Fall Kachelmann Staranwalt setzt auf Angriff

Er ist renommiert, bundesweit bekannt und ihm eilt ein «Ruf wie ein Donnerhall» voraus. Zu seinen Mandanten gehören Persönlichkeiten wie Jan Ullrich, Gregor Gysi oder Jan Philipp Reemtsma. Nun ist Johann Schwenn Hauptverteidiger von Wettermoderator Jörg Kachelmann.

Johann Schwenn übernimmt Verteidigung Kachelmanns (Foto)
Johann Schwenn übernimmt Verteidigung Kachelmanns. Bild: ddp

Johann Schwenn gilt als einer der renommiertesten Strafrechtler Deutschlands. Wettermoderator Jörg Kachelmann sicherte sich nicht zufällig die Dienste des wortgewaltigen und streitbaren Hamburger Juristen.

Schwenn kämpft für das Recht seiner Mandanten mit harten Bandagen und provokanten Fragen. Der nicht selten rüde Angriff ist für den selbstbewussten Staranwalt die beste Verteidigung.

Schwenns Mandatenliste strotzt nur so vor bekannten Namen: Liedermacher Wolf Biermann, Politiker Gregor Gysi, Entführungsopfer Jan Philipp Reemtsma, Schauspielerin Barbara Wussow oder VW- Vorstandsmitglied Klaus Volkert sind darunter zu finden.

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Dem Strafrechtler eilt ein «Ruf wie ein Donnerhall» voraus, so die Süddeutsche Zeitung. Und die Zeit konstatierte über den Anwalt: «Da, wo Schwenn gerade steht, ist das Recht.» Schwenn erzielte in Vergewaltigungsprozessen und Wiederaufnahmeverfahren spektakuläre Erfolge. Mehrfach boxte er dabei Verurteilte nach jahrelanger Haft wieder frei.

Der Promianwalt packt Staatsanwaltschaft und Gerichte hart an. Er rügte an Vergewaltigungsverfahren bereits «unglaubliche Unprofessionalität» und «eine dunkle Seite des Opferschutzes, indem man dem vermeintlichen Opfer bedenkenlos glaubt». Gehe es um den Vorwurf der Vergewaltigung, sei die Unschuldsvermutung quasi außer Kraft gesetzt. «Wer behauptet, Opfer eines Sexualdelikts geworden zu sein, wird von Anfang an so behandelt, als sei das so.»

Der elegant auftretende Strafverteidiger ist aus juristischem Elternhaus und wollte Medienberichten zufolge eigentlich Gefängnisaufseher werden. Verteidiger wurde er, nachdem er in den 1970er Jahren in einer psychiatrischen Anstalt ein Praktikum machte. Seine Kanzlei macht keine persönlichen Angaben zu Schwenn. Auch zu seinem Alter nicht.

Oft ist Schwenn provokativ: Im Doping-Prozess gegen den Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein scheute Schwenn im Januar 2006 vor dem Amtsgericht in Magdeburg nicht davor zurück, die damalige Vorsitzende Richterin Astrid Raue mit schneidigen Formulierungen zu belehren. Süffisant bot er ihr sogar an, den Begriff «fair hearing» zu übersetzen.

Die Schöffen herrschte er an: «Machen Sie von Ihrer richterlichen Unabhängigkeit Gebrauch.» Sogar das Publikum im Gerichtssaal brachte er gegen sich auf, als er provokativ meinte, ein bestimmtes Gesetz gelte doch wohl auch im Osten. Und den Fotografen rief er zu, sie mögen ihre «Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen unterlassen», ihn in jeder Verhandlungspause zu fotografieren.

juz/news.de/dpa

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