10.04.2019, 13.21 Uhr

Migration und Sprachprobleme: Integrationsminister fordern besseren Zugang zu Deutschkursen 

Bei vielen Zuwanderern scheitert Integration schon am Sprachproblem. Obwohl die Wirtschaft Fachkräfte auch von außen braucht. Nun wollen die Länder nachsteuern.

Zuwanderer sollen besser Deutsch lernen (Symbolbild) Bild: Bernd Wüstneck/dpa

Angesichts schlechter Deutschkenntnisse vieler Zuwanderer dringen die für Integration zuständigen Minister der Länder auf bessere Sprachförderung. "Sprache ist zentral, deshalb brauchen wir für alle Menschen, die hier her kommen, Zugang zu Sprachkursen", sagte die Vorsitzende der Integrationsministerkonferenz, Berlins Ressortchefin Elke Breitenbach (Linke), der Deutschen Presse-Agentur.

Zu oft scheitert Integration schon am Sprachproblem - Mehr Sprachkurse sollen helfen

Dazu seien eine bessere Abstimmung unterschiedlicher Angebote von Bund, Ländern und Kommunen sowie einheitliche Qualitätsstandards nötig. "Bisher ist nichts richtig aufeinander abgestimmt. Das ist ein ernsthaftes Problem", sagte Breitenbach vor einem zweitägigen Treffen mit ihren Ministerkollegen am Donnerstag in Berlin.

Bundesweite, verbesserte Abstimmung und Qualitätsstandards sind nötig

Sie forderte den Bund auf, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) angebotenen Integrationskurse, in denen Kenntnisse der Sprache sowie über Deutschland allgemein vermittelt werden sollen, zu "öffnen". Bisher dürften daran nur Menschen teilnehmen, für die das Bamf eine Bleibeperspektive sehe. Flüchtlinge etwa aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten oder viele Menschen zum Beispiel aus Afghanistan seien ausgeschlossen.

Viele haben gar keine Chance auf einen Sprachkurs

"Das ist eine absurde Situation", sagte Breitenbach. Einerseits habe der Gesetzgeber den Zugang dieser Menschen zu Ausbildung und Arbeit erleichtert. Andererseits hätten sie keinen Zugang zu Sprachkursen. "Unternehmen, die händeringend nach Fachkräften suchen, verstehen das nicht", so Breitenbach. "Gute Leute fallen durch die Prüfungen, weil sie nicht ausreichend Deutsch können."

Sprachkurse auch für EU-Bürger

Breitenbach zufolge wollen die Integrationsminister bei ihrer Konferenz einen Beschluss zur besseren Sprachförderung fassen. Dabei soll es auch darum gehen, digitale Möglichkeiten besser zu nutzen oder Frauen mit Kindern eine Teilnahme zu ermöglichen, indem man ihnen zum Beispiel modulare Kurse oder Kinderbetreuung anbietet. Sprachkurse müssten auch EU-Bürgern offenstehen, nicht nur Flüchtlingen, ergänzte Breitenbach.

Fast die Hälfte fällt durch den Bamf-Deutschtest

"Die Sprache ist das A und O", betonte sie. "Ohne Sprache werde ich mir nie eine berufliche Perspektive aufbauen können, ohne Sprache werde ich nie ein Teil dieser Gesellschaft sein." Laut Bundesinnenministerium scheiterte in den ersten drei Quartalen 2018 fast die Hälfte der Teilnehmer beim Deutschtest des Bamf.

Vorschlag: Frühere Einbürgerung möglich bei "besonderen Integrationsleistungen"

NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) will nach Informationen der "Rheinischen Post" Zuwanderern mit "besonderen Integrationsleistungen" bereits nach vier Jahren eine Einbürgerung ermöglichen. Eine entsprechende Initiative wolle Stamp bei der Integrationsministerkonferenz einbringen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Informationen aus dem Ministerium. Bisher müssen Zuwanderer acht Jahre in Deutschland mit einer Aufenthaltserlaubnis gelebt haben, um eingebürgert werden zu können. Nur in Einzelfällen reichen sieben oder sechs Jahre.

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sit/fka/news.de/dpa

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