Spielerfrauen: Nicht alle sind blond und doof

Spielerfrauen sind oberflächlich, blond, zickig und nur auf das Geld ihrer Männer aus. So das Klischee. In Deutschland wächst jedoch eine neue Generation von Spielerfrauen heran, deren Vorbild nicht Victoria Beckham heißt.

Bastian Schweinsteiger und Sarah Brandner sind seit drei Jahren zusammen. Bild: ap

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Die DFB-Kicker haben in einer Zitterpartie gegen Ghana die Vorrunde überstanden und bekommen dafür eine ganz besondere Belohnung: Freizeit mit ihren Frauen, die wohl auch über Nacht ins Mannschaftshotel dürfen. Wie schon bei der EM 2008 will Jogi Löw so seine Spieler für den Sprung in die nächste Runde belohnen - voller Liebes-Einsatz der Spielerfrauen für den Titel. Bei der WM 2006 diskutierte Deutschland noch, ob Sex während der WM die Spieler nicht zu sehr ablenken würde. Jetzt gönnt wohl die ganze Republik seiner Elf diese Liebes-Belohnung.

Doch es gibt ein Problem: Im Gegensatz zu den letzten Turnieren sind nur wenige deutsche Spielerfrauen ihren Männern nach Südafrika gefolgt. Nur Jerome Boateng, Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil dürfen sich über den Besuch ihrer Frauen freuen. Weitere deutsche Spielerfrauen haben sich erst zum Achtelfinale angesagt.

Südafrika fehlen die «Wags»

Doch nicht nur bei deutschen WM-Spielen sind die Ränge bisher eher spärlich mit Spielerfrauen besetzt. Viele von ihnen sind gar nicht  erst angereist - aus Angst vor Kriminalität und Terroranschlägen. Die meisten Fußballspieler müssen während der WM ohne ihre Frauen und Freundinnen auskommen. Doch was viel schlimmer ist: Der WM in Südafrika fehlt damit bisher definitiv auch der Glamourfaktor.

Bei der WM in Deutschland vor vier Jahren sorgten die «Wags» (Abkürzung für Wives and Girlfriends), wie die Engländer ihre Spielerfrauen liebevoll nennen, noch für jede Menge Schlagzeilen. Allen voran die Damenrunde um Victoria Beckham, die den sonst eher beschaulichen Kurort Baden-Baden auf den Kopf stellte - mit ihren ausgiebigen Shoppingtouren und Trinkgelagen. Die «Wags» wurden deswegen auch für Englands frühes Ausscheiden im Viertelfinale verantwortlich gemacht. 

Diesmal sind die meisten englischen Spielerfrauen - wie auch ihre Kolleginnen aus Italien und Holland - in der Heimat geblieben. Und das obwohl Englands Teammanager Fabio Capello sogar bereit gewesen wäre, seinen Spielern Freizeit mit ihren Frauen zu gönnen. Immerhin bezeichnete er die «Wags» einst als «üblen Virus».

Ein Klischee wird inszeniert

Spielerfrauen haben von Natur aus einen schlechten Ruf. Blond, langbeinig, zickig, oberflächlich, dümmlich, shoppingsüchtig, von «Beruf» Model und auf den 15-Minuten-Ruhm im Schatten ihres Mannes aus: Das sind die Attribute, die den Typus Spielerfrau ausmachen. So zumindest das Klischee, das von der Presse und nicht wenigen «Wags» auch fleißig gepflegt wird. Allen voran die Königin aller Spielerfrauen Victoria Beckham, die aus ihrem David einen neuen Typ Mann kreierte, den metrosexuellen Fußballer, der regelmäßig zur Maniküre geht.

Aber auch in Deutschland findet man diesen Typus Spielerfrau, der sich Model oder Moderatorin nennt, aber vor allem von Beruf «Wag» ist. Bestes Beispiel ist Oliver Kahns Ex Verena Kerth, die vergeblich alles versuchte, um die deutsche Victoria Beckham zu werden. Oder auch eine Claudia Effenberg, die noch heute als Spielerfrau-in-Rente geradezu versessen aufs Rampenlicht ist. Aktuell hat wohl etwa Anna-Maria Lagerblom, die derzeitige Freundin von Mesut Özil, Schwester von Popsängerin Sarah Connor und Model, großes Potenzial «Wag»-Glamour in die Nationalelf zu bringen. Wie man für Schlagzeilen sorgt, hat sie bereits verstanden: Aus Liebe zu ihrem Freund ist sie zum Islam konvertiert und die Medien berichten fleißig.

Schweinis Freundin ist die Nummer eins

Ob Lagerblom der derzeitigen Königin der deutschen Spielerfrauen ernsthaft Konkurrenz machen kann? Seit der EM vor zwei Jahren ist Sarah Brandner, die Freundin von Bastian Schweinsteiger, das hübscheste Maskottchen der DFB-Elf. Spätestens als sie ihren Schweini nach dem EM-Viertelfinale gegen Portugal im Stadion vor den Fernsehkameras küsste, kennt jeder Fußballfan das Model.

Die 21-Jährige ist in der Bikini-Ausgabe der Sports Illustrated so gut wie nackt zu sehen, ihr Busen ist lediglich bemalt mit einem abgerissenen Deutschland-Trikot. Typische Spielerfrau denkt man. Sieht gut aus und hat den richtigen Freund, mit dessen Hilfe sie ihren eigenen Bekanntheitsgrad steigert und natürlich ordentlich Kasse macht. Verständlich, dass Mehmet Scholl einmal sagte, dass er im nächsten Leben Spielerfrau werden wolle.

Doch Schweinsteigers Freundin gehört zu einer neuen Generation Spielerfrauen, zu der unter anderem auch Sylvie van der Vaart gehört, die Ehefrau des holländischen National- und Ex-HSV-Spielers Rafael van der Vaart. Sie wollen weg vom negativen Image des «blonden Dummchens». Zwar wollen sie aus der Bekanntheit ihrer Männer auch für sich Kapital schlagen, wie man etwa an den freizügigen Fotos Brandners sieht oder an der Medien-Präsenz van der Vaarts, aber sonst geben sie sie sich auffällig unzickig und im Vergleich zu den klassischen «Wags» schon fast auffällig zurückhaltend.

Von Beruf Model, keine Spielerfrau

Bei Fußballspielen sitzt Brandner lieber auf der Tribüne als im Vip-Bereich, wo sie sich auch nicht mit großen Sonnenbrillen und der neuesten Chanel-Handtasche für die Fotografen platziert. In der aktuellen GQ ist Brandner in erotischen Posen zu sehen, im Interview mag sie aber nicht über ihren Fußball-Freund sprechen, sie sei ja auch von Beruf Model und keine Spielerfrau.

Ein wirkliches «Wag»-Vorzeigeland war Deutschland nie und wird es wohl in naher Zukunft auch nicht sein. Nachdem die Manager-Spielerfrauen-Generation à la Bianca Illgner schon seit etlichen Jahren ausgestorben ist und auch It-Girls-Spielerfrauen auf Nachwuchs warten, halten sich die derzeitigen Frauen der DFB-Elf lieber mehr im Hintergrund.

Und waren früher viele Hausfrauen und Models unter ihnen, sind es heute vor allem Studentinnen und berufstätige Frauen. Anna Maria Lagerblom (Freundin von Mesut Özil) ist Physiotherapeutin, Grit Freiberg (Freundin von Tim Wiese) ist Psychologie-Studentin, Sherin Senler (Freundin von Jerome Boateng) ist Mode-Studentin, Silvia Meichel (Freundin von Mario Gomez) ist Pharmazie-Studentin oder Norina Kießling (Ehefrau von Stefan Kießling) ist Politik-Studentin.

Gebildete Frauen mit Stil statt klassiche «Wags», die süchtig nach Rampenlicht sind und auf der Tribüne statt auf das Fußballfeld schauen, lieber die Handtasche der Spielerfrau neben sich mit Argusaugen betrachten. Sympathisch macht das die deutschen Spielerfrauen, aber auch unspektakulär. Aber für einen gewissen Glamourfaktor wird es sicher auch in Deutschland immer die ein oder andere «Wag» geben.

FOTOS: Spielerfrauen Die schönsten WM-Maskottchen

nak/ivb/news.de

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