Philosoph Claude Lévi-Strauss ist tot

Der französische Philosoph Claude Lévi-Strauss ist tot. Wie die Académie Française bestätigte, starb der weltberühmte französische Völkerkundler und Anthropologe bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag.

Claude Levi Strauss (Foto)
Der Philosoph Claude Levi Strauss wurde 100 Jahre alt. Bild: ap

Kurz vor seinem 101. Geburtstag ist der französische Ethnologe und Anthropologe Claude Lévi-Strauss gestorben. Das teilte die Akademie der Wissenschaften in Paris mit, ohne den genauen Todestag zu nennen. Lévi-Strauss, der als Vater der modernen Anthropologie und Begründer des ethnologischen Strukturalismus gilt, ist vor allem mit seinen Studien von Naturvölkern bekanntgeworden. Er wäre am 28. November 101 Jahre alt geworden.

Zu den bekanntesten Werken des Wissenschaftlers gehören unter anderem Traurige Tropen aus dem Jahr 1955, Das wilde Denken (1963) und Das Rohe und das Gekochte (1964). Darin setzt er sich mit den Denk- und Verhaltensmustern sowie den Mythen in traditionellen und modernen Gesellschaften auseinander. Mit diesen und weiteren Forschungen hat Lévi-Strauss die Anthropologie nach akademischer Auffassung von Grund auf verändert.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und Literatur hatte Levi-Strauss einen Lehrstuhl für Soziologie im brasilianischen São Paulo erhalten. Dort begeisterte er sich bei Begegnungen mit Indianern für die Feldforschung. 1942 folgte er einem Ruf der New York School of Social Research in New York. Sechs Jahrzehnte lang war er im Hochschulbereich tätig, zuletzt als Professor für Sozialanthropologie am renommierten Collège de France. Erst zu Beginn der 1980er Jahre trat er in den Ruhestand.

Von der Suche nach dem Sinn des Lebens hielt der in Brüssel geborene Lévi-Strauss wenig. «Ich bin fest davon überzeugt, dass das Leben keinen Sinn hat, dass nichts irgendeinen Sinn hat», sagte er vor rund zwei Jahren in einem Interview. Von allen Religionen fühle er einzig zum Buddhismus eine Affinität. «Zum einen, weil er keinen persönlichen Gott kennt, zum andern, weil er die Auffassung vertritt oder weil er zulässt, dass es keinen Sinn gibt, dass in der Abwesenheit des Sinns, im Nicht-Sinn, die letzte Wahrheit liegt. Diese Art von Glauben kann ich ohne weiteres akzeptieren», sagte der damals 99-Jährige. «Ich gestehe, dass der Gedanke, ins Nichts überzugehen, mir zwar nicht behagt, mich aber auch nicht beunruhigt», meinte der Begründer des Strukturalismus über den Tod.

ruk/news.de/ap/dpa

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