01.10.2019, 10.43 Uhr

Parlamentswahl 2019 Österreich im News-Ticker: Nach Kurz' Erdrutsch-Sieg! Ex-FPÖ-Chef Strache beendet politische Karriere

Der 33-jährige Sebastian Kurz hat seine politischen Gegner abgehängt. Mit großem Abstand gewinnt der ÖVP-Chef die Wahl. Die rechte FPÖ verliert kräftig. Die Probleme einer Regierungsbildung warten aber schon.

Ex-FPÖ-Chef Strache beendet seine politische Karriere. Bild: dpa

Vier Monate nach dem vorzeitigen Ende der rechtskonservativen Regierung aus ÖVP und FPÖ wählten die Österreicher ein neues Parlament.

Vorgezogene Parlamentswahlen in Österreich - alle Infos im News-Ticker

Alle Informationen zu den vorgezogenen Parlamentswahlen in Österreich am 29. September lesen Sie hier im News-Ticker bei news.de.

+++ 01.10.2019: Ex-FPÖ-Chef Strache beendet politische Karriere +++

Der frühere FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat angekündigt, seine Parteimitgliedschaft ruhen zu stellen. Er wolle"eine Zerreißprobe und Spaltung der FPÖ um jeden Preis zu verhindern", sagte Strache bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Außerdem kündigte er einen "völligen Rückzug aus der Politik" an und will seine politische Aktivität komplett einstellen.

+++ 01.10.2019: Briefwähler machen den Sieg von Kurz noch größer +++

In Österreich hat sich das Ergebnis der Parlamentswahl nach Auszählung fast aller Briefwahlstimmen im Vergleich zu den Hochrechnungen noch leicht zugunsten der ÖVP verändert. Wie das Innenministerium am Montagabend mitteilte, kommt die ÖVP auf 37,5 Prozent der Stimmen (plus 6 Prozentpunkte). Die Hochrechnungen sahen die Konservativen bei 37,1 Prozent.

Die SPÖ liegt nun bei 21,2 Prozent. Das bedeutet ein Minus gegenüber der Wahl 2017 von 5,6 Prozentpunkten. Für die FPÖ votierten 16,2 Prozent (2017: 26 Prozent). Die Grünen ziehen mit 13,8 Prozent der Stimmen wieder in den Nationalrat ein, gegenüber 2017 ein glattes Plus von zehn Prozentpunkten. Die liberalen Neos klettern um 2,8 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung ging den Angaben zufolge von 80 auf 75,1 Prozent zurück. Am Donnerstag wird ein weiterer, wesentlich kleinerer Teil der Stimmen der Briefwähler ausgezählt. Erst dann liegt das Endergebnis vor.

+++ 30.09.2019: Kurz erwartet zähe Bündnis-Gespräche +++

Nach dem Wahl-Triumph der konservativen ÖVP in Österreich hat Ex-Kanzler Sebastian Kurz erste Ziele für Bündnisgespräche festgelegt. Eine der zentralen Punkte einer etwaigen neuen österreichischen Regierung unter seiner Führung müsse ein Konzept für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik sein, sagte Kurz am Montag im ORF-Morgenjournal. Angesichts der negativen wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, des drohenden Brexits und globaler Handelskonflikte gelte es, ein gutes Wirtschaftswachstum sicherzustellen und damit eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Der 33 Jahre alte Ex-Kanzler betonte erneut, dass er auf der Suche nach einem Regierungspartner "mit allen Parteien ordentliche Gespräche" führen werde. Während die ÖVP-FPÖ-Koalition nach der Wahl 2017 innerhalb von nur zwei Monaten geschmiedet wurde, werde es nun wohl länger dauern. "Ich fürchte, dass es diesmal etwas herausfordernder werden könnte."

+++ 30.09.2019: Kurz will nach Sieg bei Österreich-Wahl mit allen Parteien reden +++

Nach dem deutlichen Sieg der konservativen ÖVP unter Sebastian Kurz bei der Parlamentswahl in Österreich rückt die Frage möglicher Koalitionen in den Mittelpunkt. Rechnerisch kann der Ex-Kanzler ein Bündnis mit den erstarkten Grünen schmieden, aber auch mit der SPÖ oder erneut mit der rechten FPÖ. Der 33-Jährige sagte dazu am Sonntagabend im ORF, er werde auf alle im Parlament vertretenen Parteien zugehen.

Kurz wird von Bundespräsident Alexander Van der Bellen demnächst den Auftrag erhalten, eine Regierung zu bilden. Seine ÖVP ist nach Hochrechnungen großer Sieger der Wahl mit 37,1 Prozent der Stimmen - einem Plus von 5,6 Prozentpunkten im Vergleich zu Nationalratswahl 2017. SPÖ und FPÖ sind dagegen deutlich abgesackt. Das Ergebnis ermöglicht überraschend ein Bündnis aus ÖVP und Grünen. Die Umweltpartei hat mit 14 Prozent auf spektakuläre Weise den Wiedereinzug ins Parlament geschafft. Grünen-Chef Werner Kogler hielt sich jedoch zunächst bedeckt. Die Grünen seien gesprächsbereit, aber wirkliche Koalitionsverhandlungen ergäben nur Sinn, wenn sich die ÖVP bei den Themen Korruptionsbekämpfung, Kinderarmut und Klimaschutz bewege. Es werde keine Koalition um jeden Preis geben, betonte er.

Unter den ÖVP-Wählern sehen nach einer Analyse des Wahlforschungsinstituts Sora 20 Prozent eine Koalition mit den Grünen als erstrebenswert an. 34 Prozent wären für ein erneutes Bündnis mit der FPÖ. SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner erinnerte daran, dass ein Wahlziel das Verhindern ein Bündnisses von ÖVP-FPÖ gewesen sei. Die SPÖ sackte mit 21,7 Prozent (minus 5,1 Prozentpunkte) auf ein historisches Tief. Die liberalen Neos kamen laut Hochrechnung auf 7,8 Prozent (+ 2,5).

+++ 30.09.2019: Ergebnis der Urnenwahl: ÖVP in Österreich bei 38,4 Prozent +++

Die konservative ÖVP hat bei der Parlamentswahl in Österreich laut vorläufigem Endergebnis ohne Briefwähler 38,4 Prozent der Stimmen erhalten. Auf die SPÖ entfielen demnach 21,5 Prozent der Stimmen, auf die FPÖ 17,3 Prozent. Die Grünen konnten demnach 12,4 Prozent der Wähler überzeugen und springen damit deutlich über die Vier-Prozent-Hürde, an der die Partei vor zwei Jahren noch gescheitert war. Ebenfalls ins Parlament geschafft haben es die liberalen Neos mit 7,4 Prozent, während die Liste Jetzt (1,9 Prozent) nicht erneut in den Nationalrat einzieht.

Rund eine Million Menschen wollten ihre Stimmen per Briefwahl abgeben. Diese Stimmen werden erst am Montag ausgezählt, ein Teil sogar erst am Donnerstag. Für die Hochrechnungen wurde das Stimmverhalten dieser Wählergruppe bereits geschätzt und eingerechnet, für das vorläufigen Endergebnis wurden sie nicht berücksichtigt. In den Hochrechnungen kommt die ÖVP auf 37,1 Prozent, die SPÖ auf 21,7 Prozent, die FPÖ auf 16,1 Prozent, die Grünen auf 14 Prozent und die Neos auf 7,8 Prozent.

+++ 29.09.2019: Neue Hochrechnung: ÖVP gewinnt Wahl in Österreich mit 36,8 Prozent +++

Die konservative ÖVP von Parteichef Sebastian Kurz hat die Parlamentswahlen in Österreich mit großem Vorsprung gewonnen. Die Konservativen erhielten am Sonntag nach aktuellen Hochrechnungen 36,8 Prozent der Stimmen - ein Plus von 5,3 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl 2017. Die sozialdemokratische SPÖ mit Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner fuhr dagegen mit 22 Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis bei einer Nationalratswahl überhaupt ein. Im Vergleich zu 2017 bedeutet das einen Verlust von 4,8 Prozentpunkten. Die rechte FPÖ kassierte infolge des Ibiza-Videos und jüngsten Diskussionen über einen Spesenskandal eine heftige Niederlage: 16,1 Prozent bedeuten einen Verlust von 9,9 Prozentpunkten.

Neben der ÖVP dürfen sich auch die Grünen als große Gewinner des Wahltags fühlen. Die Partei von Spitzenkandidat Werner Kogler zieht mit 14,2 Prozent wieder in den Nationalrat ein und könnte mit der ÖVP sogar eine Regierungskoalition bilden. Auch die liberalen Neos haben den Sprung ins Parlament geschafft und verbesserten sich um 2,4 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent.

+++ 29.09.2019: FPÖ sieht sich in der Oppositionsrolle - "Auftrag für Neustart" +++

Die rechte FPÖ steht nach ihrem Wahldebakel in Österreich für Koalitionsgespräche voraussichtlich nicht zur Verfügung. "Wir interpretieren das nicht als unser Ziel, hier in Regierungsverhandlungen eintreten zu wollen. Dafür hat uns der Wähler nicht stark gemacht", sagte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. Der Wähler habe der Partei einen "Auftrag für einen Neustart" gegeben. Die FPÖ war laut Hochrechnungen bei der Parlamentswahl am Sonntag im Vergleich zur Wahl 2017 um zehn Prozentpunkte auf 16 Prozent abgestürzt. Die FPÖ hatte im Wahlkampf für eine Fortsetzung des bisherigen Bündnisses mit der konservativen ÖVP geworben. Zuletzt hatte eine Spesen-Affäre um Ex-Partei-Chef Heinz-Christian Strache die Aussichten für die Rechtspopulisten deutlich getrübt.

+++ 29.09.2019: Kurz ist klarer Sieger der Wahl in Österreich - Grüne feiern Comeback +++

Die konservative ÖVP mit ihrem Spitzenkandidaten Sebastian Kurz ist der klare Sieger der Parlamentswahl in Österreich. Die ÖVP erreichte am Sonntag laut Hochrechnungen 37,2 Prozent der Stimmen. Das ist ein Plus von 5,7 Prozentpunkten im Vergleich zu den Wahlen 2017.

Die sozialdemokratische SPÖ mit Pamela Rendi-Wagner verlor 4,9 Prozentpunkte und kam auf 22 Prozent. So schlecht hat die SPÖ bei einer Nationalratswahl noch nie abgeschnitten. Die rechte FPÖ unter Norbert Hofer erzielte laut Hochrechnung 16 Prozent. Das ist ein deutliches Minus von 10 Prozentpunkten.

Die zuletzt an der Vier-Prozent-Hürde gescheiterten Grünen profitierten von der Debatte um die Klimakrise und feiern ein spektakuläres parlamentarisches Comeback. Die Partei mit dem Spitzenkandidaten Werner Kogler erhielt 14,3 Prozent der Stimmen nach 3,8 Prozent vor zwei Jahren. Die liberalen Neos verbessern sich um 2,1 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent. Die Liste Jetzt kommt auf 1,8 Prozent.

Am Sonntag waren 6,4 Millionen Österreicher zur Wahl aufgerufen. Da mehr als eine Million Stimmen von Briefwählern erst am Montag ausgezählt werden, wird am Sonntagabend von Seiten der Wahlleitung nur das Ergebnis der Urnenwahl verkündet. Die Hochrechnungen berücksichtigen aber bereits das voraussichtliche Ergebnis der Briefwahl.

Die ÖVP hatte den Wahlkampf ganz auf Ex-Kanzler Kurz zugeschnitten. Der 33-Jährige warb damit, dass er den Weg der Modernisierung des Standorts Österreich fortsetzen wolle. Viele Wähler - so ein Ergebnis der TV-Duelle - sprechen ihm hohe Wirtschaftskompetenz zu. Migrations- und Asylfragen spielten keine so dominante Rolle wie im Wahlkampf 2017.

Die FPÖ setzte ganz auf eine Fortsetzung der bisherigen ÖVP-FPÖ-Koalition und warnte vor einem Linksruck bei einer Koalition der ÖVP mit anderen Parteien. Die SPÖ setzte auf Themen wie bezahlbares Wohnen, einen steuerfreien Mindestlohn von 1700 Euro und generell Menschlichkeit. Die Grünen fordern unter anderem eine CO2-Steuer, günstige Tickets für den Nahverkehr und eine flächendeckende Lkw-Maut.

Die vorzeitige Wahl war wegen der in Österreich beispiellosen Regierungskrise vom Mai nötig geworden. Das von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" veröffentliche Ibiza-Video von 2017, das den einstigen FPÖ-Chef und Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache anfällig für Korruption erscheinen lässt, löste eine politische Kettenreaktion aus.

Nach dem Rücktritt Straches von allen Ämtern kündigte Kurz auch die Koalition auf. Wenige Tage später folgte ein Misstrauensvotum, mit dem Kurz als Kanzler vom Nationalrat gestürzt wurde. Seitdem regiert ein Expertenkabinett unter Kanzlerin Brigitte Bierlein das Land. Es bleibt bis zur Bildung einer neuen Regierung im Amt.

Der Wahlkampf war zuletzt auch geprägt von Vorwürfen, dass der Ex-FPÖ-Chef Strache über ein üppiges Spesenkonto verfügt haben und bei der Abrechnung von Belegen nicht korrekt vorgegangen sein soll. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen den 50-Jährigen wegen des Verdachts der Untreue. Strache weist die Vorwürfe vehement zurück.

Kurz hat sich bisher bedeckt gehalten, mit welchem Partner er weiter regieren möchte. Eine Fortsetzung der ÖVP-FPÖ-Koalition wird laut Umfragen von vielen Wählern am meisten gewünscht. Viele politische Beobachter rechnen mit zähen Verhandlungen und einer Regierungsbildung erst rund um den Jahreswechsel.

+++ 29.09.2019: Erste Hochrechnungen: Sebastian Kurz als klarer Wahlsieger in Österreich +++

Die konservative ÖVP mit ihrem Spitzenkandidaten Sebastian Kurz ist der klare Sieger der Parlamentswahl in Österreich. Die ÖVP erreichte am Sonntag laut Hochrechnungen 37,2 Prozent der Stimmen. Das ist ein Plus von 5,7 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl 2017.

+++ 29.09.2019: Wahllokale in Österreich sind geschlossen - Hochrechnungen erwartet +++

Die Parlamentswahl in Österreich ist vorbei. Die letzten Wahllokale schlossen um 17 Uhr. 6,4 Millionen Bürger waren wahlberechtigt. Die konservative ÖVP unter Ex-Kanzler Sebastian Kurz war in den Umfragen klarer Favorit.

Erste Hochrechnungen wurden bis 17.15 Uhr erwartet. Die Meinungsforscher wollen auch das Stimmverhalten der voraussichtlich rund eine Million Briefwähler schätzen. Deren Voten werden amtlicherseits erst am Montag und Donnerstag ausgezählt.

Der 33-jährige Kurz stand von Dezember 2017 bis zum Mai 2019 an der Spitze einer ÖVP-FPÖ-Koalition. Das Bündnis zerbrach an der Ibiza-Affäre rund um Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

+++ 29.09.2019: Großer Medienandrang bei Stimmabgabe von Kurz - ÖVP-Chef optimistisch +++

Bei bestem Spätsommerwetter sind in Österreich 6,4 Millionen Bürger aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Die Spitzenkandidaten der Parteien gaben am Sonntagvormittag ihre Stimme ab. Ex-Kanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz gab sich zuversichtlich. Er gilt als haushoher Favorit. "Unser wichtigstes Wahlziel ist, dass es keine Mehrheit gegen uns gibt", sagte der 33-Jährige vor zahlreichen Reportern nach seiner Stimmabgabe in seiner früheren Schule in Wien.

FPÖ-Chef Norbert Hofer räumte eine starke Belastung durch die jüngsten Vorwürfe gegen Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache ein. "Die Ausgangssituation stellt eine echte Herausforderung dar", meinte Hofer in seinem Heimatort Pinkafeld. Gegen Strache wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Es gibt Anhaltspunkte, dass er sich private Rechnungen von der Partei bezahlen ließ.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner erklärte, dass die Wähler es nun in der Hand hätten, eine Fortsetzung des ÖVP-FPÖ-Bündnisses zu verhindern. Die SPÖ habe im Wahlkampf-Finale einen starken Rückenwind gespürt. Nach bisherigen Umfragen droht den Sozialdemokraten ein historisches Tief.

Die Wahl wurde durch den Bruch der ÖVP-FPÖ-Koalition im Mai nötig. Das Bündnis war wegen des Skandals um das Ibiza-Video beendet worden, das den Ex-Vizekanzler und Ex-FPÖ-Chef Strache massiv in Misskredit gebracht hatte.

Laut Umfragen wird die ÖVP mit rund 34 Prozent der Stimmen die Wahl deutlich gewinnen. Die SPÖ folgt demnach auf dem zweiten Platz. Ihr werden etwa 22 Prozent zugetraut. Die Grünen erhoffen ihr Comeback im Parlament mit rund 13 Prozent. Die liberalen Neos dürften bei acht Prozent liegen. Die rechte FPÖ, bisheriger Koalitionspartner von Kurz, lag in Umfragen zuletzt bei 20 Prozent.

+++ 29.09.2019: Österreicher wählen ein neues Parlament - Kurz haushoher Favorit +++

Die Österreicher wählen vier Monate nach dem skandalbedingten Ende der Koalition von konservativer ÖVP und rechter FPÖ ein neues Parlament. Insgesamt sind am Sonntag 6,4 Millionen Wähler ab 16 Jahren berechtigt, ihre Stimme abzugeben. Viele Wahllokale öffnen um sieben Uhr, um 17 Uhr ist Wahlschluss. Die vorzeitige Wahl wurde nötig, weil nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos um Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) das rechtskonservative Bündnis im Mai zerbrochen war.

Der 33-jährige Sebastian Kurz geht als haushoher Favorit in die Wahl. Umfragen bescheinigen der von ihm geführten ÖVP ein Stimmenplus auf etwa 34 Prozent. Die SPÖ steuert dagegen auf ein historisches Debakel zu. Die Demoskopen sehen die Sozialdemokraten mit Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner bei etwa 22 Prozent. Das wäre deutlich unter dem bisherigen Minus-Rekord von 26,8 Prozent (2013).

+++ 28.09.2019: Österreicher wählen ein neues Parlament - Rekordzahl an Briefwählern +++

Wenn die Meinungsforscher recht haben, kommt die sozialdemokratische SPÖ auf etwa 22 Prozent und die Grünen ziehen mit rund 13 Prozent wieder in der Nationalrat ein.

Unsicher ist dagegen das Abschneiden der FPÖ. Sie hat mit einer neuen parteiinternen Affäre um ihren Ex-Chef Heinz-Christian Strache zu tun, mit der sie viele ihrer Anhänger verlieren könnte. Zuletzt lagen die Rechtspopulisten in den Umfragen bei rund 20 Prozent.

Hoffnung auf ein gutes Abschneiden können sich die liberalen Neos machen. Sie dürften auf etwa acht Prozent kommen.

Die Wahl wurde durch den Bruch der ÖVP-FPÖ-Koalition im Mai nötig. Das Bündnis war wegen des Skandals um das Ibiza-Video beendet worden, das den Ex-Vizekanzler und Ex-FPÖ-Chef Strache massiv in Misskredit gebracht hatte.

Die letzten Wahllokale schließen am Sonntag um 17.00 Uhr. Wenige Minuten später werden erste Hochrechnungen erwartet. Die Stimmen der Rekordzahl von etwa einer Million Briefwähler werden erst am Montag und zu einem geringen Teil auch erst am Donnerstag ausgezählt. Die Hochrechnungen berücksichtigen bereits deren voraussichtliches Wahlverhalten.

+++ 26.09.2019: Zahlen und Fakten zur Österreich-Wahl +++

Nur eineinhalb Jahre war die rechtskonservative Koalition von Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Amt, als das "Ibiza-Video" die politische Landschaft in Österreich durcheinanderwirbelte. Kurz rief im Mai Neuwahlen aus und hat am Sonntag (29. September) beste Karten für einen erneuten Wahlsieg.

DIE BISHERIGE KONSTELLATION IM PARLAMENT: Die ÖVP von Parteichef Kurz war zuletzt stärkste Kraft im Nationalrat und bildete mit der FPÖ eine Regierung. Die Grünen scheiterten knapp an der 4-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung lag 2017 bei 80 Prozent.

DIE UMFRAGEN: In den Umfragen gab es zuletzt wenig Bewegung. Die ÖVP kann mit einem klaren Wahlsieg und rund zehn Prozentpunkten Abstand auf den Zweitplatzierten rechnen. Die Grünen dürften aller Voraussicht nach mit einem zweistelligen Ergebnis wieder den Sprung ins Parlament schaffen, während die SPÖ wohl kräftig verlieren wird.

DIE KOALITIONSOPTIONEN: Eine Koalition an der ÖVP vorbei ist nur theoretisch möglich. Experten rechnen damit, dass Parteichef Kurz zunächst ein Bündnis mit Grünen und Neos sondieren wird. Auch die FPÖ wird auf seinen Ruf warten - im Wahlkampf hat man sich der ÖVP unmissverständlich angedient.

DIE WAHL: Wahlberechtigt sind rund 6,4 Millionen Österreicher, gewählt werden 183 Abgeordnete für eine Legislaturperiode von 5 Jahren. Viele Wahllokale öffnen um 7.00 Uhr, die letzten schließen um 17.00 Uhr. Wenige Minuten später wird eine erste, bereits sehr aussagekräftige Hochrechnung erwartet.

Prognose zur Parlamentswahl in Österreich: So stehen die Chancen für die Parteien

Bewegung in die Parteienarithmetik könnten die Grünen bringen, die bisher nicht im Parlament vertreten sind:Angesichts der Debatte um die Klimakrise kann die Umweltpartei auf ein zweistelliges Ergebnis hoffen. Zudem könnten die liberalen Neos deutlich auf etwa neun Prozent zulegen. Dagegen scheinen die Sozialdemokraten nicht vom Scheitern der ÖVP-FPÖ-Regierung profitieren zu können:Der SPÖ droht mit 21 bis 23 Prozent sogar das schlechteste Nationalrats-Ergebnis überhaupt.

Die größte Unsicherheit herrscht über das Abschneiden der rechten FPÖ. Letzte Umfragen sahen die Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Norbert Hofer bei mindestens 20 Prozent. Allerdings könnten neue Untreue-Ermittlungen gegen den Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache die Anhänger verunsichern. Strache soll private Rechnungen über die Partei abgerechnet haben, was er bestreitet.

Kurz rief bei einer Parteiveranstaltung am Freitag in Wien seine Anhänger auf, nicht auf die für die ÖVP guten Umfragen zu vertrauen. "Die Wahl ist noch nicht entschieden", sagte der Ex-Regierungschef.

Insgesamt treten acht Parteien landesweit an. Drei von vier Wahlberechtigten geben an, sicher wählen zu gehen. Auch die zumindest in Wien extrem hohe Nachfrage nach Wahlkarten für die Briefwahl deutet auf ein großes Interesse hin. TV-Duelle der Spitzenkandidaten hatten hohe Einschaltquoten. 2017 lag die Beteiligung bei 80 Prozent.

Vorgezogene Parlamentswahlen in Österreich nach Affäre um Heinz-Christian Strache

Nach der Wahl 2017 hatten ÖVP und FPÖ ein Bündnis gebildet. Kurz wurde deswegen vorgeworfen, er mache die Rechtspopulisten hoffähig. Tatsächlich hatte die FPÖ auch während der Regierungszeit Probleme, sich vom rechten Rand abzugrenzen. Die Zusammenarbeit in der Koalition verlief meist ohne großen Streit. Die wichtigsten Themen waren eine Steuerreform, mehr Geld für Familien und der Kampf gegen illegale Migration.

Im Mai 2019 kam es dann völlig überraschend zum Bruch. Ein heimlich aufgenommenes Video von 2017, veröffentlicht von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung", zeigte Strache im Gespräch mit einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte auf Ibiza. Dabei wirkte Strache anfällig für Korruption. Der FPÖ-Chef trat von allen Ämtern zurück, Kurz beendete die Koalition und das Parlament stürzte den Kanzler durch ein Misstrauensvotum.

Die Wahllokale haben am Sonntag bis 17.00 Uhr geöffnet. Wenige Minuten später werden erste Hochrechnungen erwartet.

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loc/news.de/dpa

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