als noch vor ein paar Jahren, als die britische Presse mit den Royals eine respektable Rivalität verband, scheint die Journaille jetzt die Hofberichterstattung im doppelten Sinne wieder für sich entdeckt zu haben. Die britischen Medien waren vorab über den Afghanistan-Einsatz informiert worden. Alle hielten wie vereinbart still. «Es wäre so einfach gewesen, die Partybilder aus Las Vegas mit dem bevorstehenden Einsatz zu verknüpfen», sagte Bob Swatchell, Chef der britischen Vereinigung von Chefredakteuren. «Aber das Geheimnis wurde gehütet, bis zu dem vereinbarten Zeitpunkt.»

zij/news.de/dpa

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