US-Phänomen Klum Verrückt nach Heidi

Heidi Klum (Foto)
Bei den Emmys ging Heidi Klum leer aus. Bild: ap

Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Nervig, oberflächlich und berechnend: In Deutschland muss sich Heidi Klum einiges anhören - vor allem für ihren kaltherzigen Umgang mit den Nachwuchsmodels bei GNTM. In den USA dagegen lieben alle unsere Heidi. Woran das liegt? Ein Erklärungsversuch.

Auch wenn sie mit ihrem super kurzen Minikleid für den Hingucker des Abends gesorgt hat, ging Heidi Klum bei den diesjährigen Emmys leer aus. Zum zweiten Mal in Folge war die 37-jährige Model-Mama mit ihrem Project Runway für den Oscar der US-Fernsehwelt nominiert. Wieder durfte sie ihre kleine Rede nicht halten, ihren Eltern, ihrem Mann Seal und ihren Kindern danken und ein paar Grüße per Luftkuss nach Deutschland schicken. Doch hätte sich überhaupt jemand in Klums Heimat über diese Grüße gefreut?

Heidi Klum
Supermodel und Supermama
Fashion Victorias Secret Klum (Foto) Zur Fotostrecke

Heidi Klum ist ein Phänomen: Sie ist einer der wenigen weltweiten deutschen Superstars, doch wirklich stolz auf sie sind die wenigsten ihrer Landsleute. Sie empfinden Klum zunehmend als unsympathisch und nervig. Gerade die kaltherzige Attitüde, die sie als GNTM-Jurorin an den Tag legt, missfällt vielen. Berechnend sei sie, oberflächlich und nur auf den Profit für ihre eigene Marke bedacht, so der allgemeine Vorwurf.

Zu Beginn ihrer Karriere liebte Deutschland seine Heidi, die es in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten geschafft hatte. Heute gilt sie «als sadistische Zerstörerin, die mit den Träumen der GNTM-Elevinnen das eigene Ego aufpoliert» (Stern). Ihr ehemaliger Modelagent John Casablancas sagte über sie: «Hinter ihrem Lachen, ihrer blonden Art schlägt das Herz eines Hais.» Gerade diese Gerissenheit der Geschäftsfrau Klum, für die Amerikaner lediglich der Beweis für ihren schlauen Geschäftsinn, ist vielen Deutschen offenbar unheimlich.

Die USA lieben unsere Heidi


Wenn Klum jemals den Emmy gewinnen sollte, werden ihre deutschen Kritiker sofort zur Stelle sein und die Frage stellen, wie dieses «Werbegirl mit Dauergrinsen» (Wolfgang Joop) so einen renommierten Preis wie den Emmy gewinnen konnte.

Doch bei aller diskussionswürdigen Schelte für ihr Auftreten im deutschen Fernsehen sollten die deutschen Kritiker fair mit dem US-Star Klum umgehen: Im amerikanischen TV ist eine ganz andere Heidi zu erleben als wir sie aus GNTM kennen. Ruhig und entspannt moderiert sie ihre Sendung Project Runway, in der sie Nachwuchs-Designer sucht. Rausgeflogene Kandidaten verabschiedet sie mit einem Luftkuss und einem deutschen «Auf Wiedersehen». Zwar geht sie auch hier streng mit den Kandidatinnen um, aber immer auch mitfühlend. Klum ist zu Recht ein Superstar in den USA, sogar einen Emmy hätte sie für Project Runway verdient.

Erfolg hart erarbeitet

Die Amerikaner würden sich über einen Emmy für Klum freuen, weil sie die Trophäe als Beweis dafür sehen würden, dass sich jeder den amerikanischen Traum erfüllen kann, wenn er nur hart genug dafür arbeitet und wirklich an sich glaubt. Für die Häme aus Deutschland hätten sie dagegen kein Verständnis.

Und Klum hat sich ihre Karriere in den USA hart erarbeitet: 1995 kam sie nach New York, nachdem sie in Deutschland einen Modelwettbewerb gewonnen hatte. Wirklich gute Chancen rechnete ihr damals niemand aus. Doch mit viel Disziplin und Ehrgeiz schaffte sie es auf das Titelbild der Sports Illustrated und ergatterte einen Vertrag mit dem Reizwäschehaus Victoria Secret. Der Durchbruch im US-TV gelang ihr 2004 mit Project Runway, mittlerweile läuft die siebte Staffel - mit Top-Quoten. Als einzige prominente Deutsche schafft es Heidi Klum seit Jahren auf die berühmte Forbes-Liste, dem Ranking der einflussreichsten Prominenten der Welt .

Aber warum lieben die Amerikaner unsere Heidi, während viele der Deutschen ihr überdrüssig sind? Laut einer Forsa-Umfrage, die 2009 der Stern in Auftrag gegeben hatte, fanden nur 61 Prozent Klum «alles in allem sympathisch», 85 Prozent halten sie aber für eine «clevere Geschäftsfrau».

«Vorzeigefrau für das Obama-Amerika»

«Beinahe scheint es so, als habe Heidi Klum genau an jenem Punkt ihrer Karriere endgültig Amerika erobert, an dem sie die Deustchen befremdet», bingt es Die Zeit treffend auf den Punkt. Als vierfache Mutter, millionenschwere Geschäftsfrau und glückliche Ehefrau von Seal gäbe Klum ein «ein perfektes Bild der modernen amerikanischen Frau» ab, so Die Zeit weiter. Sie sei eine «Vorzeigefrau für das Obama-Amerika», hat sich auf ihrem Weg dorthin aber von ihrer Heimat entfremdet.

In ihrem Buch Natürlich erfolgreich hat sie das Geheimrezept ihres Erfolges verraten: «Du mußt dich in einem Jemand verwandeln, um deine Haltbarkeit zu verlängern.»

Dieser Jemand ist in den USA die immer lächelnde Heidi Klum, die den puren Optimismus ausstrahlt. Sie ist der lebende Beweis für Barack Obamas Motto «Yes you can». Der andere Jemand ist in Deutschland die düster in die Kamera blickende kaltherzig wirkende Heidi Klum, die oft kein Bild, aber auch kein Mitleid für ihre Nachwuchsmodels übrig hat. Vielleicht würde den Deutschen die US-Heidi-Klum besser gefallen, doch von ihr ist in GNTM wenig zu sehen.

In Deutschland wird Heidi Klum mittlerweile mit Personen wie Dieter Bohlen in einen Topf geworfen. Für die Belanglosigkeit im deutschen Fernsehen, den Boom der Trash-Formate wird sie mitverantwortlich gemacht. Vielleicht sind die Deutschen auch einfach nur eifersüchtig, dass ihre Heidi, die in die weite Welt zog, um berühmt zu werden, nun ein «US-Girl»geworden ist - 2008 nahm Klum auch offiziell die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Was auch immer die Gründe sind, die Perfektionistin Heidi Klum wird sich sicherlich etwas ausdenken, um ihr angeschlagenes Image in Deutschland wieder aufzupolieren. Vielleicht mit einem Luftkuss Richtung Deutschland bei der nächsten Emmy-Verleihung 2011?

Madame Tussauds
Heidi Klum enthüllt sich
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ivb/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • katalina k
  • Kommentar 2
  • 01.09.2010 19:12

In Deutschland, wo Erfolg und Leistung so verbissen wie nirgends vom Kleinkind bis zum Senioren eingeklagt wird und wo eben jener "Erfolg" krankhaft als scheinbar einzige Daseinsberechtigung wahrgenommen wird, ist die Reaktion auf Klums Werdegang kein Wunder. Hinzukommt die doppelbödige Gesellschaftsmoral in diesem Land, da wird mahnend der Finger gehoben und sich empört über Klums Methoden bei GNTM - aber jeder weiß, dass der hier angestrebte Erfolg, der ja zum Massstab aller Dinge ehoben wurde, nach unlauteren, unschönen Mitteln schreit. Heidi macht einfach, wonach viele Leute hier gieren.

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  • Neumichelbitz
  • Kommentar 1
  • 01.09.2010 14:28

Geld- und Erfolgsneid ist eine Eigenschaft nur hier in Deutschland. Leider sind zuviele " Rot vor Neid ". Andere Nationen bewundern erfolgreiche und fleißige Mitmenschen.

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