Andreas Schmidt Der Anti-Schönling im TV

Groß, schlacksig, markante Nase und abstehende Ohren: Rein äußerlich macht Andreas Schmidt seinem Allerweltsnamen keine Ehre. Zu besonders ist sein Look, dem er vor allem Rollen mit irgendwelchen Macken zu verdanken hat. News.de über ein Gesicht des deutschen TV.

Er trägt eine Minipli-Frisur, Klamotten im Look der achtziger Jahre und einen Schnurrbart - allerdings nur für die Rolle. «Das war wirklich Folter für mich», verriet Schauspieler Andreas Schmidt 2008 in einem Spiegel-Interview. Als Sänger Gurki hatte er in der Komödie Fleisch ist mein Gemüse nur eine Nebenrolle. Die spielte er aber so überzeugend, dass er 2009 dafür den Deutschen Filmpreis einheimste. Gestern war er in der Tragikomödie Ein guter Sommer im Ersten als einsamer Busfahrer Andi zu sehen. Der ARD-Mittwochsfilm enttäuschte jedoch mit einer Quote von 9,4 Prozent. Lediglich 2,7 Millionen Deutsche interessierten sich für die ungewöhnliche Freundschaft der drei Hauptakteure.

«Ein guter Sommer»: Drei ungewöhnliche Freunde

Schmidt mimte in Ein guter Sommer eine klassische Klette, die durch ihre manchmal unbeholfene Aufdringlichkeit neuen Anschluss findet. Aber wer ist der Mann mit dem Allerweltsnamen, der immer ein leicht verschmitztes Lächeln auf den Lippen hat? Geboren 1963 und im Märkischen Viertel von Berlin aufgewachsen, hat Schmidt eigentlich Germanistik und Philosophie studiert. Doch die Schauspielkarriere deutete sich schon früh an: Mit elf Jahren übernahm er seine erste TV-Rolle im DDR-Kinderfilm Alwin auf der Landstraße. Sein Kinodebüt feierte er 1987 als Zivi auf einer Krankenstation in der Krimikomödie Peng! Du bist tot!

Größere Bekanntheit erlangte Schmidt als Bauarbeiter Alex in Eoin Moores plus-minus null (1998). Darin haust er nach der Trennung von Frau und Kind in einem Baustellencontainer, verliebt sich in eine bosnische Prostituierte, scheut aber eine Scheinehe mit ihr. Noch zwei weitere Male engagierte Moore den schlacksigen Schmidt für Spielfilme: In Conamara (2000) und Pigs Will Fly (2002) übernahm er jeweils eine Hauptrolle. Polizeiruf- und Tatort-Einsätze folgten, wo er auch schon mal der Mörder war.

Ex-Frontmann, Bar-Besitzer und Regisseur in Personalunion

Auf ein Rollenprofil lässt sich der Endvierziger nicht festlegen - mit der Ausnahme, dass er vom Normalo-Image weit entfernt ist. Mal spielt er einen Lkw-Fahrer, der seinem Machotum mit drei Kindern von drei unterschiedlichen Frauen alle Ehre macht und in Sommer vorm Balkon schon mit der nächsten Flamme anbandelt. Mal mimt er einen Polizisten, der privat zum Schläger mutiert, wie in Pigs Will Fly. Und dann gibt er einen nicht ganz so ernstzunehmenden Ganoven in Rennschwein Rudi Rüssel 2. Allesamt Typen mit einem mal mehr und mal weniger drastischen Spleen.

Auch privat hat der dürre Schauspieler mit den leicht abstehenden Ohren, die ihm übrigens seine ersten Filmrollen einbrachten, verborgene Seiten. Während seines Studiums versuchte er sich als Sänger einer Rockband namens Lillies große Liebe. Doch auf Dauer war ihm das Schleppen von Verstärkern und Singen der immer gleichen Lieder zu anstrengend.

Dennoch ruht sich Schmidt, der ein bis drei Filme im Jahr dreht, nicht auf seinen Kino- und TV-Rollen aus. Zusammen mit Schauspielkollege und Moderator Thomas Hackenberg (Quiz Taxi) betreibt er in Köln die Tapas-Bar La Bodega. Und er führt Regie am Theater, denn «wenn man immer nur spielt, wird der Geist ein bisschen lahm gelegt», sagt er.

car/news.de

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