24.09.2019, 08.11 Uhr

Greta Thunberg bei Klima-Gipfel: Klima-Greta schockt mit Wut-Rede - Trump verspottet Klimaaktivistin

Das gab es wohl noch nie: Die Vereinten Nationen kommen zu einem Gipfel zusammen, und die Hauptrolle spielt eine 16-jährige Aktivistin. Greta Thunberg rüttelt das Klima-Treffen in New York auf.

Klimaaktivistin Greta Thunberg während ihrer Rede beim UN-Klimagipfel bei den Vereinten Nationen. Bild: dpa

In einer hoch emotionalen Wutrede beim Klima-Gipfel in New York hat die Aktivistin Greta Thunberg den Staats- und Regierungschefs mangelnde Handlungsbereitschaft vorgeworfen. "Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten?", fragte die 16-jährige Schwedin am Montag in ihrer Rede mit Tränen in den Augen. "Wie könnt Ihr nur weiter wegschauen."

Greta Thunberg hält emotionale Wutrede bei Klima-Gipfel in New York

Im Publikum saßen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Emmanuel Macron und zahlreiche weitere Staats- und Regierungschefs. Überraschend nahm auch US-Präsident Donald Trump teil. Er kam aber zu spät und verpasste Thunbergs Rede - und er blieb auch nur wenige Minuten. Trump gilt als mächtigster Bremser beim Kampf gegen den Klimawandel. Nach seinem Amtsantritt hatte er den Ausstieg aus dem zentralen Pariser UN-Klimaabkommen verkündet - und das als Staatschef des Landes mit dem zweithöchsten Ausstoß von klimaschädlichen Gasen.

Thunberg starrt Trump beim Klimagipfel ernst an - und wird verspottet

Ein offizielles Treffen von Klima-Aktivistin Greta Thunberg und dem bekennenden Klimawandel-Skeptiker und US-Präsident Donald Trump gab es beim Klimagipfel der Vereinten Nationen nicht - aber schon ein kurzer und ungeplanter gemeinsamer Moment der beiden hat im Internet für Wirbel gesorgt. Ein Video, das mehrere TV-Sender wie BBC und ARD am Montag veröffentlichten, zeigt, wie Trump mit seiner Delegation hinter den Kulissen des Klimagipfels durch einen Gang des Hauptquartiers der Vereinten Nationen in New York läuft. Thunberg steht wenige Meter entfernt im selben Gang. Trump nimmt keine Notiz von der 16 Jahre alten Schwedin, während sie ihm mit ernster Miene hinterher schaut. Das Video wurde im Internet massenhaft verbreitet und kommentiert.

Trump verspottete Greta im Nachhinein auf seinem Twitter-Account."Sie scheint ein sehr glückliches junges Mädchen zu sein, das sich auf eine glänzende und wundervolle Zukunft freut. So schön zu sehen!", donnerte Trump.

Greta Thunberg wirft Politik eklatantes Versagen bei Klimaschutz vor

Thunberg warf den Politikern vor, sie seien immer noch nicht reif genug zu sagen, wie ernst die Lage sei. "Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber Ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum - wie könnt Ihr es wagen?"

Twitter feiert Greta Thunberg für ihre mutige Rede

Für ihre eindrucksvolle und mutige Rede erntete die 16-jährige Greta Thunberg im Netz viel Zuspruch - auch in Deutschland. "geht richtig unter die haut. einfach nur bewundernswert und ich verneige mich vor ihrem mut + durchhaltevermögen + engagement.", "Was hab ich für eine Hochachtung vor diesem Mädchen ! #FridaysForFurture #GretaThurnberg" oder "Vielleicht nicht beleidigt, aber vielleicht realisiert sie erstmals wie ernst es #GretaThurnberg und der #FFF ist. Ich war zumindest tief beeindruckt.", heißt es in einigen Kommentaren auf Twitter.

Ein anderer User fügt hinzu: "Ob man nun ihrer Meinung ist oder nicht ..sie ist großartig..hat keine Hemmungen den wichtigen Damen und Herrn ihre Meinung deutlich ins Gesicht zu sagen ...kämpft für ihre Überzeugung....hat ne Menge bewegt ...das find ich Mega ...bin gespannt wie es weiter geht #GretaThurnberg".

So reagiert Angela Merkel auf Greta Thunbergs öffentliche Standpauke

Thunberg ist die Initiatorin der Jugendbewegung "Fridays for Future", die vergangene Woche weltweit Millionen Menschen zu einem Klima-Streik auf die Straße gebracht hat. Merkel traf Thunberg vor Beginn des Gipfels. In ihrer Rede sagte sie zu ihrer Bewegung: "Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört." Die Kanzlerin rief dazu auf, den Ratschlägen der Wissenschaft zu folgen. Das Klimapaket, dass die Bundesregierung in der vergangenen Woche nach hartem Ringen beschlossen hat, wird aber auch von Wissenschaftlern als zu zaghaft kritisiert.

"Die Industriestaaten sind die Verursacher dieser Erderwärmung", sagte Merkel. Die Entwicklungsländer seien dagegen die Hauptleidtragenden. "Deshalb haben wir als Vertreter der Industrieländer die Pflicht, Innovation, Technologie und Geld einzusetzen, um die Weg zu ebnen, um die Erderwärmung zu stoppen."

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UN-Generalsekretär António Guterres ruft zum Kampf gegenvoranschreitende Erderwärmung auf

Auch UN-Generalsekretär António Guterres rief eindringlich zum Kampf gegen die schnell voranschreitende Erderwärmung auf. "Wenn wir nicht dringend unseren Lebensstil ändern, setzen wir das Leben selbst aufs Spiel», sagte er. Das Rennen gegen den Klimawandel könne gewonnen werden. "Die Zeit ist knapp, aber es ist noch nicht zu spät."

Schon vor dem Gipfel sagten die Teilnehmerstaaten konkrete Maßnahmen zu. 66 Länder, zehn Regionen, 102 Städte und 93 Konzerne verpflichteten sich zur Klimaneutralität bis 2050. Unter dem Strich wollen sie dann also keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr ausstoßen. Merkel hat dieses Ziel auch für Deutschland ausgerufen. "Das ist kein Klima-Gipfel der Reden. Wir haben genug geredet", sagte Guterres. "Das ist kein Klima-Gipfel der Verhandlungen. Man verhandelt nicht mit der Natur. Das ist ein Klima-Gipfel der Taten."

59 Staaten wollen Pläne zum Klimaschutz vorlegen

Nach seinen Angaben haben 59 Staaten zugesichert, ehrgeizigere Pläne für den Klimaschutz vorzulegen. Nach dem Pariser UN-Klimaabkommen von 2015 sollten das allerdings bis 2020 eigentlich alle Unterzeichner machen. Bisher sind es nur etwa ein Drittel.

Guterres hat den Gipfel einberufen, um die Dringlichkeit des Kampfes gegen den Klimawandel zu verdeutlichen. Die Welt hinkt weit hinter den Zielen des Pariser Abkommens von 2015 hinterher. Ziel ist es, die Erderhitzung auf deutlich unter 2 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad. Wenn man alles zusammennimmt, was die Staaten bisher zugesagt haben, steuert der Planet aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auf rund 3 Grad zu. Das hat katastrophale Folgen, die jetzt schon in vielen Weltregionen sehr deutlich zu spüren sind, zum Beispiel durch den steigenden Meeresspiegel und die Zunahme extremer Wetterphänomene wie Wirbelstürme.

Rederecht erhielten bei dem Gipfel nur Länder mit konkreten Plänen, darunter große Wirtschaftsmächte wie Deutschland, Frankreich, Indien oder die Türkei. Aber auch kleine Staaten, die wenig für den Klimawandel können, aber besonders stark unter ihm leiden, erhielten das Wort: die Marshallinseln, die Seychellen, Jamaika oder auch Tonga standen auf der Liste. Neben den USAerhielten Klimasünder wie Brasilien, Südkorea, Japan, Saudi-Arabien und Australien kein Rederecht.

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sba/news.de/dpa

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