Willy Astor im Interview «Musik und Komik sind für mich untrennbar»

Nur die wenigsten der Bayern-Fans wissen, dass Willy Astor die Bayern-Hymne «Stern des Südens» geschrieben hat. News.de sprach mit dem Wortakrobaten über bayerische Politik, Lachen, Weinen und natürlich über die Hymne für seinen Verein.

Willy Astor (Foto)
Vollblutkomiker und -musiker: Willy Astor. Bild: news.de

Wie kam es dazu, dass gerade Sie den Song für den FC Bayern München geschrieben haben?

Astor: Ich hatte zu Hause diese schöne Melodie komponiert und wusste nicht recht, was ich damit anfangen sollte. Dann kam ich darauf, dass diese Melodie gut zu der Zeile «Stern des Südens» passen würde und habe einen Kurzrefrain zusammengestellt. Das wiederum habe ich dann meinem Freund, dem Stefan Lehmann, schon damals Stadionsprecher beim FC Bayern, vorgespielt und er fand es super. Zusammen haben wir den Text zum Lied geschrieben und sind schon vier Wochen später mit einem Entwurf des Liedes zum Uli Hoeneß ins Büro. Der hat spontan gesagt: Das machen wir. Mei, das ist jetzt schon wieder zehn Jahre her.

Also doch ein netter, der Uli Hoeneß, der so angespannt wirkt?

Astor: Der Uli ist ein unglaublich netter Mensch, der sehr nahbar ist. Ich habe ihn viele Male getroffen und ich kann nur Gutes über ihn sagen. Viele können ihn auch nicht leiden, das weiß ich, aber er kommt damit gut klar, nicht Everybodys Darling zu sein. Er ist für den FC Bayern ein Glücksfall. Irgendwie ist doch der ganze FC Bayern ein Glücksfall.

Sind Sie, nachdem Sie den Zuschlag für die Bayern-Hymne bekommen haben, sofort Bayern-Mitglied geworden?

Astor: Nein, nicht auf herkömmliche Weise mit Ausweisnummer oder Ähnlichem, aber ich fühle mich als eine Art virtuelles Mitglied und bin natürlich seit jüngster Kindheit auch Bayern-Sympathisant. Womöglich werde ich sogar irgendwann mal beitreten.

Hat dieses Lied ihr Leben beeinflusst?

Astor: Eigentlich nicht wirklich... obwohl: Man hat als kleiner Komödiant halt einen Hit, einen Klassiker. Und: Ich geh ja ab und zu ins Stadion und dann grinst man innerlich so ein bisserl, wenn das Lied gespielt wird. Die Leute um mich herum wissen meist gar nicht, dass Willy Astor den Stern des Südens geschrieben hat.

Sie sind ja ein Wortakrobat. Wie fängt so ein Reim an?

Astor: So, wie die Besteigung des Mount Everest mit dem ersten Schritt begonnen wird, so ist es auch mit einem Stück. Egal, ob es eine Wort- oder eine Musiknummer ist. Der erste Einfall kann zu den unmöglichsten Tageszeiten kommen, man weiß ja nie, wann die Intuition zuschlägt. Man muss die Antennen immer ausgefahren haben und unglaublich viel notieren. Ich habe schon viele Stücke verloren, weil ich gedacht habe, dass ich mir diese gute Idee merke und ein paar Stunden später war sie weg. Und wenn etwas Gutes dabei ist, dann gibt es so ein Gefühl von einer Substanz und man denkt, das könnte eine Säule von einem ganzen Tempel werden. Und dann beginnt die Arbeit am Schreibtisch mit aller Disziplin. Wenn man Dusel hat, wird es ein Stück und wenn man ganz viel Dusel hat, funktioniert es noch vor dem Publikum.

Fühlen Sie sich mehr als Kabarettist oder mehr als Musiker?

Astor: In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Die Musik und die Komik sind für mich untrennbar. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste jetzt nur noch Instrumentalmusik oder nur noch Komik machen, dann würde ich eingehen. Außerdem ist es schön für mich zu fühlen, dass ich zwei Sachen kann, das ist ja schon ein Privileg und es gibt nicht so viele, die das machen.

In ihrem Programm kommen keine politischen Stücke vor, deswegen nutzen wir hier die Gelegenheit: Ist die beste Zeit der CSU in Bayern vorbei, nachdem es nicht mehr die starken Männer an der Spitze gibt wie viele Jahre Strauß, wie viele Jahre Stoiber?

Astor: Ich sag es mal so: Die Ruhmeshalle CSU wird es nicht mehr geben. Franz-Josef Strauß hat sich damals schon zu einer lebenden Legende gemacht. Gut, Edmund Stoiber hat sich seine Bekanntheit eher durch seine unfreiwillige Komik erarbeitet und weniger durch seine gute Politik. Und das weiß er auch. Er ist ja in Deutschland zu einer extremen Lachnummer geworden. Die extremen Verluste der CSU, als Günter Beckstein gehen musste, gehen alle auf das Konto von Edmund Stoiber, das wissen alle in der CSU. Die Heldenvereehrung ist jetzt vorbei und der Seehofer macht es erst mal nicht schlecht und ist nicht so ein Wichtigtuer wie der Stoiber.

Apropos Lachnummer: Worüber haben Sie zuletzt gelacht?

Astor: Über den Kommentar eines Zuschauers in meinem Programm. Als ich erzählt habe, dass ich mal für einen Schwulen gehalten worden bin, kam der Zwischenruf: Und, hat es weh getan? Da habe ich schon sehr gelacht auf der Bühne.

Zu einem Kabarettisten gehören neben den Höhen auch Tiefen, die man erlebt haben muss, um ein gutes Programm zu schreiben. Richtig oder falsch?

Astor: Sowohl als Musiker als auch als Komiker muss man Gefühle zulassen. Man kann keinen ordentlichen Blues schreiben, wenn man selber noch keinen erlebt hat.

Also, wann haben Sie zuletzt geweint?

Astor: Das ist eine sehr private Frage. Da weiß ich gar nicht, ob ich die beantworten will... Sehr traurig bin ich immer, wenn ich von diesen schlimmen Schicksalen höre, wo ganz Familien ausgelöscht wurden, die völlig unschuldig ihr Leben lassen mussten. So etwas berührt mich immer und da halte ich dann schon mal inne und bin froh, dass ich noch am Leben bin.

Bleiben Sie dran!

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • admi
  • Kommentar 2
  • 18.07.2013 00:58

i hätt was, kann leider ned klampfe zupfen.... vor einiger zeit war der siebenschläfer top. i frag mi was passiert wenn i schrei siebenschläfer? wer kommt? der kammerjäger oder das terrorkommando------ja, is ned ganz so witzig, hab noch andre............gr rd

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  • W
  • Kommentar 1
  • 12.10.2010 01:40

Ein ganz, ganz Großer, der dennoch ganz bescheiden geblieben ist. Einer der seinem Publikum mehr zurückgibt, als eine Eintrittskarte zu seinen Programmen kostet. Ich ziehe meinen Hut und verbeuge mich sehr tief!

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