17.12.2018, 11.12 Uhr

Umstrittene Diskriminierung in Berlin: Kind darf nicht zur Waldorfschule – weil Vater AfD'ler ist

Einem Mitglied der Partei, die nur zu gerne ausschließt, ist nun selbst eben das passiert: Weil der Vater bei der AfD ist, wurde dessen Kind von einer Berliner Waldorfschule abgelehnt. Diese Entscheidung schlägt nun Wellen.

Die Ablehnung des Kindes eines AfD-Abgeordneten durch eine Waldorfschule in Berlin schlägt hohe Wellen. (Symbolbild) Bild: Felix Kästle / dpa

Der Entschluss einer Berliner Waldorfschule, dem Kind eines AfD-Politikers den Zugang zu der Schule zu verwehren, schlägt aktuell hohe Wellen in Berlin.

Waldorfschule in Berlin lehnt Kind ab, weil dessen Vater AfD-Abgeordneter ist

Konkret geht es um das Kind eines Berliner AfD-Abgeordneten, das laut der "Berliner Zeitung" bereits eine der Waldorfschule angeschlossene Kita besuchte. Im Normalfall bringt das Pluspunkte, wenn es um den Übergang in die Waldorfschule geht. In diesem Jahr hätte es 140 Anmeldungen auf 30 zur Verfügung stehende Plätze gegeben. Gerade die Aufnahme des Kindes des AfD-Abgeordneten sei dabei heiß diskutiert worden.

Lehrerkollegium und Eltern kommen bei Diskussion um Aufnahme des Kindes auf keinen gemeinsamen Nenner

20 Lehrer hätten den AfD-Abgeordneten und seine Frau zu deren politischen An- und Absichten befragt. Sogar eine Elternversammlung hatte die Aufnahme oder Ablehnung des Kindes zum Thema. Dabei konnte keinerlei Einigung erzielt werden. Die Schulleitung befürchtete darum, die Aufnahme könnte für dauerhaftes Konfliktpotential an der Schule sorgen. Darum beschloss man die Ablehnung des Kindes. Demnach sehe die Schule "keine Möglichkeit, das Kind mit der nötigen Unvoreingenommenheit und Unbefangenheit aufzunehmen – beides sind Grundvoraussetzungen, um die Entwicklung des Kindes angemessen zu fördern."

Liegt hier ein Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz vor?

Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) kritisierte den Beschluss scharf. Alarmierte inzwischen gar die Privatschulaufsicht. Die muss nun prüfen, ob ein Verstoß gegen Paragraf 100 des Schulgesetzes vorliegt. Demnach erfolge die Aufnahme von Schülern an Privatschulen einerseits aufgrund der Regeln, die auch für staatliche Schulen gelten. Andererseits hätten Privatschulen durchaus das Recht, Schüler aufgrund des jeweiligen Schulprofils abzulehnen. Zudem lasse Scheers prüfen, ob ein Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz vorliege.

Selbst der bildungspolitische Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg, Detlef Hardorp, sprach sich gegen die Entscheidung der Berliner Schule aus. "Menschen aller politischen Einstellungen sollten ihre Kinder auf Waldorfschulen schicken können", erklärte er.

Lesen Sie auch:Medienbericht: Thüringer Justiz hebt Immunität von AfD-Politiker Höcke auf.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

pap/loc/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser