Gaby Köster Der Abschied vom alten Leben

In dieser Woche ist Gaby Köster nach dreijähriger Abwesenheit in die Öffentlichkeit zurückgekehrt und sprach im Fernsehen erstmals über ihren Schlaganfall. Die schwere Zeit danach hat sie in dem Buch Ein Schnupfen hätte auch gereicht verarbeitet. Es soll ihr helfen, sich an ein neues Leben zu gewöhnen.

Der Abschied vom alten Leben (Foto)
Gaby Köster hat ein Buch über die Zeit nach ihrem Schlaganfall geschrieben.  Bild: dpa

Drei Jahre hat Gaby Köster geschwiegen, um die Spekulationen um ihren Zustand nicht anzuheizen. Um zu verhindern, dass andere bestimmen, was über sie geschrieben wird. Ihr Management strengte zahlreiche Unterlassungsklagen an. Erfolgreich. Bis auf wenige Ausnahmen, haben die Medien kaum über die Schauspielerin und Kabarettistin berichtet. Im Internet kursierten wilde Gerücht. Wenn man ihren Namen bei Google eingab, erschien als erstes «Gaby Köster tot».

Seit Mittwoch steht da «Gaby Köster Stern TV». An jenem Tag trat sie erstmals nach drei Jahren wieder in der Öffentlichkeit auf. Sichtlich gezeichnet von einem Schlaganfall, der sie am 8. Januar 2008 aus ihrem gewohnten Leben riss.

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Von diesem Leben will sich Gaby Köster nun verabschieden, denn das gibt es nicht mehr und wird es auch nicht mehr geben. Dabei helfen soll ihr ein Buch, das sie zusammen mit ihrem Comedykollegen und Freund Till Hoheneder geschrieben hat. Ein Schnupfen hätte auch gereicht lautet der Titel des Werkes, der erahnen lässt, dass Gaby Köster zumindest der Humor geblieben ist.

Das Lachen bleibt im Halse stecken

Dass eine Frau dieses Buch geschrieben hat, die von Witz Ahnung hat, fällt beim Lesen sofort auf. Immer wieder kommen Pointen, manchmal auch Kalauer und alberne Redensarten. Wäre der Hintergrund nicht so ernst, könnte die Lektüre wunderbar beschwingt sein.

Doch manchmal bleibt dem Leser das Lachen im Halse stecken, besonders dann, wenn er erfährt, wie lebensbedrohlich diese Krankheit war und wie sehr sie ihr Leben verändert hat. Da geht es zum Beispiel um Schwierigkeiten bei alltäglichen Tätigkeiten, die - sofern man gesund ist - vollkommen selbstverständlich sind. Für Gaby Köster, deren linke Körperhälfte seit dem Schlaganfall gelähmt ist, sind sie Herausforderungen. Sie ist nach wie vor auf Hilfe angewiesen. Auf die Hilfe von Freunden und von ihrer Familie.

Sie hat die Hilfe akzeptiert, kommt dennoch schwer darüber hinweg, dass ihre 72-jährie Mutter, sich zum zweiten Mal um ihre Tochter kümmern muss. Am Endes des Buches bedankt sie sich bei ihr: «Mama, du bist die Beste, und ich danke dir so sehr, dass du mir zweimal laufen gelernt hast und für all deine Liebe und Mühe. Du hättest im Alter etwas anderes verdient, als deine Tochter zu pflegen!»

Ihr Sohn lernte, seine Mutter anzuziehen, statt Mädchen auszuziehen

Auch ihrem Sohn, der gerade mitten in der schwierigen Phase der Pubertät steckt, ist sie unendlich dankbar: «Dann möchte ich meinem Sohn danken, der in der Pubertät gelernt hat, mich anzuziehen, statt Mädels auszuziehen! Sozusagen ein vorgezogener Zivildienst - wie praktisch!»

Im Buch gibt es auch eine Rückschau auf das Leben vor dem Schlaganfall, auf den Beginn ihrer Karriere, auf die Kindheit ihres Sohnes und auf die Monate vor der Krankheit. Dabei stellt Gaby Köster fest, dass man die schlimmen Dinge vergißt oder verdrängt - aus einer Art Selbstschutz heraus. Um die Erfahrungen der letzten Jahre nicht zu vergessen, hat sie Ein Schnupfen hätte auch gereicht geschrieben.

Ein wunderschöner Abschied

Denn, um sich an das neue veränderte Leben zu gewöhnen, muss man sich von dem alten erst verabschieden, es verarbeiten. Sie beschreibt diesen Abschied auf ihre ganz besondere Gaby-Köster-Art: «Bevor man eine alte Kiste aus dem Keller zum Speermüll stellt, überprüft man doch auch ganz genau, ob man wirklich alles ‹wegwerfen› kann und will oder die Kiste gut verschlossen wieder in die Ecke stellt!»

Mit Ein Schnupfen hätte auch gereicht hat Gaby Köster ihrem alten Leben einen wunderschönen Abschied beschert. Er ist bedrückend, berührend und komisch zugleich und ringt dem Leser Bewunderung ab. Bewunderung für eine Frau, die trotz schwerem Schickssalsschlag und depressiven Phasen eines nicht verloren hat: ihren Humor.

Titel: Ein Schnupfen hätte auch gereicht
Autor: Gaby Köster mit Till Hoheneder
Verlag: Scherz
Seiten: 256
Preis:  18,95 Euro
Veröffentlichungstermin: 9. September 2011 

cvd/news.de

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