02.04.2019, 15.47 Uhr

Partei wirbt mit Down-Syndrom-Kind: FDP-Post zu Trisomie-21-Tests sorgt für Empörung

Trisomie-21-Tests als Kassenleistung? Darüber wird aktuell in der Politik debattiert. Die FDP bezog mit einem Twitter-Post Stellung und sorgte prompt für Empörung. Denn die FDP-Fraktion hatte auf ihrem Plakat mit einem Down-Syndrom-Kind geworben. Nicht nur das Netz, auch andere Politiker reagierten entsetzt.

Die FDP ruderte schnell zurück. Bild: dpa

Bei Risikoschwangerschaften könnten Ungeborene künftig auf Kosten der Krankenkassen per Bluttest auf Down-Syndrom untersucht werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, das höchste Entscheidungsgremium im Gesundheitswesen, leitete kürzlich ein offizielles Verfahren ein, bei dem unter anderem wissenschaftliche Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer und der Deutsche Ethikrat Stellungnahmen dazu abgeben sollen.

Trisomie-21-Tests als Kassenleistung?

Bislang müssen Schwangere den ab rund 130 Euro teuren Bluttest meist selbst zahlen. Voraussichtlich im Spätsommer will der Bundesausschuss entscheiden, ob die Leistung in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden soll. Ein Bündnis von Organisationen wendet sich gegen das Vorhaben. Sie fürchten mehr Abtreibungen.

Derzeit entscheiden sich nach Expertenangaben etwa zehn Prozent der Frauen, die mit einem Kind mit Down-Syndrom (Trisomie 21) schwanger sind, für das Baby. 90 Prozent der Kinder kommen nicht zur Welt.

FDP sorgt mit Posting zu Trisomie-21-Tests für Empörung

Auch die FDP-Fraktion bezog Stellung zu diesem heiklen Thema und erntete prompt einen ordentlichen Shitstorm. In einem Beitrag auf Twitter erklärte die Partei, dass die Tests allen Frauen zur Verfügung stehen und Kassenleistung werden müssten. Jede Frau solle darüber entscheiden können, ob sie die Untersuchung durchführt und was sie im Nachgang mit dem Ergebnis anfängt. So weit, so unspektakulär, doch in dem Post zeigte die FDP eine Frau, die ihr kleines Kind mit Down-Syndrom im Arm hält.

Politiker reagieren entsetzt auf FDP-Posting zu Trisomie-21-Tests

Nicht nur andere Twitter-User reagierten entsetzt, auch Politiker äußerten umgehend ihre Bedenken. CDU-Ministerin Julia Klöckner schrieb auf Twitter: "Ich kann gar nicht glauben, dass dieser FDP-Post echt sein soll! Mit diesem Kind im Bild zu verdeutlichen, bei einem Trisomie-21-Test wäre es vielleicht nicht auf der Welt, wenn der Test Kassenleistung wäre ... Deshalb sei die FDP für die 'diskriminierungsfreie' Kassenleistung."

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AuchKatrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, äußerte sich kritisch zu dem FDP-Posting. Gegenüber der "Bild" erklärte sie: "Menschen mit Behinderungen gehören dazu. Menschen sind nicht behindert, sie werden meist häufig behindert. Es kommt darauf an, dass wir uns als Gesellschaft klar sind, dass niemand perfekt ist, und das macht uns als Menschen aus."

FDP entschuldigt sich für Posting zu Trisomie-21-Tests

Die FDP-Fraktion wiederum bemerkte ebenfalls sehr schnell, dass ihr eigener Tweet auch anders interpretierbar ist als beabsichtigt, löschte den Tweet und postete eine Entschuldigung. "Unser Posting zu #Trisomie21 war missverständlich - das tut uns sehr leid. Wir wollen, dass nicht Geldbeutel entscheidet, ob Schwangere Klarheit bekommen. Für uns ist Perspektive eines Kind mit Trisomie 21 nichts Negatives. Da Fehleindruck entstand, haben wir sofort gelöscht."

FDP-Entschuldigung kommt bei Netzgemeinde nicht gut an

Doch selbst mit der Entschuldigung ist der Vorfall für die Netzgemeinde noch nicht vergessen. "Sie haben mit diesem Plakat die Botschaft verbreitet, dass das darauf zu sehende Kind mit den entsprechenden Voruntersuchungen hätte vermieden werden können. Man kann sich von solcher moralischer Verwahrlosung nur mit Abscheu abwenden. #Trisomie21", schreibt eine Userin. "Ich glaube Sie versuchen Sich einfach nur rauszureden. Das ist mindestens so schäbig wie der Ursprungstweet selbst", schreibt ein zweiter empörter User.

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fka/loc/news.de/dpa

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