Veronica Ferres «Ich habe vor nichts wirklich Angst»

Sie ist eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen des Fernsehens. Im Interview mit news.de spricht Veronica Ferres ├╝ber die Erziehung ihrer Tochter, ihr erstes Sachbuch und verr├Ąt, was sie in Zukunft vom Schauspielen abhalten k├Ânnte.

Die Schauspielerin Veronica Ferres hat ein Buch ├╝ber Kinder geschrieben, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Bild: dpa

Veronica Ferres kommt zum Interview mit Handy am Ohr. Sie telefoniert mit ihrer Tochter, kann sich kaum losrei├čen, verabschiedet sich mit einem «Tsch├╝ss, mein Schatz».

Frau Ferres, mit Kinder sind unser Leben haben Sie Ihr Deb├╝t als Sachbuchautorin gegeben. Wie schwer ist Ihnen dieses Buch gefallen?

Ferres: Dadurch, dass ich einen wunderbaren Verlag an meiner Seite habe und eine tolle Co-Autorin und sehr diszipliniert bin, haben wir das eigentlich ├╝ber einen Zeitraum von zwei Jahren immer nachts geschrieben. Nicole Maibaum ist, wie ich auch, alleinerziehende Mutter. Und immer, wenn beide Kinder geschlafen haben, dann ging das bei uns los.

FOTOS: Veronica Ferres Schauspielerin, Autorin, Superweib

Nicole Maibaum lebt in Hamburg, ich in M├╝nchen. Wir haben immer per E-Mail korrespondiert. Von ├╝ber 60 Projekten mussten wir uns ja dann f├╝r das Buch auf 15 beschr├Ąnken, was uns sehr schwer gefallen ist. Uns war wichtig, dass wir nicht vergessen d├╝rfen, dass wir in Deutschland 3,5 Millionen Kinder unter der Armutsgrenze und knapp 1,5 Millionen missbrauchte Kinder haben. Dass das alles hier passiert, daf├╝r fehlen uns in Deutschland meiner Meinung nach das Bewusstsein und die Sensibilit├Ąt.

Finden Sie denn, dass Deutschland ein gutes Land f├╝r Kinder ist?

Ferres: Ehrlich gesagt, nein. Da sind die Systeme vor allem f├╝r berufst├Ątige M├╝tter in Italien, in Frankreich, was ich auch dort von meinen Freunden kenne, viel besser. In Deutschland werden arbeitenden M├╝ttern immer noch gro├če Hindernisse in den Weg gelegt. Aber es ist sicher zu schaffen, dies zu verbessern. Kinder dieser Frauen haben zwar die Herausforderung, Dinge fr├╝her in der Selbstst├Ąndigkeit zu lernen als andere. Aber wenn man den Kindern den Boden der Liebe, der F├╝rsorge und des Beh├╝tetseins gibt, glaube ich nicht, dass sie Nachteile daraus haben, dass ihre Mutter berufst├Ątig ist.

Die erste Auflage Ihres Buches war allein durch die Vorbestellung fast schon vergriffen. Haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Ferres: Ich bin da ganz vorsichtig und w├╝rde mich riesig freuen, wenn es ein Erfolg wird. Die Leser werden entscheiden, ob es in dieser Richtung weitergeht oder ob ich mich dann wieder aufs Schauspielern und Filme koproduzieren konzentrieren werde.

Aber wenn es gut l├Ąuft, wollen Sie mehr schreiben und die Schauspielerei zur├╝ckschrauben?

Ferres: Vielleicht schon. Der Vorteil am Schreiben ist ja die gro├če Unabh├Ąngigkeit. Niemand sagt mir dann: morgens 5 Uhr aufstehen, 5.45 Uhr Abholung und Drehbeginn, sondern ich kann meinen Tag leben, wie ich m├Âchte, setze mich an den Computer und fange das Schreiben an.

Dieses Buch haben Sie Ihrer Tochter Lilly gewidmet. Welche Rolle spielte sie f├╝r dieses Buch?

Ferres: Wenn ich ehrlich bin, h├Ątte ich dieses Buch nicht geschrieben, wenn ich keine Mutter w├Ąre. In Zeitungen lese ich Artikel ├╝ber Kinder anders, weil ich nat├╝rlich ein anderes Interesse habe. Ich gucke anders hin, als wenn ich kein Kind h├Ątte. Ich habe ihr das Buch gewidmet, damit sie versteht, warum die Mami morgens m├╝de war, und weil ich mir w├╝nsche, dass sie es irgendwann als Selbstverst├Ąndlichkeit begreift, dass sich jeder Mensch sozial zu engagieren hat.

Peter Maffay hat gesagt, Kinder k├Ânnen sich nicht aussuchen, wo sie hineingeboren werden. Haben es Promikinder nicht auch manchmal schwer? Haben Sie damit negative Erfahrungen gemacht?

Ferres: Zum Gl├╝ck nicht. Wir sch├╝tzen Lilly sehr. Es gibt kein Foto von ihr in der Presse. Und dadurch, dass sie auf einer englischsprachigen Schule ist, interessiert die M├╝tter da ├╝berhaupt nicht, wer ich bin. Die kennen mich nicht, und ich bin eine von vielen. Das ist super angenehm.

Ist es heutzutage schwieriger Kinder zu erziehen als zu Zeiten, da Sie Kind waren?

Ferres: Schwieriger glaube ich nicht. Aber ich glaube, die Herausforderung ist eine andere. Unsere Eltern geh├Ârten der Wiederaufbaugeneration an. Die jetzige Generation hat mit gr├Â├čerer Orientierungslosigkeit zu k├Ąmpfen. Es gibt heute auch keine Zielstrebigkeit mehr im Erlernen von Berufen. Durch das breite Angebot, durch die Globalisierung, dass heute jeder ├╝berall hingehen kann zum Studieren – das Angebot ist einfach zu gro├č. Kinder brauchen klare Vorgaben.

Ich glaube, dass wir unsere Kinder einerseits mehr Richtungen vorgeben m├╝ssen und dass Strenge richtig und gut ist. Andererseits ist es eine gro├če Herausforderung, sie zu freien und selbstst├Ąndigen Menschen zu erziehen und nicht die eigenen ├ängste auf sie zu projizieren.

Sie haben in Ihrem Buch auch ├╝ber Ihre Br├╝der geschrieben. Haben es Einzelkinder schwerer?

Ferres: Ich kann nicht sagen, wie es ist, als Einzelkind aufzuwachsen. Meine zwei ├Ąlteren Br├╝der sind mir sehr wichtig. Ich musste als Kind immer im Auto hinten in der Mitte sitzen und samstags beim Baden war ich die Letzte. Das waren so die Nachteile. Aber ich habe durch meine Br├╝der ganz fr├╝h eine Welt kennengelernt, die man als M├Ądchen nicht kennenlernt. Ich musste im Wald Wache stehen, wenn sie Treffen mit ihren Banden hatten, und pfeifen, wenn jemand kam. Da habe ich oft stundenlang gestanden und auch ├ängste ├╝berwunden.

Dadurch habe ich schon so ein Abenteuergen in mir, das mich sicher auch heute immer wieder zu neuen Herausforderungen treibt, zu neuen schwierigen Rollen, den Mut, im Ausland zu drehen, auf Franz├Âsisch, auf Englisch. Ich bin zwar immer aufgeregt, aber ich habe vor nichts wirklich Angst.

In Ihrem Buch widmen Sie ein Kapitel den Folgen des Amoklaufes von Winnenden. Geh├Âren Sie zu den Verfechtern eines Waffenverbots?

Ferres: Was Doris Kleisch und ihr B├╝ndnis gegen Gewalt erreicht haben, finde ich grandios. Ich habe absolut kein Verst├Ąndnis daf├╝r, dass Waffen in Sch├╝tzenvereinen frei zug├Ąnglich sind. Und ich habe auch kein Verst├Ąndnis daf├╝r, dass Eltern Waffen in ihrem Haus ungesichert lagern k├Ânnen.

Sie zahlen das Gehalt einer Ärztin einer Aids-Klinik aus eigener Tasche. Das kann sich kaum jemand leisten. Doch was kann jeder im Kleinen tun, um sich zu engagieren?

Ferres: Bei der Kindernothilfe kann man f├╝r 40 Euro im Monat einem Kind eine komplette Versorgung erm├Âglichen. Vereine unterst├╝tzen, die man kennt. Menschen helfen, die ├╝berfordert sind. Einfach das normale Menschliche, das wir alle verlernen durch die zunehmende Technisierung. Heutzutage hat jeder sein Schicksal hinter der Wohnungst├╝r.

Veronica Ferres (Jahrgang 1965) geh├Ârt zu den bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands. Ihre Hauptrolle in Das Superweib machte sie 1996 einem gro├čen Publikum bekannt. Seitdem spielte sie in zahlreichen TV-Filmen wie Die Frau vom Checkpoint Charly und Das Wunder von Berlin mit. Zuletzt war sie in dem Film Marco W. zu sehen. Ferres ist Mutter einer Tochter und seit 2009 mit dem deutschen Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer liiert. Als Kinderbuchautorin gab sie 2007 ihr Deb├╝t. Im M├Ąrz ist ihr erstes Sachbuch Kinder sind unser Leben erschienen.

brc/car/reu/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • EKEL
  • Kommentar 2
  • 02.05.2011 21:29

Wer mit Karsten Maschtmeier liiert ist, SPD- Schr├Âder ja ja, Steinmeier soso und solches, kann kein ganz guter Mensch sein. So viel Vorurteil tut gut ! Nicht ganz unber"├Ą"chtigt ! Gutmenschen...einige...Bild..,. ich bin dir nah !

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  • Heinz
  • Kommentar 1
  • 02.05.2011 18:53

Mir geht es besser als Frau Ferres, ich habe weder Angst noch Geld.

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