Fünf Jahre «TMZ» Jacksons Tod und Britneys Glatze

TMZ (Foto)
Die amerikanische Internetseite TMZ liefert seit fünf Jahren prominente Klatschgeschichten. Bild: news.de

Von Nina Jerzy
Im November 2005 wurde die Privatsphäre der Stars zu Grabe getragen. Der Start von TMZ.com läutete eine neue Ära in der Klatschberichterstattung aus Hollywood ein - und die Welt erfuhr, wie Pamela Anderson ohne Make-up aussieht.

Von Britney Spears' Glatze oder Mel Gibsons antisemitischen Tiraden erfuhr die Welt zuerst dank der amerikanischen Internetseite TMZ.com - aber auch, wie Pamela Anderson ohne Make-up aussieht. Mit den großen und kleinen Krisen von Oscar-Preisträgern wie drittklassigen Soap-Darstellern ist das Unternehmen aus Los Angeles mittlerweile zu einem Mediengiganten herangewachsen. Ab und an gelingt den Promijägern der globale Coup. «Wir haben eben erfahren, dass Michael Jackson gestorben ist», titelte TMZ am 25. Juni um 14.20 Uhr Ortszeit. Erst sechs Minuten später wurde der «King of Pop» offiziell für tot erklärt.

Um die täglich in Massen veröffentlichten Meldungen von TMZ kommen heute selbst die bunten Seiten renommierter Tageszeitungen nicht mehr herum. Dennoch bleibt der nach der «Thirty Mile Zone», dem Areal der Filmstudios in Hollywood, benannte Onlinedienst auch nach einem halben Jahrzehnt das Schmuddelkind der Branche. Im Gegensatz zu offiziellen Repräsentanten wie Pressesprechern oder Agenten werden hier meist namenlose Quellen zitiert, deren Verlässlichkeit für den Leser nicht nachprüfbar ist. Von Jacksons Tod etwa wurde der Internetdienst von einem anonym gebliebenen Kardiologen aus dem Krankenhaus unterrichtet.

Mehr Ansehen durch Scoop

Der Nachrichtensender CNN wartete denn auch rund zwei Stunden, bis er den Tod des Popstars meldete - dabei gehören beide Unternehmen zum Mediengiganten Time Warner. «Das ist typisch», hatte sich TMZ-Gründer Harvey Levin am Tag danach in der Los Angeles Times beschwert. «Wir hätten es nicht veröffentlicht, wenn es nicht wahr wäre.» Seiner Internetseite hat der Scoop dennoch genutzt. «So etwas bringt ihr Ansehen und ihre Glaubwürdigkeit um Lichtjahre nach vorne», urteilt Jürgen Bruckmeier, Redaktionsleiter von Bunte.de.

Den Durchbruch hat TMZ Schauspieler Mel Gibson zu verdanken. Dass der im Sommer 2006 betrunken eine antisemitische Tirade gegen einen Polizisten losgelassen hatte, war von TMZ aufgedeckt worden. Dem Skandal folgten für Gibson Scheidung und Karrieretief, das bis heute andauert. Erst kürzlich war der einstige Braveheart-Star aus der Komödie Hangover 2 geworfen worden, nachdem sich Kollegen gegen seinen Gastauftritt gewehrt hatten.

Britney als Droge

Zementiert hat TMZ seinen Ruf aber mit der Berichterstattung über den Absturz des schließlich entmündigten Popstars Britney Spears. «Britney ist Gold wert, sie ist für unsere Leser Crack», hatte Levin 2006 in einem Interview gesagt. «Ihr Leben ist eine totale Katastrophe und ich danke Gott jeden Tag für sie.» Für den ehemaligen Anwalt funktioniert seine Seite wie eine tägliche Seifenoper, in der sich Protagonisten wie die Ex-Häftlinge Lindsay Lohan und Paris Hilton oder nur wegen ihrer Berühmtheit berühmte Sternchen wie Kim Kardashian selber spielen. Für junge Frauen wie letztere reicht in TMZ-Zeiten bereits ein publik gewordenes Sexvideo, um zur festen Größe zu werden.

Kritik scheint an Levin und seinen Mitarbeitern kaum haften zu bleiben. Besondere Schelte gab es, als TMZ 2009 ein Polizeifoto der Sängerin Rihanna veröffentlichte, nachdem sie von ihrem damaligen Freund Chris Brown verprügelt worden war. Für das Bild vom geschundenen Gesicht der jungen Frau wurde angeblich ein fünfstelliger Dollarbetrag gezahlt.

Dem Erfolg hat es keinen Abbruch getan. Die im selben Jahr wie die Videoplattform YouTube gestartete Klatschseite belegt beim Internetdienst Alexa auf der Liste der weltweit beliebtesten Onlineseiten der vergangenen drei Monate den 420. Platz. Für die USA reichte es für Rang 117, in Los Angeles rangierte TMZ gar auf dem 56. Platz. Alexa zufolge wird TMZ typischerweise von Frauen zwischen 25 und 34 Jahren bei der Arbeit gelesen.

car/ivb/news.de/dapd

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