Maike von Bremen
Biest ohne Blutphobie

Sie war ein gutes Mädchen, jetzt ist sie ein böses. Maike von Bremen spielt eine intrigante Ärztin in der ZDF-Soap Herzflimmern und bricht so mit ihrem Image. Im Interview spricht die Schauspielerin über blutige Dreharbeiten, Witze über ihre Frisur und die Faszination von Grey's Anatomy.

Maike von Bremen spielt bei Herzflimmern das Serienbiest Dr. Isabelle Jung, Spezialgebiet: Wiederherstellungs-Chirurgie. Bild: ZDF/Stephan Pick

In der Serie Herzflimmern brechen Sie mit Ihrem «netten» Image und spielen eine intrigante Ärztin. Wie viel Spaß haben Sie dabei?

Maike von Bremen: Das Biest zu spielen, ist eine tolle Herausforderung, weil ich bisher immer die «good girls» verkörpert habe. Die Rolle der Dr. Isabelle Jung ist sehr vielschichtig und provoziert im besten Falle unterschiedliche Reaktionen bei den Zuschauern. Die werden Isabelle als unsympathisch empfinden, im nächsten Moment aber vielleicht auch wieder Verständnis für ihr Handeln aufbringen.

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Das Spannende für mich an so einer Rolle ist, zu überlegen, was in dem Seelenleben meiner Figur so schief gelaufen ist, dass sie sich zu so «bösen» Handlungen hinreißen lässt.

Wie böse müssen Sie denn sein, um solch eine Rolle zu spielen?


Von Bremen: Für mich als Schauspielerin besteht in erster Linie die Aufgabe darin, mir zu überlegen, welche Verletzungen Isabelle in sich trägt oder welche Kränkungen dazu geführt haben, dass sie in eine Art Trotzreaktion verfällt und somit mit einer gewissen «Ihr-könnt-mich-alle-mal-Haltung» durch die Welt läuft.

Kein Mensch ist von sich aus böse. Das Böse beziehungsweise die dunklen Seiten eines Charakters sind immer das Resultat von mangelndem Selbstwertgefühl, Liebesentzug und/oder anderen negativen Erfahrungen. Aus solchen Defiziten entstehen dann Schutzpanzer wie zum Beispiel ein arrogantes Auftreten und so weiter.

Färbt die Rolle ab? Sind Sie nun auch als Privatperson ungenießbar geworden?

Von Bremen: Natürlich (lacht). Nein, die Rolle dient eher als Katalysator. Nach dem Dreh bin ich meistens total entspannt. Ich glaube, es ist belastender, eine Rolle zu spielen, die permanentes Lächeln erfordert. Wo soll da der Frust hin? Ich kann leichter Verstimmungen in meine Rolle fließen lassen und bin dann privat die Harmonie pur.

Ihr Job ist also eine Art bezahlte Therapie?

Von Bremen: Ja, genau. Perfekt, nicht wahr! (lacht)

Fürchten Sie nicht die Reaktion der Leute, die nicht zwischen Ihnen als Privatperson und Ihrer Rolle unterscheiden können?

Von Bremen: Nein, ich bin eher gespannt. Man muss das aushalten können und lernen, das nicht persönlich zu nehmen. Sicher werden mich von nun an einige Zuschauer, die das nicht trennen können, unsympatischer finden, aber das heißt ja dann nur, dass ich meine Rolle gut gespielt habe.

Sonst hätten Sie vermutlich auch Ihren Beruf verfehlt ...

Von Bremen: Genau. Als Isabelle verkörpere ich alles andere als die perfekte Schwiegertochter und daher werden auch die Zuschauerreaktion auf meine neue Rolle totales Neuland für mich. Darauf freue ich mich aber.

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Parallel zum Image haben Sie auch die Frisur gewechselt. Was hat es denn mit dem neuen Schnitt auf sich?

Von Bremen: Ich trage jetzt für die Rolle einen geraden, perfekten Schnitt, durch den ich optisch eine gewisse Härte bekomme. An die Frisur musste ich mich erstmal gewöhnen. Meine Kollegen bei Herzflimmern haben sich auch darüber lustig gemacht. «Ich solle doch das Visier von meinem Helm runter klappen», war einer der Sprüche. Wenn Maske und Kostüm so bei einer Rolle mitarbeiten, muss man eigentlich nur noch halbwegs intelligent aus der Wäsche gucken. (lacht)

Schon irgendwie ein Zickenschnitt, oder?

Von Bremen: Bei Herzflimmern bin ich ja auch die Zicke. Ich spiele quasi eine kaltschnäuzige Karrierefrau, die ins beschauliche Sonneberg reinrumpelt, alles durcheinander bringt und Menschen (vor allem Männer) sehr zu manipulieren weiß. Eine Frau wie Isabelle setzt auch auf Außenwirkung. Da passt es gut, dass jede Strähne sitzt und die Lippen immer perfekt geschminkt sind.

Wie kommt denn die Berlinerin Maike von Bremen mit dem dauerhaftem Dreh in Bayern klar?

Von Bremen: München und das Umland sind toll. Im Herzen bleibe ich aber immer Berlinerin.

Sie haben bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ) und Anna und die Liebe mitgespielt. Nun steigen Sie bei Herzflimmern ein. Sind Sie Deutschlands ungekrönte Soap- und Telenovelaexpertin?

Von Bremen: Nur die Leute, die in Schubladen denken, erfinden solche Titel. Den meisten ist halt nicht präsent, dass ich Theater spiele, seit ich zehn Jahre alt bin, und schon bevor ich bei GZSZ eingestiegen bin, zwei Jahre lang auf Kleinkunsttournee war. Mein Vater, Harald Müller, ist Dramatiker. insofern gab es da für mich schon früh Berührungspunkte mit der Theaterbühne. Mein jetziges Arbeiten empfinde ich als hartes Training.

Ist das Mitwirken bei so vielen täglichen Serien nicht eher ein Hindernis für Filmrollen?


Von Bremen: Das glaube ich nicht. Im Gegenteil. Ich stelle fest, dass sich das momentan immer mehr ändert und viele Filmschaffende auch den Mehrwert sehen, den ein serienerfahrener Schauspieler mitbringt.

Ein Charakteristikum fast jeder Folge ist der abschließende Blick ins Nichts. Wie
kriegt man den eigentlich hin?


Von Bremen: Ich versuche mir eine emotionale Brücke zu bauen, um einen Grund zu haben, warum gerade dieser Blick jetzt Sinn macht. Auf jeden Fall ist es wichtig, nicht wie einfach unmotiviert wie ein angeschossenes Reh dazustehen. (lacht)

Sie lernen unglaublich viel Text. Wie merken Sie sich den?


Von Bremen: Der Text wird eigentlich nur im Kurzzeitgedächtnis gespeichert. Am Ende der Woche lösche ich dann die Festplatte im Gehirn. Ich setze ich mich am Wochenende hin und lese jede Szene mehrfach, um sie so im Unterbewusstsein zu speichern. Am Drehtag selbst, lese ich sie noch zweimal und dann geht das. Bei Herzflimmern liegt die Schwierigkeit eher in der Unmenge an medizinischen Fachbegriffen. Das erinnert mich ans Vokabellernen in der Schule.

Wie gut sind denn Ihre Kenntnisse im Fachgebiet Ihrer Serienfigur, der Wiederherstellungschirurgie?

Von Bremen: Haben Sie schon einmal einen Schauspieler, der im Tatort den Täter spielt gefragt, ob er auch tatsächlich schon gemordet hat? (lacht) Vor dem Drehstart haben wir zwei Tage lang in einem Krankenhaus bei Operationen zuschauen dürfen. Darüberhinaus wurden uns Nähen und medizinische Knoten und so weiter von unseren medizinischen Set-Betreuern beigebracht. Diese stehen uns auch bei jeder medizinischen Szene mit Rat und Tat zur Seite. Eine tolle Unterstützung.

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Am Set operieren wir übrigens mit Schweinemägen, die auf die Komparsen geschnallt werden, und einer Menge Kunstblut. Das sieht oft schon ziemlich fies aus. Eine Blutphobie darf man da nicht haben.

Schauen Sie auch privat Arztserien?

Von Bremen: Bis vor kurzem nicht, weil aber so viel über Grey's Anatomy gesprochen wurde, wenn es um das Thema Arztserie ging, habe ich mir die Serie auf DVD besorgt und bin jetzt süchtig geworden. Den Kult um «McDreamy» und Co. kann ich jetzt etwas verspätet auch verstehen und verschlinge nun alle Fortsetzungen. Da bin ich wohl in eine Falle getappt. Ich rede mir aber ein, mit dem Schauen von Grey's Anatomy etwas Produktives zu machen. Quasi so etwas wie Rollenvorbereitung! (lacht)

Schwärmen Sie jetzt auch für Hauptdarsteller Patrick Dempsey?

Von Bremen: Wie könnte ich nicht? (lacht). Ich habe normalerweise eine Antihaltung gegen Frauenschwärme und schaue dann ganz genau hin, ob derjenige denn wirklich spielen kann. Und ich muss sagen, dass Patrick Dempsey traumhaft spielt.

Jetzt mal ehrlich, das liegt doch nur am Arztkittel.

Von Bremen: Nein, auch ohne Kittel ist der gut. (lacht)

Wo wir gerade über Männer sprechen,  wie sieht es denn mit Ihrer Familenplanung und einem Freund aus?

Von Bremen: Mir sind zauberhafte Männer begegnet, aber the one and only «Mr. Right» war noch nicht dabei. Ich suche aber auch nicht mehr, sondern lass mich lieber finden. Denn wir wissen ja alle, dass wenn man unbedingt will, es eh nicht klappt. Im Moment hätte ich für eine Partnerschaft auch keine Zeit.

Sprechen wir mal kurz über Ihren Nachnamen. Wo kommt der her?

Von Bremen: Ich habe von Verwandten gehört, dass ein Vorfahre in Bremen für eine gute Tat geadelt wurde und das klingt doch irgendwie wunderbar. Aus Schauspielersicht bin ich froh, dass ich unehelich geboren bin, sonst hätte ich den Namen meines Vaters, also Müller, tragen müssen (lacht). Maike von Bremen kann man sich da doch viel besser merken.

Sie sind sehr gut mit Jeanette Biedermann befreundet. Sehen wir Sie noch einmal gemeinsam in einer Serie und küssen Sie sich dann auch wieder wie bei Anna und die Liebe?

Von Bremen: Bei meiner jetzigen Rolle kann ich Frauenküsse ausschließen. Isabelle ist aber dennoch kein Kind von Traurigkeit und eine Gefahr für jeden Mann, der nicht bei drei auf dem Baum ist. (lacht) Tatsächlich haben Jeanette und ich über einen potentiellen gemeinsamen Film schon Witze gemacht. Könnten wir uns interessant vorstellen, wo wir doch so unterschiedliche Frauentypen sind.

Sie haben auch mal eine Platte aufgenommen. Wie sieht es mit Ihrer Musikkarriere aus?

Von Bremen: Mal sehen. Die Musik ist nach wie vor eine große Liebe von mir. Ich schreibe weiterhin Songs und trete irgendwann demnächst in kleinen Clubs auf.
 
Die Termine könnten Sie via Twitter und Facebook veröffentlichen. Wie halten Sie es mit den Sozialen Netzwerken?

Von Bremen: Ich habe ein offizielles Profil bei Facebook, wo ich mit meinen Fans in Verbindung trete und sie auf dem Laufenden halte. Privat nutze ich Facebook immer seltener, weil man dadurch so viel Zeit verliert. Schlimm finde ich es, wenn Leute, mit denen man im Café sitzt, nichts besseres zu tun haben, als permanent Dinge zu posten. Die sind überhaupt nicht richtig anwesend im hier und jetzt. Und genau aus diesem Grund möchte ich auch mit dem Twittern gar nicht erst anfangen. Das Leben ist zu kurz um es in erster Linie virtuell zu verleben.
 

Maike von Bremen ist am 4. März 1981 in Berlin geboren. Sie ist die Tochter des Dramatikers Harald Müller. Bereits mit zwölf Jahren steht sie auf der Theaterbühne. Von 2003 bis 2008 spielt sie in der TV-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ) eine der Hauptrollen. Nach ihrem Ausstieg folgen u.a. Auftritte bei Anna und die Liebe, im ZDF-Biopic Giacomo Puccini - Die dunkle Seite des Mondes und bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg. 2006 hat sie als Musikerin das Album Closer veröffentlicht. Aktuell spielt sie in der ZDF-Serie Herzflimmern die intrigante Ärztin Dr. Isabelle Jung.

Herzflimmern - Die Klinik am See, Montag bis Freitag, jeweils 16.15 Uhr im ZDF

car/news.de

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