Jack White zum 70. Vom Betteljungen zum Weltstar

Jack White (Foto)
Jack White wird 70. Bild: dpa

Von Nada Weigelt
Eigentlich heißt er Horst Nußbaum. Doch als Jack White machte der Metzgerssohn und «Kölsche Jung» steile Karriere. Jetzt wird der deutsche Schlagerkönig 70 Jahre alt - und denkt noch längst nicht ans Aufhören.

Superschnulzen wie Schöne Maid, Eine neue Liebe ist wie eine neues Leben und Heute so, morgen so gehen auf sein Konto. Jack White, der wohl erfolgreichste deutsche Musikproduzent, hat für Schlagergrößen wie Roberto Blanco, Tony Marshall, Hansi Hinterseer und David Hasselhoff Lieder geschrieben. Rund eine Milliarde Tonträger hat er inzwischen verkauft und mehr als 400 Gold- und Platinschallplatten gewonnen.

Nun wird der Sunnyboy der deutschen Wohlfühl-Musik 70 Jahre alt. «Mein Beruf hält mich jung», sagt er. «Ich arbeite immer noch mit Spaß und Elan und habe eigentlich vor, das auch so lange zu machen, wie ich lebe - also die nächsten dreißig, vierzig Jahre.»

Erste Karriere als Profifußballer

«Vom Betteljungen zum Weltstar» - so überschreibt White selbst gern sein Leben. 1940 wird er mit dem bürgerlichen Namen Horst Nußbaum als Sohn eines Metzgers in Köln geboren. Als der Vater sich aus dem Staub macht, trägt der Junge Brötchen und Zeitungen aus, um die Mutter zu unterstützen. Er lernt Außenhandelskaufmann, erwirbt mehrere Dolmetscherdiplome und macht schließlich eine erste Karriere als Profifußballer beim niederländischen Erstligisten PSV Eindhoven.

In der Zeit nahm er nebenher als Sänger unter dem Künstlernamen Jack White 15 Schallplatten auf. «Als Produzent könnte ich mich heute darüber totlachen, dass ich mal geglaubt habe, ich sei ein guter Sänger», räumt er ein. Der Erfolg kommt erst, als er die Seiten wechselt und 1969 mit Roberto Blanco und dem Song Heute so, morgen so das Deutsche Schlagerfestival gewinnt.

Seither hat das Multitalent unzählige Schlager getextet, komponiert und produziert, darunter viele Evergreens etwa für Andrea Jürgens, Jürgen Marcus und Lena Valaitis. International machte er von sich reden, als er Anfang der 80er Jahre mit Laura Branigan und den Liedern Gloria und Self Control zwei Nummer-1-Hits in den USA landete.

Hasselhoff-Entdecker

Stars wie Paul Anka, Jermaine Jackson, Tony Christie und Engelbert Humperdinck vertrauten ihm ihre Produktionen an. Den Fernseh-Schönling David Hasselhoff (Knight Rider, Baywatch) entdeckte er als Sänger. Dessen Platten verkaufen sich seit dem Durchbruch mit dem White-Song Looking For Freedom in Millionenauflage.

«Der liebe Gott hat mir nun mal die Gabe geschenkt, dass ich Lieder schreiben kann», sagt White. «Aber ich bin auch der Produzent, der mit den Künstlern ins Studio geht; der entscheidet, mit welchem Arrangeur, mit welchen Musikern und Chorleuten wir das machen. Und dann bin ich auch noch die Schallplattenfirma und habe das Marketing und die Promotion unter Kontrolle. Das ist der Charme der Sache.»

Freilich: Nicht immer lief alles reibungslos. Mit einigen seiner Künstler hat White sich heillos zerstritten. 2007 überwarf er sich mit der von ihm selbst gegründeten Jack White Productions AG, bei einem Fußballverein setzte er Millionen in den Sand.

Auch privat hat der notorische Charmeur derzeit einiges wegzustecken. Anfang des Jahres verließ ihn nach 17 gemeinsamen Jahren seine dritte Ehefrau Janine, mit der er zwei seiner fünf Kinder hat. Gleichwohl erschien kürzlich noch seine Autobiografie Mein unglaubliches Leben, die sie für ihn aufgeschrieben hat.

Mit seiner früheren Frau Marie-Louise aus den USA liefert sich White in den Gazetten einen verspäteten Rosenkrieg. Während sie ihm für zwölf Ehejahre hundert Geliebte unterstellt, will er ihr David Hasselhoff als Seitensprung nachweisen. «Über meine Privatsituation rede ich nicht gern», versichert er. «Aber ich krieg' das schon hin. Ich sag' immer: I am a big boy» - «Ich bin ja ein großer Junge».

juz/oro/news.de/dpa

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