Jörg Schönbohm ist tot: CDU-Politiker stirbt mit 81 Jahren

Trauer um Jörg Schönbohm: Der ehemalige Innenminister von Brandenburg ist in der Nacht zu Freitag verstorben. Das teilte die CDU am Freitagnachmittag mit. Der CDU-Politiker wurde 81 Jahre alt.

Jörg Schönbohm war zehn Jahre lang Brandenburgs Innenminister. Bild: dpa

Jörg Schönbohm, früherer Berliner Innensenator und ehemaliger Innenminister von Brandenburg, ist tot. Der langjährige CDU-Politiker sei in der Nacht zum Freitag im Alter von 81 Jahren gestorben, teilte die Brandenburger CDU mit und bestätigte damit einen Bericht von radio B2.

Jörg Schönbohm ist tot: CDU-Politiker stirbt mit 81 Jahren an einem Herzinfarkt

Wie der Landesverband der CDU mitteilt, starb der ehemalige Innenminister Brandenburgs an einem Herzinfarkt in seinem Haus in Kleinmachnow. Schönbohm hatte schon seit längerem mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Im März 2012 erlitt er einen Schlaganfall. Zwei Jahre später musste ein Gehirntumor entfernt werden. Schönbohm war von 1999 bis 2009 brandenburgischer Innenminister, von 1998 bis 2007 war er außerdem CDU-Landesvorsitzender. Zuvor war der deutsche Politiker von 1996 bis 1998 als Innensenator Berlins und von 1991 bis 1992 fünf Monate lang als Inspekteur des Heeres tätig.

Seine Erfolge für Bundeswehr und Politik machen ihn unvergessen

Für manche blieb Jörg Schönbohm immer "der General". Auch als er schon lange in der CDU Karriere machte. Vor seinem Einstieg in die Politik hatte er eine steile Karriere beim Militär hingelegt. Umstrittene Kommentare etwa zum Werteverlust im Osten machten den Konservativen auch bundesweit bekannt. Nach Jörg Schönbohms Tod wurden seine Standhaftigkeit und seine Fairness parteiübergreifend gelobt. Der gebürtige Brandenburger mit den markanten Augenbrauen blieb sich selbst und seinen Tugenden stets treu.

Jörg Schönbohm gestorben: CDU-Politiker gehörte zu Merkel-Kritikern

In der CDU gehörte Schönbohm zu den Kritikern der Kanzlerin und früheren Parteichefin Angela Merkel. So kritisierte er Merkels Führungsstil und dass sie ihren eigenen Weg als "alternativlos" kennzeichnete. "Das Verkünden von alternativlosen Entscheidungen kann eine Partei höchstens in Not- oder Krisenfällen akzeptieren", sagte Schönbohm. Für ihn war die Aufgabe der Wehrpflicht eine unüberlegte Entscheidung.

So geriert CDU-Politiker Schönbohm in die Schlagzeilen

Bundesweit sorgte er immer wieder für Schlagzeilen. Dazu gehörte auch sein Kommentar, dass Gewaltbereitschaft und Werteverlust in Ostdeutschland maßgeblich auf die "Proletarisierung" und "Zwangskollektivierung" der Menschen durch das SED-Regime zurückzuführen seien. Auslöser war der Fund von neun toten Babys 2005 unweit von Frankfurt (Oder), die die Mutter auf dem Gewissen hatte. Selbst aus der eigenen Partei hagelte es darauf Kritik bis hin zu Rücktrittsforderungen.

Jörg Schönbohm privat: Der Brandenburger hinterlässt Ehefrau und drei Kinder

Geboren 1937 im brandenburgischen Neu Golm, kam Schönbohm noch als Kind in den Westen, wo er nach dem Abitur in Kassel in der Bundeswehr aufstieg. Er wechselte mehrfach zwischen Verteidigungsministerium und Armee und war zeitweise Kommandeur einer Panzerdivision. Verheiratet war Schönbohm seit 1959, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Die Auflösung und Integration der Nationalen Volksarmee der DDR gilt als ein Meisterstück Schönbohms nach der Wiedervereinigung. Damals war er Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost in Strausberg bei Berlin. Schönbohm war seinerzeit auch für den Abzug der russischen Streitkräfte zuständig. Im Jahr 1992 veröffentlichte er sein Buch "Zwei Armeen und ein Vaterland. Das Ende der Nationalen Volksarmee". Im gleichen Jahr wurde er Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Viele Jahre später gab es Gerüchte, dass er Verteidigungsminister werden könnte - doch er wurde es nicht.

Jörg Schönbohm war seit 1994 CDU-Mitglied

Erst 1994 trat Schönbohm in die CDU ein. 1996 wurde er für zwei Jahre Innensenator in Berlin, wo er zum Feindbild der Hausbesetzer-Szene avancierte. 1999 wechselte er in seine Heimat nach Brandenburg, wo er die zerstrittene Landes-CDU zur Geschlossenheit führte und wenig später in einer rot-schwarzen Koalition Innenminister und Vize-Regierungschef wurde. Zu seinen Erfolgen in dieser Zeit zählen eine Gemeinde- und Polizeireform. Vor allem die Polizei stärkte er.

Bis 2009 blieb Schönbohm in diesem Amt, raufte sich mit den damaligen SPD-Regierungschefs Manfred Stolpe und später Matthias Platzeck zusammen. Der Schwenk des langjährigen Koalitionspartners SPD zur Linken nach der Landtagswahl 2009 verletzte ihn tief.

Jörg Schönbohm verbrachte seinen Lebensabend abseits der Öffentlichkeit

Zur Feier seines 70. Geburtstages 2007 machten Merkel und Ex-Kanzler Helmut Kohl (beide CDU) Schönbohm ihre Aufwartung. Zehn Jahre später feierte Schönbohm mur im kleinen Kreis. Ab und zu war er weiterhin in der Öffentlichkeit zu sehen, zumindest bis 2018. Die CDU in Brandenburg würdigte ihn 2009 mit dem Ehrenvorsitz der Partei. Im gleichen Jahr sagte er selbst über seinen Posten als Innenminister: "Wer glaubt, er kann hierhin kommen und sich hinlegen, ist fehl am Platz. Hier gilt der alte Spruch: Sich regen bringt Segen."

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sba/kad/news.de/dpa

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