Fall Strauss-Kahn Alles eine Verschwörung?

Von news.de-Redakteurin Julia Pfeifer
Ein Journalist behauptet, die angebliche Vergewaltigung in New York sei ein Komplott gewesen. Von einem gehackten Handy ist die Rede - ebenso wie von einer Verstrickung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

Anhänger von Verschwörungstheorien werden beim Lesen der letzten Ausgabe des New York Book Review wohl anerkennend genickt haben. Der umstrittene Journalist Edward Jay Epstein spekulierte in dem alle zwei Wochen erscheinenden Kulturmagazin über das, was sich am 14. Mai 2011 wirklich in der Suite 2806 des New Yorker Sofitel-Hotels abgespielt hat. An jenem Tag hatte der damalige Chef des Internationalen Währungsfond (IWF) und Aspirant auf eine Kandidatur bei den französischen Präsidentschaftswahlen 2012, Dominique Strauss-Kahn, Sex mit dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo.

Der sexuelle Kontakt zwischen beiden steht außer Frage. Den hat Dominique Strauss-Kahn sowohl vor Gericht als auch in einem Interview mit dem französischen Fernsehsender TF1 zugegeben. Strittig ist allerdings, wie es zum Geschlechtsverkehr kam. Diallo behauptet, der 62-Jährige habe sie vergewaltigt. Er widerspricht: Der Sex sei einvernehmlich gewesen. Eine Anklage wurde im August fallengelassen.

Betrogene Ehefrauen
Belogen und gedemütigt
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Das Zimmermädchen aus Guinea hält allerdings weiter an ihrer Vergewaltigungsversion fest und versucht, Dominique Strauss-Kahn jetzt auf zivilrechtlichem Wege habhaft zu werden. Ihr unterstellte Strauss-Kahn vor einigen Monaten finanzielle Absichten. Um diese durchzudrücken, scheint ihr jeder Weg Recht. Ihre Anwälte stürzen sich auf jeden noch so kleinen Teil von Strauss-Kahns Privatleben, der ihn in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Zuletzt wollen sie herausgefunden haben, dass er in der Nacht zum 14. Mai mit zwei Frauen auf seinem Zimmer war, berichtet heute die französische Tageszeitung Le Figaro. Was das mit der angeblichen Vergewaltigung zu tun hat, wissen nur Nafissatou Diallos Anwälte.

Strauss-Kahn-Affäre
Sturz eines Mächtigen
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Edward Jay Epstein will mit seinem Artikel zur Klärung des mysteriösen Falls beitragen. Laut eigenen Aussagen hat er Informanten getroffen, Gerichtsakten gewälzt, Videomaterial von Überwachungskameras aus dem Sofitel ausgewertet und die elektronischen Schlüssel der Hotelangestellten überprüft. Edward Jay Epstein kam danach zu einem Schluss: Dominique Strauss-Kahn ist Opfer einer Intrige geworden, in die sogar Nicolas Sarkozy verstrickt sein soll!

Das mysteriöse Blackberry

Das Mobiltelefon der Marke Blackberry von Dominique Strauss-Kahn bleibt nach wie vor verschwunden. Epstein geht davon aus, dass dieses Telefon abgehört wurde. Von einem Informanten weiß er, dass Dominique Strauss-Kahn mindestens zwei Mal davor gewarnt wurde. Zuletzt am Morgen des 14. Mai 2011. Daraufhin soll er sich in Paris mit einem Vertrauten in Verbindung gesetzt haben, der sein Telefon untersuchen sollte. Der letzte Anruf wurde 12.13 Uhr getätigt. Dominique Strauss-Kahn sprach mit seiner Tochter, mit der er kurze Zeit später zum Mittagessen verabredet war. Um 12.51 Uhr wurde das Handy deaktiviert. Entsprechend seiner elektronischen Auswertung ist das Gerät im Sofitel geblieben. Kurz nach dem Essen mit seiner Tochter war Strauss-Kahn das Verschwinden aufgefallen. Er hatte sowohl im Restaurant als auch im Hotel nachgefragt, ob man das Telefon gefunden hätte.

Wie viele Personen waren in Strauss-Kahns Zimmer?

Edward Jay Epstein hat die Daten der elektronischen Hotelschlüsselkarten ausgewertet. Demnach ist Nafissatou Diallo kurz vor dem Sex mit Dominique Strauss-Kahn in dessen Zimmer gewesen. Er hat davon nichts mitbekommen, weil er währenddessen unter der Dusche stand. Außerdem sollen noch zwei andere Menschen in der Suite 2806 gewesen sein. Ob sie auch noch in den sieben Minuten da waren, als Diallo und Strauss-Kahn miteinander schliefen, ist nicht geklärt.

Wer war im Nachbarzimmer?

Bevor Diallo in Strauss-Kahns Suite ging, ist sie laut elektronischer Schlüsselkarte im Nachbarzimmer mit der Nummer 2820 gewesen. Nur wenige Minuten nach dem Zwischenfall mit dem ehemaligen IWF-Chef kehrte sie wohl noch einmal in dieses zurück. Der Bewohner dieses Zimmers war angeblich die ganze Zeit anwesend. Um wem es sich bei diesem Bewohner handelt, will das Sofitel nicht preisgeben, zum Schutz der Privatssphäre des Gastes.

Wieso gab es einen Freudentanz?

Nachdem Diallo bei ihrer Chefin die Vergewaltigung angezeigt hatte, wurde sie von einem unbekannten Mann zur Hotelsecurity gebracht. Die rief um 13.31 Uhr, über eine Stunde nach der Vergewaltigung, die Polizei. Kurze Zeit später zeigen Überwachungsvideos, wie der unbekannte Mann, der zuvor mit Diallo zusammen zur Security gegangen war, mit einem anderen Mann triumphierend abklatschte und eine Art Freudentanz aufführte. Steht das im Zusammenhang mit dem Vergewaltigungsvorwurf?

Was hat Sarkozys Vertrauter mit der Angelegenheit zu tun?

Der Chef der Hotelsecurity - auf dem Weg zum Sofitel - rief eine bisher noch unbekannte Nummer in den Vereinigten Staaten an. Unter dieser Nummer war der Sicherheitschef der Accor-Hotelkette (zu der auch das Sofitel gehört), René-Georges Querry, zu erreichen. Querry war zum Zeitpunkt des Telefonats bei einem Fußballspiel in Paris. Er hatte einen guten Platz auf der VIP-Tribüne. Neben ihm saß Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Ein anderer Mitarbeiter der Accor-Gruppe, Xavier Graff, soll einige Wochen nach dem Vorfall im Sofitel eine E-Mail verschickt haben, in welcher er sich damit brüstete, Strauss-Kahn «niedergemacht» zu haben.

Edward Jay Epstein, der Verschwörungstheoretiker

Der Journalist Edward Jay Epstein zeichnet in seinem Artikel das Gesehen an jenem 14. Mai 2011 minutiös nach. Beim Leser entsteht der Eindruck, dass es tatsächlich so gewesen sein muss. Aber die Tatsache, dass Epstein zu einem der bekanntesten Verschwörungstheoretiker der USA gehört, der unter anderem behauptet, das FBI stecke hinter dem Attentat auf den ehemaligen amerikanischen Präsidenten John F. Kenndey, lässt die ganze Angelgenheit in einem anderen Licht erscheinen.

Es fällt auf, dass seine Erklärungen für bestimmte Situationen sehr einseitig sind, dass angebliche Fakten einfach nur Interpretationen sind. Verschwörungstheorien wohnt eine gewisse Verführung inne. Sie geben vor, große Ereignisse erklärbar zu machen. Der Mensch neigt dazu, nach der Logik einer Sache zu suchen, und ist für Verschwörungstheorien entsprechend empfänglich.

Inzwischen streiten sich die Verantwortlichen der Accor-Hotelkette mit dem Journalisten. Sie weisen sämtliche Anschuldigungen zurück. Epstein geht in die Offensive und verlangt von Accor, die Überwachungsvideos zu veröffentlichen. Sollten sie dem nicht nachkommen, werde er es tun. Anhänger von Dominique Strauss-Kahn, organisiert im «Club DSK», verlangen von den französischen Behörden, ein Verfahren gegen die Sarkozy-Partei UMP zu prüfen. Sie sollen laut Epstein hinter dem Abhören des Telefons von Strauss-Kahn stecken.

Domninique Strauss-Kahn schweigt beharrlich zu alldem. Schon kurz nach seiner Verhaftung gab es Spekulationen, seine politischen Gegner hätten etwas damit zu tun und ihm eine Falle gestellt. Im Interview mit TF1 sagte Strauss-Kahn im September:«Ob es eine Falle ist? Das ist gut möglich. Ob es aber ein Komplott ist, dass werden wir noch sehen müssen.»

zij/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • derTschekker
  • Kommentar 2
  • 29.11.2011 14:40

Yeahhhh ... der ist richtig guuut ... ;-)) Die holde Damenwelt möge das jetzt bitte nicht falsch verstehen, aber ein mehrfacher Millionär, der sich (so ist er ja auch bekannt!) sehr gerne auch mal von 2 Damen so richtig verwöhnen läßt, "vergewaltigt" kein Zimmermädchen, weil er sich "nicht mehr zügeln" kann ... Der Gute ist reingelegt worden, wie man von ihm moralisch denkt darf hier nicht ausschlaggebend sein, aber jemanden einfach so fertig zu machen, dazu die Justiz zu mißbrauchen, damit wieder mal Zweifel an allen Übergriffen Tür und Tor zu öffnen ... DAS ist für mich unmoralisch!

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  • loddel
  • Kommentar 1
  • 29.11.2011 12:58

DSK ist unschuldig, er hat dem Zimmermädchen nur gezeigt, wo sie noch saugen soll.

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