Achim Mentzel Der schönste Sänger Deutschlands

Achim Mentzel singt im InterConnex (Foto)
Wehe, wenn er losgelassen! Achim Mentzel ist Kult, erfolgreicher Schlagerstar und jetzt auch Werbefigur für eine Privatbahn. Bild: Markus Bachmann

Von news.de-Volontär Ronny Janke
Schlagerbarde, Spaßbringer, Kultstar: Nun ist Achim Mentzel auch noch Werbefigur für eine Privatbahn. Einen Tag lang ist der Entertainer in die Rolle eines Zugbegleiters geschlüpft, hat sich müde gesungen und feiern lassen. News.de war bei der Gaga-Fahrt dabei.

«Hier ist Achim Mentzel, euer zweiter Zugbegleiter», tönt es röhrig aus den kleinen Lautsprechern, die über den Sitzplätzen hängen. Ältere Damen mit Silbermähne drehen aufgeregt ihre Köpfe, blicken in den Gang, erst in die eine, dann in die andere Richtung und suchen mit neugierigem Blick den Mann, der sich gerade vorgestellt hat. Die Fahrgäste strecken Fotokameras und Handys mit Fotofunktion in die Luft. Jederzeit auslösebereit, denn gleich läuft der DDR-Kultstar an ihnen vorbei.

Es dauert nicht lang und schon wankt Mentzel durch den fahrenden Zug, trägt dabei ein Tablett vor sich her, auf dem belegte Brötchen liegen. Schnell kommt er mit den Fahrgästen ins Gespräch. Problemlos, wie es scheint. Fast 50 Jahre ist der Entertainer schon im Geschäft und so gilt: Gelernt ist gelernt. Mentzel duzt die vielen älteren und siezt die wenigen jungen Menschen. Einer der jüngeren Mitfahrer, Mitte 20, lehnt die angebotenen Brötchen ab. «Willst nich so aussehn wie ich, wa?», entgegnet Mentzel und haut dabei mit der freien Hand auf seinen Bauch. Die umsitzenden Fans lachen, das Eis ist gebrochen, mehr ist nicht nötig. Und doch erwartet die Fahrgäste noch eine etwa achtstündige Fahrt, in der Achim Mentzel jede Menge Schweiß verlieren wird.

Achim Mentzel
Ein Mann und sein Mikro

Bis die ersten Damen sich ausziehen

Der Cottbuser ist Mitte Juli 65 Jahre alt geworden und wirbt seit etwa vier Wochen für den Interconnex. Täglich fährt eine Linie von Leipzig über Berlin nach Warnemünde und macht der Bahn mit günstigen Fahrpreisen Konkurrenz. Die Marke Interconnex hat in Mentzel eine Werbefigur gefunden, die vor allem davon lebt, dass sie sich selbst nicht ernst nimmt. Das zeigt auch ein Video, das schon seit einigen Wochen durchs Internet geistert und den Anschein erweckt, als wäre es zufällig gedreht worden.

Wer kostenlos an der Zugfahrt mit Achim Mentzel teilnehmen wollte, musste dem Interconnex-Team eine gute Begründung liefern. Silvia hat einen anderen Weg gewählt: Die 56-Jährige hat für Hin- und Rückfahrt den vollen Fahrpreis bezahlt, um ihr Idol live zu sehen. Sie ist etwa 1,60 groß, unauffällig gekleidet und trägt einen kleinen Stoffbeutel mit sich herum. Wenn sie sitzt, hängen ihre Füße einige Zentimeter über dem Boden.

Achim Menzel
Bis der Schweiß tropft
Video: YouTube

Plötzlich schallt es aus den Lautsprecherboxen, die in den Gepäckablagerungen über den Sitzplätzen liegen: «Ich leg jetzt los.» 15 Lieder umfasst das Repertoire, aus dem Mentzel heute schöpfen kann. Es dauert genau ein Lied (Hier fliegt heut die Kuh), bis die ersten Damen ihre Jäckchen ablegen. Sie klatschen, sie singen und schunkeln mit. Auch Silvia blüht auf. Ihre Füße strampeln im Takt und sie lächelt selig, während ihr Blick an dem Schlagerstar haftet.

Plötzlich ist der Akku leer

Wie elektrisiert rennt Mentzel durch zwei Abteile, schimpft mit denen, die noch Zeitung lesen und lobt die, die mitsingen. Immer sind seine Augen weit aufgerissen. Sein Lächeln erinnert an das der Grinsekatze aus Alice im Wunderland. Zu Liedern wie Gott sei Dank, Meine Lieblingsworte heißen Sahnetorte oder Alles Achim oder was dreht der 65-Jährige voll auf, küsst Omas auf den Kopf und drückt bereitwillig seine Wange gegen die der Damen, damit sie ein Foto machen können. Nach etwa zehn gesungenen Titeln und einer mehr als einstündigen Show kleben ihm die schwarzen Naturlocken an Stirn und Nacken. Das Hemd ist nassgeschwitzt und mitten in einem Lied schalten sich die Boxen ab. Die Akkus sind leer, vielleicht auch die von Achim Mentzel - vorerst. Der entschuldigt sich, verspricht aber in wenigen Minuten für Autogramme zurückzukommen.

Achim Menzel
Die Hände zum Himmel
Video: YouTube

«Ich find' den super, der ist nie abgehoben und geht immer unter Menschen», schwärmt Silvia. Mittlerweile hat sie ihr Häkelzeug aus dem kleinen Beutel genommen und vertreibt sich die Zeit. Gleich fährt der Zug in Warnemünde ein, einige Fahrgäste werden aussteigen, andere hinzu, doch der Großteil der Menschen bleibt sitzen und fährt die gleiche Strecke wieder zurück nach Berlin. Wieder mit Achim Mentzel, wieder mit den gerade gehörten Liedern, wieder mit den gleichen Witzen und irgendwie nimmt ihm das niemand übel. Mentzel gibt Autogramme, lässt Bilder von sich und seinen Fans machen, alles das, während der Zug unermüdlich weiterfährt. Für Mentzel ein Traum: «Endlich müssen die Menschen mal bis zum Schluss in meiner Show bleiben. Es kann ja keiner einfach so während der Fahrt aussteigen.»

Achim-Mentzel-Nachfolger gesucht

Die Pause nutzt der in der DDR groß gewordene Entertainer, um sich ein neues Hemd anzuziehen, die Haare zu trocknen und eine Kleinigkeit zu essen. «Du kannst im Wagen machen, was du willst», hatte ihm der Bahnbetreiber zugesichert, als es darum ging, diesen Tag zu planen. Und so erzählt Mentzel auf der Rückfahrt zwischen den Liedern etwas offener aus seinem Leben und präsentiert sich von der Seite, die Sylvia so an ihm schätzt. «Der schönste und schlauste Mensch Deutschlands», wie sich der Alleinunterhalter nennt, erzählt aus seiner 32 Jahre andauernden Ehe. Lange bereitet er diesen Gag vor, schwärmt von seiner Ehefrau, geht regelrecht auf in der Lobhudelei, die man ihm zunächst vollkommen abnimmt, nur um am Ende zu sagen: «Wir sind eben glücklich verheiratet, das ist unser Geheimnis. Sie ist glücklich und ich bin verheiratet.»

Philipp, 27, sitzt ebenfalls in dem Abteil und hat gemeinsam mit einem Freund diesen Wahnsinnstripp gewonnen. Eigentlich hört Philipp Heavy Metal, trägt aber einen braven Kurzhaarschnitt und fügt sich solide in das Bild des perfekten Schwiegersohns ein. Als Mentzel erneut anfängt zu singen, die Fahrgäste aufstehen, mitklatschen, ihm zujubeln und Sätze wie «Das ist vielleicht 'ne Stimmungskanone» fallen, wirkt der Sänger zum ersten Mal an diesem Tag etwas müde. Nach einer fast sechsstündigen Show auch kein Wunder. Philipp aber, der die gesamte Zugfahrt über mitgesungen und sich textsicher gezeigt hat, wird plötzlich Anlaufstelle für Mentzel. Der hält dem Jüngeren das Mikro vor den Mund, drückt es ihm regelrecht auf die Lippen.

Achim, der Trauzeuge

Und Philipp? Der reißt das Mikro an sich, steht auf, singt, wandert durch den Zug, hebt die Arme, animiert die Fahrgäste mitzuklatschen und verblüfft den eigentlichen Star. «Also dass der meine Texte kennt, Wahnsinn», ruft Mentzel seinem Publikum entgegen, während er sich kurz setzt und selbst zum Zuschauer wird. Drei Lieder lang singt Philipp, ab und an hilft Mentzel aus, springt auf, gestikuliert wie wild, um ihm zu zeigen, dass er hier oder da einen Ton nach oben oder unten muss, diesen oder jenen Einsatz nicht verpassen darf, formt die Texte mit den Lippen mit und beobachtet begeistert, wie der junge Mann den Zug unterhält.

Am Ende scherzt Mentzel und verspricht dem Leipziger, irgendwann auf dessen Hochzeit aufzutreten. Als Philipp erzählt, dass er tatsächlich im nächsten Jahr heiraten wird und Mentzel gern als Trauzeugen hätte, wird es einen Moment lang still im Abteil. Das ist selbst für den Cottbuser zu viel. Doch es kommt, wie es kommen muss: Noch vor der Ankunft in Berlin, wo Mentzel erschöpft aussteigt, haben die beiden Adressen und Telefonnummern ausgetauscht. Gerade war Achim Mentzel noch Werbefigur und Zugbegleiter, im nächsten Moment ist er Trauzeuge eines jungen Mannes, den er kaum kennt. So kann es zugehen, in der Schlagerbranche.

bjm/kra/news.de

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ellipirelli
  • Kommentar 8
  • 30.07.2011 20:09

Ist leider kein Aprilscherz,die wankende und krähende Bulette trampelt immer noch durch die Lande,als Alptraum der Menschen...

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  • Autumnus
  • Kommentar 7
  • 30.07.2011 14:03

Ist das ein super verspäteter Aprilscherz? Lebe ich im falschen Land? Wenn das in Ostdeutschland ist bin ich für den sofortigen Wiederaufbau der Mauer. Ich hoffe es gibt noch Züge ohne solche Gesangsberieselung. Über Schönheit lässt sich zudem bekanntlich und Gott sei Dank streiten. Ich empfehle Herrn Mentzel, sich mit einem Stapel Elektroheizdecken beim nächsten Kaffeefahrten- Unternehmer zu bewerben. Das gibt ein Bombengeschäft und alle singen mit.

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  • Ellipirelli
  • Kommentar 6
  • 27.07.2011 20:48
Antwort auf Kommentar 5

Danke Wilhelm..!*lach*:-)

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