Pressestimmen «Triumph der Liebe», aber «langweilig»

Königliche Hochzeit (Foto)
Nach der Eheschlie├čung chauffiert Prinz William seine Frau Catherine, Herzogin von Cambridge, in einem Aston Martin seines Vaters durch die Londoner Stra├čen. Bild: dapd

Sie war das Gro├čereignis des Jahres - mindestens: die Traumhochzeit von Prinz William und Catherine, der Herzogin von Cambridge. Weltweit wohnten ihr rund zwei Milliarden Menschen live an den TV-Bildschirmen bei. Doch was schreiben die Zeitungen am Tag danach?

Die Traumhochzeit des Jahres hat den meisten Fernsehsendern in Deutschland Traumquoten beschert. Nach Angaben des Branchendienstes meedia.de haben hierzulande teilweise mehr als 14 Millionen vor den Bildschirmen gesessen, als Prinz William und Kate Middleton sich in der Westminster Abbey in London das Jawort gaben. Weltweit soll das geschichtstr├Ąchtige Ereignis rund zwei Milliarden an den TV-Ger├Ąten begeistert haben.

Doch was sagen die Kommentatoren der internationalen Zeitungen zu dem royalen Gro├čereignis? Die news.de-Presseschau gibt einen ├ťberblick.

Die konservative britische Zeitung The Times aus London bezeichnet die k├Ânigliche Hochzeit als einen Tag voll Freude und Gl├╝ck in schweren Zeiten: «Die Monarchie ist ein Symbol unserer konstitutionellen Demokratie und unserer langen und ungebrochenen Geschichte von Stabilit├Ąt und Unabh├Ąngigkeit. Bei den Feierlichkeiten eines k├Âniglichen Anlasses feiern wir also uns selbst und unsere Nation. H├Ątten wir keinen friedlichen ├ťbergang zur Demokratie geschafft und Invasionen von Despoten widerstanden, w├Ąre dieser Freitag nicht m├Âglich gewesen. Die Hochzeit ist ein m├Ąchtiges Symbol des Werts der Monarchie. Sie bot der Nation die Gelegenheit, ihr Zusammengeh├Ârigkeitsgef├╝hl zu demonstrieren, ohne parteiischen Streit und ohne Vorwand f├╝r politische Differenzen. In diesen schweren Zeiten f├╝r Gro├čbritannien gab es an diesem Tag Sonnenschein, Freude und Gl├╝ck f├╝r alle, die daran teilhaben wollten.»

Kuss und Krone
Kate und Williams wichtigster Tag
William und Kate (Foto) Zur Fotostrecke

F├╝r das Madrider Blatt El Pa├şs gl├Ąnzt die britische Krone wieder: «Die Windsors haben den Glanz der britischen Krone zur├╝ckgewonnen. Die Hochzeit von Prinz William mit seiner langj├Ąhrigen Freundin Kate Middleton war ein runder Tag f├╝r die britische Monarchie. Es war ein perfekter Tag f├╝r die Hochzeit eines Mitglieds der hochn├Ąsigen Familie Windsor und der Tochter einer Mittelklassefamilie. Sogar die Sonne schien. Der erste Kuss von William und Catherine gab der britischen Krone ihre ganze Pracht zur├╝ck und lie├č den Abgrund vergessen, den die Krise zwischen Charles und Diana in den 90er Jahren geschaffen hatte.»
 

Die r├Âmische Tageszeitung Il Messaggero vergleicht die k├Ânigliche Hochzeit von William und Kate mit der von Charles und Diana vor 30 Jahren: «Was f├╝r ein Unterschied! Man muss dieses Royal Wedding von William und Kate einfach mit der verheerenden Ehe vergleichen, die seine Eltern Charles und Diana vor 30 Jahren geschlossen haben. Denn am Freitag hat die ganze Welt dem Triumph der Liebe ├╝ber die Staatsr├Ąson applaudiert, und zwei Milliarden Menschen haben ein verliebtes Paar gesehen, wie es den nat├╝rlichsten Epilog einer langen und leidenschaftlichen Beziehung zelebriert.»

Kate & William
Kate wurde ┬źwindsorisiert┬╗
Video: pfj/news.de/Unitec

Derweil zeigt sich die linksliberale Wiener Zeitung Der Standard gelangweilt von der Hochzeit in London: «Angeblich hasst der Prinz die Medien, die seine Mutter einst gemacht und dann zerst├Ârt haben; er sorgt daf├╝r, dass es ├╝ber diese Hochzeit nichts Interessantes zu schreiben gibt. Seine Entscheidung f├╝r eine b├╝rgerliche Braut wirkt wie eine Revolution, ist aber vor allem ein Akt h├Âchster Vorsicht: lieber eine coole Aufsteigerin, die so gar nicht dem Bild einer M├Ąrchenprinzessin entspricht, als eine exaltierte Aristokratin ├á la Lady Di und Fergie. Nur keine negativen Schlagzeilen, nur kein Drama. Wenn das langweiligste Freitagvormittagsprogramm aller Zeiten dann zu Ende ist, sollte nach der Vorstellung der Queen eine ├ära beginnen, in der das K├Ânigshaus nur noch abgestumpfte Rituale ohne jeden Unterhaltungswert abwickelt. (...) Aber wenn die Illustrierten einmal nicht mal mehr genug Stoff haben, um Klatschgeschichten aus dem K├Ânigshaus zu erfinden, dann werden sich die Briten vielleicht doch noch fragen, was das ganze Theater soll.»

Die russische Zeitung Komsomolskaja Prawda aus Moskau schw├Ąrmt indes von der eleganten Braut: «Diese Hochzeit war ein heller und bunter Feiertag! Nat├╝rlich, f├╝r einen Sichtplatz auf einem Balkon musste man 40 000 Pfund zahlen, und in der ├╝bervollen U-Bahn f├╝hlte man sich wie eine Sardine. Aber das war es wert! Die Menschen in London lachten und feierten, in der Hand eine Flasche und ein Sandwich. Auch das Wetter spielte mit. Und erst das Kleid der Braut: ein eleganter Entwurf im Stil von Grace Kelly. Dieses Kleid wird in die Geschichte eingehen.»

Und auch die bulgarische 24 Tschassa vergleicht Kate Middleton mit Grace Kelly: «Zwei Milliarden Menschen sahen weltweit live, wie ein M├Ąrchen wahr wird. Das M├Ądchen aus dem Volk, Kate Middleton, wurde zur Prinzessin, indem sie den k├╝nftigen K├Ânig Prinz William heiratete. (...) Sie vers├Ąumte aber zu versprechen, sich ihm zu unterwerfen. Kate erinnert Europa an vergangene Zeiten mit Grace Kelly - die amerikanische Schauspielerin, die vor 55 Jahren den F├╝rsten von Monaco Rainier heiratete.»

Auf Seite 2 lesen Sie, was deutsche Zeitungen schreiben

W├Ąhrend die Oldenburgische Volkszeitung den blo├č sch├Ânen Schein einer ├╝berkommenen Veranstaltung betont: «Es war eine unbedeutende Veranstaltung. Ein Thronfolger in der doppelten Warteschleife hat geheiratet. Belanglos angesichts dr├Ąngender Probleme in Europa und dr├Ąngenderen noch in Japan und oder der sogenannten Dritten Welt. Die Wertigkeit, die das Londoner Ereignis in den Medien erhielt, ist nat├╝rlich rein rational skandal├Âs. Das ganze Gewese um den Hochadel ein Relikt aus feudalen Herrschaftszeiten. Vorgestrig. Aber es war ein sch├Âner Schein.»

Wohingegen die Neue Osnabr├╝cker Zeitung diese als wahren Gl├╝cksfall bezeichnet: «Ein Kuss geht um die Welt. Gemessen an der Zahl der Fernsehzuschauer, z├Ąhlt die Traumhochzeit von Kate und William zu den gro├čen Ereignissen der Geschichte. Das kann angesichts von Kriegen und Atomkatastrophen verst├Âren. Aber auch Romantik und Liebe bewegen von jeher die Menschen. Die oft totgesagte britische Monarchie hat gestern eine Sternstunde erlebt. (...) In der Westminster Abbey ist Wirklichkeit geworden, wovon viele tr├Ąumen. F├╝r Premier Cameron ist der Trubel um die Hochzeit der Superlative ein Gl├╝cksfall, lenkt er doch die Untertanen von Wirtschaftsflaute, Schuldenberg und rigorosem Sparpaket ab. Auch wenn man sie als fragw├╝rdige Inszenierung verstehen kann, verhilft hier Poesie der Politik zu einer kurzen Verschnaufpause. Zuversicht ist in Krisenzeiten gefragt. Das strahlen Kate und William aus. (...) Sie zeigen keine Hochn├Ąsigkeit, sondern wirken erfrischend normal. Kate und William sind die royalen Hoffnungstr├Ąger.»

Nach Ansicht der Mittelbayerischen Zeitung aus Regensburg schl├Ągt die britische Monarchie mit dieser Ehe ein neues Kapitel auf: «Wie deutsch eigentlich das britische K├Ânigshaus sei, bemerkte ein Engl├Ąnder nicht ganz im Scherz, s├Ąhe man schon daran, wie perfekt es sich immer in Szene setzen kann. Die Hochzeit von Prinz William und Prinzessin Catherine hat das einmal wieder unter Beweis gestellt. Bis auf die Minute war der Ablauf geplant, minuti├Âs f├╝gte sich dann alles zusammen: Vom Eintreffen der G├Ąste in der Westminster Abbey bis zum H├Âhepunkt, dem Kuss auf dem Balkon des Buckingham Palasts, war alles so wie es sein sollte. Ein w├╝rdiger, ein prachtvoller Rahmen f├╝r ein historisches Ereignis (...). Auch wenn ein K├Ânig William wohl erst in zwanzig, drei├čig Jahren auf den Thron gelangen wird, sieht die Zukunft der Windsors gesichert aus.»

Und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung aus Essen schreibt von einem h├╝bschen Spektakel ├á la royaler Folklore: «Beim K├╝ssen kann der Br├Ąutigam hoffentlich noch zulegen. Aber abgesehen von allzu spitzen Lippen auf dem Balkon des Buckingham Palastes hat die pomp├Âse Hochzeitsshow von Kate und William all das geboten, was man sich von royaler Folklore made in Britain verspricht - und mehr ist es ja nicht. Mit Kutschen, Ch├Âren und Karossen, gekr├Ânten H├Ąuptern im Dutzend und H├╝ten, in denen auch Blumen ihre Freude gehabt h├Ątten. Das britische Empire l├Ąuft bei solchen Spektakeln immer noch zur H├Âchstform auf. Dass die Welt dahinter nicht halb so m├Ąrchenhaft ist wie die Hochglanzbilder, die nun um die Welt gehen, darf man einmal f├╝r ein paar Stunden ausblenden, ohne sich als Tr├Ąumer beschimpfen lassen zu m├╝ssen. Es ist die kleine Flucht aus dem Alltag, die sich Abermillionen Menschen gestern vor den Fernsehger├Ąten geg├Ânnt haben. Denn die ├╝bermitteln ihnen sonst ├╝berwiegend Unerfreuliches. Morgen freilich darf man das Gesehene ruhig wieder vergessen haben. So wichtig war's nicht.»

wie/news.de/dpa

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