Interview mit Andreas Türck
«Ich schaue nicht nach hinten»

Vier Jahre ist es her, dass die TV-Karriere von Andreas Türck ihr abruptes Ende fand. Trotz Freispruchs hatte ProSieben sich von ihm getrennt. Im Interview mit news.de sagt Türck, dass er sein altes Leben nicht vermisst. «Die neue Arbeit mach mir einen Riesenspaß.»

«Das war schon wie ein neuer Beruf, den man erlernen musste.» Bild: dpa

Herr Türck, Sie sind in der TV-Branche mittlerweile wohl eher im Hintergrund tätig?

Türck: Ja, wenn man das so klassifizieren will. Dass ich momentan nicht irgendwo moderiere, bekommt man ja relativ schnell raus. Ich bin Gesellschafter der pilot entertainment. Wir produzieren WebTV-Content für Werbetreibende oder Medien.

Sind Sie dort noch als Moderator zu sehen?

Türck: Nein, ich bin derjenige, der dahinter steckt.

Für wen arbeiten Sie dort genau?

Türck: Wir produzieren zum Beispiel Musicals & More TV mit Kim Fisher für die Stage Entertainment. Des Weiteren haben wir auch 70 Live-Sendungen für Bunte.de und das Versandhaus Otto produziert. Dieses innovative Web-TV-Format wird von der bekannten TV-Moderatorin Charlotte Karlinder moderiert.

Das muss doch schwierig für Sie sein. Sie haben Jahre lang für ProSieben moderiert, juckt es Sie nicht, vor die Kamera zurückzukehren?

Türck: Ich habe über 1000 Sendungen moderiert, das war auch eine schöne Zeit. Die Formate, die jetzt im klassischen TV laufen, haben sich gegenüber früher kaum verändert. Die Anforderungen, die das Netz stellt, sind eine viel größere Herausforderung. Es interessiert mich mehr, auf diesem Gebiet nachzudenken. Deswegen habe ich mich ein Stück vom klassischen Fernsehen entfernt und bin im Internet unterwegs.

Eine Rückkehr auf die TV-Bildschirme ist damit ausgeschlossen?

Türck: Was die Moderation betrifft: Ich sage niemals nie. Wenn sich eine Möglichkeit bietet, auf die ich Lust hätte, die mich reizt und die dem digitalen Zeitalter entspricht, dann kann ich mir das gut vorstellen. Aber momentan ist das einfach nicht im Fokus. Mein jetziger Job füllt mich den ganzen Tag aus.

Sind Sender nach dem Gerichtsverfahren auf Sie mit neuen Moderationsangeboten zugekommen?

Türck: Ja. Grundsätzlich führt man immer Gespräche. Schließlich haben wir als Web-TV- Produzent und Media-Agentur regelmäßig mit den Sendern zu tun. Dabei trifft man natürlich auch Programmverantwortliche und spricht miteinander, das ist ganz normal.

Sie arbeiten jetzt im Internet. Wie schwer war die Umgewöhnung?

Türck: Zuerst habe ich in der Agentur einen digitalen Crash-Kurs belegt. Ich wurde durch alle Abteilungen geschickt und begegnete plötzlich Wörtern wie Targeting, Frequency Capping, Behavior Targeting und Ad Management. Das war schon wie ein neuer Beruf, den man erlernen musste und eine tolle Herausforderung, der ich mich gestellt habe. Die neue Arbeit macht mir einen Riesenspaß.

Wie internetbegeistert ist der Privatmensch Andreas Türck? Nutzen Sie moderne Social-Networking-Angebote wie Facebook, Twitter oder StudiVZ?

Türck: Aktiv und regelmäßig? Eher weniger. Dafür fehlt mir die Zeit. Das bekommt man nicht hin, wenn man einen Zwölf-Stunden-Tag hat. Den hatte ich aber auch schon früher. Da mussten drei Sendungen am Tag irgendwo herkommen.

Früher hatten Sie aber noch das Leben in der Öffentlichkeit, vermissen Sie das?

Türck: Was heißt, die Öffentlichkeit vermissen? Dass ich eine öffentliche Person bin, kann man so schnell nicht loswerden, sonst würden Sie wohl kaum ein Interview mit mir führen wollen. In dem Moment, in dem ich hier bin, erkennen mich die Leute. Deswegen stellt sich die Frage für mich nicht.

Aber bei Ihnen ist es ein besonderer Fall. Werden Sie noch mit den Vergewaltigungsvorwürfen und dem peinlichen Gerichtsverfahren konfrontiert?

Türck: Zum Beispiel durch solch eine Frage? Bitte verstehen Sie, dass ich mich hier, auf der IFA Preview 2009, dazu nicht äußern möchte. Wenn Zeit und Ort stimmen, gerne. Ich schaue nicht nach hinten, ich blicke nach vorne.

Andreas Türck (40) war auf dem Weg nach ganz oben. Nachdem sich der Frauenschwarm bei ProSieben mit seiner Talkshow Andreas Türck einen Namen gemacht hatte, begann der Sender ihn zum Abendmoderator aufzubauen. 2004 endete seine TV-Karriere auf einen Schlag, als ihm vorgeworfen wurde, eine Frau vergewaltigt zu haben. Im darauf folgenden Prozess wurde er zwar freigesprochen, doch sein Image war nicht zuletzt durch die öffentliche Berichterstattung nachhaltig ramponiert.

mik

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5 Kommentare
  • hexe0211

    14.08.2010 20:00

    Ja,so ist nun mal das Leben.........voll ungerecht.....Man ist unschuldig und doch verurteilt..... alles gute wünsche ich Andreas für seine weitere Zukunft

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  • Geri

    02.08.2010 00:08

    Den Daten nachzugehen, ist diese Seite schon etwas älter. Trotzdem möchte ich sagen, dass Andreas Türck für mich wie ein zweiter Sohn war, ohne ihn persönlich einmal getroffen zu haben. Ich kannte, kenne ihn nur arbeitsmäßig aus seiner Show " Andreas Türck" und bin zig mal in Hamburg gewesen Kurz und bündig: " Ich freue mich wahnsinnig, dass es ihm gut geht und nicht nach hinten schaut. Vielleicht gibt es doch noch ein Wiedersehen im TV. Persönlich: " Alles Gute" lieber (Andy), lieber Andreas Türck, machen Sie weiter so. Ich freue mich riesig für Sie.

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  • s

    11.04.2010 06:32

    das ist so typisch für die medien a la bildzeitung usw usw... einfach mal das image von einem menschen zerstören, ein mensch gilt so lang als UNSCHULDIG bis seine schuld ERWIESEN ist. aber nicht für diese medien. türck, michael jackson, kachelmann... die ersten beiden herren wurden ja freigesprochen aber WER hat das mitbekommen? beide haben immernoch ein bescheidenes image ggü. der öffentlichkeit. rufmord wie es im buche steht............

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