GroKo einigt sich auf Reform: Das wird sich schon ab 2019 für Rentner ändern

Die Koalition hat sich bei den Themen Rente und Arbeitslosenversicherung endlich geeinigt. Was heißt das für die Rentnerinnen und Rentner - und für Arbeitnehmer? Wie geht es weiter?

Die GroKo einigt sich auf ein Rentenpaket. Dieses soll möglichst vielen Rentnern mehr Geld bescheren. Bild: Marijan Murat / dpa

Zuletzt gab es um die Rente vor allem Krach. Nun schaffen Union und SPD den Durchbruch für ein Paket, das sie den Bürgern versprochen haben - und sie sorgen für eine stärkere Entlastung beim Arbeitslosenbeitrag für Millionen Bürger. Die Spitzen von Union und SPD einigten sich in mehreren strittigen Punkten, wie Sozialminister Hubertus Heil (SPD) am späten Dienstagabend in Berlin mitteilte.

Das Bundeskabinett hat dann am Mittwoch das Rentenpaket von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) auf den Weg gebracht. Ab dem 1. Januar 2019 sollen alle Rentner von dem Reformpaket profitieren - vor allem aber Millionen Mütter, krankheitsbedingte Frührentner sowie Geringverdiener. Kosten in Milliardenhöhe müssen Beitrags- und Steuerzahler tragen.

Koalition einigt sich im Streitfall Rente - Was sind die Rentenziele der Koalition?

Stabilität bei der Rente,Honorierungvon Lebensleistung und Bekämpfung von Altersarmut - so der Koalitionsvertrag. Anfang 2019 soll das Rentenpaket Heils in Kraft treten: Mit der Mütterrente II, Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentner, einer Entlastung von Geringverdienern bei Sozialbeiträgen und Haltelinien beim Rentenniveau und Beitragssatz bis 2025. Die Rentenstruktur über 2025 hinaus soll eine Kommission klären. Die Gesellschaft wird älter.Auf weniger Einzahler kommen mehr Empfänger. Und diese leben im Schnitt länger.

Wer profitiert von der Mütterrente II?

Eigentlich wollte die CSU, dass erziehende Mütter (Väter müssen das gesondert mit Einverständnis der Mütter beantragen), deren Kinder vor 1992 geboren sind, pro Kind ein weiteres Erziehungsjahr und damit einen weiteren Rentenpunkt angerechnet bekommen. Die SPD war dagegen. Im Koalitionsvertrag schränkte man dann ein, dass nur Mütter, die drei und mehr Kinder vor 1992 geboren haben, in den Genuss eines weiteren Erziehungsjahres kommen. Heil schlug dann aber vor, allen Müttern mit vor 1992 geborenen Kindern einen halben Rentenpunkt zu geben. Das wäre in der Summe ungefähr so viel, wie die 3,7 Milliarden Euro für die Variante der CSU. Heil setzte sich hier gegen die CSU durch. Nun profitieren nicht drei Millionen, sondern rund sieben Millionen Mütter, wobei der Zuschlag geringer ist.

Wie profitieren jüngere und ältere Mütter von den Beschlüssen der GroKo zur Rente?

Die Gesetzeslage vor der letzten großen Koalition war die, dass Mütter (und Väter) deren Kinder nach 1992 geboren wurden, pro Kind drei Erziehungsjahre anerkannt bekommen haben. Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden nur eines. Die CSU setzte für diese Mütter in der vergangenen Legislaturperiode einen weiteren Rentenpunkt durch. Künftig bekommen alle Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, pro Kind einen halben Rentenpunkt, macht also insgesamt zweieinhalb Punkte pro Kind, während jüngere Mütter drei Punkte pro Kind anerkannt bekommen.

Wie hoch ist der halbe Rentenpunkt?

Ein Rentenpunkt im Osten liegt seit 1. Juli 2018 bei 30,69 Euro im Monat. Ein halber Rentenpunkt macht hier also rund 15,35 Euro aus. Im Westen liegt der Rentenpunkt zur Zeit bei 32,03 Euro. Ein halber Rentenpunkt West entspricht also rund 16,02 Euro im Monat.

Welche Verbesserung gibt es bei der Erwerbsminderungsrente?

Menschen, die wegen Krankheit in Frührente müssen, bezogen 2016 zu14,7 Prozent Grundsicherung, Altersrentner nur zu 2,6 Prozent. Seit Anfang 2018 soll die Zurechnungszeit bei Rentenneuzugängen schrittweise um weitere drei Jahre verlängert werden. Künftig sollen Betroffene, anders als heute, so behandelt werden, wie wenn sie bis zum aktuellen Rentenalter gearbeitet hätten.Davor wurde nur bis zum 62. Geburtstag angerechnet.

Was bringt die Stabilisierung des Rentenniveaus?

Das Rentenniveau, das Verhältnis der Rente zum Durchschnittslohn, soll bis 2025 bei 48 Prozent gesichert werden. Und der Beitrag zur Rentenversicherung soll die 20-Prozentmarke nicht überschreiten. Derzeit liegt er bei 18,6 Prozent vom Brutto. Wenn ein Absinken des Niveaus verhindert wird, dann kommt das allen Rentnern zugute - je nach ihrer Rente prozentual unterschiedlich.

Was plant die Große Koalition für Geringverdiener geplant?

Die Einkommensgrenze, ab der volle Sozialbeiträge gezahlt werden müssen, soll von 850 auf 1300 Euro steigen. Und wer Jahrzehnte gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt hat, soll nach 35 Beitragsjahren eine Grundrente zehn Prozent über der Grundsicherung erhalten.

Wie teuer könnte die Reform der Rente werden?

Für die Rentenversicherung sollen die Verbesserungen bis 2025 mit knapp 32 Milliarden Euro zu Buche schlagen, am teuersten ist die verbesserte Mütterrente. Auch soll ein milliardenschwerer Fonds geschaffen werden, damit die Beitragssatzgrenze von 20 Prozent eingehalten werden kann. Wenn die Einnahmen der Rentenkasse bei schlechterer Konjunktur wieder sinken sollten, braucht es mehr Steuergeld.

Was bringt die Absenkung der Arbeitslosenversicherung?

Seit 2011 liegt der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung bei 3 Prozent vom beitragspflichtigen Brutto. Bei einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 3156 Euro im Monat (Angaben der Rentenversicherung für 2018) würden 94,68 Euro an Arbeitslosenversicherungsbeitrag anfallen. Wird er im nächsten Jahr um 0,5 Prozent gesenkt wird, macht dies nur noch 78,9 Euro aus. Übrigens: 2006 lag der Beitragssatz noch bei 6,5 Prozent.

Was plant die Große Koalition noch für die Deutschen?

Noch im September sollen das Baukindergeld für Familien, Vorhaben für mehr bezahlbare Wohnungen sowie eine bessere Kita-Betreuung und ein Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz folgen.

Nicht alle sind mit der Reform glücklich. Lesen Sie auf der nächsten Seite, was ganz unterschiedliche Seiten daran stört. 

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