Bono wird 50 Weltretter und Rockstar

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Bono, Kopf der irischen Rockband U2, wird 50. Bild: ap

Bono hat viele Berufe. Popstar, Weltverbesserer, Politiker-Beschwörer, Promi-Händeschüttler, Musiklegende, Sonnenbrillenträger und noch ein paar mehr. Kaum zu glauben, dass er schon 50 wird.

Ein Superlativ reiht sich bei ihm an den nächsten: Als bisher einziger Mensch wurde er sowohl für den Oscar, den Grammy, den Golden Globe als auch den Friedensnobelpreis nominiert. Seine Band hat so viele Alben verkauft, dass sie sich als größten Exporteur Irlands bezeichnen kann.

Zugleich ist er der wohl umstrittenste Rockstar der Welt: Die Rede ist von U2-Sänger Bono Vox. Dass dieses Urgestein am 10. Mai erst 50 wird, mag man zunächst kaum glauben. Erklären lässt es sich nur damit, dass Bono schon seit dem zarten Alter von 16 Jahren mit jenen drei Musikern zusammenarbeitet, mit denen er die in den Augen vieler größte Band der Welt gründete.

Alles begann 1976 mit einem inzwischen legendären Aushang eines jungen Schlagzeugers namens Larry Mullen am Schwarzen Brett seiner Schule, mit dem er nach Bandmitgliedern suchte. Es meldeten sich der Gitarrist David Evans («The Edge»), der Bassist Adam Clayton und eben jener Sänger, der mit bürgerlichem Namen Paul Hewson heißt. Drei weitere Interessenten verließen recht schnell wieder die Band, die sich zunächst Feedback, dann The Hype und schließlich U2 nannte.

Und von da an ging es steil bergauf: Bereits die erste Single U2:3, die die drei Songs Out of Control, Stories for Boys und Boy-Girl enthielt, erreichte 1979 Platz eins der irischen Charts. Das erste Album Boy kam im Jahr darauf heraus, der internationale Durchbruch folgte 1983 mit den Singles New Year's Day und Sunday Bloody Sunday, politischen Songs, die sich mit der polnischen Solidarnosc-Bewegung beziehungsweise dem Nordirland-Konflikt beschäftigten.

Seinen Spitznamen hatte Bono damals längst weg: Schon Schulfreunde entliehen diesen bei einem Dubliner Laden für Hörgeräte mit dem Namen «Bonavox» (lateinisch für «gute Stimme»). Der Künstlername blieb an Bono haften und wurde zu seinem Markenzeichen. Und auch im Privatleben legte er sich früh fest: Er heiratete mit 22 seine Schulfreundin Alison «Ali» Stewart, mit der er immer noch zusammen ist und vier gemeinsame Kinder hat.

Video als Entschuldigung für vergessenen Hochzeitstag

Bono widmete Ali etliche Songs, darunter Spanish Eyes, In a Little While und A Man and a Woman, hielt seine Familie aber ansonsten weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Das änderte sich ausnahmsweise 1998, als Ali in einem U2-Video zur Single Sweetest Thing auftrat. Das Lied hatte Bono bereits 1987 als Entschuldigung für seine Frau geschrieben, weil er während der Aufnahmen für das Meilenstein-Album The Joshua Tree den gemeinsamen Hochzeitstag vergessen hatte. In dem Clip sind viele Dinge zu sehen, die Ali mag, darunter ein Elefant, ein Klassik-Ensemble und die Gruppe Boyzone, außerdem Transparente mit den Worten «Es tut mir leid», «Es tut mir wirklich leid» und «Es tut mir wirklich, wirklich leid».

Zu diesem Zeitpunkt waren U2 längst zu Superstars aufgestiegen. Der Rolling Stone nannte sie schon nach der Veröffentlichung des vierten Albums The Unforgettable Fire 1984 «the only band that matters». Die 80er und 90er Jahre sind aus musikalischer Sicht ohne U2 undenkbar.

Eine überraschende stilistische Kehrtwende vollzogen die Iren 1994 mit der in Berlin aufgenommenen Platte Achtung Baby, die von elektronischer Tanzmusik, Industrial und Alternative Rock beeinflusst war. Auf der bombastischen und selbstironischen «Zooropa»-Tour demonstrierten U2 ihr politisches Engagement, indem Bono von der Bühne aus versuchte, prominente Persönlichkeiten wie den damaligen US-Präsidenten George Bush und Mitglieder der britischen Königsfamilie anzurufen.

«Soll ich lieber Songs über Sex und Drogen schreiben?»

Neben solchen öffentlichkeitswirksamen Gags verfolgt Bono aber stets ernsthafte politische und soziale Anliegen. Er unterstützt Organisationen wie Amnesty International und Greenpeace und setzt sich als Aktivist für den Schuldenerlass und den Kampf gegen Aids und Armut vor allem in Afrika ein. Das brachte dem meist sonnenbebrillten Multimillionär zwar etliche Auszeichnungen ein, aber auch den Vorwurf, unglaubwürdig zu sein und sich von Spitzenpolitikern und -managern zu deren Imageaufbesserung missbrauchen zu lassen.

Bono sagte dazu einmal dem Magazin Smash Hits: «Ich habe den tollsten Job der Welt und dafür werde ich total überbezahlt. (...) Ich bin Musiker und versuche, das Richtige zu tun. Was ich mit meinem Geld mache, ist meine Privatsache.» Kritiker halten ihm auch immer wieder vor, sich mit den christlichen Bezügen in seinen Songtexten (If God Will Send His Angels, I Still Haven't Found What I'm Looking For) als Gutmensch profilieren zu wollen. Doch auch davon lässt sich der Sänger nicht irritieren. In einem Interview sagte er einmal: «Soll ich lieber Songs über Sex und Drogen schreiben? Nein, das werde ich nicht tun.»

Und auch, dass er nach seinem 50. Geburtstag das Songschreiben in absehbarer Zeit ganz lassen könnte, ist kaum zu erwarten - auch wenn die letzten Alben nicht mehr ganz an den Erfolg der Megaseller heranreichen konnten. Schließlich hat Bono schon 1989 in Smash Hits angekündigt: «Wir haben vor, Musik zu machen, bis uns die Leute satt haben.»

car/oro/ivb/news.de/ap

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