Rick Kavanian Ein integrierter Bastard

Rick Kavanian (Foto)
Comedian Rick Kavanian auf Tour mit Ipanema. Bild: ddp

Von news.de-Mitarbeiterin Angelika Megyesi
Mit seinem armenisch-rumänischen Hintergrund weiß Rick Kavanian, wovon er spricht, wenn es um die Integrations-Debatte geht. Der Comedian meint sogar, den Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration zu kennen.

Der Raum verdunkelt sich und eine Stimme über Lautsprecher eröffnet, dass sich das Publikum gerade am Flughafen befinde. Der planmäßige Flug nach Rio de Janeiro habe sich aufgrund technischer Probleme um unabsehbare Zeit verschoben. Der Comedian Rick Kavanian, bekannt aus der Bullyparade, betritt die Bühne und stellt sich vor. Es dauert nicht lange bis sich sein Alterego, der Grieche Dimitri Stoupakis Jr., zu Wort meldet. In griechischem Akzent und Wortverdrehern wie «Klatschkaffee» und «Vorheitssicherkehrung» bringt er das Publikum zum Lachen. Der 39-Jährige schlüpft in seinem aktuellen Programm Ipanema, mit dem er bis Ende März unterwegs ist, in die Gestalt von über 20 Persönlichkeiten. So ist es ein Leichtes für Kavanian, als die Klitschko-Brüder mit ukrainischem Akzent für Männer-Waschmittel zu werben und als Jürgen «Klinsi» Klinsmann den Pilot zu spielen, der ins Board-Mikro krächzt.
 
Seine TV-Karriere begann Rick Kavanian Mitte der 1990er Jahre mit seinem Kumpel Michael «Bully» Herbig in der Bullyparade. Bereits damals zeichnete sich das Talent des Münchners für Dialekte und Akzente ab. Neben den prominenten Persönlichkeiten, die der 39-Jährige in seinen Programmen darstellt, thematisiert er auch seine armenisch-rumänischen Wurzeln. So spielt er mit Klischees wie dem angeblich ausgeprägten Haarwuchs der Armenier. Im Gespräch mit news.de verrät der Comedian dann, dass ihm die derzeitige Integrationsdebatte sehr nachdenklich stimmt. In seiner Kindheit seien solche Diskussion kein Thema gewesen.
 
Mitte der 1960er Jahre sind Kavanians Eltern und seine Großmutter nach Deutschland ausgewandert und haben sich in München niedergelassen. Dieser Migrationshintergrund sei jedoch nie ein Problem für ihn gewesen. «Ich hatte das Glück, ein mir sehr wohlgesinntes Umfeld zu haben», sagt der Comedian. «Und obwohl wir in Bayern waren und ich vermutlich der mit den dunkelsten Haaren und Augen war, war das echt nicht so schlimm.» Außerdem seien die Kavanians nicht die einzige Migrantenfamilie in der Nachbarschaft gewesen. Die deutsche Sprache habe alle verbunden.

Ein Bastard der Kulturen

In eben jener Sprache sieht Kavanian eines der größten Probleme bei der Integration von Migranten und gleichzeitig den Schlüssel für erfolgreiches Zusammenleben. «Du kannst den besten Physiker oder Arzt der Welt nach Deutschland holen. Wenn der sich im Alltag nicht zurecht findet, wie soll der hier arbeiten?»

Bullyparade
Kavanian als Dimitri Stoupakis
Video: YouTube

Seine Eltern hätten es dem Münchner vorgelebt. So sei es immer normal gewesen die Sprache eines Landes, in dem man lebt, zu lernen. Sie sei einfach der erste Schritt, um viele Vorurteile abzubauen. Da könne auch ein Alien mit drei Augen und Riesenhänden kommen, wenn das Bayerisch spräche, dann ginge es sofort: «Joa, subar, gehen wir a Weißbier trinken und du arbeitest nächste Woche auf der Müllhalde mit deinen Riesenpranken, da kannst viel Schrott pressen, das is a Subarjob.»
 
Für den Comedian ist das Thema Integration ein ernstes: «Ich hoffe wirklich, dass sich Deutsche und Migranten nicht auseinanderleben». Er selbst sieht sich als «Bastard»In der Biologie oder Zucht ist Bastard eine veraltete Bezeichnung für eine Hybride in der Tier- und Pflanzenwelt. mehrerer Kulturen. Doch er sieht seine Wurzeln als Vorteil, denn dadurch fühle er sich beinah überall schnell zuhause, sobald er etwas zu trinken und zu essen bekäme. Kulturelle Einflüsse gab es insbesondere von seiner armenischen Großmutter, mit der als Kind viel Zeit verbrachte. Allerdings sei es auch «Quatsch zu sagen, ich wäre Armenier oder Rumäne. Ich bin erst einmal Deutscher, bevor ich irgendwas anderes bin».
 
Die Integration der Bühnenpersönlichkeiten

Wie sehr das Publikum Rick Kavanians 20 Bühnenpersönlichkeiten - davon viele mit Migrationshintergrund - integriert und akzeptiert hat, bemerkt man am Schlussapplaus. Ohne Bühnenrequisiten und Kostümwechsel gelingt dem Münchner eine One-Man-Show, die er mit «Schizophrenie, jetzt oder nie, hurra!» treffend beschreibt. Und dass der liebenswerte Grieche Dimitri Stoupakis Jr. mit dem kleinen Sprachfehler der Liebling des deutschen Publikums ist, kann doch kein Zufall sein, oder?

Rick Kavanian im Oktober auf Tour:

20.10. Bad Tölz, 22.10. Ergolding, 23.10. Fürth, 29.10. Neustadt a.d.Waldnaab, 30.10. München

Rick Kavanian
Comedian auf der Couch
Video: YouTube
Im Interview
Rick Kavanian nach dem Auftritt
Video: YouTube

iwe/news.de

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