Udo Lindenberg
«Ich hatte eine Sinnkrise»

Der Panikrocker ist erwachsen geworden - und ein Bildband zeigt die Szenen seines Erfolgs. News.de sprach mit Udo Lindenberg und seiner Lebensgef├Ąhrtin ├╝ber Abst├╝rze, Aufstiege und das Abenteuer Udo.

Udos Lebensgef├Ąhrtin Tina Acke hat einen Bildband ├╝ber Udo ver├Âffentlicht. Bild: Tine Acke

Udo Lindenberg muss noch schnell zur Toilette. Aber er geht ganz langsam, aufs Herrenklo. Im Hamburger Hotel Atlantic kennt er sich aus. Schlie├člich wohnt Udo hier. Wir wollen uns ├╝ber den Fotoband unterhalten, der Udo in den vergangenen drei Jahren zeigt. Die Aufnahmen hat seine Lebensgef├Ąhrtin Tina Acke gemacht. Sie steht noch am Nebentisch. Jetzt ist Udo zur├╝ck, setzt sich auf das Ledersofa und f├Ąngt an zu reden. Einfach so, ohne auf die erste Frage zu warten.

Lindenberg: Das war urspr├╝nglich ein Geburtstagsgeschenk. Mit so supertollen Fotos drin. Da habe ich dann mehrere Kopien machen lassen. Die schenkte ich ein paar Freunden, Jan Delay, Annette Humpe und allen, die da mit gebastelt haben an der Platte, und meinem Verleger Oliver Schwarzkopf. Und nun ist dieses gro├če Ding hier entstanden. Diese Riesenfotodoku ├╝ber einige unserer geilsten Jahre, das ganze Stark-wie-zwei"Stark wie zwei" ist der Titel des neuen Bildbandes ├╝ber Udo Lindenberg sowie der Titel seines Albums und seiner Tour. -Projekt. Das ist ein gro├čes Geschenk, von Tine f├╝r uns alle. Der Bildband zeigt diese Wahnsinnsjahre. Das ganze Making-of und so bis zur Hammertour - und bis zum Rockliner. Es gab auch Whiskyjahrg├Ąnge, die weniger gut waren.

FOTOS: Udo Lindenberg Der Panikrocker
zur├╝ck Weiter Udo Lindenberg (Foto) Foto: Tine Acke/Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag Kamera

Udo redet noch drei Minuten weiter. Jeder Versuch, ihn zu unterbrechen, scheitert. Aber man muss das verstehen. Er gibt jetzt schon seit zwei Tagen Interviews und wird immer wieder das Gleiche gefragt. Da will er erst mal alles Wichtige kl├Ąren. Es ist 19.30 Uhr, die Raucherlounge im Hotel, in der Udo zu Interviews l├Ądt, ist schon sehr verqualmt. Nun dr├╝ckt er noch mal seine Freude ├╝ber die Hammerfotos aus. Und die erste Frage gelingt.

Warum sind es denn eigentlich so Hammerfotos?

Lindenberg: Naja, die zeigen mich in vielen unbeobachteten Momenten. Gro├če Atmo, gro├če Stimmung und so. Die ich dann zum Teil wiedererkenne, oder zum ersten Mal sehe. Riesengro├če Hallen, ja. Bei der Tour. Riesenzeit.

Das waren drei erfolgreiche Jahre. Ist es nicht spannender, einen Bildband ├╝ber drei verkorkste Jahre zu machen, ├╝ber die schlechteren Whiskyjahrg├Ąnge?

Lindenberg: Ja, die sind spannend. Die kann man auch mal zeigen. Aber das ist ein Feierbuch, ├╝ber diese goldenen Jahre jetzt mal, ne. Es kann ja noch was folgen. Aber die anderen Bilder kann man nur zeigen, wenn man die Begleitumst├Ąnde erkl├Ąrt: wie tief die Katakomben manchmal gehen, wenn du auf der Suche nach dem nassen Gold bist.

Haben Sie den Erfolg der vergangenen drei Jahre noch einmal gebraucht?

Lindenberg: Ja, ja. Also, ich wollte ihn haben. Gebraucht? Ok, ich h├Ątte auch ohne ihn ├╝berlebt. Aber so ist es wesentlich sch├Âner. Ich hatte eine Sinnkrise, eine k├╝nstlerische Krise in meinen F├╝nfzigern und so, als es darum ging, wie werde ich von einer Art Jugendidol zu einem Rock-Chansonier, der schon 'n Tick ├Ąlter ist, zu einem, der w├╝rdevoll auf die B├╝hne geht. Ich hatte da so leichte zweiflerische Zeiten, normal, oder?

Die Fotografin Tine Acke sitzt nun mit am Tisch. Sie ist klein, hat kurze blonde Haare und wirkt zerbrechlich. Udo beschreibt seine Lebensgef├Ąhrtin auf den ersten Seiten des Bildbands: Die Frau mit den huskyblauen Augen. Acke ist 33 Jahre alt, hat Lindenberg w├Ąhrend eines Konzerts irgendeiner Band kennengelernt. Sie ist Fotografin und stand noch nie so im Rampenlicht wie in den vergangenen Tagen. Die n├Ąchste Frage geht an sie.

Sie begleiten Udo schon viele Jahre, auch in den erfolgreichen. Haben Sie eine Ver├Ąnderung feststellen k├Ânnen?

Acke: Udo ist als B├╝hnenmensch anders, als wenn er sich unbeobachtet f├╝hlt. Allein schon in der K├Ârperhaltung. Das ist der Show-Udo. Den zeigt auch der Bildband, in einer Zeit, in der sich Udo supergut f├╝hlt. Es gibt auch die anderen Zeiten, in denen er nicht so top-fotogen ist.

Sie haben bereits andere K├╝nstler fotografiert. Ist die N├Ąhe zum Objekt f├╝r Ihre Arbeit eher ein Problem oder ein Reiz?

Acke: Ich finde es besser, wenn man mit dem K├╝nstler vertraut ist. Da wei├č man, wie er am besten aussieht. Peter Maffay habe ich zum Beispiel auch lange begleitet. Den kenne ich auch ganz gut. Der l├Ąsst sich zum Beispiel nur von einer Seite fotografieren.

Von welcher denn?

Lindenberg: Schokolade.

Udo hat nat├╝rlich seine Sonnenbrille auf. Und seinen braun-schwarzen Hut mit dem kleinen silbernen Stern vorne drauf. Der Fingerring an der linken Hand zeigt einen Totenkopf. Udo kramt nun ein Streichholz hervor, bricht es durch und steckt sich die eine H├Ąlfte in den Mundwinkel. In drei Minuten wird sie wieder raus fallen, auf den Boden.

Ist die N├Ąhe zum Fotografen f├╝r den K├╝nstler ein Problem?

Lindenberg: Nein, weil eine gro├če Vertrautheit entsteht. Ich wei├č, dass Tine gute Motive ausw├Ąhlt. Das geht ja hier um Showbizz. Und ich habe es gerne, wie sie mich zeigt. Bisschen eitel ist man ja auch, ne. Das Auge h├Ârt ja mit. Und 'nen H├╝bschi, der 'n bisschen lecker aussieht, das will man doch auch mal sehen.

Sind Sie nach hinten umgekippt, als Sie die Fotos gesehen haben?

Lindenberg: Ganz im Gegenteil. Ich bin hoch entz├╝ckt.

Welche besonderen Erinnerungen sind Ihnen beim Durchbl├Ąttern des Bildbandes gekommen?

Lindenberg: Gr├Â├čte Freude ├╝ber das ganze Gigantenprojekt Stark wie zwei - und nat├╝rlich auch das ├ťberwinden der leichten Krise, die ich vorher hatte, ne. Nach all diesen Crashs, nach dem breit in der Ecke liegen, unter dem Mischpult liegen und es nicht so genau zu wissen.

Wir m├╝ssen noch kurz kl├Ąren, wie es mit Ihnen weiter geht.

Lindenberg: Der Abenteurer wei├č das nicht ganz genau, wie es weiter geht. Der l├Ąsst sich das ziemlich offen. Der muss mal gucken. Er wei├č nur, dass das Udo-Musical in Berlin kommt. Daf├╝r gehe ich eine Weile nach Berlin, um mit den Hauptdarstellern zu proben. Damit die das genauer drauf kriegen, die Sprache und hier noch 'nen Gag und da noch 'nen Spruch. Dann mache ich noch ein MTV unplugged. Der Rest ist Abenteuer und Welt angucken.

Autor: Udo Lindenberg
Titel: Stark wie zwei 2007–2010
Fotografien von Tine Acke
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Seitenzahl: 312 Seiten
Preis: 49,95 Euro (D)
Erscheinungstermin: Oktober 2010

car/reu/news.de

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9 Kommentare
  • Karina

    11.10.2010 10:06

    Antwort auf Kommentar 4

    Ja, Udo ist schon irgendwie ein "toller Typ" ! Seine ersten Lieder waren f├╝r mich die besten, in diser Zeit war er mein Idol! Die letzte CD war aber auch nicht ohne! ER war damals in der dam. DDR verboten und ich lie├č mir ├╝ber die Messeg├Ąste Platten von ihm mitbringen, war super. Wir haben einen "U.L."-Abend gemacht. Leider hab ich diese Platte als CD nie gesehen. Eben die ganzen alten wie zB. Rudi Ratlos, Sister King KOng, Bleifu├č, der Excorzist usw.usw. alles Supertitel. Wo bekomme ich die ?? Und jetzt als "Alter" er ist es eben.Warum soll er nicht ein Buch ... usw. Ich finde ihn nach wie vo

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  • ulrike witte

    08.10.2010 12:36

    Grossartig die Idee mit der neuen Biographie. Must have. F├╝r alle die Udo so toll finden wie ich. Liebe gr├╝sse nach Hamburg..

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  • B├Ąrbel und Bernd

    07.10.2010 21:48

    Udo Lindenberg ist f├╝r uns der beste und nachhaltigste K├╝nstler deutscher Musik ! Seine Texte gehen in die Tiefe, er ist kein oberfl├Ąchlicher Typ. F├╝r Ost und West hat er die richtige Sprache und er ber├╝hrt die Herzen wahrhaftig , das mu├č man erst mal bringen. Seine sogenannten Abst├╝rze haben derart seinen Horizont erweitert, wovon ein "Normalo" nur tra├╝men kann. Udo Du bist einfach stark !!!! Er hat mir sogar mal einen "Entschuldigungszettel" beim Video-Dreh "stark wie zwei" geschrieben, weil ich bei Tempo 180 geblitzt wurde beim H├Âren seiner Musik. habe von der Polizei nie was geh├Ârt, toll

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