29.04.2019, 10.30 Uhr

Sigmar Gabriel: Ex-SPD-Chefs rechnet mit umstrittener Asyl-Studie ab

Die aktuelle Auflage einer Reihenuntersuchung zu Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus stößt bei Sigmar Gabriel auf Entsetzen. Im Interview rechnet der Ex-SPD-Chef mit der Asyl-Studie ab und bezeichnet sie als "dumm und unredlich".

Sigmar Gabriel rechnet mit der "Mitte-Studie" ab. Bild: dpa

Die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge ist zuletzt gesunken, dennoch wachsen bei den Deutschen die Vorbehalte gegen Asylsuchende. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen "Mitte-Studie", einer repräsentativen Reihenuntersuchung, mit der alle zwei Jahre rechtsextreme Einstellungen und "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" gemessen werden.

Umstrittene Asyl-Studie: Mehr als jeder Zweite hat Vorbehalte gegen Asylsuchende

Hatten sich 2014 noch rund 44 Prozent der Befragten negativ über Asylsuchende geäußert, so stieg dieser Wert bei der Befragung von 2016 - während der sogenannten Flüchtlingskrise - auf 49,5 Prozent. Als Andreas Zick, Beate Küpper und ihre Mitautoren im Februar 2019 ihre jüngste Befragung auswerteten, stellten sie fest: Mit 54,1 Prozent war der Anteil derjenigen, die sich abwertend über asylsuchende Menschen äußern, so hoch wie nie seit 2011.

Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Kritik

Dies als Zeichen einer immer stärker um sich greifenden allgemeinen Intoleranz zu interpretieren, greift aber zu kurz.Was die Studie nicht beantwortet, ist die Frage nach den Gründen für die zunehmend negative Einstellung großer Bevölkerungsteile gegenüber Asylbewerbern.

Sigmar Gabriel rechnet mit Asyl-Studie ab

Auch Sigmar Gabriel zeigte sich entsetzt über die Asyl-Studie und rechnet im Interview mit der "Bild"-Zeitung mit den Verfassern ab. Nach Meinung des einstigens SPD-Chefs sei die Studie unwissenschaftlich. "Wenn man die hohe Zahl von Nicht-Asylberechtigten kritisiert, die dennoch im Land bleiben, läuft man doch nicht gleich Gefahr, ins Lager der Ausländerfeinde abzudriften. Und: Wer für die Einhaltung von Recht und Gesetz eintritt, ist nicht gleich rechtspopulistisch. Stigmatisierungen dieser Art machen es den wirklichen rechten 'Rattenfängern' einfach. Diese Auslegung der Studie zementiert Vorurteile, statt sie aufzubrechen. Das ist dumm und unredlich", erklärte der SPD-Politiker im "Bild"-Interview.

Schmaler Grat zwischen "Vorbehalt gegen Flüchtlinge" und "Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen"

Auch müsse man unterscheiden zwischen "Vorbehalt gegen Flüchtlinge" und "Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen", hierbei die Grenze zu finden sei nicht immer leicht. "Die Grenze ist bereits überschritten, wenn man sein Herz verschließt und pauschal vom Einzelnen auf alle schließt, um eine ganze Gruppe abzuwerten. Populismus ist das Mobilisieren von Vorurteilen und Ressentiments. Das tun die Rechtsradikalen, aber das gibt es manchmal auch auf der linken Seite", findet Sigmar Gabriel.

fka/bua/news.de/dpa

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