Ryan Phillippe Der fiese Schnösel

Der fiese Schnösel (Foto)
Ryan Phillippe Bild: dadp

Von news.de-Redakteurin Julia Pfeifer, Berlin
In Filmen wie The Bang Bang Club, Eiskalte Engel und Der Mandant spielt er gern den schlimmen Bösewicht. Im wahren Leben ist Ryan Phillippe dagegen ein echt netter Kerl. News.de hat den Ex-Mann von Reese Witherspoon zum Interview getroffen.

Auf der Promo-Tour zu ihrem Film Der Mandant muss es - zumindest in Berlin - hoch hergegangen sein. Ryan Phillippe und Matthew McConaughey waren bis zum Morgen in den Bars der Hauptstadt unterwegs. Während Matthew McConaughey offensichtlich mit den Nachwirkungen zu kämpfen hatte, war Ryan Phillippe nach wenigen Stunden wieder topfit. Er lässt sich gerade ein üppiges Frühstück schmecken, als news.de ihn zum Interview trifft. 

Ich sehe, Sie trinken Wasser. Ihr Kollege Matthew McConaughey hatte heute schon drei Bier...

«Popcorn»
Cameron Diaz auf Marihuana
Video: news.de

Ryan Phillippe: Oh. Ich habe auch schon eins getrunken. (lacht)

Lasse Sie uns über Ihren neuen Film sprechen. Was hat Sie an der Rolle des zwielichtigen Louis Roulet gereizt?

Phillippe: Ich habe noch nie so einen Typen gespielt. Es ist definitiv der dunkelste Charakter, den ich je gespielt habe. Und - ich weiß nicht, was das jetzt über mich aussagt - ich habe es sehr genossen, den Bösen zu spielen. Meine Figur manipuliert nicht nur jeden im Film, im Grunde genommen manipuliert sie auch die Zuschauer. Das zu spielen, hat wirklich Spaß gemacht.

Was hat Ihnen daran gefallen?

Phillippe: Wenn du der Held eines Films bist, musst du eine ganze Menge Regeln einhalten, damit dich das Publikum liebt. Wenn du der Böse bist, kannst du machen, was du willst.

So ganz neu dürfte die Rolle aber auch nicht sein. In Eiskalte Engel und Igby waren Sie ja auch schon der wohlhabende Bösewicht...

Phillippe: Stimmt. Das Verrückte daran ist, dass ich selbst gar nicht aus einem reichen Elternhaus komme. Wir waren nicht arm, aber meine Eltern mussten sich schon ganz schön anstrengen, um ihre Rechnungen bezahlen zu können. Dennoch bekomme ich immer diese Rollen. Aber ich muss sagen, umso mehr die Charaktere, die ich spiele, von meiner Person entfernt sind, umso mehr genieße ich, sie zu spielen.

Wie ist denn der echte Ryan Phillippe?

Phillippe: Wenn in Klatschmagazinen oder im Internet über mich geschrieben wird, habe ich immer das Gefühl, es geht dabei um eine andere Person. Ich kenne diesen Typ nicht. Ich bin eigentlich wie jeder andere auch. Zu Hause mit meinen Kindern führe ich ein ganz normales Leben. Nur wenn ich zu Premieren gehe, von Paparazzi verfolgt werde oder Interviews gebe, wird mir klar, dass ich berühmt bin.

Louis Roulet, den Sie im Film darstellen, droht die Todesstrafe. Wie stehen Sie zu diesem umstrittenen Thema?

Phillippe: Ich bin auf gar keinen Fall dafür. Ich finde, es ist etwas Barbarisches, etwas, das nicht in unsere Zeit gehört. Allerdings weiß ich nicht, ob ich noch genauso denken würde, wenn meinen Kindern oder meiner Mutter etwas passieren würde.

Ihre Figur lügt im Film sehr überzeugend. Ist es als Schauspieler eigentlich einfacher zu lügen?

Phillippe: Ja ist es. (lacht). Lügen ist unser Job. Man kann sagen, wir Schauspieler sind Berufslügner. Ich bin sogar ziemlich gut darin. Aber mittlerweile versuche ich, es nicht mehr zu tun. Als ich jünger war, habe ich wirklich häufig gelogen. Aber wenn du älter wirst, gibt es keine Gründe mehr fürs Lügen. Du bist mir dir zufrieden und brauchst nicht vorgeben, jemand anderes zu sein.

Im Film sind Sie in einer Szene zu sehen, in der die von Ihnen dargestellte Figur eine Frau vergewaltigt. Wie ist es, solche gewalttätigen Szenen zu drehen?

Phillippe: Ich bin ein sehr empfindsamer Mensch. Außerdem bin ich mit drei Schwestern aufgewachsen und habe eine Tochter. Deshalb war es für mich wirklich schwer, diese Szenen zu drehen. Nun wurden diese Szenen auch noch als erstes gedreht. Ich kannte das Team kaum und musste gleich dieses Monster spielen.

Sie sprachen gerade von Ihrer Tochter - sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Gefahren, die es im Leben gibt?

Phillippe: Meine Kinder wachsen ganz anders auf als ich. Beide Eltern sind Schauspieler, zieren Zeitschriftencover und werden ständig fotografiert. Aber wir versuchen, sie so normal wie möglich aufwachsen zu lassen. Wir bringen ihnen aber auch bei, anzuerkennen, dass sie ein privilegiertes Leben haben und dass es ihnen besser geht als vielen anderen Kindern.

Wie kommen Sie damit zurecht, dass Ihr Privatleben bis auf das kleinste Detail ausgeleuchtet wird?

Phillippe: Man akzeptiert es einfach irgendwann. Ich hasse es nach wie vor, aber man kann nun einmal nichts dagegen tun. Vor einigen Jahren habe ich mir ein Motorrad gekauft, weil man damit schneller vor den Paparazzi abhauen kann. Aber ganz entkommen kann man ihnen nie. Vor kurzem war ich mit jemanden zum Mittagessen verabredet. Während ich beim Essen saß, bekam ich eine Nachricht von einem Freund, der mir schrieb, dass bereits bei Twitter gepostet wurde, mit wem ich zu Mittag esse. Gleich danach kamen auch schon die ersten Fotografen.

Nutzen Sie Social Networks wie Twitter oder Facebook?

Phillippe: Ich bin weder bei Twitter noch bei Facebook. Aber ich kann mir vorstellen, dass es eine gute Plattform ist, um Projekte zu promoten. Man könnte über Twitter auch Gerüchte dementieren und klarstellen.

Neben Ihrer Karriere als Schauspieler haben Sie eine Produktionsfirma und arbeiten als Drehbuchautor. An was arbeiten Sie zurzeit?

Phillippe: Ich habe gerade eine Serie an einen Sender verkauft. Darin geht es um einen Limousinenchauffeur in New York. Außerdem werde ich demnächst bei meinem ersten Kurzfilm Regie führen. Ich habe auch das Drehbuch dazu geschrieben. Ich erzähle die Geschichte von einem Typen, der nach der Trennung von seiner Freundin durchdreht.

Sie wollen also mehr hinter der Kamera stehen?

Phillippe: Ja. Auf jeden Fall. Ich habe jetzt fast 20 Jahre lang als Schauspieler gearbeitet und dabei sehr viel von den Regisseuren gelernt, mit denen ich drehen durfte. Das möchte ich gern auch hinter der Kamera anwenden.

Ryan Phillippe ist derzeit mit zwei Filmen in den deutschen Kinos. Der Mandat und The Bang Bang Club.

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car/news.de

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