Abstimmung Sommerzeit Ergebnis: Zeitumstellung abschaffen? So geht es nach der EU-Umfrage jetzt weiter

Im Frühling eine Stunde weniger schlafen, im Herbst eine mehr: Die Diskussion über Sinn und Unsinn der Zeitumstellung entbrennt immer wieder. Bürger konnten nun in in einer EU-Umfrage über die Sommerzeit abstimmen. Inzwischen ist die Abstimmung beendet. So geht es nun weiter.

Vergangene Umfragen: Die Mehrheit der Deutschen ist für eine Abschaffung der Zeitumstellung. Bild: Sebastian Kahnert / dpa

Bei der EU-Umfrage zu einer möglichen Abschaffung der Sommerzeit sind nach Angaben der EU-Kommission mehr als 4,6 Millionen Antworten eingegangen. Dies sei im Vergleich zu anderen öffentlichen Befragungen ein Rekord, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Freitag. Das Ergebnis werde in den kommenden Wochen veröffentlicht.

Mindestens zweimal im Jahr kocht die Diskussion um die Zeitumstellung in der EU hoch. Die EU-Kommission hat nun die Europäer gefragt, was sie vom Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit halten. Nach rund sechs Wochen lief die Online-Umfrage in der Nacht zum Freitag aus. Wie könnte es jetzt weitergehen?

Sommerzeit abschaffen - Gesetzesänderung nach Abstimmung möglich

Das Europaparlament hatte die EU-Kommission im Februar aufgefordert, die entsprechende Richtlinie unter die Lupe zu nehmen. Sollte die Behörde zu dem Schluss kommen, dass die Nachteile der Zeitumstellung überwiegen, könnte sie den EU-Staaten und dem Parlament einen Vorschlag zur Gesetzesänderung unterbreiten.

Warum gab es diese EU-Umfrage zur Zeitumstellung überhaupt?

Anfang Juli schaltete die EU-Kommission die Bürgerbefragung frei. EU-Bürger konnten angeben, ob sie künftig ohne Zeitumstellung leben möchten - und wenn ja, ob sie Winter- oder Sommerzeit bevorzugen. Auf Grundlage der Ergebnisse sowie anderer Studien und Meinungen will die Brüsseler Behörde entscheiden, ob sie einen Vorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung vorlegt. Sollte die Zeitumstellung in der EU abgeschafft werden, könnte jedes Land für sich entscheiden, ob es dauerhaft die Sommer- oder Winterzeit haben will.

Was versprechen sich Gegner der Zeitumstellung von einer Abschaffung?

Sie argumentieren, dass tatsächlich keine Energie gespart wird. So schalten die Deutschen laut Umweltbundesamt zwar im Sommer wegen der Zeitumstellung abends seltener das Licht an - im Frühjahr und Herbst wird morgens allerdings mehr geheizt. Mediziner sehen zudem Risiken für die Gesundheit. Empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem Hin und Her haben - samt Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Die EU-Kommission betont indes, es lägen noch keine eindeutigen Erkenntnisse "über die Gesamtwirkung auf die Gesundheit" vor.

Kritiker führen auch wirtschaftliche Folgen, etwa für Landwirte, auf. Diese Befürchtungen dürften laut EU-Kommission dank neuer Technologie jedoch "weitgehend gegenstandslos geworden sein".

Was halten die Deutschen von der Zeitumstellung?

Nicht viel. 73 Prozent der Befragten sind einer repräsentativen Studie des Forsa-Instituts dagegen. In der Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit gab rund ein Viertel der Befragten im Frühjahr an, schon einmal gesundheitliche Probleme nach dem Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit gehabt zu haben. Die Bundesregierung hat sich zu dem Thema bislang nicht eindeutig positioniert.

Zeitumstellung 1980 in Deutschland eingeführt

Die Uhrenumstellung in heutiger Form wurde in Deutschland 1980 eingeführt - mit dem Ziel, Energie zu sparen. Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück.

Pro und Contra für Abschaffung der Sommerzeit

Der Nutzen ist umstritten. Laut Umweltbundesamt knipsen die Deutschen wegen der Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends seltener das Licht an - im Frühjahr und Herbst wird jedoch morgens mehr geheizt. Außerdem sehen Mediziner Gesundheitsrisiken. Schlafforscher warnen, empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem zeitlichen Hin und Her haben - samt Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Wie war das Echo auf die Bürger-Konsultation?

Riesig. Allein in den ersten drei Tagen wurden mehr als 500 000 Online-Fragebögen ausgefüllt; zur Hälfte der Laufzeit gab es mehr als eine Million Antworten. Es wird damit gerechnet, dass sich die Mehrheit der Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausspricht - weil Anhänger des Status quo meist weniger motiviert sind, sich freiwillig zu beteiligen. Die EU-Kommission kündigte an, am Freitag nur die Teilnehmerzahl der Umfrage zu veröffentlichen. Das Ergebnis der Abstimmung müsse erst ausgewertet werden, bevor es es präsentiert werde.

Haben die EU-Bürger in Sachen Zeitumstellung das letzte Wort?

Mitnichten. Die EU-Kommission warnt davor, der Umfrage zu viel Bedeutung beizumessen, oder sie gar als eine Art Referendum zu verstehen. Sie sei nur ein Teil der Bewertung. Sollte die Behörde unter Berücksichtigung aller Faktoren zu dem Schluss kommen, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden sollte, könnte sie allerdings einen entsprechenden Vorschlag vorlegen. Dem müssten die EU-Staaten und das Europaparlament dann noch zustimmen.

FOTOS: Sommerzeit Eselsbrücken für die Zeitumstellung

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kns/news.de/dpa

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