Daniel Küblböck Casting-Stars sind faul

Daniel Küblböck (Foto)
Vom Superstar zum Geschäftsmann: Daniel Küblböck. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Sechs Jahre ist seine DSDS-Zeit her. Inzwischen war er im Dschungelcamp, hat seine eigene Firma gegründet und überrascht nun als Jazz-Musiker. Mit news.de sprach Daniel Küblböck über seine Verwandlung und erklärte, warum der Erfolg bei anderen Casting-Stars ausbleibt.

Jazz statt Pop: Ist das jetzt der wahre Daniel Küblböck?

Küblböck: Als junger Mensch ist es normal, dass man sich entwickelt und auch verschiedene Dinge ausprobiert. Irgendwann habe ich festgestellt, dass Jazz die Musikrichtung ist, die mir am meisten Spaß macht. Der Jazz ist ein Lebensgefühl, bei dem ich aufblühen und meine musikalischen Facetten zeigen kann, was in der seichten Pop-Musik doch eher nicht möglich ist.

Bedeutet das, dass es den Pop-Musiker Küblböck nicht mehr geben wird?

Küblböck: Jazz ist definitiv die Musikrichtung, die am besten zu mir passt. Aber man kann nicht in die Zukunft schauen. Die Musik ist so vielseitig und auch in den Jazz kann man Pop-Elemente einbauen. Ich glaube, dass das Publikum alles, was authentisch ist, annimmt.

Daniel Küblböck
Ein schräger Vogel wird solide
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Hört man sich Ihre aktuellen Songs an, fällt auf, dass Sie eine viel voluminösere Stimme als zu DSDS-Zeiten haben. Woran liegt das?

Küblböck: Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht und habe gemerkt, dass ich singen kann. Ich habe für einige Zeit in Wien gelebt und dort gelernt, mit meiner Stimme umzugehen. Dabei habe ich auch Töne entdeckt, die ich vorher gar nicht kannte. Als ich bei DSDS mitgemacht habe, war ich gerade mal 16 Jahre alt und noch mitten im Stimmbruch. Die Musikproduzenten haben zwar gemerkt, dass da irgendetwas ist, aber was, wussten auch sie nicht. Da haben sie es erstmal mit einer etwas schrägeren Musik versucht. Sie dachten, das würde wohl am Besten zu dem hibbeligen Jugendlichen passen. Von dieser Rolle will ich mich jetzt emanzipieren. Und dabei hilft auch das viele Herumtouren. Die ganzen Casting-Künstler hocken immer nur auf ihrem Hintern und machen nichts. Von nichts kommt nichts. Viele Casting-Stars sind einfach nur faul.

Aber werden Sie als ehemaliger Casting-Star in der Jazz-Szene überhaupt ernst genommen?

Küblböck: Man muss die Leute überzeugen und das funktioniert nur, wenn man den Willen dazu hat. Ich bereue meine Vergangenheit nicht. DSDS war kein Fehler, sondern ein Sprungbrett, das ich auch heute noch nutze. Als ich meinen Nummer-1-Hit hatte, war im Hintergrund eine riesige PR-Maschinerie im Gange. Heute ist das natürlich nicht mehr so. Jetzt habe ich aber meine eigene Firma, vermarkte mich selbst und kann so meine eigenen Entscheidungen treffen. Kein Management steht mit der Peitsche hinter mir und schreibt mir vor, was ich zu tun habe. Ich bin froh, dass ich das geschafft habe.

Würden Sie also sagen, dass Sie im Unterschied zu anderen DSDS-Stars immer noch Erfolg haben, weil Sie auf Selbstvermarktung setzen?

Küblböck: Ich denke, dass das der entscheidende Unterschied ist. Wenn man sich frei schaufelt, wird man einfach viel mehr respektiert. Alles, was schnell gehypt wird, wird von den Leuten nur für kurze Zeit wahrgenommen. Ich wollte es alleine schaffen, natürlich habe ich auch meine Mitarbeiter, aber ich bestimme den Weg. Und das findet auch beim Publikum Anerkennung.

Was halten Sie eigentlich von Daniel Schumacher? Seine Musikkarriere scheint ja kurz vor dem Aus zu stehen.

Küblböck: Das ist nicht böse gemeint, aber Daniel Schumacher ist einfach zu seicht. Als Künstler muss man sein Publikum bewegen, eine gewisse Message haben. Und die fehlt ihm meiner Meinung nach. Manch ein Sänger in einer Hotelbar singt besser als Daniel Schumacher. Gut singen zu können ist nicht die Kunst, das Gesamtpaket muss stimmen.

Ist das der Grund, warum den DSDS-Stars der langfristige Durchbruch nicht gelingt? In den USA oder England sind aus ehemaligen Casting-Stars wirkliche Stars geworden.

Küblböck: Deutschland ist heute international gesehen kein bedeutendes Musikland. Die einzigen, die man im Ausland kennt, sind Tokio Hotel. Die Jungs sind individuell und deswegen kommen sie auch außerhalb von Deutschland so gut an. Aber sonst? Deutschland ist ein Land der Musiker, sie werden aber viel zu wenig gefördert. Es gibt nur wenige Produzenten, die über Jahre hinweg einen Hit nach dem anderen landen. Dieter Bohlen ist einer der wenigen Ausnahmeerscheinungen. In den USA und England werden Nachwuchsstars dagegen immens gefördert. Da wird wahnsinnig viel Geld ausgegeben, um sie aufzubauen. Bei uns sieht das anders aus. In Deutschland kann man nur wirklich groß werden, wenn man über Jahre hinweg daraufhin arbeitet.

Können Sie die Kritik an Dieter Bohlen verstehen? Finden Sie, dass er mit den Kandidaten zu hart ins Gericht geht?

Küblböck: Dieter Bohlen führt eine Rolle aus, die es in jeder Casting-Show gibt. Er ist das schwarze Schaf, das aber auch einen weichen Kern hat. Diese Rolle spielt er perfekt. Ich könnte mir DSDS ohne Dieter Bohlen nicht vorstellen. Klar ist er mit seiner Meinung immer sehr ehrlich. Die einen finden das toll, andere nicht. Das ist Geschmackssache. Wenn die Bohlen-Ära eines Tages zu Ende ist, wird auch die Casting-Ära vorbei sein.

Würden Sie selbst gern mal in der Jury von DSDS sitzen?

Küblböck: Ich könnte mir nie vorstellen, mit Dieter Bohlen zusammen in der Jury zu sitzen. Wir wären uns einfach zu ähnlich, was die harten Urteile angeht.

Sie haben bereits Ihre Agentur angesprochen. Wollen Sie in Zukunft mehr als Geschäftsmann im Hintergrund arbeiten?

Küblböck: Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in diesem Bereich lande. Für einen Künstler ist Bürokratie und Schreibtischarbeit eigentlich das Letzte, was er machen will. Mittlerweile macht es mir aber Spaß. Mit meiner Agentur will ich mich vor allem dafür einsetzen, dass sich die Musik-Szene in Deutschland endlich verändert. Die Verkaufszahlen sind drastisch zurückgegangen, die Musiklandschaft muss sich weiterentwickeln, um überleben zu können. Mit meiner Agentur will ich meinen Beitrag dazu leisten.

Aber gibt es den schrägen Daniel Küblböck noch?

Küblböck: Ich glaube, der schräge Daniel Küblböck war eine Figur, die für eine gewisse Zeit gepasst hat. Sie war auch authentisch. Ich bin immer noch gerne lustig und tue abgedrehte Dinge. Aber was bedeutet schon schräg oder abgedreht? Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man optimistisch ist und seine Fröhlichkeit bewahrt. Das hat aber nichts mit Schräg-Sein zu tun.

Wie geht es in Zukunft bei Ihnen weiter?

Küblböck: Ich darf über Details noch nicht sprechen, aber im nächsten Jahre sind im TV einige Dinge mit mir geplant. Bei manchen Sachen werden einige auch sagen: «Das er jetzt so was macht, hätte ich nicht gedacht». Das macht es aber auch interessant. Auch die Jazz-Sache wird weitergehen.

Daniel Küblböck wurde durch die Casting-Show
Deutschland sucht den Superstar bekannt. Nach DSDS gelang dem damals 17-Jährigen der Nummer-Eins-Hit You Drive Me Crazy, 2004 macht er im Dschungelcamp mit. Mittlerweile ist Küblböck (Jahrgang 1985) Geschäftsführer einer Medienagentur, über die er auch sich selbst vermarktet, und hat die Jazz-Musik für sich entdeckt.

reu/news.de

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