Knochenkrebs TV-Nonne Rosel Zech ist tot

Rosel Zech  (Foto)
Die Mutter Oberin in der ARD-Serie Um Himmels Willen war ihre letzte große TV-Rolle: Rosel Zech. Bild: dpa

Von Brita Janssen
Sie gehörte zur ersten Garde der deutschen Schauspielerinnen. Ihr Gesicht kennen Millionen von Bühne, Kinoleinwand oder Bildschirm. Rosel Zech war Fassbinders Veronika Voss und die Mutter Oberin im Fernsehen. Nun starb die wandlungsfähige Künstlerin an Krebs. 

Als gestrenge Mutter Oberin in der ARD-Serie Um Himmels Willen war Rosel Zech seit Jahren Millionen Menschen ein Begriff. Berühmt wurde sie schon viel früher mit einer anderen Rolle: In Rainer Werner Fassbinders vorletztem Film spielte die wandlungsfähige Schauspielerin den drogenabhängigen, selbstquälerischen Ufa-Star Veronika Voss. Der Film Die Sehnsucht der Veronika Voss brachte ihr 1982 einen Goldenen Bären der Berlinale ein. Am Theater war die sensible Zech mit ihrer Fähigkeit, in viele Rollen zu schlüpfen, da schon lange ein Begriff. Nun ist die Künstlerin am Mittwochabend 69-jährig an Knochenkrebs in einem Berliner Krankenhaus gestorben - «sehr aufrecht und sehr bewusst», wie die Geschäftsführerin der Rainer Werner Fassbinder Foundation, Juliane Lorenz, sagte.

Rosel Zech
Ihre wichtigsten Rollen

Erst in diesem Jahr war Zech als Mutter Oberin aus der TV-Dauerfehde zwischen Bürgermeister Wöller (Fritz Wepper) und den Ordensschwestern ausgestiegen. Sie wolle sich von einer schweren Krankheit zu Hause erholen, hieß es.

Zwei Regisseure waren prägend für die Schauspielerin, die vor allem in labilen, gefährdeten Frauenrollen zu überzeugen wusste: Peter Zadek und Fassbinder.

Dass sie selbst empfindsam und verletzlich war, war kaum zu übersehen. In einem Interview mit dem Stern verriet sie einmal: «Brücken abzureißen und sich auf das gegenüberliegende Ufer zu begeben, wo man sich verliert und aufgibt - diesen Schritt kann ich gut verstehen. Da muss man aufpassen, weil, das ist eine Spannung, die ich in mir habe.»

Auch wenn die am 7. Juli 1942 geborene Tochter eines Berliner Binnenschiffer-Ehepaars nie zum sogenannten Fassbinder-Clan zählte, schätzte sie den genialen und besessenen Filmemacher (1945-1982) sehr. «Ich habe mich bei keinem anderen Filmregisseur so aufgehoben gefühlt», sagte sie einmal. «Wir waren erst am Anfang und hatten noch viele gemeinsame Pläne.» Mit Fassbinder zu spielen sei ein Kinderspiel gewesen, da er die Filme bereits komplett im Kopf hatte. Schon 1981 hatte Rosel Zech an der Seite von Mario Adorf in dem Fassbinder-Film Lola als neureiche Gattin mitgewirkt.

Den Bayerischen Filmpreis erhielt sie 1992 für ihre Rolle einer in Alaska arbeitenden Ost-Berliner Bibliothekarin in dem Percy-Adlon-Film Salmonberries, Gewinner des World Film Festivals in Montreal.

Auch das Fernsehen entdeckte das große Talent der ausdrucksstarken Darstellerin. In der Rolle der resoluten Bergarbeiter-Frau und Mutter Elfriede wurde sie in der ZDF-Serie Die Knapp-Familie 1981 erstmals einem größeren TV-Publikum bekannt.

Neben Film und Fernsehen glänzte Roselie Helga Lina Zech - wie ihr Geburtsname lautete - vor allem auf der Bühne, obwohl sie das Max-Reinhardt-Schule in Berlin vorzeitig verließ. 1962 gab sie in Landshut ihr Debüt. 1966 holte sie Arno Wüstenhöfer an das Schauspielhaus nach Wuppertal.

Den Durchbruch am Theater erlebte Rosel Zech unter Peter Zadek. Den Stuttgarter Nachrichten erzählte sie einst: «Ich hatte aber auch einfach oft Glück. Ich verließ die Schauspielschule, weil ich dachte, da lern' ich nichts mehr. Dann hat man mich trotzdem in Landshut genommen. Anschließend in Solothurn in der Schweiz war ich auf dem absteigenden Ast. Ich hab' verzweifelt Briefe an deutsche Intendanten geschrieben. Nur einer, der Wüstenhöfer, hat reagiert, mich mit nach Wuppertal genommen. Dort traf ich Peter Zadek. Mit ihm bin ich nach Bochum und Stuttgart und dann habe ich Rainer Werner Fassbinder kennengelernt. Das hat schon etwas mit Glück zu tun.»

Am Bochumer Schauspielhaus war Zech, die sich als Kind als stille Einzelgängerin mit einer lebhaften Fantasiewelt im Kopf beschrieb, eine der gefragtesten Interpretinnen.

1977 wurde sie als Hedda Gabler in dem Ibsen-Drama zur Schauspielerin des Jahres gewählt. In München begeisterte sie unter anderem in der deutschen Erstaufführung von Per Olov Enquists Stück Die Bildermacher in der Rolle der schwedischen Dichterin Selma Lagerlöf. 2005 stand sie am Hamburger Schauspielhaus in Yasmina Rezas Ein spanisches Stück in der Inszenierung von Jürgen Gosch auf der Bühne. «Theater ist für mich als Schauspielerin die Königsdisziplin», sagte Rosel Zech einmal. Für ihren Beruf hat sie gelebt. Die zurückhaltende Künstlerin ohne Allüren war unverheiratet und hatte keine Kinder. 

car/news.de/dpa

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