26.07.2019, 09.43 Uhr

Mord an Walter Lübcke im News-Ticker: Iraker angegriffen? Weitere Ermittlungen gegen mutmaßlichen Mörder Stephan E.

Seine Aussage hat er widerrufen. Trotzdem zweifeln die Ermittler nach dem Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke nicht an dem umfangreichen Geständnis von Stephan E. Auch eine weitere Gewalttat wird jetzt untersucht.

Walter Lübcke ist im Alter von 65 Jahren unerwartet gestorben. Bild: dpa

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke ist mit einem Schuss in den Kopf getötet worden - die Ermittler gehen von einem Verbrechen aus. Der Schuss auf den 65-Jährigen sei nach bisherigen Erkenntnissen aus nächster Nähe abgefeuert worden. Der Tatverdächtige Stephan E. sitzt bereits in Haft.

Mordfall Walter Lübcke - alle aktuellen Entwicklungen im News-Ticker:

  • Stephan E. widerruft Mord-Geständnis
  • CDU-Politiker starb durch Kopfschuss
  • Tatverdächtiger festgenommen - Neonazi Stephan E.
  • Rechtsextremistischer Hintergrund
  • Tatverdächtiger gesteht Mord

+++ 26.07.2019: Weitere Ermittlungen gegen mutmaßlichen Mörder Stephan E.+++

Gegen den Tatverdächtigen im Mordfall Lübcke laufen weitere Ermittlungen wegen einer Gewalttat. Die Ermittler prüfen eine Beteiligung von Stephan E. in einem bislang ungeklärten Altfall, wie die Staatsanwaltschaft Kassel am Freitag auf Anfrage mitteilte. Zuvor hatte unter anderem "Spiegel Online" darüber berichtet. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen sei am Donnerstag erneut das Wohnhaus von Stephan E. durchsucht worden. Weitere Angaben machte die Staatsanwaltschaft nicht.

Laut "Spiegel Online" geht es um einen Angriff auf einen irakischen Flüchtling vor dreieinhalb Jahren. Der damals 22 Jahre alte Asylbewerber wurde in Lohfelden bei Kassel von Unbekannten mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Den Angaben nach besteht der Anfangsverdacht, dass Stephan E. daran beteiligt war.

+++ 07.07.2019: Anwalt des Tatverdächtigen stellt Strafanzeige wegen Geheimnisverrats +++

Der Anwalt des mutmaßlichen Mörders des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat Strafanzeige wegen Verdachts des Geheimnisverrats erstattet. Das berichtet "Spiegel Online". Demnach werfe derDresdner Jurist Frank Hannig laut "Spiegel" denErmittlern vor, "Informationen gezielt an die Öffentlichkeit" gebracht zu haben. Diese haben "nach Lage der Dinge nur aus der originalen Ermittlungsakte der Bundesanwaltschaft stammen können".

+++ 07.07.2019: Berichte über zurückgezogenes Lübcke-Geständnis: Tat lange erwogen? +++

Der Hauptverdächtige im Mordfall Lübcke hat laut seinem inzwischen zurückgezogenen Geständnis schon 2017 und 2018 je einen Anlauf zu der Tat unternommen. Mindestens zwei Mal sei Stephan E. bewaffnet zum Haus des Kasseler Regierungspräsidenten gefahren, dann aber wieder umgekehrt, hieß es am Montag aus Ermittlerkreisen. Hinterher sei er froh gewesen, Walter Lübcke nicht getötet zu haben, schrieben "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"), NDR und WDR am Sonntagabend.

Der Rechercheverbund hatte zuerst über die Details aus dem Geständnis berichtet. Demnach will E. sich seine Schusswaffen ab 2014 besorgt haben, um seine Familie vor angeblich überhandnehmender Kriminalität von Ausländern zu schützen. Der Plan, Lübcke zu töten, sei dann nach und nach gereift. Dabei hätten auch islamistische Anschläge eine Rolle gespielt, die E. aufgewühlt und beschäftigt hätten. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe kommentierte den Bericht nicht.

Lübcke war Anfang Juni auf seiner Terrasse mit einem Kopfschuss getötet worden. DNA-Spuren am Tatort führten zu E., der seit Mitte Juni in Untersuchungshaft sitzt. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat aus. Deshalb führt inzwischen der Generalbundesanwalt die Ermittlungen.

Der 45-jährige E. hatte zunächst zugegeben, Lübcke getötet zu haben - in einem achtstündigen Gespräch mit den Ermittlern, wie es in dem Medienbericht heißt. Bei einem Termin beim Haftrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) widerrief er dieses Geständnis später.

Für die Ermittler ändert das nichts am dringenden Tatverdacht. Sie gehen nach Informationen aus Justizkreisen davon aus, dass das Geständnis in einem Prozess gegen E. problemlos verwertbar wäre. Dieser habe in seiner ursprünglichen Aussage Täterwissen offenbart. An seiner Täterschaft bestünden deshalb keine Zweifel.

E. hatte den Ermittlern sein Waffenversteck verraten und auch die Namen zweier Männer genannt, über die er 2016 an die spätere Tatwaffe gekommen sei. Elmar J. und Markus H. wird deshalb Beihilfe zum Mord vorgeworfen, sie sitzen ebenfalls in U-Haft.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler kreuzten sich Lübckes und E.'s Wege 2015 auf einer Informationsveranstaltung zu einer geplanten Flüchtlingsunterkunft. Dort hatte sich der Regierungspräsident gegen Schmährufe gewehrt und in einer anschließenden Rede gesagt, wer gewisse Werte nicht teile, könne das Land verlassen. Laut "SZ", NDR und WDR hat E. eingeräumt, einer der lautesten Zwischenrufer ("Ich glaub's nicht" - "Verschwinde!") zu sein, die auf einem Handyvideo zu hören sind.

Der vorbestrafte Rechtsextremist habe sich eigentlich aus der Szene lösen und ein normales Leben mit Familie und Job führen wollen, heißt es weiter in dem Bericht über das anfängliche Geständnis.

Die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht 2015/16 und der islamistische Anschlag in Nizza mit mehr als 80 Toten 2016 hätten ihn aber "ungeheuer aufgewühlt". Das alles habe er auf Lübcke projiziert und ihm die Mitschuld gegeben an einer aus den Fugen geratenen Welt. E. habe lange geschwankt und gezögert - bis im Dezember 2018 zwei junge skandinavische Touristinnen in Marokko von Islamisten getötet wurden. Das habe den letzten Ausschlag gegeben.

Die drei Medien zitierten weiter aus dem Geständnis, E. habe Lübcke wortlos getötet. Inzwischen tue es ihm "unendlich leid", niemand solle für seine Worte sterben müssen. Dem Bericht zufolge klagt E. über Depressionen, er sei in der U-Haft auf die Krankenabteilung verlegt worden. In einem Gerichtsverfahren vor mehr als 20 Jahren sei ihm schon einmal eine psychische Erkrankung diagnostiziert worden, hieß es.

+++ 02.07.2019: Bericht: Stephan E. widerruft Mord-Geständnis +++

Im Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat der dringend tatverdächtige Stephan E. sein Geständnis widerrufen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Zuerst hatte der SWR berichtet. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft kommentierte dies nicht. Der Dresdner Anwalt von E., Frank Hannig, der der "Bild"-Zeitung den Widerruf bestätigt hatte, war zunächst nicht zu erreichen.

Dem SWR zufolge, der sich auf Ermittlungskreise berief, ist der Widerruf eher taktischer Natur. Das ursprüngliche Geständnis des 45-Jährigen sei so detailreich gewesen, "dass durch den Widerruf keine Auswirkungen auf die weiteren Ermittlungen zu erwarten seien". Die Bundeswaltschaft hatte erst am Morgen einen Haftbefehl gegen E. bei den Ermittlern des Bundesgerichtshofs (BGH) erwirkt. Bei der Anhörung soll er dann sein Geständnis widerrufen haben. E. soll Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschossen haben und hatte dies Ende Juni auch eingeräumt.

+++ 27.06.2019: Mordfall Lübcke: Haftbefehle gegen Elmar J. und Markus H. erlassen +++

Gegen die am Donnerstag im Zusammenhang mit dem Mordfall Lübcke festgenommenen Elmar J. und Markus H. sind Haftbefehle erlassen worden. Das teilte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Abend mit. Die Untersuchungshaft sei umgehend in Vollzug gesetzt worden. Zuvor waren beide dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vorgeführt worden.

Der aus dem Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen stammende Elmar J. (64) soll im Zusammenhang mit dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke dringend Tatverdächtigen Stephan E. 2016 die spätere Tatwaffe verkauft haben. Den Kontakt zwischen den beiden soll der aus Kassel stammende Markus H. (43) hergestellt haben. Beiden wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Stephan E. hatte gestanden, Lübcke getötet zu haben.

+++ 27.06.2019: Nach Lübcke-Mord protestieren Tausende gegen rechte Gewalt +++

Nach dem Mord an Kassels Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) haben Tausende Menschen gegen rechte Gewalt demonstriert. Schon zu Beginn versammelten sich am Donnerstag vor dem Regierungspräsidium in Kassel 8.000 Teilnehmer, wie Stadt und Polizei mitteilten. Aufgerufen zu der Kundgebung hatte die Stadt zusammen mit einem Bündnis von Institutionen und Organisationen. Ziel war es, Zeichen gegen die Spaltung der Gesellschaft und für eine tolerante, demokratische und friedliche Region zu setzen. Unterstützer waren neben Behörden, Verbänden und Gewerkschaften auch zahlreiche große Unternehmen.

Lübcke war am 2. Juni an den Folgen eines Kopfschusses gestorben. Der dringend Tatverdächtige Stephan E. aus Kassel hat gestanden, Lübcke erschossen zu haben. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Lübcke war wegen seiner Haltung zu Flüchtlingen bedroht worden.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) sagte: "Wir sind nicht der braune Sumpf der Nation. Wir sind friedlich, tolerant und weltoffen. Bei uns haben Hass, Hetze, Terror und Ausgrenzung keinen Platz." Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, zeigte sich erschrocken darüber, dass dem Treiben der rechtsradikalen Szene in Kassel viel zu lange zugeschaut worden sei.

+++ 27.06.2019: Sicherheitsbehörden prüfen angebliches "Combat 18"-Video +++

Die Sicherheitsbehörden prüfen nach dpa-Informationen ein Video, in dem ein angeblicher Sprecher des Neonazi-Netzwerks "Combat 18" auftritt. Eine mit Sturmhaube, Handschuhen und dunkler Kleidung verhüllte Person erklärt darin, es handle sich um "eine Klarstellung von Combat 18". Aufgrund der Ereignisse und der "medialen Ausschlachtung unseres Namens" sehe man sich gezwungen, "die Öffentlichkeit aufzuklären". Bislang ist aber völlig unklar, ob das Video authentisch ist.

Das Vertrauen der Bürger in Politik, Justiz und Medien sei zerstört, sagt die Person. Als vermeintlicher Beleg wird ein Medienbericht genannt, wonach der Tatverdächtige im Mordfall Walter Lübcke an einem Neonazi-Treffen in Sachsen teilgenommen haben soll. Später wurde bekannt, dass es sich womöglich um eine Verwechselung handelte.

+++ 27.06.2019: Zwei weitere Festnahmen im Mordfall Lübcke - Waffen gefunden +++

Im Mordfall Lübcke sind zwei weitere Personen festgenommen worden. Das bestätigte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag. Nach Angaben von "Spiegel Online" und "Bild.de" handelt es sich um den Händler und den Vermittler der Waffen für Stephan E. Nach Informationen verschiedener Medien war es zuvor zu Durchsuchungen gekommen. Dabei wurden nach dpa-Informationen auch Waffen gefunden, die dem Verdächtigen Stefan E. gehören sollen.

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" kam es in der Nacht zu Donnerstag zu den Durchsuchungen. Ein Sprecher der ermittelnden Sonderkommission Liemecke sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir bestätigen, dass es an verschiedenen Orten polizeiliche Maßnahmen gegeben hat."

Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hatte E. in seinem Geständnis offengelegt, dass er über zahlreiche Waffen verfügt - neben der Tatwaffe auch über eine Pump-Gun und eine Maschinenpistole vom Typ Uzi samt Munition. Er nannte Details, wie er sich diese beschafft hat und offenbarte die Verstecke. Ermittler fanden einige Waffen demnach in einem Erddepot auf dem Gelände seines Arbeitgebers. Stephan E. arbeitete bei einem Bahnzulieferer in Kassel. Laut dem Bericht handelt es sich um fünf Waffen.

Bei den Festnahmen handelt es sich laut Medienberichten bei dem mutmaßlichen Vermittler des Waffenkaufs um einen Mann aus Kassel, der mutmaßliche Verkäufer stamme aus Nordrhein-Westfalen. Der Generalbundesanwalt ermittle gegen sie im Zusammenhang mit der Tatwaffe wegen Beihilfe zum Mord.

+++ 27.06.2019: Gabriel greift AfD frontal an: Mitverantwortlich für Mord an Lübcke +++

In der Aktuellen Stunde des Bundestags zu den Folgen des Mordfalls Lübcke hat der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel die AfD frontal angegriffen und ihr eine Mitverantwortung an dem Verbrechen gegeben. "Sie haben sich mitverantwortlich gemacht, weil man nicht nur für das verantwortlich ist, was man sagt und tut, sondern auch für das politische Klima in diesem Land", sagte er an die Adresse der AfD. "Und da sind Sie Haupttäter und nicht etwa Opfer."

Zuvor hatten AfD-Abgeordnete vorgerechnet, dass es im ersten Quartal 2019 bundesweit 217 Straftaten gegen Politiker gegeben habe - davon allein 114 gegen die AfD.

Gabriel betonte, es sei in Deutschland erlaubt, rechts zu sein, auch rechtsnational, und man dürfe sich auch gegen Migration aussprechen. "Was nicht erlaubt ist, ist die Brandmauer zu Nazis - ob jung oder alt - aufzumachen, das ist nicht erlaubt in Deutschland." Die Hetze im Internet nannte Gabriel "digitale Beihilfe zu Straftaten und Mord". Diese sprachliche Gewaltbereitschaft bereite die physische Gewalt vor.

+++ 27.06.2019: Medien: Weitere Festnahmen im Mordfall Lübcke +++

Im Mordfall Lübcke hat es Medienberichten zufolge weitere Festnahmen gegeben. Dabei soll es sich laut "Spiegel Online" und "Bild.de" um den Händler und den Vermittler der Waffen für Stephan E. handeln. Nach Informationen von NDR, WRD und "Süddeutscher Zeitung" kam es in der Nacht zu Donnerstag zu Durchsuchungen, die sich ebenfalls gegen die Verdächtigen gerichtet hätten. Dabei seien mehrere Waffen gefunden worden. Auch der SWR berichtet über Festnahmen. Ein Sprecher der ermittelnden Sonderkommission sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir bestätigen, dass es an verschiedenen Orten polizeiliche Maßnahmen gegeben hat."

+++ 26.06.2019: Stephan E. war wahrscheinlich nicht im Frühjahr bei Neonazitreffen +++

Stephan E., der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, war im Frühjahr wahrscheinlich doch nicht auf einem konspirativen Treffen von Mitgliedern von Neonazi-Organisationen. Das ARD-Magazin "Monitor" hat einen zweiten Gutachter beauftragt, der nun zu dem Ergebnis kam, dass die auf dem Bild abgebildete Person "höchstwahrscheinlich" nicht der Tatverdächtige sei, teilte der Sender am Mittwoch in Köln mit.

"Monitor" hatte in der vergangenen Woche zunächst berichtet, dass Stephan E. am 23. März eine rechtsextreme Veranstaltung im sächsischen Mücka besucht habe, wo er mit Mitgliedern der neonazistischen Organisation "Combat 18" und der neonazistischen Vereinigung "Brigade 8" fotografiert worden sei. Dabei berief das Magazin sich auf einen Sachverständigen für Foto-Forensik.

Die "Monitor"-Redaktion sehe keinen Anlass, an der Seriosität der beiden Gutachter zu zweifeln, die als Sachverständige auch für Gerichte und Sicherheitsbehörden tätig seien. Aufgrund der unterschiedlichen Bewertungen der beiden Gutachten sehe sich die Redaktion aber außerstande, zu einer eindeutigen Bewertung zu kommen und korrigiere deshalb ihre bisherige Berichterstattung, erklärte der Sender.

Stephan E. hat gestanden, Lübcke getötet zu haben. Der 45-Jährige ist mehrfach vorbestraft und war in früheren Jahren durch Kontakte in die rechtsextreme Szene aufgefallen. Der Kasseler Regierungspräsident war Anfang Juni neben seinem Haus erschossen worden. Der CDU-Politiker war in der Vergangenheit wegen seiner Haltung zu Flüchtlingen bedroht worden.

+++ 26.06.2019: AfD-Abgeordneter in Bayern sorgt bei Gedenkakt für Lübcke für Eklat +++

Eklat im bayerischen Landtag: Bei einem Gedenkakt für den von einem Rechtsextremisten ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist der AfD-Abgeordnete Ralph Müller sitzen geblieben. Erst zum Ende der rund zweieinhalbminütigen Rede von Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) für den Kasseler CDU-Kommunalpolitiker erhob sich Müller, der schon in früheren Sitzungen durch provokante Aussagen den Zorn anderer Fraktionen auf sich gezogen hat.

Während alle anderen Parlamentarier hinter Müllers Verhalten vom Mittwoch eine politische Botschaft vermuteten, sah dieser sich zu Unrecht kritisiert: "Diese moralingetränkte Hexenjagd weise ich zurück, weil sie auch nicht angebracht ist", sagte Müller. Dass er "ein paar Sekunden" sitzen geblieben sei, sei einzig einer Unachtsamkeit geschuldet, da er einen Text gelesen habe. "Ich kann in dem Verhalten keine Schuld sehen." Anders als von seinen Kritikern behauptet, habe er das Andenken an Lübcke sehr wohl geehrt und achte ihn mit Respekt.

Für die Redner von CSU, Grünen, FDP und SPD ist dies nur eine Ausrede. "Diese AfD und ihre Vertreter sind eine Schande für den bayerischen Landtag", sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume. Die AfD habe die Hetze gegen Lübcke mit angefacht und trage daher eine Mitschuld an der Ermordung von Lübcke, betonte Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze. "Ich fand es widerlich, was sie gemacht haben."

+++ 26.06.2019: Schäuble zum Fall Lübcke: Staat muss sein Machtmonopol anwenden +++

Mit Blick auf den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eine konsequente Reaktion des Rechtsstaates verlangt. "Das Machtmonopol des Staates ist dazu da, dass es auch angewandt wird. Konsequent und durchschlagend", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im Bundestag.

Sollten sich die Vermutungen der Bundesanwaltschaft über die Tatmotive bestätigen, wofür nach dem Geständnis des Tatverdächtigen vieles spreche, "haben wir es mit einem erschreckenden Ausmaß an rechtsextremistischer Gewalt zu tun", betonte Schäuble. "Es ist am Rechtsstaat, die weiteren Hintergründe zügig und umfassend aufzuklären - und an der Politik und den Sicherheitsbehörden, dafür zu sorgen, dass sich beweist, wovon beim Grundgesetz-Jubiläum so viel die Rede war: die wehrhafte Demokratie".

Neben dem rechtsextremistischen Gewaltpotenzial gehörten "die Abgründe an Häme und Hass inmitten unserer Gesellschaft" gegenüber denen, die in unserem Land Verantwortung übernähmen, zu den beklemmenden Erfahrungen der jüngsten Tage, sagte Schäuble. "Das mag in einigen Fällen womöglich nur Gedankenlosigkeit oder schlicht Dummheit geschuldet sein. Aber menschenfeindliche Hetze war in der Vergangenheit und sie ist auch heute der Nährboden für Gewalt, bis hin zum Mord - und wer diesen Nährboden düngt, macht sich mitschuldig."

Schäuble erhielt für seine Rede Beifall von allen Fraktionen, von der AfD allerdings nur zögerlich und kurz. Er wies darauf hin, dass das Thema Hass und rechtsextreme Gewalt an diesem Donnerstag in einer Aktuellen Stunde diskutiert werden soll. "Nicht nur da sollten wir der gesellschaftlichen Auseinandersetzung ein Vorbild geben - (...) durch Ernsthaftigkeit, mit Ehrlichkeit, auch in deutlichen Worten, aber mit Respekt voreinander".

+++ 26.06.2019: Maas ruft Abgeordnete zu Aktion für Kommunalpolitik auf - ohne AfD +++

Außenminister Heiko Maas hat Bundestagsabgeordnete dazu aufgerufen, Kommunalpolitikern mit einer Online-Aktion den Rücken zu stärken. Der SPD-Politiker schrieb einen Brief an die Parlamentarier aller Parteien, mit Ausnahme der AfD. Darin sucht er Mitstreiter, die am Donnerstag mit dem Hashtag #donnerstagderdemokratie auf Social-Media-Plattformen Geschichten von Kommunalpolitikern und Ehrenamtlichen veröffentlichen.

"Der Mord an Walter Lübcke hat uns alle fassungslos gemacht", schrieb der SPD-Politiker am Dienstag. Die Anfeindungen, Drohungen und teils auch Gewalt auf kommunaler Ebene seien Angriffe auf uns alle und richteten sich gegen unsere Werte. "KommunalpolitikerInnen und Ehrenamtliche halten diese Werte hoch, sie sind für uns da - vor Ort, Tag für Tag." Deshalb sei es an der Zeit für sie da zu sein.

Maas habe selbst damit begonnen, Namen und Geschichten zu sammeln, um sie am Donnerstag auf Facebook, Twitter und Instagram präsentieren zu können. Er freue sich auf Initiativen über die Parteigrenzen hinweg.

+++ 26.06.2019: Verdächtiger im Mordfall Lübcke bezeichnet sich als Alleintäter +++

Der Verdächtige im Mordfall Lübcke hat angegeben, die Tat ohne Unterstützung Dritter begangen zu haben. Stephan E. habe bei seinem Geständnis ausgesagt, allein gehandelt zu haben, sagte ein Vertreter der Bundesanwaltschaft am Mittwoch bei einer Sondersitzung des hessischen Landtag-Innenausschusses in Wiesbaden. Stephan E. habe am Dienstag sein Schweigen gebrochen. Das Geständnis bedeute aber mitnichten das Ende der Ermittlungen. Der Regierungspräsident Walter Lübcke war Anfang Juni neben seinem Haus erschossen worden. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus.

+++ 26.06.2019: Stephan E. gesteht Mord an Lübcke - Politisches Motiv +++

Der tatverdächtige Stephan E. hat den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gestanden. Das teilte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch am Rande einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Innenausschusses des Bundestages mit. Nach Angaben weiterer Teilnehmer gab Generalbundesanwalt Peter Frank zwar keine expliziten Informationen zum Motiv. Er habe aber erklärt, dass die Zuständigkeit seiner Ermittlungsbehörde durch die Einlassungen des Tatverdächtigen nicht entfallen sei. Damit sei klar, dass es sich um ein politisches Motiv handele, denn nur in diesen Fällen ist ein Verbrechen ein Fall für die Bundesanwaltschaft. Auch Seehofer sprach von einem politischen Mord.

Seehofer sprach von einem schnellen Ermittlungserfolg. Er betonte aber: "Damit ist die Aufklärung dieses politischen Mordes noch nicht abgeschlossen." Der Innenminister rief die Bürger auf, sich klar von Rechtsextremen zu distanzieren. Dort müsse es eine "rote Linie" geben. Antisemitismus und Ausländerhass seien nicht zu tolerieren.

+++ 25.06.2019: Fall Lübcke: Ermittler erneut am Haus von Stephan E. +++

Einsatzkräfte der Polizei haben am Dienstag in Kassel erneut das Haus des Tatverdächtigen im Fall Lübcke aufgesucht. Es gebe "polizeiliche Maßnahme" am Haus von Stephan E., sagte der Sprecher der zuständigen Sonderkommission "Liemecke". Aus ermittlungstaktischen Gründen könne man keine weiteren Angaben machen. Zuvor hatte die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" über den Einsatz berichtet.

Spezialeinheiten der Polizei hatten den 45-Jährigen am 15. Juni in dem Haus festgenommen. Er lebte dort mit seiner Familie. Seitdem sitzt E. in Untersuchungshaft. Er steht unter Verdacht, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) mit einem Kopfschuss ermordet zu haben.

+++ 25.06.2019: AfD-Abgeordneter schiebt CDU Mitschuld am Tod Lübckes zu +++

Der hessische AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann hat CDU-Politikern vorgeworfen, sie missbrauchten den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) für Stimmungsmache gegen die AfD. Der AfD dabei eine Mitverantwortung zuzuweisen, sei ungeheuerlich, erklärte Hohmann. In einer Mitteilung der AfD-Fraktion vom Dienstag wurde er mit den Worten zitiert: "Hinter diesem ungeheuerlichen Vorwurf wollen die CDU-Politiker ihre eigene Verantwortung verschwinden lassen." Hätte es den von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu verantwortenden "Massenzustrom an Migranten nicht gegeben, würde Walter Lübcke noch leben".

Auch AfD-Fraktionschef Bernd Baumann sieht einen "Missbrauch dieses Mordes" mit dem Ziel, der AfD den Mund zu verbieten. Hohmanns "Spekulation über die Motive" des Tatverdächtigen wollte er sich am Dienstag aber nicht anschließen.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat der AfD vorgeworfen, sie schaffe zum Teil das geistige Klima, in dem Lübcke ermordet worden sei. Hohmann war früher selbst CDU-Mitglied. Die Unions-Bundestagsfraktion hatte sich 2003 von ihm getrennt. Anlass waren Äußerungen, die als antisemitisch kritisiert worden waren. 2004 wurde Hohmann aus der hessischen CDU ausgeschlossen. Er schrieb jetzt: "Auch ich habe Walter Lübcke mehrmals persönlich getroffen und habe ihn als offenen, freundlichen und zugewandten Menschen schätzen gelernt. Ich bin über seinen Tod entsetzt."

+++ 24.06.2019:Stephan E. bei Nazi-Treffen: Behörden gehen von Verwechselung aus +++

Der Tatverdächtige im Mordfall Lübcke war möglicherweise doch nicht im März auf einem Neonazi-Treffen in Sachsen. Behörden in Hessen gehen nach dpa-Informationen von einer Verwechselung aus. Das ARD-Magazin "Monitor" hatte berichtet, dass Stephan E. an einem Neonazi-Treffen in Mücka (Landkreis Görlitz) teilgenommen haben soll. Dort soll er dem Bericht zufolge zusammen mit Mitgliedern der Neonazigruppen "Combat 18" und "Brigade 8" fotografiert worden sein. Zuerst hatte "Spiegel Online" über die mögliche Verwechslung berichtet.

Der "Monitor"-Beitrag stützt sich auf Fotos, die das Magazin gemeinsam mit einem Gutachter ausgewertet hat. Doch nach dpa-Informationen hat sich inzwischen ein Mann bei den Ermittlern gemeldet, der auf den Fotos mit E. verwechselt worden sein soll. Eine Teilnahme von Stephan E. an dem Treffen hätte den Aussagen des Verfassungsschutzes widersprochen, dass E. in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr so deutlich als Rechtsextremist in Erscheinung getreten sei.

Der WDR erklärte, dass der "Monitor"-Redaktion das Identitätsgutachten des Sachverständigen für Fotoforensik vorliege. Das Gutachten spreche von "unwiderlegbaren Übereinstimmungen" und sehe "die Identität der Person Stephan E. als sichtbare Person auf den Lichtbildern als praktisch erwiesen" an. Bisher habe die Redaktion keinen Anlass, an der Seriosität dieses Gutachtens und seines Verfassers zu zweifeln. Die Redaktion prüfe derzeit die neuen Hinweise.

+++ 22.06.2019: Mehrere Hundert Menschen bei Mahnwache für Walter Lübcke +++

An einer Mahnwache für den ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben in dessen Heimatstadt Wolfhagen mehrere Hundert Menschen teilgenommen. "Der Marktplatz war voll", sagte der Dekan des Evangelischen Kirchenkreises, Gernot Gerlach, nach dem Gedenken am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Es seien weit mehr Menschen gekommen als erwartet. Zu der Mahnwache hatten der Kirchenkreis Wolfhagen und die Stadt aufgerufen.

"Er ist als Christ ermordet worden", sagte der Geistliche, der Lübcke seit den 1990er Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder begegnet war. "Diesen Politiker zeichnet aus, dass er sich mit einer klaren Haltung des christlichen Glaubens politisch eingebracht hat. Grundlage und Orientierung von Lübckes Handeln, auch seines Einsatzes für Geflüchtete, sei das Jesus-Wort gewesen: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Matthäus 25,40).

Während der Mahnwache, zu der auch eine Ansprache von Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) gehörte, entzündete Dekan Gerlach drei Kerzen - darunter eine "für alle Anwesenden, die dem Zerstörungswahn der Rechtsextremisten widerstehen und sagen: Halt, stopp!". Die Täter hätten Lübcke zwar das Leben genommen, könnten ihm aber nicht seine Würde rauben.

+++ 22.06.2019: Seehofer: Rechtsextremismus ist "zu einer echten Gefahr geworden" +++

Bundesinnenminister Horst Seehofer will als Konsequenz aus dem Mordfall Lübcke den Kampf gegen den Rechtsextremismus deutlich verstärken. Wenn sich die Annahmen im Fall des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten bestätigten, "ist die Entwicklung brandgefährlich", warnte der CSU-Politiker in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag). Der Rechtsextremismus sei "zu einer echten Gefahr geworden". Seehofer stellte den Rechtsextremismus auf eine Stufe mit dem islamistischen Terror und mit der Gefahr durch Reichsbürger.

Der Minister kündigte an, er wolle "dem Rechtsstaat mehr Biss geben". Er fügte hinzu: "Dieser Mord motiviert mich, alle Register zu ziehen, um die Sicherheit zu erhöhen." Beim Personen- und Objektschutz müssten alle Ebenen einbezogen werden, auch die kommunale Ebene. "Es ist unsere Pflicht, das Menschenmögliche zu tun, um jene zu schützen, die bedroht werden." Mit Blick auf Hetze und Hass im Netz betonte Seehofer: "Beleidigung, Verleumdung, Volksverhetzung gehören offline wie online verfolgt."

Prüfen will der Minister ferner, Demokratiefeinden Grundrechte zu entziehen. Einen entsprechenden Vorstoß hatte vor wenigen Tagen der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Tauber unternommen. «Wir sind das Verfassungsressort. Wir werden die Möglichkeiten ernsthaft prüfen», betonte Seehofer.

+++ 21.06.2019: Minister zu Fall Lübcke: "Alle Hinweise und Anzeichen ernst nehmen" +++

Sachsens Innenminister Roland Wöller will im Mordfall Lübcke mögliche Bezüge des Tatverdächtigen zur Neonazi-Szene in dem Bundesland zügig prüfen lassen. Ermittler des Landeskriminalamtes beschäftigten sich derzeit mit dem Fall, sagte der CDU-Politiker am Freitag in Dresden. "Wir müssen alle Anzeichen, alle Hinweise ernst nehmen. Rechtsextremistische Gruppierungen sind eine Gefahr und dem müssen wir frühzeitig entgegentreten."

Die "Tagesschau" hatte unter Berufung auf Recherchen des ARD-Magazins "Monitor" berichtet, dass der tatverdächtige Stephan E. im März 2019 an einem Neonazitreffen im sächsischen Mücka teilgenommen haben soll. Dort soll er zusammen mit Mitgliedern der Neonazigruppen "Combat 18" und "Brigade 8" fotografiert worden sein. Der "Monitor"-Beitrag stützt sich auf Fotos, die das Magazin gemeinsam mit einem Gutachter ausgewertet hat.

+++ 21.06.2019: Hessens Verfassungsschutz stellt Akte zu Stephan E. zur Verfügung +++

Der hessische Verfassungsschutz hat seine Informationen zum Tatverdächtigen im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) dem Generalbundesanwalt angeboten. Das sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag in Wiesbaden. Falls Bedarf bestehe, könne die Akte zu Stephan E. angefordert werden. Der 45-Jährige steht unter Verdacht, Lübcke in der Nacht zum 2. Juni mit einem Kopfschuss getötet zu haben. Der Generalbundesanwalt, der mittlerweile die Ermittlungen übernommen hat, geht von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus.

Stephan E. soll aber in den vergangenen Jahren nicht mehr als Extremist aufgefallen sein und stand deshalb nicht mehr unter besonderer Beobachtung der Behörden. Die Akte über Stephan E. beim hessischen Landesamt für Verfassungsschutz ist nach Angaben der Behörde noch vorhanden, aber aus Datenschutzgründen dem allgemeinen Zugriff entzogen. Für die nachrichtendienstliche Arbeit seien solche Dokumente faktisch nicht existent.

+++ 21.06.2019: LKA Sachsen prüft Kontakte von Stephan E. zu Neonazis +++

Im Mordfall Lübcke prüft das Landeskriminalamt in Sachsen mögliche Kontakte des Tatverdächtigen zur Neonazi-Szene im Freistaat. Das sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die "Tagesschau" unter Berufung auf Fotos, die dem ARD-Magazin "Monitor" vorliegen, berichtet, dass Stephan E. im März 2019 an einem Neonazitreffen im sächsischen Mücka teilgenommen haben soll. Dort soll er dem Bericht zufolge zusammen mit Mitgliedern des Neonazi-Netzwerks "Combat 18" und der Neonazi-Vereinigung "Brigade 8» fotografiert worden sein.

SPD und Grüne forderten von Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) rasche Aufklärung. Das Treffen in Mücka mit rund 200 Teilnehmern sei dem Verfassungsschutz in Sachsen bekannt gewesen, sagte ein Behördensprecher. Weitere Auskünfte könnten wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens der Bundesanwaltschaft derzeit nicht gegeben werden, so der Sprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz.

+++ 21.06.2019: Kontakt zu Tatverdächtigem bei Bürgerversammlung denkbar +++

Im Mordfall Lübcke prüfen die Ermittler eine mögliche persönliche Verbindung des Tatverdächtigen zu dem Kasseler Regierungspräsidenten. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Freitag berichtete, könnte Stephan E. 2015 an einer Bürgerversammlung mit Lübcke teilgenommen haben. Auf dieser Veranstaltung hatte der CDU-Politiker eine geplante Flüchtlingsunterkunft verteidigt und sich gegen Schmährufe gewehrt. Dabei sagte er, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen.

Der "Spiegel" zitiert Ermittler mit den Worten, E. habe Lübckes Auftritt nicht nur "sehr genau wahrgenommen", sondern gegenüber Gleichgesinnten auch "kommentiert und bewertet". In einem Chat habe er sich über Lücke aufgeregt und ihn als "Volksverräter" bezeichnet. Dem Bericht zufolge liegt das Bürgerhaus von Lohfelden, in dem die Versammlung stattfand, nur zwei Kilometer von E.s Wohnhaus entfernt. Die Erstaufnahmeeinrichtung habe nur einen guten Kilometer von seinem Haus entfernt entstehen sollen.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die inzwischen die Ermittlungen führt, wollte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern.

+++ 21.06.2019: Verdächtiger bis zuletzt in Kontakt mit Neonazis +++

Der Tatverdächtige im Mord an CDU-Politiker Walter Lübcke hatte offenbar noch bis zuletzt Kontakt zu Neonazis. Das ergaben Recherchen den ARD-Magazins "Monitor". Fotos sollen belegen, dass Stephan E. im März 2019 an einer konspirativen rechten Veranstaltung im sächsischen Mücka zusammen mit Mitgliedern der neonazistischen Organisation "Combat 18" und der neonazistischen Vereinigung "Brigade 8" fotografiert wurde.

+++ 20.06.2019: Nach Mord an Walter Lübcke – Neue Drohungen gegen Politiker +++

Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, der Bürgermeister von Altena und weitere deutsche Politiker Morddrohungen erhalten. Die Polizei bestätigte am Mittwochabend in Köln, dass eine Drohung gegen Reker nach dem Mord an Lübcke eingegangen sei. Ob es einen Zusammenhang mit dem Verbrechen gäbe, könne er nicht sagen, fügte ein Polizeisprecher hinzu. Zuständig sei zentral das Landeskriminalamt Berlin, da neben Reker auch andere Politiker Drohungen erhalten hätten. Zuerst hatten "Bild" und WDR darüber berichtet. Vom Landeskriminalamt Berlin war am Abend keine Stellungnahme zu erhalten.

Der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass auch er bedroht werde. Er habe in der Vergangenheit immer wieder mal Morddrohungen erhalten. Zuletzt sei am Dienstag eine eingegangen, sagte er. Sowohl Reker als auch Hollstein waren in den vergangenen Jahren zum Ziel von Attentätern geworden.

+++ 19.06.2019:Hessischer Verfassungsschutz: Akte zu Stephan E. noch vorhanden +++

Der hessische Verfassungsschutz hat die Akte zum Tatverdächtigen im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) nach eigenen Angaben nicht gelöscht. Sie sei noch vorhanden, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch in Wiesbaden und widersprach damit gegenteiligen Medienberichten. Das Landesamt für Verfassungsschutz wies darauf hin, dass seit Ende Juli 2012 ein restriktiver Umgang für Akten gelte, die einen Bezug zu den Verbrechen der rechtsextremen Terrorzelle NSU haben oder haben könnten. Seither seien im Landesamt auch keine entsprechenden Daten gelöscht oder Akten vernichtet worden.

+++ 19.06.2019:Habeck: Im Fall Lübcke Verbindung zu NSU-Komplex prüfen +++

Die Grünen fordern im Mordfall Lübcke umfassende Ermittlungen zu möglichen rechtsextremen Netzwerken. "Die Sicherheitsbehörden müssen mögliche rechtsextreme oder rechtsterroristische Strukturen schnell, gründlich und umfassend durchleuchten", sagte Parteichef Robert Habeck der Deutschen Presse-Agentur. "Dazu gehört zu prüfen, ob es auch mögliche Verbindungen zu anderen Fällen wie dem NSU-Komplex gibt." Es sei gut, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen schnell an sich gezogen habe.

"Dieser Fall hat eine historische Dimension", sagte Habeck. Wenn sich der Verdacht erhärte, dann sei dies der erste gezielte rechtsextreme Mord an einem deutschen Politiker seit 1945. "Das ist eine Zäsur und eine neue Dimension rechter Gewalt."

Der rechtsextremen Terrorgruppe NSU werden zehn Morde zugerechnet; neun Opfer waren Gewerbetreibende mit türkischen und griechischen Wurzeln. Zudem wurde in Heilbronn eine junge Polizistin erschossen.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) war Anfang Juni durch einen Kopfschuss getötet worden. Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremen Motiv aus.

+++ 19.06.2019: Bouffier sagt rückhaltlose Aufklärung im Mordfall Lübcke zu +++

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat eine gründliche Aufklärung des Mordes am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zugesagt. "Die Landesregierung wird alles tun, dieses scheußliche Verbrechen rückhaltlos aufzuklären", sagte Bouffier am Mittwoch im Landtag in Wiesbaden. Die Ermittlungen müssten in alle Richtungen gehen und es dürfe keine vorschnelle Festlegung auf einen Einzeltäter geben. Auch generell warnte Bouffier vor Spekulationen. Dies gelte auch aus Respekt vor dem Opfer und seinen Angehörigen.

Sollte es sich um eine rechtsextremistisch motivierte Tat handeln, wäre dies eine Zäsur in der bundesdeutschen Geschichte sowie eine neue Dimension von Radikalisierung und Gewalt, sagte Bouffier. Lübcke (CDU) sei sehr beliebt, aber nie beliebig gewesen, habe ein klares Wertefundament gehabt und sei mutig für seine Überzeugungen eingetreten. Vor diesem Hintergrund müsse sichergestellt werden, dass jeder Mensch, jeder Politiker, auch ehrenamtlich tätige, frei ihre Meinung äußern könnten, ohne Angst zu haben. "Der Angriff auf Walter Lübcke war auch ein Angriff auf uns und er war ein Angriff auf die freiheitliche Demokratie", sagte Bouffier.

Der Kasseler Regierungspräsident Lübcke (CDU) war Anfang Juni durch einen Kopfschuss getötet worden. Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremen Tathintergrund aus.

+++ 19.06.2019: Lambrecht fordert deutliche Antwort des Rechtsstaats im Fall Lübcke +++

Die designierte neue Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hat im Mordfall Lübcke eine klare Antwort des Rechtsstaats gefordert. Rechter Terror dürfe nie wieder zu Angst führen, sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch in Berlin bei ihrer Vorstellung als Nachfolgerin der ins Europaparlament wechselnden Katarina Barley. "Das ist Teil unserer Staatsräson. Und deswegen muss die Antwort des Rechtsstaates auch ganz deutlich sein: Wir akzeptieren keine Rechtsextremen in unserer Mitte. Und wir lassen nicht zu, dass die Rolle des Rechtsstaates in Zweifel gezogen wird."

Man müsse den Rechtsstaat bewahren, ihn aber auch weiterentwickeln, sagte die aus Südhessen stammende SPD-Politikerin, die derzeit noch Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium ist. Ihre Ernennung und Vereidigung als neue Bundesjustizministerin solle nach den Vorstellungen der SPD in der kommenden Woche erfolgen, sagte der kommissarische Parteichef Thorsten Schäfer-Gümbel.

+++ 19.06.2019: Merkel nach Mordfall Lübcke: Respektvoll mit Sprache umgehen +++

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat im Zusammenhang mit dem Mordfall Lübcke davor gewarnt, mit einem aggressiven Tonfall in Diskussionen Gewalt zu fördern. Sie habe die Sorge, dass aus Worten irgendwann auch Taten würden, wenn man hier Barrieren niederreiße, sagte Merkel am Mittwoch in einer Diskussion mit Schülern in der historischen Kaiserpfalz in Goslar. Die Kanzlerin bat die jungen Leute vor diesem Hintergrund, man könne zwar hart in der Sache diskutieren, solle aber "respektvoll in der Sprache sein".

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) war Anfang Juni durch einen Kopfschuss getötet worden. Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremen Tathintergrund aus.

+++ 19.06.2019: Linke fordert: Geheime Protokolle zu Stephan E. veröffentlichen +++

Im Zusammenhang mit dem Mordfall Lübcke fordert die Linksfraktion im hessischen Landtag eine Veröffentlichung von geheimen Landtagsdokumenten. Das erklärte Innenexperte Hermann Schaus am Mittwoch in Wiesbaden. Im hessischen NSU-Untersuchungsausschuss habe seine Fraktion 2015 ein als geheim eingestuftes Papier des Landesverfassungsschutzes zum Thema gemacht, in dem der Name des Tatverdächtigen Stephan E. auftauche. Zu dem Dokument war eine Sachbearbeiterin des Landesamtes für Verfassungsschutz befragt worden - teils in nicht öffentlicher Sitzung.

"Das Protokoll zur Vernehmung der Sachbearbeiterin hat die Linke inzwischen einsehen können", teilte Schaus mit. "Vor diesem Hintergrund haben wir heute die Veröffentlichung des Protokolls beantragt." Das Dokument über die Befragung ist als Verschlusssache eingestuft. Darüber hinaus wolle die Linke in alle weiteren geheimen Protokolle erneut Einsicht nehmen, erklärte Schaus. "Außerdem müssen die Akten, die Stephan E. und sein Umfeld betreffen und dem Ausschuss damals vorgelegt wurden, erneut auf den Tisch."

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wurde Anfang Juni durch einen Kopfschuss getötet. Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremen Motiv aus.

+++ 19.06.2019: Bundestags-Innenausschuss berät kommenden Mittwoch über Fall Lübcke +++

Der Innenausschuss im Bundestag berät am kommenden Mittwoch in einer Sondersitzung über den Mordfall Walter Lübcke. Die Abgeordneten sollen von 8.30 bis 10.30 Uhr zusammenkommen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Ausschuss erfuhr.

Grüne, Linke, FDP im Bundestag hatten auf die Sitzung gedrungen. Auch Union und SPD forderten das und baten um die Teilnahme des Generalbundesanwalts. Er hatte die Ermittlungen wegen des mutmaßlich rechtsextremen Motivs des Tatverdächtigen übernommen. Außerdem sollen Vertreter des Bundesamtes für Verfassungsschutz, des Bundeskriminalamtes sowie der hessischen Ermittlungsbehörden Rede und Antwort stehen. Auch der AfD-Innenpolitiker Martin Hess hatte sich für eine Sondersitzung ausgesprochen.

+++ 19.06.2019: Lübcke-Attentat: Extremismusforscher sieht "loses Netzwerk" +++

Auch wenn der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke alleine gehandelt haben sollte, sieht der Politikwissenschaftler Hajo Funke ein bundesweites Netzwerk von Rechtsextremisten am Werk. Er rät den Sicherheitsbehörden, der Szene möglichst wenig Spielraum für Aufmärsche und Agitation zu lassen. "Es geht nicht primär um die Frage, ob hier eine Gruppe gehandelt hat oder ein Einzeltäter, denn es gibt ein loses Netzwerk, das sehr tief und breiter ist, als wir - die Öffentlichkeit - erfahren", sagte der Extremismus-Experte der Deutschen Presse-Agentur.

In sozialen Netzwerken spiele bundesweit eine gefährliche "Untergrundmusik". Das sei quasi der Soundtrack für gewaltbereite Extremisten. Diese handlungsbereiten Rechtsextremisten seien regional eng vernetzt - etwa in Dortmund, Halle, Chemnitz, Kassel, in der Umgebung von Rostock oder auch in der Region Heilbronn.

"Es gibt eine klare Mitverantwortung durch die Hetze derjenigen Teile der AfD, die, wie (der Thüringer Landeschef Björn) Höcke oder (der Vorsitzende der Brandenburger AfD Andreas) Kalbitz, die Partei vor sich hertreiben und die gegen Flüchtlinge hetzen", sagte Funke.Funke warnte vor Verharmlosung und "Leugnung" - auch als Lehre aus den Fehleinschätzungen zur Mordserie des rechtsterroristischen NSU. Der Politikwissenschaftler, der Bücher zum NSU-Terror, zu Rechtspopulismus in Europa und zur AfD verfasst hat, sagte: "Jetzt herrscht Alarmstufe rot. Die Gefahr weiterer rechtsterroristischer Anschläge ist hoch."

+++ 18.06.2019: Hatte der Mordverdächtige Mittäter? +++

Die Bundesanwaltschaft prüft nach Medienberichten Hinweise auf weitere Täter im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR will ein Zeuge in der Tatnacht zwei Autos bemerkt haben, die in "aggressiver Manier" durch den Wohnort von Lübcke fuhren. 20 Minuten zuvor habe der Zeuge, ein ehemaliger Bundeswehrsoldat, einen Schuss gehört. Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni mit einer Schussverletzung am Kopf auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha entdeckt worden, wenig später war er gestorben.

Er habe, so der Zeuge, den Eindruck gehabt, als hätten sich die beiden Autofahrer verfahren. Eines der Fahrzeuge sei ein Volkswagen Caddy gewesen, das andere habe der Mann nicht beschreiben können, heißt es in dem Bericht. Später hätten die Ermittlungen ergeben, dass der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan E. aus Kassel einen solchen VW Caddy fahre, der auf seine Frau zugelassen sei. Stephan E. sitzt seit Sonntag unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Montag erklärt, es gebe bisher keine Hinweise, dass eine terroristische Vereinigung hinter dem Mord stecke. Innenminister Horst Seehofer (CSU) betonte am Dienstag, ob der Tatverdächtige allein gehandelt habe oder als Teil eines Netzwerks, sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar. Die Bundesanwaltschaft stuft den Mord als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein.

Bereits im Haftbefehl gegen Stephan E., den eine Richterin des Amtsgerichts Kassel am Samstag ausstellte, soll es laut "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR geheißen haben, es gebe "Hinweise auf Mittäter oder Mitwisser". Bei der Durchsuchung der Wohnung von Stephan E. hätten die Ermittler einen weiteren Autoschlüssel entdeckt, versteckt im CD-Fach eines Radios im Gäste-WC. Dieser gehöre zu einem Fahrzeug der Marke Skoda, das Stephan E. kurz vor der Tatnacht von einem Familienmitglied übernommen haben soll. Bis jetzt sei dieses Auto nicht gefunden worden.

+++ 18.06.2019: Zentralrat der Juden fordert klare Linie gegen Rechtsextremismus +++

Der Zentralrat der Juden fordert nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ein entschiedenes Vorgehen gegen Rechtsextremismus. Der Fall zeige in erschreckender Weise, dass die Gefahren durch rechte Netzwerke und Rechtspopulismus bis hin zum rechten Terror nicht unterschätzt werden dürfen, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster am Dienstag. Auch wenn die Ermittlungsergebnisse abzuwarten seien, müsse dieses Verbrechen alle Demokraten alarmieren.

Schuster beschrieb die Grenzen zwischen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus als zunehmend fließend. Man erlebe, wie in der braunen Szene immer häufiger von "bewaffnetem Kampf" die Rede sei. "Der Fall Lübcke könnte zur Bewährungsprobe dafür werden, ob dieses Land wirklich etwas aus der Mord-Serie des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) gelernt hat", sagte Schuster.

Die Bundesanwaltschaft stuft den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke als politisches Attentat ein und geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der einschlägig vorbestrafte Stephan E. sei dringend verdächtig, Lübcke Anfang Juni heimtückisch durch einen Kopfschuss getötet zu haben. Dem Generalbundesanwalt zufolge gibt es aber zumindest bislang keine Hinweise auf Verbindungen zu einem Terrornetzwerk.

+++ 18.06.2019: Mordfall Lübcke: Schäfer-Gümbel fordert konsequente Aufklärung +++

Der kommissarische SPD-Bundesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hat nach dem Mordfall Walter Lübcke ein konsequente Aufklärung auch in Richtung einer rechtsextremistische Tat gefordert. "Wir haben alle Notwendigkeit, nach der NSU-Mordserie besonders sensibel zu sein und genau hinzuschauen", sagte der hessische SPD-Chef am Dienstag nach Gesprächen in der nordrhein-westfälischen SPD-Landtagsfraktion in Düsseldorf. "Deswegen ist Aufklärung das oberste Gebot in diesen Tagen."

Er hoffe sehr, dass "mögliche weitere Verbindungen schnellstens aufgedeckt und Konsequenzen gezogen werden", sagte Schäfer-Gümbel. Auch bei verbaler Gewalt müsse künftig genauer hingeschaut werden, weil daraus "am Ende auch solche Mord- und Gewalttaten entstehen". "Befremdet" zeigte sich Schäfer-Gümbel darüber, dass sich der Generalbundesanwalt die Informationen bei der hessischen schwarz-grünen Landesregierung und den Behörden selbst habe organisieren müssen.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) war Anfang Juni durch einen Kopfschuss getötet worden. Unter dringendem Tatverdacht sitzt der 45-jährige Stephan E. seit Sonntag in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft sieht einen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat und hat die Ermittlungen übernommen.

+++ 18.06.2019: Verdächtiger im Fall Lübcke mit langem Strafregister +++

Der Verdächtige im Mordfall Lübcke ist nach Angaben des Bundeskriminalamts schon durch viele Straftaten auffällig geworden. Der mutmaßliche Täter habe eine "lange Latte von Straftaten", sagte BKA-Präsident Holger Münch am Dienstag in Berlin. Zu den aktuellen Vorwürfen habe sich der Tatverdächtige bisher nicht geäußert sagte Münch.

Zur Frage, welche Kontakte in die rechte, möglicherweise auch militante, Szene der Verdächtige habe, sagte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang: "Es ist zur Zeit unsere dringlichste Aufgabe, die uns bekannten Kontakte des Stephan E. abzuklären." Es gebe Verbindungen aus der Vergangenheit in die rechtsextreme Szene, diese werde man jetzt ausleuchten, auch um zu sehen, ob es auch heute noch Kontakte gebe.

+++ 18.06.2019: BKA-Präsident: Tatwaffe im Mordfall Lübcke noch nicht gefunden +++

Die Tatwaffe im Fall des erschossenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch bislang noch nicht gefunden worden. Der Verdächtige sei Mitglied in einem Schützenverein, habe aber keine waffenrechtliche Erlaubnis gehabt, sagte Münch am Dienstag in Berlin. Die Ermittlungen liefen mit Hochdruck weiter. "Es gibt eine Menge aufzuklären."

+++ 18.06.2019: Verdächtiger im Fall Lübcke hatte "rechtsextremistische Karriere" +++

Der Tatverdächtige im Mordfall Lübcke ist nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz in den vergangenen Jahren nicht mehr so deutlich wie früher als Rechtsextremist in Erscheinung getreten. Der Mann habe eine Art rechtsextremistische Karriere vor allem in den 1980er und 1990er Jahren begonnen, sagte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang am Dienstag in Berlin. Seit dieser Zeit sei er auch auf dem Radar des Verfassungsschutzes gewesen. Zuletzt sei er aber "eher in der Hintergrund der Beobachtung getreten". Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag in Untersuchungshaft. Er steht in dem dringenden Verdacht, Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) durch einen Kopfschuss getötet zu haben.

+++ 18.06.2019: Seehofer – Ermitteln im Fall Lübcke in alle Richtungen +++

Im Mordfall Walter Lübcke ermitteln die Behörden nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in alle Richtungen. Die Hintergründe seien noch nicht vollends aufgeklärt, sagte Seehofer am Dienstag in Berlin. Man müsse davon ausgehen, dass es sich um einen rechtsextremen Täter und um einen rechtsextremen Hintergrund handele. Das lege die Biografie des Verdächtigen nahe, sagte Seehofer. Als Tatmotiv könne derzeit nichts ausgeschlossen werden. "Ob er allein gehandelt hat oder Teil eines Netzwerks ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar."

+++ 18.06.2019: Verdächtiger im Mordfall Lübcke war in Schützenclub aktiv +++

Der Verdächtige im Mordfall Walter Lübcke war Mitglied in einem nordhessischen Schützenverein. Stephan E. habe dort aber nur mit dem Bogen geschossen und keinen Zugriff auf Feuerwaffen gehabt, sagte Reiner Weidemann, Vorsitzender des Schützenclubs 1952 Sandershausen. Der Schützenverein liegt in Niestetal-Sandershausen, einem Vorort von Kassel.

E. war Referent des Clubs für Bogenschießen. "Er war freundlich und ruhig", erklärte Weidemann. E. sei seit rund zehn Jahren dabei gewesen und nicht durch rechte Parolen aufgefallen. Im Club habe E. meist etwas abseits Bogen geschossen. Der 45-Jährige hatte nach Angaben des Vorsitzenden auf dem Vereinsgelände keine Feuerwaffen oder Zugang dazu: "Bei uns in Verein hatte er keine Waffenbesitzkarte." Auch fehle nichts von den Vereinswaffen. Schießen mit Feuerwaffen hätte E. unter Aufsicht gedurft, was er allerdings nicht genutzt habe.

+++ 18.06.2019: AfD verurteilt Mord an Lübcke als "widerwärtige" Tat +++

Die AfD-Spitze hat den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) verurteilt. "Die AfD und ihre Fraktionen verurteilen als Rechtsstaatspartei extremistische Gewalt in jeglicher Form aufs Schärfste", teilten die Parteivorsitzenden Jörg Meuthen und Alexander Gauland am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit. "Der widerwärtige Mord an Walter Lübcke muss umgehend und lückenlos aufgeklärt und mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden."

Politischer Wille dürfe sich nur in den Grenzen des Grundgesetzes manifestieren, betonten beide. "Sobald er sich seinen Weg über Gewalt und Terror versucht zu bahnen, muss der Staat rigoros eingreifen."

Die Bundesanwaltschaft stuft den Mord an dem Regierungspräsidenten als politisches Attentat ein und geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand hat Lübckes Ermordung als eine Folge auch von politischen Attacken aus den Reihen der AfD bezeichnet, namentlich des Rechtsaußen-Lagers um den Thüringer Landesparteichef Björn Höcke.

+++ 18.06.2019: Terror-Akte des verhafteten Neonazis Stephan E. +++

Am Montag gelang den Ermittlern im Mordfall Walter Lübcke ein Durchbruch: Der 45 Jahre alte Stefphan E. wurde festgenommen. Seine DNA wurde an der Kleidung des toten CDU-Politikers gefunden. E. ist vorbestraft und in der rechtsextremen Szene aktiv. Laut eines Berichtes der "Bild"-Zeitung beschreiben die Nachbarn den 45-Jährigen als ruhig und unauffällig, er war im Schützenclub aktiv.

Doch bereits als 15-Jähriger soll er Brandstiftung begangen haben. Mit 18 verletzte er einem Mann mit einem Messer lebensgefährlich. Wieder ein Jahr später soll er eineRohrbombe vor einer Asylbewerberunterkunft im hessischen Hohenstein-Steckenroth platziert haben. Der Sprengsatz konnte glücklicherweise gelöscht werden. 2004 soll er, so berichtet es die "Bild", ein Totschlagsdelikt begangen haben. Bisher schweigt der Verdächtige in den Verhören.

+++ 18.06.2019:Nach Lübcke-Mord: Experte warnt vor rechtsextremer Terrorgefahr +++

Nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) hat der Rechtsextremismusexperte Gideon Botsch vor einer erhöhten Terrorgefahr gewarnt. "Die nächsten 12 bis 18 Monate werden besonders gefährlich", sagte der Leiter der Forschungsstelle für Antisemitismus und Rechtsextremismus des Moses Mendelssohn Zentrums an der Universität Potsdam dem "Tagesspiegel" (Dienstag).

Als Risikofaktor nannte Botsch eine von Frust geprägte rechte Szene - unter anderem durch die rückläufige Aufmerksamkeit für Proteste wie bei Pegida. Es sei "wahrscheinlich, dass mit dem Abflauen der Aufmerksamkeit für solche Gruppen die terroristischen Akte zunehmen werden". Bis Mitte 2018 hätten diese Gruppen einen politischen Umsturz propagiert. Das habe nicht funktioniert. Dieser Frust könnte nun einige Zellen erneut mobilisieren und diese weiter radikalisieren. "Die Feindbilder sind markiert", sagte Botsch, der auch die AfD in diesem Kontext verantwortlich macht. "Da hat die AfD deutlich mitmarkiert, da hat Pegida mitmarkiert. All diese Kräfte, die sich offiziell von Gewalt distanzieren, haben sehr deutlich zur Hetze beigetragen."

Die Bundes-AfD glaubt nicht, dass das Attentat den Beginn einer rechtsterroristischen Welle markieren könnte. "Diese Gefahr sehen wir nicht", sagte der Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Christian Lüth, der Deutschen Presse-Agentur. Auf den von Politikern anderer Parteien erhobenen Vorwurf, die AfD habe mit Verbalradikalismus den Nährboden für derartige Taten bereitet, antwortete er: "Nein, wir haben mit solchen Taten nichts zu tun."

+++ 17.06.2019: Fall Lübcke: Linke in Hessen fragte schon 2015 nach Stephan E. +++

Die Linke im hessischen Landtag hat den Verfassungsschutz bereits 2015 um Informationen über den mutmaßlichen Rechtsextremisten Stephan E. gebeten. Der Name sei damals aufgefallen, als es um die Neonazi-Szene in Nordhessen gegangen sei, sagte Linksfraktionschefin Janine Wissler am Montagabend in einem ZDF-"Spezial". Man habe deshalb explizit beim Landesamt für Verfassungsschutz nach dem Mann gefragt - "und leider keine Antworten bekommen". Der 45-Jährige steht im Verdacht, Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet zu haben.

"Man muss diesen Fall sehr sehr ernst nehmen, weil das eben wirklich nach einer NSU-Nachahmertat aussieht", sagte Wissler, die auch Mitglied im NSU-Untersuchungsausschuss des hessischen Landtages war. "Man muss insbesondere die Frage stellen: Ist das wirklich ein Einzeltäter, weil wir ja schon sehr vernetzte Neonazi-Strukturen gerade in Nordhessen haben." Es bestehe der dringende Verdacht, dass Lübcke von einem militanten Neonazi hingerichtet worden sei, der den Behörden bekannt und und mehrfach vorbestraft gewesen sei.

+++ 17.06.2019: Merkel zum Fall Lübcke: "Bedrückende Nachrichten" +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat im Fall des Mordes an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke von "bedrückenden Nachrichten" gesprochen. Nach Gesprächen mit Gewerkschafts- und Arbeitnehmervertretern auf Schloss Meseberg in Brandenburg sagte Merkel am Montag, allen Verdachtsmomenten müsse jetzt intensiv nachgegangen werden. "Deshalb ist es sehr richtig und wichtig, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen hat, dass alle Hintergründe aufgeklärt werden und zwar schnellstmöglich." Sie hoffe, dass man bald umfassende Klarheit habe und dann die abschließenden Bewertungen vornehmen könne. "Heute ist ein Tag, an dem wir alle in Gedanken bei der Familie und den Freunden von Walter Lübcke sind", sagte Merkel.

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Mord an Lübcke einen rechtsextremistischen Hintergrund hat. In Untersuchungshaft sitzt der 45-jährige Stephan E., der dringend verdächtig ist, Lübcke heimtückisch durch einen Kopfschuss getötet zu haben. Nach dem Tod des Regierungspräsidenten hatten hasserfüllte und hämische Reaktionen aus der rechten Szene im Internet für Empörung gesorgt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte sie "zynisch, geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig" genannt.

+++ 17.06.2019: "Rechtsextremistischer Hintergrund" im Fall Lübcke vermutet +++

Im Fall des durch einen Kopfschuss getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sehen die Ermittler ein politisches Motiv. "Wir gehen aufgrund des aktuellen Ermittlungsstandes davon aus, dass es sich um einen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat handelt", sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Montag in Karlsruhe.

Dafür sprächen insbesondere das Vorleben des Tatverdächtigen und die öffentlich wiedergegebenen Meinungen und Ansichten des Mannes. Die Ermittlungen richteten sich gegen einen 45-jährigen Deutschen, der dringend verdächtig sei, Lübcke heimtückisch durch einen Kopfschuss getötet zu haben.

Bislang gebe es keine Hinweise auf ein rechtsterroristisches Netzwerk. "Wir gehen natürlich auch der Frage nach, ob und inwieweit bislang unbekannte Hintermänner oder Tatbeteiligte in die Tat eingebunden waren", sagte der Sprecher. Bei einer Durchsuchung sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden.

Spezialeinheiten hatten den tatverdächtigen Stephan E. am frühen Samstagmorgen in Kassel gefasst, er sitzt seit Sonntag unter Mordverdacht in Untersuchungshaft.

+++ 17.06.2019: Fraktionen erwarten Sondersitzung des Innenausschusses +++

Nach Hinweisen auf einen rechtsextremen Hintergrund im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke dringen Grüne, FDP, Linke und AfD im Bundestag eine Sondersitzung des Innenausschusses. Die CDU/CSU zeigte sich dazu bereit. "Der Fall Lübcke ist sehr ernst", sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg, der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". "Einer Erörterung des Falles im Innenausschuss stehen wir aufgeschlossen gegenüber - auch schon in der kommenden Woche."

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Eine Sondersitzung des Innenausschusses ist angesichts der dramatischen und beunruhigenden Entwicklungen im Fall Lübcke unausweichlich."

FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser sagte dem RND: "Nach der Übernahme der Ermittlungen des Generalbundesanwalts erwarte ich eine kurzfristige Sondersitzung des Innenausschusses des Deutschen Bundestages." Bereits am Sonntag hatte auch die Linken-Politikerin Martina Renner in einem dpa-Gespräch eine Sondersitzung des Ausschusses ins Gespräch gebracht.

+++ 17.06.2019: Verdächtiger im Fall Lübcke soll 1993 Asylunterkunft attackiert haben +++

Der Verdächtige im Mordfall Lübcke soll nach einem Bericht von "Zeit Online" im Jahr 1993 einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim im hessischen Hohenstein-Steckenroth verübt haben. Damals war ein brennendes Auto an der Unterkunft im Rheingau-Taunus-Kreis gerade noch rechtzeitig gelöscht worden, bevor der selbst gebastelte Sprengsatz auf der Rückbank detonieren konnte.

Bei dem damals festgenommenen 20-Jährigen habe es sich um den Mann gehandelt, der nun im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke unter Mordverdacht stehe, berichtete "Zeit Online" am Montag. Eine Bestätigung der Ermittler war dafür zunächst nicht zu bekommen. Nach der Tat in Hohenstein und der Festnahme hatte die Polizei damals mitgeteilt, der 20-Jährige habe zugegeben, allein und aus ausländerfeindlichen Motiven gehandelt zu haben. Er sei bereits zuvor unter anderem wegen Brandstiftung sowie Verstößen gegen das Waffengesetz und Körperverletzung in Erscheinung getreten. "Zeit Online" berichtete, der Mann sei wegen der Tat damals zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

+++17.06.2019: Generalbundesanwalt übernimmt Mordfall Lübcke +++

Nach dem tödlichen Schuss auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und der Festnahme eines Tatverdächtigen hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen. Das sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde am Montag. Zuvor hatten andere Medien wie der SWR darüber berichtet.

Demnach soll es sich bei dem Festgenommenen um "einen 45-jährigen Mann" handeln, der "zumindest in der Vergangenheit eindeutige Verbindungen in die rechtsextreme Szene hatte und im Umfeld der hessischen NPD aktiv gewesen sein soll."

+++ 17.06.2019:Warten auf Details über Verhaftung im Fall Lübcke +++

Die Verhaftung eines Tatverdächtigen im Fall des erschossenen nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke wirft viele Fragen auf. Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft haben sich bisher weder zur Identität noch zum möglichen Motiv des Mannes geäußert. Spezialkräfte hatten den 45-Jährigen am frühen Samstagmorgen in Kassel festgenommen. Seit Sonntag sitzt er unter dringendem Mordverdacht in Untersuchungshaft. Die Festnahme erfolgte den Angaben zufolge "aufgrund eines DNA-Spurentreffers". Nach Medienberichten soll der Mann der rechten Szene nahestehen oder zumindest in der Vergangenheit Kontakte in das rechte Milieu gehabt haben. Der "Tagesspiegel" schrieb, es sei weiterhin unklar, ob Lübcke aus einem rechtsextremen Motiv getötet worden sei. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Kassel wollte sich auf Anfrage nicht zu den Medienberichten äußern.

Die Behörden gaben sich auch nach der Verhaftung des Tatverdächtigen zugeknöpft. Weitere Informationen zur Festnahme und zum aktuellen Sachstand sollten erst in dieser Woche bekannt gegeben werden, hieß es in einer Erklärung. Wann die Öffentlichkeit informiert wird, wurde nicht mitgeteilt. Auch zu Herkunft oder Staatsangehörigkeit des Verhafteten machten die Ermittler keine Angaben.

+++ 16.06.2019: Tatverdächtiger festgenommen! Spur in die rechte Szene? +++

Es ist ein Verbrechen, das schockiert: Auf der Terrasse seines Hauses in Nordhessen wird der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke getötet - mit einem Schuss in den Kopf aus nächster Nähe. Zwei Wochen später haben die Ermittler nun einen Tatverdächtigen gefasst. Der 45-Jährige sitzt seit Sonntag unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Nach Medienberichten soll er der rechten Szene nahestehen, aber noch sind viele Fragen offen.

Nach Medienberichten sollen die Spuren ins rechte Milieu führen. Die "Bild"-Zeitung meldete unter Berufung auf Ermittler, dass der 45-Jährige der rechtsextremen Szene angehören könnte. Auch nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stammt er aus diesem Milieu. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage zu diesen Berichten nicht äußern.

Die "Süddeutsche Zeitung" und der "Tagesspiegel" berichteten unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Tatverdächtige vermutlich früher Kontakte in die rechte Szene gehabt habe. Es sei aber nicht klar, ob das auch aktuell noch der Fall sei. Der "Tagesspiegel" schrieb, es sei unklar, ob Lübcke aus einem rechtsextremen Motiv getötet worden sei. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage nicht zu den Medienberichten äußern.

Die Ermittler fanden laut "Bild" DNA-Spuren an der Kleidung des erschossenen Regierungspräsidenten. Es habe zu der gesicherten Spur einen Treffer in der DNA-Analyse-Datei gegeben, die beim Bundeskriminalamt liegt. Der 45-Jährige ist demnach polizeibekannt und hat bereits eine schwere Straftat begangen. Damals sei ihm eine DNA-Probe entnommen und in der Datenbank gespeichert worden.

Schon zu Lebzeiten hatte Lübcke Morddrohungen erhalten. Als Chef des Regierungspräsidiums Kassel, einer Art Mittelbehörde zwischen der Landesregierung und den Kommunen, hatte der politische Spitzenbeamte sich in der Flüchtlingskrise vor vier Jahren für die Unterbringung von Flüchtlingen in Nordhessen ausgesprochen. Eine Verbindung zu der Bluttat hatten die Ermittler bislang allerdings nicht gesehen.

+++ 16.06.2019: Festnahme im Fall des erschossenen Regierungspräsidenten Lübcke +++

Im Fall des erschossenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben Spezialeinheiten der hessischen Polizei in Kassel einen 45-jährigen Mann festgenommen. Der dringend Tatverdächtige wurde am Sonntag in Untersuchungshaft genommen, wie die Staatsanwaltschaft Kassel und das hessische Landeskriminalamt mitteilten.

Der nun inhaftierte Verdächtige wurde bereits am frühen Samstagmorgen gegen 02.00 Uhr festgenommen. Weiter teilten die Behörden mit: "Die Festnahme erfolgte aufgrund eines DNA-Spurentreffers." Weitere Informationen zur Festnahme und zum Stand der Ermittlungen wollen Staatsanwaltschaft und LKA kommende Woche bekannt gegeben.

Weitere Informationen zur Festnahme und zum aktuellen Sachstand der Ermittlungen gab es zunächst nicht. Diese würden von Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt in der kommenden Woche bekannt gegeben, erklärten die Behörden.

Bei dem Festgenommenen handelt es sich den Angaben zufolge nicht um den Mann, der vergangenes Wochenende an der niedersächsischen Nordseeküste vorübergehend in Gewahrsam genommen worden war. Dieser war nach der Befragung wieder entlassen worden.

+++ 13.06.2019: Trauerfeier für getöteten Regierungspräsidenten: Abschied mit Tränen +++

Vor eineinhalb Wochen wurde der Kasseler Regierungspräsident erschossen. Bei einem Trauergottesdienst nahmen die Menschen Abschied von Walter Lübcke."Lieber Papa, wir müssen heute nach deinem unfassbaren Tod von dir Abschied nehmen", erklärt Christoph Lübcke nur wenige Meter entfernt vom Sarg seines Vaters. In diesem Moment steigen vielen Trauergästen die Tränen in die Augen. Mehr als 1300 sind gekommen, um von dem erschossenen nordhessischen Regierungspräsidenten Abschied zu nehmen. Sie sitzen in der Martinskirche oder verfolgen auf einer Leinwand draußen den Gottesdienst.

Die Ungewissheit über den Tod Walter Lübckes überschattet die Trauerfeier. "Zur Grausamkeit der Tat kommt die Ungewissheit: Wer war es, der diesem Leben kaltblütig und hinterrücks ein Ende setzte?", fragt Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Er wendet sich direkt an Lübckes Frau und Familie: Es sei kaum zu ermessen, was die Angehörigen hätten durchmachen müssen.

+++ 13.06.2019: Trauerfeier für getöteten Kasseler Regierungspräsidenten +++

Bei einer Trauerfeier wird am Donnerstag (16.00 Uhr) an den erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) erinnert. Zu dem Gottesdienst in der Kasseler Martinskirche wird auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erwartet. Polizei und Bundeswehr werden nach Angaben der Staatskanzlei eine Ehrenwache am Sarg halten. Neben dem Ministerpräsidenten wird der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, sprechen.

Lübcke war Anfang des Monats auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha (Kreis Kassel) entdeckt worden. Er hatte eine Schussverletzung am Kopf und starb kurz darauf. Der Schuss war den Ermittlungen zufolge aus nächster Nähe abgegeben worden. Motiv und Täter sind bisher unbekannt.

+++ 11.06.2019:Ermittler arbeiten fast 200 Hinweise im Fall Lübcke ab +++

Im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gehen die Ermittler inzwischen knapp 200 Hinweisen nach. Ob sich darunter eine heiße Spur befindet, ist bislang unklar. "Wir ermitteln in alle Richtungen, alles andere ist Spekulation", sagte der Sprecher des hessischen Landeskriminalamtes (LKA), Christoph Schulte, am Dienstag. Die mittlerweile 187 eingegangenen Hinweise würden nun abgearbeitet.

+++ 11.06.2019: Polizeieinsatz auf Fähren steht in Zusammenhang mit Fall Lübcke +++

Der Polizeieinsatz auf zwei Nordsee-Fähren in Niedersachsen am Samstag steht im Zusammenhang mit dem Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Das haben das Hessische Landeskriminalamt (LKA) und die Kasseler Staatsanwaltschaft am Dienstag erstmals bestätigt. "In diesem Zusammenhang wurde eine Person in Gewahrsam genommen und mit dem Ziel der Informationsgewinnung in das Polizeipräsidium Nordhessen nach Kassel verbracht", teilten die Behörden mit.

Bei der Befragung hätten sich aber keine Anhaltspunkte ergeben, dass der Mann an der Tat beteiligt war. "Aus diesem Grund wurde die Person in den frühen Sonntagmorgenstunden wieder entlassen", erklärten die Ermittler, die keine weiteren Angaben zu dem Mann oder dem Hintergrund der Polizeiaktion machten.

+++ 10.06.2019: "Bild": SEK auf Wangerooge-Fähre - Festnahmen! +++

Ein Polizeieinsatz bereits am Samstagnachmittag auf zwei Fähren zur Insel Wangerooge soll laut "Bild" im Zusammenhang mit dem Mordfall Walter Lübcke gestanden haben. Eine Augenzeugin berichtete der Zeitung, dass zwei Männer und eine Frau weggeführt worden seien. In einer Mitteilung der Polizei in Wilhelmshaven hatte es am Samstag geheißen, der Einsatz habe für ein anderes Bundesland stattgefunden. Um das laufende Verfahren nicht zu gefährden, könnten keine weiteren Auskünfte erteilt werden.

+++ 08.06.2019: Mann aus Gewahrsam entlassen +++

Der im Fall des erschossenen Kasseler Politikers Walter Lübcke in Gewahrsam genommene Mann ist wieder entlassen worden. "Er wurde befragt und konnte danach gehen", sagte ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen. Mehr Details gab er nicht bekannt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") hatte zuvor berichtet und von einer Festnahme gesprochen.

Auf die Spur des Mannes sei die Polizei durch die umfangreiche Auswertung privater Daten des Getöteten gekommen. Dazu habe dem Vernehmen nach auch die Auswertung seines Mobiltelefons gehört, schrieb die "FAZ" weiter.

+++ 08.06.2019: Bericht: Polizei nimmt im Fall Lübcke Verdächtigen fest +++

Nach dem Tod des Kasseler CDU-Politikers Walter Lübcke soll die Polizei aktuell einen Verdächtigen festgenommen haben. Der Verdächtige soll aus dem privaten Umfeld des getöteten Regierungspräsidenten stammen. Das berichtet die "F.A.Z.".

Angelich soll es sich bei dem Verdächtigen um einen jüngeren Mann handeln, der zudem in privater Beziehung zu dem Politiker gestanden habe. Näheres zu der Art ihrer Beziehung ist nicht bekannt.

+++ 08.06.2019: Getöteter Kasseler Politiker - Spurensuche am Tatort beendet +++

Im Fall des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) haben die Ermittler die intensive Spurensuche am Tatort abgeschlossen. Die Arbeit wurde am Freitag beendet, wie ein Sprecher der Polizei am Samstag mitteilte. "Wir haben jede Menge Spuren, die bewertet werden müssen." Lübcke war in der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Der Schuss war den Ermittlungen zufolge aus nächster Nähe abgegeben worden. Motiv und Täter sind bislang unbekannt.

+++ 08.06.2019: Der Fall Lübcke: Nutzte der Täter die laute Kirmes-Nacht für seine Tat? +++

Der Fall des ermordeten Politikers Walter Lübcke bleibt rätselhaft. Noch immer scheint die Polizei keine heiße Spur zu haben. Wie die "Bild" berichtet, untersuchen die Ermittler noch immer das Haus des Opfers. Die Hoffnung: eine brauchbare DNA-Spur, die dabei helfen soll, den Täter zu überführen. Nach der Ausstrahlung der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" kamen rund 80 weitere Hinweise zusammen. Noch immer stellt sich jedoch die Frage: Warum bemerkte niemand die Tat? Gut möglich, dass der Schuss wegen der lauten Kirmes-Feier, die sich nur wenige Meter von Lübckes Haus abspielte, überhört wurde. Die Polizei geht davon aus, dass Lübcke aus nächster Nähe erschossen wurde. Aufklärung erhoffen sich die Ermittler auch von dem ihnen zugesandten Video- und Bildmaterial. Die Aufnahmen werden aktuell minutiös geprüft, heißt es. Unterstützung erhalten die Ermittler dabei von Experten des Bundeskriminalamts. Sie sollen unter anderem das Projektil untersuchen, das den CDU-Politiker tötete.

+++ 07.06.2019:Ermittler werten weiter Videos und Fotos im Fall Lübcke aus +++

Die Ermittler im Fall des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) werten weiterhin Bilder und Videos der Tatnacht aus. Die Sichtung des Materials sei zeitaufwendig, weil Videos minuziös begutachtet werden müssten, sagte am Freitag Torsten Werner, Sprecher der Sonderkommission (Soko) in Kassel. Wonach die Ermittler suchen, könne man nicht bekanntgeben.

Nach einem Zeugenaufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" waren 80 Hinweise eingegangen. Dabei handelt es sich auch um Fotos und Videos einer Kirmes in unmittelbarer Tatortnähe. Bisher gibt es aber keine heiße Spur. Motiv und Täter sind unbekannt. Die Auswertung des Materials wird laut Werner noch Tage dauern.

Auch am langen Pfingstwochenende arbeitet die Soko. "Da wird keine Pause gemacht", sagte der Sprecher. In welcher Personalstärke die 50-köpfige Sonderkommission arbeite, hänge vom Ermittlungsstand ab. Am Freitagmorgen begannen Einsatzkräfte erneut, weitere Spuren am Tatort in Wolfhagen-Istha bei Kassel zu suchen. Diese Arbeit sollte im Laufe des Tages aber endgültig abgeschlossen und das Wohnhaus Lübckes wieder freigegeben werden.

Lübcke war in der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Obduktion ergab, dass der Politiker mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe getötet worden war.

+++ 06.06.2019: Hessischer Rundfunk: Ermordeter CDU-Politiker war offenbar nicht bei der Kirmes +++

Der Tod von CDU-Politiker Walter Lübcke wirft auch nach der Veröffentlichung des Falls bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" Fragen auf. Wie der Hessische Rundfunk erfahren haben soll, war Walter Lübcke in den Stunden vor seinem Tod angeblich nicht bei der Weizenkirmes in seinem Wohnort zu Gast. Vielmehr soll der 65-Jährige in der Nacht seines Todes seinen einjährigen Enkelsohn als Babysitter betreut haben, ebenfalls anwesend waren demnach Walter Lübckes Ehefrau und seine Schwiegertochter. Zeugenaussagen zufolge seien zudem auf der Terrasse des Hauses von Walter Lübcke Besucher gesehen worden.

Der Vater von Walter Lübckes Enkelsohn war es demnach auch, der den durch einen Kopfschuss schwerverletzten Politiker eine halbe Stunde nach Mitternacht fand - der jüngere Sohn des Mordopfers sei zu diesem Zeitpunkt von der Kirmes zurückgekehrt und habe Licht im Haus seines Vaters brennen sehen. Offenbar fehlen den Ermittlern derzeit Informationen, was sich im Haus und auf der Terrasse zwischen 23.00 Uhr und 00.30 Uhr abspielte - Lübckes Ehefrau und seine Schwiegertochter sollen sich bereits schlafen gelegt haben, als der 65-Jährige niedergeschossen wurde.

+++ 06.06.2019: Trauerfeier für getöteten Regierungspräsidenten Lübcke am 13. Juni +++

Die Trauerfeier für den erschossenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) soll am 13. Juni (16.00 Uhr) in Kassel stattfinden. In der Martinskirche werde es einen Trauergottesdienst mit "protokollarischen Ehrenbekundungen" geben, wie die stellvertretende Regierungssprecherin in Hessen, Elke Cezanne, am Donnerstagmorgen sagte. Zuvor hatten bereits andere Medien darüber berichtet.

Bei dem Trauergottesdienst werden Polizei und Bundeswehr eine Ehrenwache am Sarg halten, wie Cezanne sagte. Außerdem werde der Sarg mit der Hessen-Fahne bedeckt. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Martin Hein, werden sprechen.

Der Kasseler Regierungspräsident Lübcke war in der Nacht zum Sonntag auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Laut Obduktion wurde der Politiker mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe getötet. Das Motiv ist unklar.

+++ 06.06.2019: Neue Hinweise nach TV-Fahndung zum Fall Lübcke eingegangen +++

Nach dem tödlichen Schuss auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) und der Fernsehfahndung in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" sind neue Hinweise bei den Ermittlern eingegangen. "Eine ganz heiße Spur war aber noch nicht dabei", sagte der Soko-Sprecher der Polizei, Torsten Werner, am Donnerstagmorgen in Kassel. Über das Hinweis-Telefon seien am Mittwochabend "ein paar wenige Anrufe eingegangen". Die Ermittler hatten sich mehr davon versprochen, wie Werner sagte.

Außerdem seien aber auch während und nach der Sendung "einige Fotos und Videos" von Besuchern einer Kirmes in der Nähe des Tatorts per Mail zugesandt worden. Die Dateien müssten aber noch ausgewertet werden. "Bislang haben wir keine konkreten Erkenntnisse", sagte Werner.

Unterdessen wurde die Soko "Liemecke" von etwa 20 auf rund 50 Beamte verstärkt. Es sei üblich, dass solch eine Einheit im Laufe der Ermittlungen aufgestockt werde, sagte Werner. Zuerst hatte das Nachrichtenportal "HNA.de" über die Aufstockung der Soko berichtet.

Lübcke war in der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha (Kreis Kassel) mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Obduktion ergab, dass der Politiker mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe getötet worden war. Das Motiv ist unklar. Die Ermittler suchen Zeugen, die im Ort Verdächtiges gesehen oder Knallgeräusche wie Schüsse gehört haben.

+++ 05.06.2019:"Aktenzeichen XY" zu Fall Lübke: Polizei sucht nach Zeugen

Nach dem tödlichen Schuss auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) haben die Ermittler per Fernsehfahndung einen neuerlichen Zeugenaufruf gestartet. Sie baten insbesondere Besucher einer Kirmes, die nicht weit entfernt vom Tatort stattfand, am Abend entstandene Fotos und Videos der Polizei zur Verfügung zu stellen. Außerdem suchen die Ermittler Zeugen, die im Ort Verdächtiges gesehen oder Knallgeräusche wie Schüsse gehört haben.

Lübcke war in der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha (Kreis Kassel) mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Obduktion ergab, dass der CDU-Politiker mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe getötet worden war. Das Motiv ist völlig unklar, zum Täter gibt es bisher keine Angaben.

+++ 05.06.2019: Fall des Kasseler Regierungspräsidenten bei "Aktenzeichen XY" +++

Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" thematisiert an diesem Mittwochabend (20.15 Uhr) den gewaltsamen Tod von Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke. Moderator Rudi Cerne werde Fragen an die Zuschauer stellen, teilte eine Sprecherin der Sendung mit. Die Ermittler konnten am Mittwoch keinen neuen Sachstand zu der Tat mitteilen. Der 65-jährige CDU-Politiker war in der Nacht zum Sonntag an seinem Wohnhaus in Nordhessen mit einer Schusswunde am Kopf entdeckt worden - er starb an seinen schweren Verletzungen. Das Motiv ist völlig unklar, zum Täter gibt es bisher keine Angaben.

Wer Hinweise zum besagten Fall geben kann, kann über dieE-Mail-Adresse xy@zdf.de Kontakt mit der Reaktion aufnehmen. Zudem nehmen die Kommissare am Sendungstagzwischen 20:15 Uhr und 1:30 Uhr unter der Telefonnummer089/95 01 95 sachdienliche Hinweise entgegen.

+++ 05.06.2019: Geschmacklos! Neonazis feiern Tod von Walter Lübcke als "gute Tat" +++

Rechtsextreme haben den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke laut "Bild"-Zeitung mit Freude zur Kenntnis genommen. Schlimmer noch: Im Internet sollen die Neonazis den Mord an dem CDU-Politiker feiern. Von einer "guten Tat" ist die Rede.

Bisher ist nicht klar, ob es sich bei dem Mord um eine politisch motivierte Tat handelt. Laut "Bild" gehe die Polizei aber den Hass-Nachrichten im Internet nach, die Rechtsextreme nach dem Tod des Politikers verbreiteten. Schon früher hatte Lübcke wegen seiner Haltung zu Flüchtlingen Morddrohungen erhalten.2015 hatte sich der Regierungspräsident gegen Schmährufe zur Aufnahme von Flüchtlingen gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen.

+++ 05.06.2019: Familie von Walter Lübcke unter Polizeischutz +++

Die Familie des ermordeten Walter Lübcke wurde laut "Bild"-Zeitung unter Polizeischutz gestellt. Weil die Ermittler bisher keine heiße Spur haben, seien die Frau und die zwei Söhne des toten CDU-Politikers an einen unbekannten Ort gebracht worden.

+++ 04.06.2019: Nachbarn unter Schock nach Tod von Walter Lübcke +++

Die Nachbarn des Ermordeten Walter Lübcke stehen unter Schock. "Bis vorgestern Abend wussten wir nicht, was passiert ist. Wir haben viele Polizisten gesehen", wird ein Nachbar des CDU-Politikers von "osthessen-news.de" zitiert. Am Abend vor dem Mord habe er auf seiner Terrasse gesessen, während im Ort die Kirmes stattfand. "Der ganze Ort ist geschockt, wir können nicht begreifen, was passiert ist. Der Walter war einer von uns", so der 53 Jahre alte Nachbar.

Inin seinem WohnortIstha genoss Walter Lübcke hohes Ansehen. Man habe ihn nicht nur als Nachbarn, sondern als Freund betrachtet. "Hoffentlich wird der Fall aufgeklärt", wird der Nachbar des CDU-Politikers zitiert.

+++ 04.06.2019: Wer erschoss Walter Lübcke? Tatort wurde offenbar verändert +++

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, traf der Schuss Regierungspräsident Walter Lübcke oberhalb des rechten Ohres in den Kopf. Danach habe er sich, so berichtet es das Boulevard-Blatt, noch einige Meter auf der Terrasse weitergeschleppt. Ein Familienmitglied habe Walter Lübcke schließlich gefunden. Laut einem Ermittler, der von der "Bild" zitiert wird, wurde der Tatort offenbar verändert.

Eine 20-köpfige Soko wurde mit den Mord-Ermittlungen betraut. Ermittelt wird auch im familiären Umfeld. Dies allerdings sei Routine und kein erster Hinweis auf einen Täter aus dem Familien- oder Bekanntenkreis.

+++ 03.06.2019: Ermittler sicher: Regierungspräsident (65) wurde erschossen! +++

Die Tatwaffe im Mordfall Walter Lübcke war den Ermittlungen zufolge vermutlich eine sogenannte Kurzwaffe, also beispielsweise eine Pistole oder ein Revolver. Die Staatsanwaltschaft Kassel leitete ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Tötung ein. Ermittelt werde mit Hochdruck in alle Richtungen, hieß es. Oberstaatsanwalt Streiff sagte auf die Frage, ob die Tat in Zusammenhang mit früheren Morddrohungen gegen Lübcke während der Flüchtlingskrise stehen könnte, zu einem solchen Motiv gebe es noch keine Erkenntnisse.

2015 hatte sich der Regierungspräsident gegen Schmährufe zur Aufnahme von Flüchtlingen gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen. Lübcke hatte als politische Spitzenbeamter zehn Jahre lang das Regierungspräsidium Kassel geleitet, eine Verwaltungsbehörde auf mittlerer Ebene zwischen dem Land Hessen und seinen Gemeinden. Sein Tod hat in Hessen für große Bestürzung gesorgt.

Todesursache Schussverletztung! Das ist bisher zum Tod von Walter Lübcke bekannt

Der Oberstaatsanwalt berichtete, der Regierungspräsident sei in der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr von einem Angehörigen auf der Terrasse seines Wohnhauses im Landkreis Kassel entdeckt worden. Sofort eingeleitete Reanimationsversuche seien erfolglos geblieben, Lübckes Tod sei dann gegen 2.30 Uhr in einem Krankenhaus festgestellt worden. Die Leiche sei noch am Sonntag rechtsmedizinisch untersucht worden. Todesursache sei die Schussverletzung gewesen.

LKA-Präsidentin Thurau sagte, ihre Behörde übernehme Ermittlungen in der Regel dann, wenn wie im aktuellen Fall eine Person des öffentlichen Lebens das Opfer eines Tötungsdelikt sei. Eine Sonderkommission (Soko) mit rund 20 Mitarbeitern des LKA und des Polizeipräsidiums Nordhessen sei eingerichtet worden. Bei Bedarf könne die Soko noch erweitert werden, auch das Bundeskriminalamt unterstütze deren Arbeit bei den kriminaltechnischen Untersuchungen.

Polizei bittet um Hinweise

Die LKA-Chefin bat darum, nicht über die Tat und mögliche Hintergründe zu spekulieren. Auch sie betonte: "Wir ermitteln in alle Richtungen." Es seien eine Telefon-Hotline und eine Mailadresse für Hinweise von Zeugen eingerichtet worden.

Das Wohnhaus des langjährigen Regierungspräsidenten war auch am Montag weiter von Einsatzkräften der Polizei bewacht worden und komplett abgesperrt. Es steht am Ortsrand des Dorfes Wolfhagen-Istha, in dem nur knapp 900 Menschen leben.

Walter Lübcke ist tot - Todesrätsel um CDU-Politiker

Der plötzliche Tod von Walter Lübcke könnte rätselhafter kaum sein. Laut "hna.de" soll der CDU-Politiker tot in seinem Garten in Wolfhagen-Istha gelegen haben. Von einer Tatwaffen fehlt bislang jede Spur. Besonderes Augenmerk läge laut"hna.de" auf einem unbekannten Mann, den Lübcke auf einer derzeitigen Kirmes in Istha getroffen haben soll.

CDU trauert um Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke

Lübckes überraschender Tod hatte am Sonntag Bestürzung ausgelöst: In der CDU-Erklärung hieß es, als Regierungspräsident habe Lübcke "nie das klare Wort" gescheut. "Er war ein Brückenbauer, wie er besser nicht sein könnte." In diesen schweren Stunden seien die Gedanken und Gebete vor allem bei Lübckes Frau, den beiden Söhnen und dem im vergangenen Jahr geborenen Enkelsohn, erklärten Bouffier und Boddenberg.

In einer Mitteilung des Regierungspräsidiums hieß es, in der Behörde herrschten "Fassungslosigkeit und Erschütterung über den Tod des beliebten und außerordentlich nahbaren" Chefs. Lübcke wurde im nordhessischen Bad Wildungen geboren. Vor seiner Amtszeit als Regierungspräsident saß Lübcke von 1999 bis 2009 für die CDU im hessischen Landtag.

Walter Lübcke hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Söhne.

rut/fka/news.de/dpa

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