21.08.2019, 17.09 Uhr

Landtagswahl Brandenburg 2019: Das sind die Spitzenkandidaten für die Wahl

Am 01. September 2019 wird in Brandenburg ein neuer Landtag gewählt. Doch wer sind die Spitzenkandidaten der Parteien? Hier erfahren Sie alles zur bevorstehenden Wahl in Brandenburg.

Welcher Spitzenkandidat wird nach der Wahl in Brandenburgs Landtag einziehen? Bild: picture alliance/Christoph Soeder/dpa

Wenn sich am Sonntag, dem 1. September 2019, die Wahllokale in Sachsen und Brandenburg öffnen, können die Bürger dort über die politische Zukunft ihrer Bundesländer entscheiden. Doch welche Personen stehen überhaupt zur Wahl? Das sind die Spitzenkandidaten der sieben größeren Parteien in Brandenburg im Kurzporträt.

Dietmar Woidke - Landesvater mit Humor und Herausforderungen bei der SPD

Als Dietmar Woidke 2013 das Regierungsruder von Matthias Platzeck als Ministerpräsident übernahm, mochte er auf den ersten Blick weniger zugänglich wirken als sein Vorgänger. Inzwischen klopft auch er auf Schultern und macht humorige Sprüche. Der studierte Agraringenieur wurde 2004 zunächst Landwirtschaftsminister, später SPD-Fraktionschef und dann Innenminister. Bei der Wahl 2014 setzte der Lausitzer die SPD-Siegesserie fort. Ein wichtiges Thema für den 57-Jährigen ist der Strukturwandel in der Lausitz. Der verheiratete Vater einer Tochter ist Rockmusikfan.

Herausforderer Ingo Senftleben: CDU-Politiker, Modernisierer und Brückenbauer

Der gelernte Maurer und Hochbautechniker Ingo Senftleben versteht sich als Modernisierer der Partei und Brückenbauer über die politischen Lager hinweg. Der 45-Jährige flirtet offen mit den Grünen und schließt auch eine Koalition mit der Linken nicht aus. Zum Hauptgegner im Wahlkampf hat Senftleben SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärt. Auf Wahlplakaten präsentiert sich der CDU-Landeschef bereits als Ministerpräsident, obwohl die CDU in den Umfragen bisher nicht vorn liegt. Mit seinem moderaten und liberalen Kurs erntet Senftleben im konservativen Teil seiner Union teils offenen Widerstand.

Andreas Kalbitz - AfD-Landeschef, ehemaliger Soldat und Provokateur

Der ehemalige Fallschirmjäger trat 2013 in die AfD ein und kam 2014 in den Brandenburger Landtag. Der gebürtige Münchner war früher CSU-Mitglied. Von Alexander Gauland, seinem politischen "Ziehvater", übernahm er 2017 den Landesvorsitz, später auch den Posten als Fraktionschef. In Reden spitzt er gern zu. Kalbitz wird zum rechtsnationalen "Flügel" um Björn Höcke in der Partei gezählt. Im Jahr 2007 nahm er an einem Pfingstcamp der rechtsextremen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) teil. Später führte er den rechtsextremen Verein "Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit", den der Ex-SS-Hauptsturmführer und NPD-Funktionär Waldemar Schütz mitbegründet hatte. Nachdem dies 2015 bekannt wurde, legte Kalbitz den Vereinsvorsitz nieder. Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

Ursula Nonnemacher und Benjamin Raschke - Doppelspitze bei der Grünen

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Ursula Nonnemacher, würde nach einem Erfolg bei der Landtagswahl im Herbst auch das Amt der Ministerpräsidentin übernehmen. Die 62 Jahre alte Ärztin aus Wiesbaden sitzt seit 2009 im Landtag. "Der große Erfolg bei den Kommunalwahlen Ende Mai gibt uns Rückenwind", sagt Nonnemacher. Sie hat sich bereits als Fraktionschefin in der zu Ende gehenden Wahlperiode Respekt erworben. Sie kann sehr umgänglich, aber auch hartnäckig sein. Nonnemacher ist offen für eine mögliche Koalition mit der CDU - und sieht die SPD nicht automatisch als Partner.

Der Grünen-Co-Spitzenkandidat Benjamin Raschke ist ein Rückkehrer. Er wurde in Lübben im Spreewald geboren und studierte in Konstanz am Bodensee Politik, Philosophie und Jura. Er kam als Grüner zurück in die Lausitz. Der 36-Jährige macht dort "Pionierarbeit", wie er sagt. Raschke ist einer der Landtagsabgeordneten mit den meisten Anfragen an die Landesregierung. Seine Bandbreite an Themen ist groß: Insektenschutz, artgerechte Tierhaltung, ökologischer Landbau, sauberes Wasser in den Flüssen, das Ende der Tagebaue in seiner Heimat und die Renaturierung.

Kathrin Dannenberg und Sebastian Walter - Jung und alt im Führungsduo der Linken

Kathrin Dannenberg gehört zum Spitzenkandidaten-Duo der Linken für die Landtagswahl. Die 53 Jahre alte Lehrerin stammt aus Leisnig in Sachsen, ist verheiratet und hat eine Tochter. Im Jahr 2010 erhielt sie den Deutschen Lehrerpreis. Dannenberg arbeitet mit Kindern und Jugendlichen - daher liege ihr das Schlüsselvorhaben der Linken "Gute Bildung und Lebenschancen für alle von Anfang an" besonders am Herzen, sagt sie. Vorbilder sind für Dannenberg alle Menschen, die mutig sind, ob im Alltag oder in der Politik. Sophie Scholl, Rosa Luxemburg, Nelson Mandela seien solche Menschen, aber auch ein junges Mädchen, das auf der Straße Zivilcourage zeige.

Sebastian Walter ist mit 29 Jahren der jüngste unter den Bewerbern und Teil des Spitzenkandidaten-Duos der Linken. 1990 geboren, kennt er die DDR nur aus Erzählungen. Seine Politik-Karriere begann Walter als 14-Jähriger in der Linksjugend. Mit 22 Jahren wurde er der bisher jüngste stellvertretende Vorsitzende eines Linke-Kreisverbandes im Land. Mit 26 war er der jüngste Gewerkschaftssekretär. Seine Partei wolle sich als "Stimme des Ostens" für gleichwertige Lebensbedingungen einsetzen, sagt Walter.

Hans-Peter Goetz - Liberaler FDP-Politiker mit Ambitionen auf ein Regierungsamt

FDP-Spitzenkandidat Hans-Peter Goetz ist ein bekanntes Gesicht in der Brandenburger Landespolitik - obwohl er nach der Landtagswahl 2014, als die Liberalen mit 1,5 Prozent Zweitstimmen aus dem Landtag flogen, lange von der politischen Bühne verschwunden war. Umso entschlossener tritt er im Wahlkampf auf, mit Dreitage-Bart und offenem Hemd erinnert Goetz auf den Wahlplakaten an seinen Parteichef Christian Lindner. Im Jahr 2009 brachte er die FDP mit 7,2 Prozent in den Landtag. Dieses Spitzenergebnis möchte er diesmal möglichst noch toppen. Und er möchte mitregieren: Inhaltliche Schnittmengen sieht der Rechtsanwalt mit SPD, CDU und Grünen.

Péter Vida - streitbarer Rechtsanwalt der freien Wähler aus der Kommunalpolitik

Der Rechtsanwalt Péter Vida kommt aus der Kommunalpolitik. Er zog 2014 aufgrund der Grundmandatsklausel mit zwei weiteren Abgeordneten von BVB/Freie Wähler in den Brandenburger Landtag ein. Der streitbare Jurist mit deutschen und ungarischen Wurzeln punktete zuletzt mit einer Volksinitiative zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge, die vom Landtag im Sommer umgesetzt wurde, nachdem gut 108 000 Bürger unterschrieben hatten. Der 35 Jahre alte gebürtige Schwedter hofft auf ein Direktmandat in seinem Wahlkreis Barnim II, das den Freien Wählern erneut über die Grundmandatsklausel den Einzug in den Landtag ermöglichen würde, auch wenn sie unter der 5-Prozent-Hürde bleiben.

Prognosen für den Landtag in Brandenburg

Aktuelle Umfragen, die auf "dawum.de" zusammengefasst werden, zeigen, wie die Brandenburger abstimmen würden, wenn heute Wahl wäre. Die Daten vom 14.08.2019 zeigen 21 Prozent für die AfD, die damit den Trend anführt. Gefolgt werden sie von der SPD, die mit 17,8 Prozent nur 2,2 Prozentpunkten hinter der Alternative für Deutschland liegt.

Beinahe gleich auf mit der SPD liegen CDU und Grüne während die Christdemokraten mit 17,4 Prozent in der Umfrage liegen erreichen die Grünen 16,7 Prozent. Kurz vor der 5-Prozent-Hürde kann sich gerade noch so die FDP halten, deren 5,3 Prozent gerade noch so für Sitze im Landtag reichen könnten. Die Freien Wähler können mit 3,3 Prozent in ganz Brandenburg höchstens mit Direktmandat in den Landtag einziehen.

Hilfe bei der Wahl durch den Wahl-O-Mat

Wer sich noch nicht über die Parteien und deren Programme informiert hat, kann dazu den Wahl-O-Mat verwenden. Das Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ermöglicht es, anhand von wenigen politischen Fragen herauszufinden, wie nah man mit seiner politischen Meinung an den Programmen der Parteien ist.

So kann die eigene politische Meinung im Kontext von aktuellen politischen Fragen den jeweiligen Programmen zugeordnet werden. Trotzdem ist es weiterhin nötig die Programme zu kennen, um eine intelligente Wahlentscheidung treffen zu können. Das Programm kann jedoch einen ersten Eindruck von den Positionen der Parteien vermitteln.

luj/rut/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser