01.04.2019, 15.05 Uhr

Organspende-Debatte im Bundestag: Streit um Widerspruchslösung! Wird bald jeder zum Organspender?

Tausende Menschen warten händeringend auf ein Spenderorgan. Das Ziel ist klar: Mehr Menschen sollen im Fall ihres Hirntods Organe spenden. Doch bei der Suche nach dem richtigen Weg gibt es große Meinungsunterschiede.

Organspende-Debatte im Bundestag Bild: picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Über 10.000 Menschen in Deutschland warten verzweifelt auf ein Spenderorgan. Ihr Leben hängt davon ab, ob ein anderer dazu bereit ist, seine Organe im Falle seines Hirntods zu spenden und bisher eben auch davon, ob er im Vorfeld die nötigen Vorkehrungen trifft, also seinen Willen auf Organspendeausweis oder Patientenverfügung festhält. Viel zu selten klappt das in Deutschland bisher.

Organspende-Debatte: Zu viele Wartende und viel zu wenige Spenderorgane

Seit Jahren herrscht ein Mangel an Spenderorganen. In Deutschland standen zuletzt 9400 Patienten auf den Wartelisten für eine Organtransplantation. Erstmals seit 2010 war die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr wieder gestiegen. 955 Menschen spendeten nach ihrem Tod ihre Organe für schwer kranke Patienten. Verglichen mit 2017 ist das eine Steigerung von knapp 20 Prozent.

Organe händeringend gesucht: Neuregelung bei der Organspende ist notwendig

Das politische Ziel ist also klar: Mehr Menschen sollen Organe spenden. Doch in der Frage, wie das zu schaffen ist, herrscht große Uneinigkeit. Eine deutliche Mehrheit der Bundestagsabgeordneten spricht sich laut einer Umfrage der "Bild" dafür aus, eine Neuregelung bei der Organspende zu finden. Es wird sich also wohl etwas tun, die Frage ist nur, was.

Jährlich sterben Tausende auf der Warteliste

Die bisherige Entscheidungslösung, nach der sich potenzielle Organspender aktiv dafür entscheiden müssen, habe nicht ausreichend gefruchtet, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn am Montag in Berlin. Jeder könne zu einem Patienten werden, der auf ein Organ warte. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte: "Es sterben jedes Jahr um 2000 Menschen auf der Warteliste."

Der Vorschlag des Ministers: Die doppelte Widerspruchslösung

Der von der parteiübergreifenden Gruppe vorgelegte Gesetzentwurf sieht nun vor, dass sich grundsätzlich jeder ab 16 Jahren entscheiden soll, ob er zur Organspende im Fall des eigenen Hirntods bereit ist. Eine umfassende Informationskampagne soll der Entscheidung vorausgehen. Diese soll jederzeit revidiert werden können. Widerspricht man nicht oder trifft keine Entscheidung, soll man als Spender registriert werden. Vor einer Organentnahme soll der Arzt zusätzlich den nächsten Angehörigen fragen müssen, ob diesem ein schriftlicher Widerspruch oder ein der Entnahme entgegenstehender Wille bekannt ist.

Egal, welche Lösung sich durchsetzt: Die Organspende bleibt freiwillig

"Es wird niemand zu irgendetwas gezwungen", sagte der CSU-Abgeordnete Georg Nüßlein. Die Linke-Abgeordnete Petra Sitte sprach von einem "solidarischen Akt" gegenüber den Mitmenschen. Vollzogen werde dieser erst in der Sterbephase - "während des Ablebens". In 20 von 28 EU-Staaten gelte bereits eine Widerspruchslösung, betonte Spahn.

Bliebe das Spendenprinzip bei der Widerspruchsregelung bewahrt?

Kritische Stimmen sind dagegen der Meinung, das Prinzip der "Spende" würde so ad absurdum geführt. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz zum Beispiel warnt vor einer Aufgabe des Prinzips der Freiwilligkeit. Bei der sogenannten Widerspruchsregelung könne von Spende keine Rede mehr sein, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Laut "Bild"-Umfrage gibt es unter den Abgeordneten keine Mehrheit im Bundestag. Nur knappe 40 Prozent der Parlamentarier sprechen sich momentan für den Vorschlag Spahns aus.

Der Gegenvorschlag: Die wiederkehrende Befragung

Eine andere parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten um Grünen-Chefin Annalena Baerbock wirbt für verbindliche regelmäßige Befragungen der Bürger und ein bundesweites Online-Register: "Wir wollen die Organspende nach dem Tod als eine bewusste und freiwillige Entscheidung beibehalten und stärken, die nicht durch den Staat erzwungen werden darf." Die Widerspruchslösung wecke Ängste und senke das Vertrauen in die Organspende.

Erwartet wird, dass der Bundestag ohne Fraktionszwang über eine Neuregelung zur Organspende abstimmt.

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sit/sba/news.de/dpa

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