Schlagerbranche Wenn die schöne Scheinwelt zerbricht

Wenn die schöne Scheinwelt zerbricht (Foto)
Roy Black, Rex Gildo und Gunter Gabriel (von links) Bild: dapd

Von von news.de-Redakteuerin Julia Pfeifer
Schlagerstars wie Roy Black oder Rex Gildo lagen die Frauen zu Füßen. Mit ihrer Musik verdienten sie Millionen. Dennoch waren sie fast ihr ganzes Leben lang unglücklich. Sie zerbrachen an der Unvereinbarkeit von Schlagerwelt und Realität.

Am Donnerstagabend war Uwe Ochsenknecht im ZDF als abgehalfterter Schlagersänger zu sehen, der versucht, ein Comeback zu starten. Für seine Rolle könnte er sich in der echten Schlagerwelt Inspiration gesucht haben. Denn an der Branche, die mehr Schein als Sein ist, zerbrach schon so mancher einst hochgefeierter Star. Warum sind so viele von ihnen trotz Ruhm und Geld unglücklich, greifen zu Drogen und Alkohol, verlieren ihr Vermögen oder nehmen sich gar das Leben?

Die Schlagerwelt ist eine heile Welt. In ihren Liedern geht es um Liebe und gute Laune. Jürgen Drews sagte dazu kürzlich im Interview mit bild.de: «Schlager ist heile Welt. Es gibt keine anderen Botschaften. Udo Jürgens hat es vollbracht, auch mal andere Botschaften zu vermitteln. Aber letztendlich singt auch er nur über die Liebe.» Etwas anderes wollen die Fans auch nicht hören. Das echte Leben ist schließlich anstrengend genug. Da ist die Illusion von einem romantischen Leben, in dem das Ende einer Liebe das Schlimmste ist, was passieren kann, gerade richtig. Wirtschaftkrise, Tod, Krankheit oder Jobverlust haben da keinen Platz.

Und wird den Schlagerfans diese Illusion nicht zu 100 Prozent geboten, dann können sie äußerst nachtragend sein. Skandale, die sich nicht mit dem Heile-Welt-Image vereinbaren lassen, verzeihen sie ihren Lieblingsstars schwer. Also muss das perfekte Bild aufrechterhalten werden. Auf Dauer halten viele Schlagergrößen diesem Druck nicht stand.

Der Schwiegemuttertraum war in Wirklichkeit ein Alkoholiker

Roy Black zum Beispiel war der Traum aller Schwiegermutter. Welche Frau hoffte nicht, eines Tages die Tür zu öffnen und davor den Sänger zu finden, der Ganz in Weiß singt. Die seichten Liebeslieder brachten Gerhard Höllerich, so Roy Blacks eigentlicher Name, viele Millionen, stürzten ihn aber auch in sein wohl größtes Unglück. Roy Black wollte nie Schlagersänger sein, er wollte Rockmusik machen oder wenigstens Pophits singen. Doch das war nicht das, was seine Anhänger verlangten, dafür waren sie nicht bereit, Millionen auszugeben. Also blieb Roy Black beim Schlager und wurde mit dem wachsenden Erfolg immer unglücklicher. 

Am 9. Oktober 1991 wurde er tot in seiner Fischerhütte in Oberbayern aufgefunden. Als offizielle Todesursache wurde Herzversagen angegeben. Doch viele seiner Musikerkollegen wussten genau, woran Roy Black starb. Er hatte sich zu Tode getrunken. Seit Jahren schon war er alkoholabhängig. Zum Zeitpunkt seines Todes hatte er drei Promille im Blut. Dieser hohe Wert kann nur bei Alkoholabhängigen erreicht werden.

Auch Rex Gildo kam nie darüber hinweg, dass sein echtes Leben nicht das war, was die Leute sehen wollte. Der Sänger, der öffentlich immer wieder bestritt, homosexuell zu sein, lebte in seinen letzten Jahren mit einem Mann zusammen. Seine Ehe mit einer Cousine war nur Fassade. Rex Gildos große Liebe soll sein einstiger Manager Fred Miekeley gewesen sein. An dessen Seite wurde der Schlagersänger nach seinem Selbstmord im Oktober 1999 bestattet. Gildo hatte sich nach einem Streit mit seinem Freund im Badezimmer eingeschlossen und war aus dem Fenster gesprungen.

Für den Schlager muss man geboren sein

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Pleiten, Drogen, Selbstmord
Pleiten, Drogen und Selbstmord (Foto) Zur Fotostrecke

Wenn Schlagerstars keinen seelischen Absturz erleben, so müssen sie dafür nicht selten mit einer Pleite rechnen. Die Liste der deutschen Schlagersänger, die Privatinsolvenz anmelden mussten, ist lang. Nino de Angelo verlor über eine Million Euro und Matthias Reim sogar ganze 15 Millionen. Auch Gunter Gabriel brachte sein Vermögen durch. Teure Scheidungen und ausbleibender Erfolg zwangen den deutschen Countrystar, den Gürtel enger zu schnallen.

Aber es gibt auch die Schlagerstars, die es geschafft haben, die seit Jahren erfolgreich sind, ihr privates Glück gefunden haben und mit dem Image des Heile-Welt-Dudlers gut zurechtkommen. Sie nehmen sich und ihre Musik nicht allzu ernst, wie der «König von Mallorca», oder sie leben das, was sie besingen, so wie beispielsweise Andrea Berg. Um in der Schlagerwelt überleben zu können, muss man offensichtlich dafür geboren sein.

Sehen Sie in unserer Fotostrecke, welche Schattenseiten der Ruhm für die größten deutschen Schlagerstars mit sich brachte.

zij/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • gabriele50
  • Kommentar 1
  • 22.10.2011 12:08

Die großen "alten" Schlagersänger und Schauspieler haben jahre- und jahrzehntelang den Menschen ganz offensichtlich sehr viel Freude bereitet - z. T. natürlich auch mir. Bitte lasst sie doch ganz einfach in Frieden ruhen und kommt jetzt nicht alle zusammen mit sog. Enthüllungen daher und zerstört ein einfach liebgewonnenes Bild. Bitte mal dran denken, dass wir alle Fehler haben: Möchtet ihr vielleicht, dass nach eurem Tod öffentlich derart dreckige Wäsche gewaschen wird? Ich und sehr viele andre behalten die Menschen gerne so in Erinnerung, wie wir sie liebten!

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