15.07.2019, 12.59 Uhr

Migrations-Plan von Carola Rackete: Werden wirklich 6 Millionen Klimaflüchtlinge zu uns kommen?

Nach ihrer Freilassung fordert die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete die Aufnahme von Flüchtlingen, die sonst Schleppern ausgeliefert sind. Sie verweist auf die "historische Verantwortung" der ehemaligen Kolonialmächte in Europa. Politik und Klima seien Resultat kolonialer Ausbeutung.

Menschen fordern, wofür Kapitänin Rackete steht: Konsequentes Handeln bei der Migrationspolitik Bild: picture alliance/Boris Roessler/dpa

Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete hat Europa zur Aufnahme von Migranten aufgefordert, die sich in Libyen in der Hand von Schleppern oder in Flüchtlingslagern befinden. "Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus in ein sicheres Land", sagte Rackete der "Bild"-Zeitung. "Wir hören von einer halben Millionen Menschen, die in den Händen von Schleppern sind oder in libyschen Flüchtlingslagern, die wir rausholen müssen." Ihnen müsse sofort bei einer sicheren Überfahrt nach Europa geholfen werden.

Migration nach Europa: Carola Rackete appelliert an historische Verantwortung

Rackete steht seit Wochen in den Schlagzeilen, weil sie Ende Juni das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea Watch mit Migranten an Bord unerlaubt nach Italien gefahren hatte. Gegen die 31-Jährige aus Niedersachsen wird in Italien unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt.

Migranten werden in Libyen ohne gültige Papiere in Internierungslager mit katastrophalen Zuständen gesteckt. Dort mangelt es nicht nur an Toiletten, Duschen, Essen und Trinken, sondern die Menschen werden nach Berichten von UN und Hilfsorganisationen teilweise sogar misshandelt.

Rackete sagte, Deutschland und andere europäische Staaten hätten "eine historische Verantwortung an den Umständen in Afrika noch aus der Kolonialzeit". "Die heutigen Machtverhältnisse sind durch Europa bestimmt worden." Deshalb gebe es eine historische Verantwortung, Flüchtlinge aufzunehmen, "die wegen der Machtverhältnisse oder auch der Klimasituation nicht mehr in ihren Ländern leben können".

Klima immer öfter als Flucht-Ursache

Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 versteht unter Flüchtlingen nur Personen, die in ihrem Herkunftsland verfolgt werden. Auf Grundlage dessen werden heute die meisten Asylanträge entschieden. Jedoch haben sich in den letzten 68 Jahren die Ursachen für Flucht gewandelt. Die UNO-Flüchtlingsorganisation UNHCR hat seit dem die möglichen Ursachen erweitert.

Krieg, Verletzungen des Menschenrechts, Hunger und Klimawandel werden heutzutage von der UNO als führende Ursachen für Flucht und Migration genannt. Besonders die Klimaflüchtlinge stellen eine neue Kategorie dar. Denn die von Menschen gemachte Vernichtung der Natur und der Umwelt zeigt seine Konsequenzen zuerst in den eh schon wirtschaftlich schwachen Regionen.

Unkontrollierte Flucht gefährdet die Umwelt

Dürren, unfruchtbare Böden und ein absinkender Grundwasserspiegel zwingen viele Millionen Menschen jetzt schon jedes Jahr dazu, ihre Heimat zu verlassen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk rechnet mit sechs Millionen neuen Flüchtenden pro Jahr auf der ganzen Welt allein auf Grund des Klimawandels.

In Deutschland werden bisher nur Asylanträge auf Grundlage der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 entschieden. Der Klimawandel und andere humanitäre Katastrophen werden von Seiten der Behörden nicht berücksichtigt. Doch wenn sie kein Asyl erhalten, landen sie in der Regel in Flüchtlingslagern, die auch keine menschenwürdige Unterbringung darstellen.

1994 wurden er Virunga-Nationalpark zerstört, als verängstigte Menschen vor dem Völkermord in Ruanda flohen. Der bedarf an Feuerholz und Nahrung wurde durch die Umgebung gedeckt. Der Bedarf von ca 1.200 Tonne Holz am Tag zum heizen und kochen zerstörte das Gebiet und heimische Tierarten wie der Berggorilla wurden beinahe ausgelöscht.

Kurz und Knapp: Was ist ein Klimaflüchtling?

Wenn Menschen durch den Klimawandel die Lebensgrundlage entzogen wird und diese daraufhin aus ihrer Heimat fliehen, handelt es sich um einen Klimaflüchtlinge. Ohne eine konsequente Klimapolitik, ist einerseits nicht damit zu rechnen, dass diese jemals in ihr Herkunftsland zurückkehren können. Andererseits wird die Zahl der Klimaflüchtlinge steigen, wenn kein konsequentes Einlenken erfolgt.

luj/bua/news.de/dpa

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