Fernsehlegende Fußball-Kommentator Rudi Michel gestorben

Früherer Fußball-Kommentator Rudi Michel ist tot (Foto)
Der Ex-Fernseh-Sportkommentator Rudi Michel starb im Alter von 87 Jahren. Bild: dpa

«Nicht im Tor! Kein Tor!» Die Worte Rudi Michels nach dem umstrittenen Wembley-Tor im Finale der Fußball-EM 1966 klingen vielen Fans bis heute in den Ohren. Am Montag ist die Sportreporterlegende mit 87 Jahren in Baden-Baden gestorben.

Rudi Michel war ein herausragender Journalist, darüber hinaus aber auch ein glänzender Botschafter des deutschen Fußballs», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger auf der DFB-Internetseite. Durch seine Reportagen und Bücher, die er speziell über die 1954er WM-Mannschaft von Sepp Herberger verfasst hat, bleibe er unvergessen.

Von 1958 bis 1982 kommentierte Michel - mit Ausnahme der Finals 1970 in Mexiko und 1978 in Argentinien - alle WM-Endspiele im deutschen Fernsehen. Berühmt wurde seine Schilderung von Geoff Hursts Wembley-Tor 1966 - für den Pfälzer die «schwierigste Minute in meiner Reporterlaufbahn». Durch Reportagen wie diese sei Michel «schon zu Lebzeiten eine Legende geworden», meinte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Michel selbst war vor allem stolz darauf, als junger Reporter zu einem kleinen Team von Journalisten gehört zu haben, die 1954 das «Wunder von Bern» live miterlebt hatten.

«Für unsere Gesellschaft hatte diese WM einen unbeschreiblichen Stellenwert. Das geisterte damals durch alle Gazetten: Wir sind wieder wer! Die Menschen hatten dadurch ein Gemeinschaftserlebnis», sagte Michel einmal. Wie Fritz Walter ist er in Kaiserslautern geboren, und kaum ein anderer Journalist kannte den verstorbenen Kapitän der damaligen Elf so gut. «Der Fritz war mein Freund. Wir hatten einen immerwährenden Gedankenaustausch, nicht nur über Fußball», hatte Michel einst ihre Freundschaft geschildert.

Dabei bedurfte es einer glücklichen Fügung, dass der am 2. August 1921 geborene Michel die Laufbahn als Sportreporter einschlug. «Ich wäre so gerne Nachrichtenredakteur geworden, aber leider war keine Stelle frei», hatte er in einem dpa-Interview zugegeben. So schlug es ihn 1948 als Radioreporter zum damaligen Südwestfunk (SWF), dessen Sportchef er 1962 wurde. Von 1954 bis zu seiner Pensionierung 1988 war er bei allen Fußball-Weltmeisterschaften dabei. Auch die Tour de France, seine größte Liebe im Sport, begleitete Michel achtmal. Zudem war er ARD-Teamchef bei den Olympischen Spielen 1972 in München.

Seine letzte WM, die der Liebhaber klassischer Musik verfolgen konnte, war das Heim-Turnier 2006. Für Michel, der zuletzt als Pensionär mit seiner Ehefrau Ursula in Baden-Baden lebte, ein tolles Erlebnis: «Über diese WM werden wir noch in 20 oder 40 Jahren sprechen. Für mich war das eine Sensation: Der vor Jahrzehnten noch verpönte Fußball hat es geschafft, in der Welt ein positives Deutschlandbild zu entwickeln.» Nicht zuletzt dieser reichhaltige Erfahrungsschatz und seine stets um Sachlichkeit bemühten Kommentare machten ihn zum «Grandseigneur des deutschen Sportjournalismus», wie ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung einmal nannte. DFB-Generalsekretär Niersbach brachte es auf den Punkt: «Rudi war und bleibt ein Vorbild.»

tko

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig