06.10.2019, 14.47 Uhr

Altersarmut in Deutschland: Deutsche haben Angst vor der Rente, Diskussion um Grundrente

Millionen Deutsche haben Angst vor der Rente. Seit Monaten streiten Union und SPD um Verbesserungen für Menschen mit kleiner Rente. Nach wie vor sind beide Seiten bei der geplanten Grundrente verhakt. SPD-Chefin Malu Dreyer erhöht nun den Druck.

Droht Millionen Deutschen die Altersarmut? Bild: AdobeStock/ perfectlab

Im Koalitionsstreit um die Grundrente hat diekommissarische SPD-Chefin Malu Dreyer die Union zu einer raschen Einigung aufgefordert."Wir wollen die Verhandlungen in der Koalition zur Grundrente abschließen und zwar schnellstmöglich", sagte Dreyer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.Nach der ersten Sitzung einer hochrangig besetzten Koalitionsarbeitsgruppe vor einer Woche waren weiter tiefgreifende Differenzen zwischen Union und SPD zu dem Projekt deutlich geworden.

Altersarmut in Deutschland: Union und SPD nicht einig bei Grundrente

"Für die SPD ist klar, dass es eine Grundrente sein muss, die ihren Namen auch verdient", bekräftigte Dreyer.Sie müsse bei den Menschen möglichst unbürokratisch ankommen und den Alltag besser machen. "Und wenn sie diese Menschen nicht enttäuschen wollen, dann müssen sich CDU und CSU eben jetzt auch einig werden darüber", fordert sie.

Schnelle Lösung bei Grundrente nicht in Sicht

Damit spielte Dreyer darauf an, dass es nach Gesprächen zwischen Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) zunächst geheißen hatte, es gebe Kompromissmöglichkeiten. InsbesondereCSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatte nach dem Koalitionstreffen aber mitgeteilt, was Heil bisher vorgestellt habe, habe wenig mit dem im Koalitionsvertrag Vereinbarten zu tun. Eine schnelle Lösung erwarte er daher nicht.

Heil und SPD wollen Bedürftigkeit der Rentner vor Auszahlung der Grundrente nicht prüfen

Heil und die SPD pochen darauf, dass vor Auszahlung des geplanten Aufschlags auf kleine Renten nicht geprüft wird, ob die Betroffenen wirklich bedürftig sind. Im Koalitionsvertrag ist so eine Bedürftigkeitsprüfung aber vorgesehen. Dreyer forderte: "Wir brauchen eine Grundrente, die Lebensleistung anerkennt, ohne dass die Menschen zum Amt gehen müssen." Gerade sehr viele Frauen in Ostdeutschland würden davon profitieren. "Es wäre ein gutes Signal, wenn die große Koalition sich da jetzt sehr schnell einig wird", sagte sie.

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Angst vor der Altersarmut - Wird die Rente zum Leben reichen?

Millionen Deutsche haben schon jetzt Angst vor der Rente, sie fürchten eine spätere Altersarmut. Laut eines aktuellen Berichtes der "Bild"-Zeitung zweifeln viele Normalverdiener, ob das Geld im Alter überhaupt reichen wird. "Wer im Alter 7 Prozent seines letzten Nettos als Ruhegeld haben möchte, kommt mit der Rentenversicherung allein nicht klar. Denn das Rentenniveau liegt schon jetzt bei nur noch 48 Prozent und soll weiter sinken", heißt es in dem "Bild"-Bericht.

So lesen Sie Ihre Renten-Information richtig

Zudem herrscht Unklarheit darüber, wie die Renten-Information überhaupt richtig gelesen wird. Vermerkt sind auf dem Schreiben die Punkte Rentenbeginn, Erwerbsminderungsrente, Rentenhöhe, Rentenanpassung und Entgeltpunkte. Während Rentenbeginn und Rentenhöhe noch einfach zu verstehen sind, wird es bei den anderen Punkten schon kniffliger.

Erwerbsminderungsrente meinte die Rentensumme, die Sie erhalten würden, würden Sie ab sofort durch Krankheit nicht mehr arbeitsfähig sein. Im Punkte Rentenanpassung wird hochgerechnet, wie Ihre Rente mit 67 ausfällt, wenn Sie jedes Jahr um 1 bzw. 2 Prozent erhöht wird. Entgeltpunkte wurde von der "Bild" wie folgt erklärt: "Wer ein Jahr Durchschnitt verdient (derzeit 38 901 Euro/Jahr brutto), bekommt einen Entgeltpunkt gutgeschrieben. Wer besser oder schlechter verdient, bekommt entsprechend mehr oder weniger Entgeltpunkte. Die Summe der Punkte bestimmt am Ende die Rentenhöhe."

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fka/news.de/dpa

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