Kylie Minogue
Sexy kann auch langweilig sein

Kylie Minogue ist zurück und gibt mit reichlich Körpereinsatz wieder die Disco-Queen. Doch zu jedem Comeback gehört im Pop auch eine Neuerfindung. Die bleibt bei der 42-Jährigen aber leider aus - trotz Kylie auf allen Kanälen.

Kylie Minogue inszeniert sich gern als Sexsymbol. Bild: ap

Im Popgeschäft gibt es wohl niemanden, der konstant so fleißig ist wie Kylie Minogue - die Princess of Pop. Seit über zwanzig Jahren macht sie sich mit vollem Gesangs- und Körpereinsatz und einer stets hochtourig laufenden PR-Maschinerie an der Spitze des Popolymps breit. Nur die Queen of Pop Madonna konnte in den 80ern, 90ern und in den 00er Jahren noch mehr Erfolge verbuchen. Doch seit einiger Zeit bekommen die zwei ernstzunehmende Konkurrenz: Lady Gaga, jünger, einmaliger und extravaganter, zieht an den beiden Pop-Veteranninen vorbei.

Doch die fleißige Kylie will Lady Gaga nicht kampflos den Popthron überlassen. Mit ihrer aktuellen CD Aphrodite liefert sie die x-te Comeback-CD ab, zieht bei der Vermarktung alle PR-Register und zieht sich die heißesten Fummel an. Nicht nur, dass Kylie vorgeworfen wird, mit ihrer neuen CD und ihrem Outfit Lady Gaga zu kopieren, wirkt das derzeitige Comeback der Australierin auch ein wenig erzwungen und einfallslos.

Das Comeback nach dem Comeback-Flop

«Pop-Kylie is back» heißt der Werbeslogan ihrer neuen CD. Schön und gut, aber irgendwie auch langweilig. Und man fragt sich, was ihr voriges Album X (2007), das erste nach ihrer Krebserkrankung, eigentlich war? Ein Comeback-Album, das floppte und mit dem Kylie nach ihrer Zwangspause nicht der fulminante Neustart gelungen ist, den sie sich gewünscht hat. Jetzt also soll es Aphrodite richten, das Comeback nach dem Comeback-Flop.

Wirklich neu erfunden hat sich Kylie nur einmal - zu Beginn des Milleniums zog sie ihre goldenen Hotpants an und landete als Disco-Queen mit Can't get You Out Of My Head einen Mega-Hit. Daran wird sich die Popwelt auch noch in fünfzig Jahren erinnern, aber ob Kylie als griechische Liebesgöttin Aphrodite geschichtsträchtige Akzente setzen wird? Madonna hat sich immerhin bei jedem ihrer Wiederauferstehungen komplett neu erfunden und Kylie ist und bleibt ein «singendes Pin-up». Wie jeder Popstar ist auch sie eine Kunstfigur, auf die immer wieder neue Dinge projiziert werden müssen, damit sie langfristig erfolgreich sein kann. Mehr Einfallsreichtum würde der Popfigur Kylie guttun.

Bei Kylie wird nur geknutscht

Mit ihrem Video zu ihrer aktuellen Single All the Lovers ist Kylie kein wirklich großer Wurf gelungen - gerade wenn man es mit den künstlerisch wertvollen Videos einer Lady Gaga vergleicht. Kylie zieht sich mitten auf der Straße aus - zusammen mit einer Horde halbnackter Jungs und Mädels. Jeder knutscht und begrabscht jeden und am Ende tanzt Kylie auf einer Pyramide aus sich räkelnden Menschen. Erotisch und schockierend soll das Video wohl sein, ist es aber nicht. Kylie kommt trotz der nackten Körper wahnsinnig brav und bieder, fast steif rüber. Kein Vergleich zu Lady Gagas aktuellem Video Alejandro, in dem es sogar richtig zur Sache geht - aber auf originellere Weise als Kylies ideenloses Rumgeknutsche auf einer Pyramide. Lady Gaga spielt längst in einer anderen Liga als Kylie Minogue.

Wahrscheinlich weiß das auch Kylie, doch umso mehr setzt sie sich selbst unter Druck, ihren Status als Sexsymbol bloß nicht zu verlieren. Und um weiter erfolgreich zu sein, macht sie einfach das, was sie all die Jahre bereits gemacht hat: Sie vermarktet sich auf allen Kanälen als sexy Kylie, die ein paar nette Lieder zum Rumhopsen singt. Wirkliches Gesangstalent ist Kylie nie nachgesagt worden.

Kylie ist netter als Madonna und Lady Gaga


Kylie ist der sympathische Popstar. Sie ist immer guter Laune und nicht als zickige Diva verschrien. In Interviews macht sie stets einen netten und relaxten Eindruck, etwas was sie ganz klar von Lady Gaga und Madonna unterscheidet und ihr eigentliches Kapital ist. Und das weiß sie als vielbeschäftigte Werbefigur auch einzusetzen. In Deutschland derzeit etwa als das neue Gesicht von Sat 1. Der Sender wird jetzt nicht mehr nur mit dem Slogan «Color your Life», sondern auch mit «Kylie kommt» beworben. Pünktlich zur Veröffentlichung ihrer neuen CD wird es Auftritte von Kylie in mehreren Primetime-TV-Shows von SAT.1 und Pro7 in geben, sowie etliche redaktionelle Features in diversen Sendeformaten der Sendergruppe.

Mit ihrem neuen Album will Kylie endlich an ihre großen Erfolge vor ihrer Brustkrebserkrankung anknüpfen, endlich wieder die Disco-Königin des Pops sein. Ob ihr das gelingen wird, ist abzuwarten. Gerade nach solch einer persönlichen Krise wie ihrer Krebserkrankung hätte Kylie aber vielleicht ein persönlicheres und ruhigeres Album besser gestanden. Und was viel wichtiger gewesen wäre: Es wäre eine Neuerfindung gewesen, sogar ein authentische. Doch gerade das wollte Kylie nicht: Für sie ist und bleibt Pop etwas Künstlisches, in das man einfach nicht zu viel hineininterpretieren darf.

FOTOS: Kylie Minogue Sexy Pop-Göttin

mik/news.de

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