14.06.2019, 10.25 Uhr

Nach Moschee-Massaker in Christchurch: Terror-Attentäter Brenton Tarrant plädiert auf nicht schuldig

Den Anschlag auf zwei Moscheen mit 51 Toten hat Neuseeland noch lange nicht verkraftet. Jetzt plädiert der mutmaßliche Täter Brenton Tarrant auf unschuldig. Bis zum eigentlichen Prozess wird es aber noch fast ein Jahr dauern.

Der Täter streamte seine Horror-Tat live ins Netz. Bild: dpa

Unter den 49 Todesopfern des Terroranschlags auf zwei Moscheen in Neuseeland sind auch mehrere Kinder. Das sagte Premierministerin Jacinda Ardern bei einem Besuch in der Stadt Christchurch, wo sie am Samstag Vertreter der muslimischen Gemeinschaft traf. Dem inhaftierten Täter, einem 28-jähriger Australier, wird nun offiziell vielfacher Mord zur Last gelegt. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen scheint der vermutlich rechtsextreme Schütze die Schüsse in den Moscheen alleine abgefeuert zu haben. Als Reaktion auf den brutalsten Anschlag in der jüngeren Landesgeschichte will Neuseelands Regierung jetzt die Waffengesetze verschärfen.

Moschee-Massaker in Christchurch: 49 Tote! 39 Verletzte mit Schusswunden

Einen Tag nach der Tat machte sich Regierungschefin Ardern in Christchurch ein Bild von der Lage. Insgesamt 39 Menschen liegen noch mit Schusswunden in verschiedenen Krankenhäusern der neuseeländischen Großstadt. Elf davon befinden sich in Intensivbehandlung. Ardern besuchte auch ein Flüchtlingsheim mit Muslimen und richtete von dort eine Botschaft an das ganze Land: "Neuseeland ist in Trauer vereint." Vermutet wird, dass alle Todesopfer muslimischen Glaubens sind.

Christchurch steht immer noch unter Schock. In der Nähe der Tatorte legten viele Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Mit etwa 50.000 Gläubigen - darunter viele Einwanderer aus Staaten wie Pakistan und Bangladesch - sind Muslime in Neuseeland eine Minderheit.

Rechtsextremist Brenton Tarrant filmte Moschee-Attacke mit Helmkamera live

Nach bisherigem Ermittlungsstand drangBrenton Tarrant zunächst in die Al-Nur-Moschee ein, in der sich gerade mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten. Dort schoss er mit Schnellfeuerwaffen um sich und tötete 41 Menschen. Anschließend fuhr er zu einer zweiten Moschee und brachte acht weitere Menschen um. Mit einer Helmkamera filmte er die Tat und übertrug sie auch live ins Internet. Das Video davon ist 17 Minuten lang.

Der Premierministerin zufolge wollte der Schütze dann auch noch anderswo morden. "Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen", sagte Ardern. Nachdem er die zweite Moschee verlassen hatte, sei er dann aber in seinem Auto von der Polizei gestoppt worden. Dort wurden auch zwei weitere Feuerwaffen und Sprengstoff sichergestellt. Nach Angaben der Polizei vergingen vom ersten Alarm bis zur Festnahme 36 Minuten. Unklar blieb, ob zwei andere Verdächtige, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit dem Australier in Kontakt standen.

Terrorist zeigtrechtsextremen Gruß vor Gericht 

Zu dem Gerichtstermin wurde der Täter in Handschellen und weißer Häftlingskleidung vorgeführt. Inhaltlich äußerte er sich neuseeländischen Medienberichten zufolge nicht. Am 5. April soll es den nächsten Gerichtstermin geben. Wie der "NZ Herald" schreibt, habe der Täter während er fotografiert wurde mit einer Hand die "White Power"-Geste.

Die Zeitung "The Australian" (Samstag) berichtete, dass der Täter schon früher merkwürdige Kommentare von sich gegeben haben habe. In einem Online-Eintrag von 2011 habe der Mann über sich geschrieben: "Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel." Im Internet kursiert auch ein 74-seitiges "Manifest" mit rechtsextremen Parolen, das von ihm stammen soll. Die Ermittler bestätigten bislang allerdings nicht, dass er tatsächlich der Urheber des Schreibens ist.

 

Mutmaßlicher Christchurch-Attentäter plädiert auf "nicht schuldig"

Drei Monate nach dem rassistisch motivierten Anschlag mit 51 Toten auf zwei Moscheen in Neuseeland hat der mutmaßliche Täter in allen Punkten auf "nicht schuldig" plädiert. Zu dem Gerichtstermin in Christchurch wurde der Australier Brenton Tarrant am Freitag per Video aus einem Hochsicherheitsgefängnis zugeschaltet. Dabei lächelte er auch kurz. Mehrere Hinterbliebene reagierten empört. Der eigentliche Prozess gegen den 29-Jährigen soll im Mai 2020 beginnen.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Rechtsextremisten 51-fachen Mord und 40-fachen Mordversuch sowie Terrorismus zur Last. Bei einer Verurteilung erwartet ihn eine lebenslange Haft. Tarrant war während der Anhörung auf einem großen Bildschirm zu sehen. Er selbst sagte nichts. Als die Verteidigung auf unschuldig plädierte, hatte er jedoch ein Lächeln auf dem Gesicht. Durch den Gerichtssaal ging daraufhin ein Raunen. Ansonsten zeigte der Australier keine Regung.

Terror-Angeklagter bis Prozessbeginn im Hochsicherheitsgefängnis

Das Gericht sitzt in Christchurch, wo sich der Anschlag Mitte März ereignet hatte. Tarrant ist seither in Neuseelands einzigem Hochsicherheitsgefängnis in Auckland untergebracht. In den vergangenen Wochen war er von Ärzten untersucht worden. Richter Cameron Mander erklärte ihn für prozessfähig. Zudem erlaubte er, dass von ihm Aufnahmen gemacht werden dürfen.

Tarrant trug Anstaltskleidung, eine Art übergroßes Hemd. An seiner Seite waren Polizeibeamte. Der Ton war während der Übertragung ausgeschaltet. Der Australier machte aber auch keine Anstalten, etwas sagen zu wollen. Die Justiz will verhindern, dass er das Verfahren als Bühne nutzt, um rechtsextremistische Ansichten zu vertreten. Tarrant wird dann im Gerichtssaal auf der Anklagebank sitzen. Der Prozess soll etwa sechs Wochen dauern.

Prozess gegen Christchurch-Terroristen beginnt erst später

Mit Überraschung reagierten einige Hinterbliebene darauf, dass sie bis zum Auftakt noch fast ein Jahr warten müssen. Zugleich äußerten sie Verständnis für die Justiz. Omar Abdel-Ghany, dessen Vater erschossen wurde, sagte: "Das ist ein Prozess, den es geben muss. Also müssen wir Geduld haben." Wenn sich Tarrant schuldig bekannt hätte, wäre es mit dem Verfahren vermutlich schneller gegangen.

Der Täter hatte große Teile der Tat mit einer Helmkamera über Facebook live ins Internet übertragen. Zuvor hatte er ein Pamphlet mit rechtsradikalen und rassistischen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt. Neuseeland hatte nach dem Anschlag Sturmgewehre und halbautomatische Waffen verboten. Facebook führte strengere Regeln für Live-Übertragungen ein.

Wurde Moschee-Mörder Brenton Tarrant auf seinen Reisen zum Rechts-Terroristen? 

Als Konsequenz aus dem Anschlag verschärft Neuseeland das Waffenrecht. "Unsere Waffengesetze werden sich ändern", kündigte Ardern noch vor der Abreise nach Christchurch an. Der Schütze hatte demnach seit November 2017 einen Waffenschein und die bei ihm gefundenen Schusswaffen teils legal erwerben können.

Balkanreisen des Mannes legen ideologische Verbindungen nach Europa nahe. Das Video zeigt auf Waffen des Täters geschriebene Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Nach Angaben der bulgarischen Justiz war der Mann 2016 und 2018 unter anderen in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien gewesen.

Brenton Tarrant: So tickt der Moschee-Mörder

In einem anderen Eintrag aus demselben Jahr heißt es demnach: "Ich dirigiere jeden Tag Fitness-Kurse mit mehr als 20 Leuten, die mich die ganze Zeit anschauen, mir Fragen stellen und 60 Minuten lang meine Bewegungen nachmachen. Und ich genieße das. Mein Selbstbewusstsein ist durch die Decke. Ich bin die stärkste Person der Stadt." Als Lieblingsbeschäftigungen habe er damals Videospiele und "Stripperinnen mieten" genannt.

Ehemalige Nachbarn in der Gemeinde Grafton beschrieben ihn demnach als jemanden aus einer "schönen Familie". Er sei ein netter junger Mann gewesen. Die Mutter war dem Zeitungsbericht zufolge Englisch-Lehrerin, der Vater nahm an Triathlon-Wettbewerben teil. Die Familie selbst wollte dem "Australian" zufolge nicht über den Mann sprechen. Die Geschäftsführerin des Fitness-Clubs, Tracey Gray, sagte: "Er war sehr professionell und zuverlässig - ein sehr guter Trainer." Jetzt sei sie "niedergeschlagen" von den Ereignissen.

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rut/loc/news.de/dpa

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