24.07.2019, 19.38 Uhr

Donald Trump: Krieg in Afghanistan? - Trump stolpert im Porzellanladen

Dass der US-Präsident nahezu täglich auf dem diplomatischen Parkett ausrutscht, ist nichts neues mehr. Nun brüskiert er auch die afghanische Regierung in Kabul!

Donald Trump Bild: dpa

Seit rund einem Jahr laufen die Friedensverhandlungen am Hindukusch. Dabei sitzen die Verhandler der Regierung, der Taliban und der USA an einem Tisch. Alleine diese Tatsache bedurfte schwieriger Vorverhandlungen. Anlässlich des Besuches des pakistanischen Premierministers Imran Khan betonte US-Präsident Donald Trump, dass inzwischen gute Fortschritte erzielt werden konnten. Er strebe eine friedliche Lösung an. Doch im gleichen Satz meinte der US-Präsident: "Wenn wir einen Krieg in Afghanistan führen und gewinnen wollten, könnte ich diesen Krieg in einer Woche gewinnen." Er wolle nur keine zehn Millionen Tote! Seine Berater zuckten bei diesem Satz sichtbar zusammen! Kabul schäumt vor Wut. Afghanistan werde es keiner ausländischen Regierung gestatten, über das Schicksal des Landes zu bestimmen.

Hat Trump mit nur einem Satz alle Verhandlungen zerstört?

Bislang kam es im Emirat Katar zu sieben Gesprächsrunden, die achte stünde unmittelbar bevor. Dabei dürfte nun dem US-Sondergesandten für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, ein erheblich stärkerer Wind entgegenblasen, denn die Menschen vom Hindukusch sind harte und stolze Menschen.

Keine militärische Lösung

17 Millionen Menschen leben in Afghanistan. Zumindest sie wissen seit Jahren, dass es keine militärische Lösung im Konflikt zwischen den Taliban, den Drogenbossen und der Regierung in Kabul geben kann. Nicht selten haben sich hochrangige Regierungsvertreter ein zweites Standbein aufgebaut, schliesslich sind Wasser und Opium die wahren Schätze des Landes. Sie gehen meist brutal gegen die Taliban vor - mit Duldung der "Nordallianz" unter der Führung der USA. Der ISAF-Einsatz ("International Security Assistance Force") endete 2014. Nach wie vor sind jedoch ausländische Truppen in Afghanistan stationiert, da rund 30 % des Landes offiziell als umkämpft gelten. Würden auch diese Truppen abgezogen, wäre ein erneuter sehr blutiger Bürgerkrieg die Folge - wie bereits 1989 nach dem Abzug der Sowjetunion. Auch rund 1000 Angehörige der Bundeswehr sind hauptsächlich im Camp Marmal nahe der Stadt Masar-e Scharif stationiert. Sie bilden einheimische Soldaten und Polizisten aus.

Interne Probleme wurden nie gelöst

Trotz haushoher Überlegenheit bei Gerät und Mannstärke konnten weder Sowjets noch die Nordallianz die Taliban besiegen. Diese wechselten vor einigen Jahren bereits zur Guerilla-Taktik und setzen seither gezielte Terroranschläge sowie kleinere Offensiven. Die verhandlungsbereiten Kräfte der Taliban jedoch wurden lange Zeit vom Verhandlungstisch ausgeschlossen. Warlords und Drogenbosse zogen eine Spur der Verwüstung durch das Land. Ihre wirtschaftlichen Interessen stehen meist den politischen Interessen der Taliban gegenüber. Nach wie vor halten sich rund 3000 Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat im Land auf - diese unschädlich zu machen, liegt im Interesse des Westens. Sieben Friedensgesprächsrunden sind deshalb schon als sehr grosser Erfolg zu bewerten. Dies sollte auf gar keinen Fall durch einen Elefanten im Porzellanladen gefährdet werden. Inzwischen sprechen sich auch viele Mullahs und Imame öffentlich gegen die Gewalt durch Selbstmordattentate aus und bezeichnen diese als "unislamisch".

US/add/news.de

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